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Gegen das Vergessen: Verleihung des Hosenfeld-Szpilman-Preises 2017

30.01.2017 Am 27. Januar 2017 verlieh die Leuphana Universität Lüneburg mit Unterstützung der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung, Zukunft“ den Hosenfeld-Szpilman-Preis. Dieses Jahr gibt es zwei Preisträger: die Neue Jüdische Kammerphilharmonie sowie Miriam Schulz von der Columbia University. Mit der Verleihung des Hosenfeld-Szpilman-Preises hebt die Leuphana die Wichtigkeit ethischen Widerstandshandelns öffentlich hervor und gedenkt der Freundschaft zwischen dem Wehrmachtsoffizier Wilm Hosenfeld und jüdischen Komponisten Wladyslaw Szpilman.

Der Hosenfeld-Szpilman-Preis ging dieses Jahr an Miriam Schulz (Mitte) und die Neue Jüdische Kammerphilharmonie (außen: Dr. Claus Dieter Heinze, Michael Hurshell)

In seiner Ansprache hob der Programmbereichsleiter der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung, Zukunft“, Dr. Ralf Possekel hervor, dass es eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein müsste, am 27. Januar den Opfern des Nationalsozialismus zu gedenken, es aber dennoch nicht sei. Erinnern sei nicht selbstverständlich, vielmehr fühlen sich immer wieder Menschen von der Erinnerungskultur gestört, weil sie ihren Vorurteilen zuwiderlaufe. Der Juryvorsitzende Prof. Dr. Christoph Jamme rief in seiner Einführung noch einmal in Erinnerung, dass es, angelehnt an das Konzept des Mitgefühls bei Emmanuel Levinas, bei dem Preis darum gehe, Retter und Geretteten gleichermaßen zu ehren.

Prof. Dr. Christoph Jamme sagte, dass es bei dem Preis darum gehe, Retter und Geretteten gleichermaßen zu ehren.

Universitätspräsident Prof. (HSG) Dr. Sascha Spoun sprach in seiner Rede über Nächstenliebe, an denen es den meisten Deutschen gefehlt habe, als ihre Nächsten, Juden aus der Nachbarschaft, denunziert, deportiert und ermordet wurden. Doch das eigentlich religiöse Gebot der Nächstenliebe sei in der heutigen säkularisierten Welt ohne Begründungsfundament; es lasse sich dafür nicht argumentieren. Dieses Dilemma sei eine wichtige Herausforderung für Wissenschaft und Gesellschaft, gerade weil Auschwitz, Buchenwald und Bergen-Belsen die Dringlichkeit von Nächstenliebe zeigen.


Dr. Halina Szpilman erinnerte an die vielversprechende Karriere ihres Mannes Wladislaw Szpilman als Pianist, Komponist und Schriftsteller, die durch die Verfolgung der Juden in Polen ein jähes Ende fand.

In ihrem Geleitwort berichtete Dr. Halina Szpilman von der vielversprechenden Karriere ihres Mannes Wladislaw Szpilman als Pianist, Komponist und Schriftsteller, die durch die Verfolgung der Juden in Polen ein jähes Ende fand.

Dr. Jorinde Krejci, die Tochter von Wilm Hosenfeld, las anknüpfend daran Passagen aus dem Buch „Das wunderbare Überleben“ von Wladislaw Szpilman.

In seiner Laudatio für Miriam Schulz hob Dr. Joachim Tauber, Direktor des Nordost-Instituts, die historische Bedeutung der prämierten Untersuchung der Doktorandin der Jiddistik an der Columbia University, New York, hervor. Durch Miriam Schulz’ Arbeit wurden die auf jiddisch verfassten Akten des Wilnaer Komitees, dass die Vertreibung der Juden aus Warschau dokumentierte, zum ersten Mal editiert und übersetzt, wodurch sie für weitere historische Studien verfügbar werden. Sie identifizierte die Mitglieder des Komitees und zeigte auf, dass diese Form des ethischen Widerstands durchaus im Zusammenhang zu sehen ist mit den journalistischen Dokumentationen durch Juden nach Kriegsende.

Präsident Sascha Spoun würdigte in seiner Laudatio den Verdienst der Neuen Jüdischen Kammerphilharmonie, dass wichtige Teile der europäischen Musikkultur vor dem Vergessen bewahrt werden. Werke von Komponisten jüdischer Herkunft, die in den Jahren 1933 bis 1945 verfemt, verfolgt, vertrieben oder ermordet wurden, würden durch ihre Arbeit wiederentdeckt und in Schülergesprächskonzerten jungen Menschen nahe gebracht.  Die Neue Jüdische Kammerphilharmonie vereine so auf beispielgebende Weise Kulturvermittlung, historische Verantwortung und pädagogischen Mut.

Angesichts dieser zwei von der Jury ausgewählten Projekte hatte ein anonymer Spender das Preisgeld auf 10.000 Euro aufgestockt. Miriam Schulz und Dr. Claus Dieter Heinze sowie Michael Hurshell für die Neue Jüdische Kammerphilharmonie dankten für die Auszeichnung und verstanden sie als Ermutigung, sich weiterhin gegen das Vergessen zu engagieren.


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Autor: Sebastian Weiner, Redaktion: Dörte Krahn, Universitätskommunikation. Neuigkeiten aus der Universität und rund um Forschung, Lehre und Studium können an news@leuphana.de geschickt werden.