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„Füllen Sie den Ort mit Leben!“ Auftakt-Event für Studierende

13.04.2017 „Wie komme ich von hier aus in den 5. Stock?“ „Wir sind uns doch gerade erst begegnet!“ „Das hätte ich jetzt nicht erwartet!“ Der erste Rundgang durch den neuen Libeskindbau war für die Studierenden der Leuphana eine ungewöhnliche und spannende Besichtigung. Unvorbereitet waren sie nicht: Nur wenige Minuten zuvor gab der ausführende Architekt den zentralen Hinweis: „Erwarten Sie nicht, dass sich Ihnen das Gebäude schnell erschließt, setzen Sie auf das eigene Erleben.“

Sie sind die Hauptakteure_innen, deshalb sollten sie auch gleich nach Ende der vorlesungsfreien Zeit die Libeskind-Luft schnuppern und die neuen Räume erobern. Mehr als 600 Studierende kamen am vergangenen Mittwoch zur Auftakt-Veranstaltung in das Zentralgebäude auf dem Campusgelände. Sie waren neugierig, skeptisch oder freudig – auf jeden Fall interessiert an moderner Architektur und ungewöhnlichen Formen. „Jetzt fehlen nur noch die Menschen im Gebäude“, drängte Alexander, der in Lüneburg Business Development studiert.

Alexander
Venance und Fenja

Verantwortung gegenüber der Vergangenheit

Als die Planungen des Zentralgebäudes vor zehn Jahren begannen, machten sich damalige Studierende gemeinsam mit Prof. Dr. Ulf Wuggenig, Dekan der Fakultät Kulturwissenschaften, auf den Weg nach New York. Dort erarbeiteten sie gemeinsam mit Daniel Libeskind einen kühnen Plan: Die Universität sollte ein neues Zentralgebäude bekommen. Ein Gebäude, das sich auch mit der Geschichte des Ortes auseinandersetzt. Das Ziel: eine Intervention in den strengen Kasernenkomplex, der von den Nationalsozialisten 1935/36 erbaut wurde. 

Allerdings: „Das Gebäude allein als Kontrapunkt zur rigiden, rechtwinkligen Ordnung der umgebenden Kasernenarchitektur zu sehen, das wäre zu einfach“, betonte Matthias Reese vom Berliner Architekturbüro rw+ in der Auftaktveranstaltung. Er ist für die Realisierung des Libeskind-Entwurfes verantwortlich und weiß: Es ging auch um die Ansprüche Nachhaltigkeit und Flexibilität, und damit um das Ziel, ein zukunftsfähiges Gebäude zu schaffen. Die Aufgabe der Studierenden dabei: „Füllen Sie den Ort mit Leben!“

Ort der Begegnung und der Überraschungen

Dass der Libeskindbau in Richtung Zukunft blickt, das eröffnet schon die ungewöhnliche Außenansicht. „Ich mag diesen Anblick, vor allem im Licht spiegelt sich die Fassade so schön“, hat Wirtschaftsinformatik-Student Venance beobachtet. Auch wenn die Räume im Gebäude nicht seinen Geschmack treffen, so ist er insgesamt vom Bauwerk überzeugt: „Ich fand schon immer die Idee, dieses Gebäude zu errichten, richtig. Auch, um ein Zeichen zu setzen.“ Vorbehalte bezüglich der Architektur hatte hingegen Max, er studiert Management und Marketing. Jetzt aber, wo er das Gebäude besichtigt hat, sieht er es ganz anders:

Max
Kaja (links) und Rabea

Rabea studiert Berufsschullehramt für Sozialpädagogik und war ebenfalls neugierig auf den Neubau. Dass er sich derzeit noch ohne Möbel und Inneinrichtung präsentiert, findet sie inspirierend. So könne man eigenen Vorstellungen nachgehen. Ein bestimmter Ort hat sie aber besonders interessiert: 

Den Ausblick genoss auch ihre Freundin Kaja (International Business), sie war jedoch vor allem von den Schrägen und unterschiedlichen Deckenhöhen in dem Gebäude überrascht. „Das Ungleichmäßige lässt auch noch mal einen anderen Gedankenspielraum zu, so dass man in andere Richtungen gelenkt wird“, sagte sie.

Der erste Eindruck der Studierenden im Video:

Mut zu neuen Wegen

Neue Richtungen verlangen Neuorientierung. Das verdeutlicht auch das neue Zentralgebäude: Wege erschließen sich nicht sofort, von A nach B geht es selten direkt, kein Seminarraum gleicht dem anderen. Für die Studierenden war die Begehung am Mittwoch deshalb oft verwirrend. Doch wer sich auf die Entdeckungstour einließ, kam schließlich auch zum Ziel. So ist es auch in der Wissenschaft, verglich der Präsident der Leuphana Prof. Dr. Sascha Spoun. Sie fordere eine beständige Neuorientierung und das Aufgeben von Gewohnheiten. Inspirieren lassen können sich die Studierenden in den oberen Etagen, lud Spoun ein:

Der Libeskindbau als Anziehungspunkt

Um die Lehre an der Leuphana Universität weiter zu verbessern, bedarf es auch engagierter Professoren, sagte Spoun in seiner Rede außerdem. Sie könnten die neuesten Forschungsergebnisse in die Lehre einfließen lassen, ihre Kontakte nutzen, um die Studierenden zu vernetzen. „Doch diese Professoren sind heiß umworben“, erklärte der Universitätspräsident. „Wir brauchen deshalb gute Argumente, warum sie in die Provinz nach Lüneburg und nicht nach Berlin oder Hamburg gehen sollten.“ Genau dafür müsse man ein inspirierendes Umfeld bieten. „Das Wichtigste dabei sind Sie. Aber eben auch ein attraktiver Campus“, ergänzte er. 
Gegen Ende seiner Rede richtete Spoun eine Bitte an die Studierenden: „Machen Sie das Gebäude zu Ihrem Gebäude – mit der entsprechenden Sorg- und Achtsamkeit.“ Spätestens wenn der universitäre Regelbetrieb in dem Gebäude ab dem Wintersemester anlaufen wird, werden die Studierenden dieser Bitte mit Sicherheit gerne nachkommen. Und der Universitätspräsident freut sich jetzt schon: „Es wird immer etwas los sein!“


Autorin: Urte Modlich, Redaktion: Morgaine Struve, Universitätskommunikation. Neuigkeiten aus der Universität und rund um Forschung, Lehre und Studium können an news@leuphana.de geschickt werden.