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10 Minuten, die den Unterschied machen: Geschlechterforschung kurz und prägnant

02.05.2017 Gleichstellung in der Schule, Homosexuelle in Filmen und Frauen in der Politik: Die Kurzvortragsreihe „10 Minuten - die den Unterschied machen“ behandelt immer mittwochs um 12 Uhr in Hörsaal 4 Themen rund um die Gender- und Diversitätsforschung. Nach dem Start im vergangenen Wintersemester geht die Reihe nun mit großer Resonanz in die zweite Runde. Karin Fischer, Koordinatorin des Netzwerks Geschlechter- und Diversitätsforschung, organisiert das Pausenformat und gibt im Interview Einblicke in die Vortragsreihe.

Frau Fischer, bitte entschuldigen Sie die etwas provokante Frage: Aber wozu müssen wir heute eigentlich noch das Thema „Gleichberechtigung“ thematisieren?

Wir thematisieren nicht unbedingt Gleichberechtigung, wir sprechen vielmehr von Gender,  dem sozialen Geschlecht und von Diversität. In dem Vortrag von Frau Professorin Süßenbach haben wir beispielsweise gehört, wie Kinder im Sportunterricht unreflektiert in Rollenbilder hineinwachsen, die überholt sind. Einfach gesagt: Mädchen tanzen und Jungen spielen Fußball. Wir hätten gern, dass bereits in der Lehramtsausbildung auf gendergerechtes Unterrichten geachtet würde. Dann würden die überholten Rollenbilder nicht weiter reproduziert werden. Studien zeigen, dass das immer noch passiert und die Menschen wieder in die Zweigeschlechtlichkeit verfallen. In der Genderforschung ist das Postulat der zwei Geschlechter aber längst überholt. Es gibt mehr als zwei Geschlechter.

Können Sie dazu ein Beispiel nennen?

Im vergangenen Semester haben wir in den „10 Minuten“ auch über LGBTQIA-Themen gesprochen. Meist sind sie nicht sehr sichtbar, wie beispielweise Homosexualität im Film. In der Regel sterben nämlich lesbische oder schwule Figuren, bringen sich also um oder werden getötet. Damit wird ein Rollenbild, das nicht der Norm entspricht als langfristig nicht lebensfähig dargestellt. Gerade über Bilder, Filme und das Internet wird viel an Werten vermittelt. Diese zu hinterfragen und auf die Auswirkungen dieser Botschaften hinzuweisen, dazu trägt das Netzwerk bei. Wir möchten immer wieder auf Fallstricke hinweisen und helfen, diese zu umgehen.

Ihnen gehen also die Themen für die „10 Minuten - die den Unterschied machen“ nicht aus?

Nein, allein schon, weil wir im Netzwerk Forscher_innen  aus sehr vielen unterschiedlichen Fakultäten und  Forschungsrichtungen haben. Zudem sind über 80 Mitglieder im Netzwerk, die zu unterschiedlichsten Themen arbeiten. Viele sind an der Leuphana tätig, andere waren hier. Es sind Professor_innen, Wissenschaftler_innen und Student_innen Mitglieder. Auch eine Bachelor-Absolventin hält in diesem Semester einen Vortrag.

Sie behandeln auch viele politische Themen wie Female Labor. Was meint der Begriff?

Er beschreibt die Rolle der Frau während der Demokratisierungsbewegung in den vergangenen Jahren vom arabischen Frühling bis zum Aufstand in der Türkei 2015. Ben Trott hat in seinem Vortrag gezeigt, wie Frauen in dieser Bewegung politisch aktiv geworden sind und zur Demokratisierung beigetragen haben. Hierdurch ist die politische Arbeit von Frauen in diesen Ländern sichtbar geworden. 

Gehen wir noch einmal zurück zur Schule. Wer glauben Sie, ist dort stärker benachteiligt: Mädchen oder Jungen? 

Das kann ich nicht pauschal beantworten. Benachteiligt ist auch ein hartes Wort. Gerade in der Grundschule, wo die Klassenlehrer_innen fast alle Fächer unterrichten, sollten die Lehrkräfte auf eine gute didaktisch-methodische Mischung für Mädchen und Jungen achten. In den Naturwissenschaften erreicht anwendungsbezogener Unterricht eher die Mädchen, beim Lesen und Schreiben müssen dagegen für Jungen eher andere Methoden gefunden werden. Da sollten die Lehrer_innen dann die geschlechtersensibel unterrichten. Schließlich wollen wir weg von der starken Dichotomisierung, also der Einteilung in Mädchen und Jungen. Wenn  bereits in der Lehrerausbildung Genderkompetenz vermittelt wird, dann kommen wir einen großen Schritt weiter.

Warum passen das „10 Minuten“-Format und die Gender- und Diversitätsforschung sehr gut zusammen?

Dieses Format ist sehr charmant – für Vortragende und Zuhörende. Alle, die Lust drauf haben, können sich einen zehnminütigen Impuls abholen und dann weiter darüber nachdenken oder ihn selbst nach außen tragen. Wir möchten mit den „10 Minuten – die den Unterschied machen“ aber auch das Netzwerk Geschlechter- und Diversitätsforschung bekannter machen und die Forschungsergebnisse sichtbarer. Außerdem können wir mit dem Format einer breiten Öffentlichkeit zeigen, wo noch Handlungsbedarf besteht. 

Vielen Dank für das Gespräch!


Kontakt

Karin Fischer, M.A.
Universitätsallee 1, C10.001
21335 Lüneburg
Fon +49.4131.677-1806
karin.fischer@leuphana.de


Autorin: Marietta Hülsmann, Redaktion: Morgaine Struve, Universitätskommunikation. Neuigkeiten aus der Universität und rund um Forschung, Lehre und Studium können an news@leuphana.de geschickt werden.