Meldungen aus der Universität

Festlicher Auftakt zur Eröffnung des Zentralgebäudes

12.03.2017 Am 11. März 2017 war es soweit: Der festliche Auftakt zur Eröffnung des neuen Zentralgebäudes. Über 800 Gäste versammelten sich im Auditorium, um am Auftakt teilzunehmen. Die Veranstaltung, mit Reden von unter anderem Universitätspräsident Prof. Dr. Sascha Spoun, Architekt Daniel Libeskind und dem niedersächsischen Ministerpräsident Stephan Weil, wurde künstlerisch vom Ensemble Flex, den Tänzerinnen Rhea Gubler und Maria Gabriela Luque sowie den Sängerinnen Dorothea Müller und Robin Davis begleitet. Der Festakt begann mit poetischen Impulsen von Studierenden zu den Themen Wahrnehmung, Kunst und Wissenschaft, Freiheit und Wahrheit.

Daniel Libeskind und Holm Keller. Im Hintergrund ein von den Studierenden entworfenes Modell.

„Architecture is about a cultural medium“, zitierte Sascha Spoun zur Begrüßung Daniel Libeskind. 2006 wurde unter der Leitung von Universitätspräsident Sascha Spoun und dem damaligen Vizepräsidenten Holm Keller mit der Planung eines neuen Zentralgebäudes für die Universität begonnen. Im Januar 2017 wurde die Inbetriebnahme des Gebäudes von der Bauaufsicht genehmigt und der Termin für die Eröffnung endgültig festgelegt. Mit dem neuen Zentralgebäude ist es nun möglich, die Universitätsstandorte Volgershall und Rotes Feld am Campus Scharnhorststraße zu integrieren und damit nicht nur den Studierenden, sondern auch den Lehrenden einen einfacheren Austausch untereinander zu ermöglichen. Mit dem von Architekt Daniel Libeskind entworfenen Gebäude werde ein architektonisches Zeichen gesetzt, das den Erwartungen an eine Modelluniversität wie der Leuphana gerecht werde, erklärte Sascha Spoun.

Stephan Weil: Die Eröffnung ist eine Zäsur in der Geschichte der Leuphana

Ministerpräsident Stephan Weil zog in seiner Rede Parallelen zur kürzlich eröffneten Elbphilharmonie. Beide Bauwerke zeichneten sich durch eine auffallende, stilgebende Ästhetik aus. Außerdem hätten beide einen besonderen Nutzen – bei der Elbphilharmonie sei dies die Musik und die Kultur, beim neuen Zentralgebäude die Wissenschaft. Das Zentralgebäude zeige darüber hinaus, dass es sich lohne, in die Wissenschaft zu investieren.

Niedersächsischer Ministerpräsident Stephan Weil

 „Die Eröffnung stellt eine Zäsur, ein neues Kapitel in der Geschichte der Leuphana dar. Dieses Gebäude ist eine Begegnungsstätte zwischen Lehrenden und Lernenden und ist Mittelpunkt einer aufstrebenden Universität“, führte Weil aus. Die Leuphana sei als Hochschule noch vergleichsweise jung, habe aber trotz ihrer kurzen Geschichte bereits einen bemerkenswerten Ruf. Sie animiere zum Querdenken - besonders in Zeiten der Verschulung der Lehre brauche man solche Hochschulen. „Die Leuphana hat mit Themen wie Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Bildung die richtigen Schwerpunkte gesetzt – klug und interdisziplinär“, betonte Weil, „Sie können stolz darauf sein.“ Weiterhin sei die Universität ein herausragendes Beispiel für die Nutzung ehemaliger Militärgebäude. Er wünsche sich, dass sich Anwesende von der Architektur und der Atmosphäre des Neubaus inspirieren ließen.

Stimmen zum Zentralgebäude

Gabriele Heinen-Kljajić: Ein Zeichen für eine offene, tolerante Gesellschaft

Gabriele Heinen-Kljajić, niedersächsische Ministerin für Wissenschaft und Kultur

„Das Zentralgebäude ist ein Beispiel für die ästhetische Baukultur des 21. Jahrhunderts“, erklärte die niedersächsische Ministerin für Wissenschaft und Kultur, Dr. Gabriele Heinen-Kljajić. Die Architektur des Gebäudes spiegele wider, was die Universität ausmache – das Neu- und Querdenken. Die Kombination der großen Idee der Nachhaltigkeit, dem „big thinking“, mit der Bezugnahme zur Region Lüneburg, dem dortigen Wissenstransfer, mache den Erfolg der Universität aus. „Die Leuphana ist ein Markenbild, das sich national und international etabliert hat“, ist Heinen-Kljajić überzeugt.

Das Zentralgebäude sei ein neuer Punkt für Transfer und Innovation. „Außerdem ist das neue Gebäude kein wissenschaftlicher Zweckbau", sagte die Ministerin, „dadurch, dass es auf dem Gelände einer ehemaligen NS-Kaserne erbaut wurde, ist es ein Zeichen für eine offene, tolerante Gesellschaft – was in Zeiten des Wiedererstarken des Nationalismus in Europa und auch in den USA umso wichtiger ist.“

Ulf Wuggenig: Forschungsbericht zur NS-Vergangenheit

Dr. des. Marina Gerber und Prof. Dr. Ulf Wuggenig, Dekan der Fakultät Kulturwissenschaften, erläuterten die historische Bedeutung des Standortes. Methodisch stützt sich der dazu erstellte Forschungsbericht auf eine Big Data Analyse von Presseberichten und auf militärische Daten, erklärte Wuggenig, der zurzeit die Ausstellung „Hinterbühne I“ zur NS-Vergangenheit des Campus kuratiert. 

Dekan Prof. Dr. Ulf Wuggenig und Dr. des. Marina Gerber

„Der Bau ist ein schwarzer Schwan, der sich seiner Nazi-Umgebung nicht anpasst“, pointierte Wuggenig. In seiner Forschung konnte er aufzeigen, dass die im Zweiten Weltkrieg in Lüneburg stationierte Infanterie-Division 110 an Kriegsverbrechen in Weißrussland beteiligt gewesen ist, insbesondere im Zusammenhang mit dem Konzentrationslager in Osaritschi. In den Lüneburger Kasernen stationierte Einheiten bombardierten unter anderem Libeskinds Geburtsstadt Lodz. Gerber ergänzte, dass das neue Gebäude auch ein Symbol dafür ist, dass diese Verbrechen dauerhaft in unserer Erinnerung blieben. 

Holm Keller und Daniel Libeskind: Architekt und Studierende entwickelten das Gebäude zusammen

„Miracles also happen in Lower-Saxony“, freute sich Holm Keller, der anschließend zusammen mit Daniel Libeskind den Entstehungsprozess des Neubaus darlegte. „This new building knows about the past, but is looking towards the future“, erklärte der ehemalige Vizepräsident. Das neue Zentralgebäude zeichne sich durch die Beteiligung von Studierenden aus, die in 14 Seminaren zusammen mit Daniel Libeskind über das neue Gebäude nachgedacht, Ideen ent- und wieder verworfen und geplant hätten – das erste Mal 2006 bei einem Workshop in New York. „No one has ever built something likes this with creatives who are not architects“, führte Libeskind aus. Das fertige Gebäude sei nicht vollständig seine Idee. „Most people think they can’t build a building, but those students did it.“
Keller und Libeskind waren sich einig, dass Bildung eine wichtige Investition sei. Viele Menschen würden Geld für Waffen, Autos oder Luxusgüter ausgeben, scheuten sich jedoch davor, in Bildung zu investieren, ist Libeskind überzeugt. „The public of the 21st century is not aware of knowledge and education being the most important investment.“ Die Idee des Wissens sei es, die Welt zu einer besseren zu machen – doch es könnten keine Ideen entwickelt werden, wenn man nur in der Vergangenheit lebte. „And this building proves that there is a fantastic future“, fasste Libeskind zusammen. Keller verwies auf die herausragende Zusammenarbeit von EU, dem Land Niedersachsen sowie der Stadt und der Region Lüneburg, um das Projekt zu verwirklichen. Die Idee, mit dem Raum der Stille einen Raum für religiöse Zusammenkünfte in das Gebäude zu integrieren, sei von Studierenden entwickelt worden – über die verschiedenen Workshops hinweg hätten Studierende verschiedener Religionszugehörigkeiten mitgewirkt. Der Raum der Stille verbinde Menschen zudem in einer hektischen Welt, erklärte Libeskind. 

Die Entstehung im Zeitraffer

AStA: „Wir müssen Hierarchien herausfordern und Tatsachen hinterfragen“

„Damit die Hochschuldemokratie nicht in Schieflage gerät und bleibt, muss jeder die eigene Stimme verstärken. Außerdem sollten alle Gremien in alle Entscheidungen mit einbezogen werden“, forderte Susanna Dedring, Sprecherin des AStA. „Der Bologna-Prozess hat zu einem Wettkampf zwischen den Hochschulen um Fördermittel und Professor_innen geführt, der dem eigentlichen Ziel – der Bildung – im Wege steht“, ergänzte AstA-Sprecher Benjamin Christodoulou. Sie forderten dazu auf, kritisch zu bleiben: „Wir müssen mutig sein – um Hierarchien herauszufordern und Tatsachen zu hinterfragen. Wir müssen eine kritische Bildung aufbauen und die Wissenschaft vorantreiben.“ 

Volker Meyer-Guckel: „Die Leuphana schwimmt gegen den Strom“

Der Vorsitzende des Stiftungsrates, Dr. Volker Meyer-Guckel, verwies auf die Anfänge der Universität. Nach der Gründung 1989 fand 2005 die Fusion mit der Fachhochschule statt – infolge dessen entschied man sich 2006 für eine Neuausrichtung der Universität, für die es in Deutschland kein Beispiel gegeben hätte. 

Vorsitzender des Stiftungsrates Volker Meyer-Guckel

„Die Leuphana hat jede Chance genutzt, ihre Bildungs- und Wissenschaftsidee auf ein stabiles Fundament zu stellen. In nur elf Jahren hat es die Universität geschafft, eine Tradition zu schaffen – die der Innovation“, sagte Meyer-Guckel. Die Leuphana schwimme dabei gegen den Strom, setze den Fokus nicht auf eine hohe Zahl von Studierenden und damit möglichst viele Abschlüsse, was sich bereits im besonderen Auswahlverfahren der Leuphana zeige. Die Universität versuche, inter- und transdisziplinär Lösungen für Probleme der Zivilgesellschaft zu finden. „Die Leuphana sucht Neues und geht Wagnisse ein – und daher ist das neue Gebäude richtig und wichtig für die Universität.“ Das neue Zentralgebäude ist über die Funktion des Uni-Baus hinaus ein neuer kultureller Mittelpunkt für Stadt und Region. 

Achatz von Müller: Ästhetik und Geschichte

Leiter des College Prof. Dr. Achatz von Müller

Der Leiter des College Prof. Dr. Achatz von Müller verwies in seinem Grußwort auf den Ursprung der Universitäten im Mittelalter, die bewusst unabhängig von den Kirchen gegründet wurden und sich schließlich neben Kirche und Staat als dritte relevante Instanz etablieren konnten. Auch die Ästhetik spiele eine wichtige Rolle: als Teil der universitären Kultur und ihrer Verankerung in der Gesellschaft und als Unterstreichung der konstitutiven Autonomie der Universität.

Ulrich Mädge: Aus einer Garnisonsstadt eine Universitätsstadt machen

Ulrich Mädge, der Oberbürgermeister Lüneburgs, erinnerte sich an den Moment von vor zehn Jahren, als Libeskind, Spoun und Keller ihm die Idee für ein neues Zentralgebäude vorstellten: „Entgegen meinem sonstigen Naturell war ich - begeistert“, sagte er trocken und fügte hinzu: „Ich war begeistert von der Idee des Zentralgebäudes - die Vision war gut und architektonisch und für die Stadtentwicklung wichtig.“ Kritische junge Menschen seien entscheidend, um Dialog und Fortschritt voranzutreiben. „Aus einer Garnisonsstadt eine Universitätsstadt zu machen, ist eine große Leistung“, lobte Mädge die gemeinsame Anstrengung.

Oberbürgermeister Ulrich Mädge

Claus-Peter Langlotz: 30.000 Überstunden

Claus-Peter Langlotz, Vorstandsmitglied des Förderkreises Leuphana e.V.

Claus-Peter Langlotz vom Förderkreis hob die Bedeutung von Hochschulpräsident Sascha Spoun für die Verwirklichung des Projektes hervor. Dieser habe als „general manager“ agiert und viele Überstunden - 30.000, wie Langlotz augenzwinkernd vorrechnete - in Kauf genommen. 

Sascha Spoun: Den Mut haben, hinzusehen

In seiner Festrede erklärte Sascha Spoun, das neue Zentralgebäude erzeuge kein reines Wohlge- oder Missfallen beim Betrachter – doch das müsse es auch gar nicht. Beim Ansehen des Gebäudes sei eine ständige Neuorientierung des Betrachters notwendig. Und das sei gut – denn für die Leuphana wäre es fahrlässig gewesen, auf Gewöhnliches zurückzugreifen. Die Architektur habe Einfluss auf das Forschen und Lernen in der Universität. „Was irritiert oder provoziert, regt zum Dialog an – auch außerhalb von Seminaren und Vorlesungen“, ist Spoun überzeugt. Das Gebäude solle denjenigen, denen die Zukunft gehört, zu neuen Ideen verhelfen und sei ein Zeichen für die Investition in Bildung. „Ich fordere Sie daher nicht nur auf: sapere aude – habt den Mut, Euch Eures eigenen Verstandes zu bedienen–, sondern auch: videre aude – habt den Mut, hinzusehen, sich irritieren zu lassen – und agere aude – habt den Mut, zu handeln, die Zukunft zu gestalten“, schloss Spoun.

Präsident Sascha Spoun

Impressionen aus dem Auftakt


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Autor_in: Morgaine Struve, Martin Gierczak, Universitätskommunikation. Neuigkeiten aus der Universität und rund um Forschung, Lehre und Studium können an news@leuphana.de geschickt werden.