Meldungen aus der Universität

Eröffnung der Reihe Einwanderungsland Europa – Was geht in Lüneburg zusammen?

27.01.2017 Am 25. Januar fand die Eröffnung der Reihe „Einwanderungsland Europa- Wie begegnet Lüneburg dem Rechtspopulismus?“ statt. Die Reihe „Einwanderungsland Europa“ ist eine Initiative der Volkshochschule REGION Lüneburg und der Leuphana Universität Lüneburg und wir nun zum zweiten Mal durchgeführt. Im Foyer der Volkshochschule Lüneburg stellten sich neunzehn Initiativen und Projekte rund um das Thema Integration von Geflüchteten vor und erzählten gut sechzig Interessierten von ihrer Arbeit.

Neben der Moderation durch Sven Prien-Ribcke von der Leuphana und Gerhard Cassens von der VHS Lüneburg waren auch Universitätspräsident Sascha Spoun und Oberbürgermeister Ulrich Mägde an diesem Abend mit dabei. Die Trommlergruppe Toca Sambana und der Gitarrist Paco Hollak sorgten für die musikalische Untermalung.

„Wir müssen uns nicht mehr überzeugen. Wir müssen andere überzeugen!“

Oberbürgermeister Ulrich Mädge sprach in seinem Grußwort über die Wichtigkeit, sich mit den Rechtspopulisten auseinanderzusetzen. „Wir, die hier sind, müssen uns nicht mehr überzeugen. Wir müssen andere überzeugen!“ Jeder müsse kleinteilig in seinem Alltag für Toleranz und Akzeptanz einzutreten, indem man mit seinen Mitmenschen über das Thema Einwanderung rede und sie zu Veranstaltungen wie der heutigen mitnehme. Universitätspräsident Sascha Spoun sieht die Gefahr der Rechtspopulisten darin, dass sie „im Namen der freien Rede die Würde von Menschen verletzen.“ Der Bildungsauftrag der Universität wie auch der ganzen Gesellschaft sei es, Demokratie zu erhalten, Minderheiten zu schützen und für Würde, Freiheit und Meinungsvielfalt einzustehen. 

Gerhard Classens, Ulrich Mädge, Sascha Spoun, Sven Prien-Ribke
Samba-Percussionsgruppe Toca Sambana
Oberbürgermeister Ulrich Mägde sprach das Grußwort
Paco Hollak

Anlaufpunkte bieten und Kontakte knüpfen

Die Projekte deckten die Lebensbereiche Arbeiten, Lernen, Wohnen, Gesundheit sowie Kultur ab. Lüneburg bietet eine Vielfalt von Anlaufstellen und Engagements in Lüneburg an, von Sport, über Kochgruppen, Theater, Ausbildungsworks-Shops und dem Brückenstudium bis hin zu gemeinsamem Wohnen von Geflüchteten und Studierenden.

Suzanne Elmahalawi vom Migrantenelternnetzwerk für Hansestadt und Landkreis Lüneburg erzählte von den Veranstaltungen ihrer Initiative für geflüchtete Eltern mit ihren Kindern. Suzanne Elmahalawi kam vor drei Jahren aus Ägypten und wurde durch eine solche Veranstaltung auf den Verein aufmerksam. Jede und jeder, der möchte, kann sich engagieren. Das Netzwerk bietet beispielsweise „Sprachcamp-Ferien“ im Sommer an, bei dem eine Woche lang Geflüchtete mit ihren Kindern jeden Tag in der VHS sowohl spielerisch als auch informell und mit einem Schwerpunkt auf Spracherwerb Informationen über deutsche Eigenheiten wie das Schulsystem und Ausbildungsmöglichkeiten bekommen. Ebenfalls auf dem Programm stehen Besuche ins Museum, Badeseen und Tanzstunden. Die Veranstaltungen finden oft in gut vernetzter Kooperationen mit der Ausländerbehörde, dem Schulamt oder der Berufsschule statt, sodass möglichst viele Leute erreicht werden können. Die Themen orientieren sich dabei stets an Vorschlägen durch die zu Besuch kommenden Eltern, sodass die Angebote stets auf die akuten Bedürfnisse der Eltern und ihre Kinder abgestimmt sind.

Suzanne Elmahalawi vom Elternnetzwerk
Fragen und Antworten an den Ständen der Initiativen und Projekte
Migrantenelternnetzwerk
Katja Meier und Sabine Bahnsen stellten das TheaterSpielMobil vor

Das TheaterSpielMobil stellte sich an diesem Abend mit Katja Meier und Sabine Bahnsen vor. Das Projekt des Theater Lüneburgs zieht alle zwei Monate zwischen verschiedenen Gemeinden und Unterkünften umher, um dann jede Woche eine Stunde lang mit Theaterpädagogen und Künstlern des Theaters deutschen und geflüchteten Kindern einen Ort der Begegnung zu ermöglichen. Die Kinder können mit Verkleidungen und Requisiten des Theaters spielen und werden durch die Pädagogen betreut, sodass sie die Zeit auch ohne ihre Eltern verbringen können. Das Team spricht dabei immer zentral mit lokalen Sozialraumträgern, damit alle dortigen Kinder auf das TheaterSpielMobil aufmerksam gemacht werden können.

Die Psychiatrische Klinik Lüneburg stellte sich unter dem Thema „Psychisch krank in der Fremde“ vor. Unter den Geflüchteten seien zahlreiche Menschen mit psychischen Beschwerden, sei es durch Traumatisierungen im Heimatland, das beklemmende Gefühl der Unsicherheit, ob sie in Deutschland bleiben dürfen oder die Angst vor einer Abschiebung. Frau Dr. Zornig und Frau Dr. Meyn sind Psychotherapeutinnen, die mit den Geflüchteten arbeiten. Sie erzählen, dass für die Geflüchteten oft der Weg nach Deutschland als noch schlimmer empfunden wird als die Situation im Herkunftsland, was viele stark mitnimmt. Große Herausforderungen seien dabei die unterschiedlichen kulturellen Hintergründe, die die Art der Beschreibung und das Erleben der Probleme beeinflussen. Es sei stets ein Dolmetscher anwesend, jedoch sind wörtliche Übersetzungen nicht immer der verständlichste Weg. Daher arbeiten die beiden eher mit Bildern und Gefühlen als mit festen Begriffen wie Depression oder Angststörung. Ein Problem ist auch die Finanzierung, da für jede einzelne Sitzung ein Antrag bei der Gemeinde gestellt werden muss, ob die Kosten für die Sitzung übernommen werden. Normal krankenversichert sind die meisten Geflüchteten nicht.

Frau Dr. Zornig stellte mit Frau Dr. Meyn vor, wie die Psychiatrische Klinik Lüneburg Geflüchteten begegnet.
Psychisch krank in der Fremde


Redaktion: Julia Graßhoff, Universitätskommunikation. Neuigkeiten aus der Universität und rund um Forschung, Lehre und Studium können an news@leuphana.de geschickt werden.