Meldungen aus der Universität

Zukunftstag: Käfer, Roboter und eine bessere Schule

04.05.2017 „Guck mal, Greta, ich habe einen Mistkäfer“, ruft die 11-jährige Lucie. Sie schaut sich das schwarz-glänzende Tier unter dem Stereomikroskop genau an. „Das hat aber komische Beine und so viele Haare am Bauch“, stellt sie fest. Die Schülerin gehört zu den rund 40 Mädchen und Jungen, die anlässlich des Zukunftstags zur Leuphana Universität Lüneburg gekommen sind, um in typische Frauen- oder Männerberufe zu schauen - aber eben in vertauschten Rollen, wie die Gleichstellungsbeauftrage Kathrin van Riesen bei der Begrüßung erklärte. Der Familienservice hatte den Tag organisiert. Für die Mädchen ging es in die Naturwissenschaft, Informatik und Technik, die Jungen schnupperten ins Lehramt.

Auch Lotta kann über die Insektenwelt nur staunen: „Mein Käfer hat riesige Augen und Fühler im Gesicht“, stellt die 11-Jährige fest. Die Stimmen der Mädchen gehen durcheinander. Jede beschreibt, was sie durchs Mikroskop sieht: Käfermäuler mit Besen-Borsten, plüschige Schmetterlinge und Spinnen mit Würfel-Muster. „Ich finde es sehr cool“, urteilt die 11-jährige Lucie und dreht den Mistkäfer mit der Pinzette noch einmal um, damit sie die Borsten an den Beinen besser erkennen kann.

Scheu, die Insekten genauer anzusehen, scheint keines der Mädchen zu haben. Auch nicht als es darum geht, lebende Insekten und andere Gliederfüßer anzufassen. Dr. Eva Völler aus dem tierökologischen Institut zeigt den Mädchen nämlich nicht nur wie Wissenschaftler_innen im Labor arbeiten und beispielsweise Insekten und Spinnen bestimmen, indem sie sich die Merkmale der Tiere genau unter dem Stereomikroskop ansehen und dann auf die Art schließen. Nein, die Mädchen erfahren dann im Biotopgarten auch, wie die Tiere gefangen werden. „Das ist eine so genannte Barberfalle“, sagt die Ökologin und nimmt einen bis zum Rand im Boden vergrabenen Plastikbecker in die Hand. Er ist zur Hälfte mit einer Fanglösung befüllt. Darin schwimmen rötliche Insekten. „Das sind Feuerwanzen“, erklärt sie den Kindern. „Viele Insekten, die sich auf dem Boden bewegen, können wir mit diesen Fallen gut fangen“, sagt Eva Völler weiter. Die Mädchen staunen über die Vielfalt der Methoden: Es gibt Flugunterbrechungsfallen und sogar einen Sauger, mit dem die Wissenschaftler_innen Gliederfüßer vom Boden lesen können. „Wir schauen uns in der Ökologie an, wo welche Tiere leben. Das kann helfen, die Natur besser zu schützen“, erklärt Eva Völler.

Die Digitalisierung übers Programmieren begreifen

Ein nicht weniger wichtiges Thema unserer Zeit ist die fortschreitende Digitalisierung und so lernten die Mädchen im Rechenzentrum erste Worte einer Programmiersprache kennen. „Robomind“ heißt die Lernsoftware, mit der die Kinder am Computer übten. „Erst mal scheint Programmieren langweilig zu sein, da man nur Text schreibt“, sagt Heiko Reincke. „Aber dann ist es doch cool“, so der Systemadministrator weiter. Und tatsächlich: Die Mädchen strahlen, als der kleine Roboter mit dem Besen auf dem Bildschirm genauso in der Spirale läuft, wie er es soll. Die Schülerinnen bewegen den Roboter zunächst mit Pfeiltasten über den Bildschirm, daneben erscheint die Programmiersprache: rechts 1, vorwärts 1. Die elfjährige Thea hat 41 Programmierzeilen produziert, um den Roboter im Kreis laufen zu lassen. „Das kann man kürzer fassen, indem man die Befehle zusammenfasst“, erklärt Reincke. Also heißt es statt viermal „vorwärts 1“ nun „vorwärts 4“ und wieder geht es fürs Männchen auf dem Bildschirm im Kreis herum.

Die ökologische Vielfalt weckte Interesse.
In der Werkstatt des Medienzentrums wurden Drähte gelötet.

Einblicke in Studium und Ausbildungsberufe

Überhaupt war der Tag eine runde Sache, denn es gab sowohl Einblicke ins Studium als auch in Ausbildungsberufe. In der Werkstatt des Medienzentrums konnten die Mädchen beispielsweise ein elektronisches Gedächtnisspiel zusammenbauen. Die zehnjährige Elena sucht noch den richtigen Platz für ihren letzten Widerstand auf der Platine, „Wo ist denn R1?“, fragt das Mädchen. Hannes Post, der sich an der Leuphana zum Informationselektroniker ausbilden lässt, weiß Rat. „Schau mal hier, die Bereiche für die Widerstände sind vorgezeichnet“, erklärt er. Nun muss Elena nur noch die Drähte umbiegen und kann anfangen zu löten. „Diese Technik ist wichtiger Teil unseres Berufs“, erklärt Hans-Jürgen Schwarz, Leiter des AVM, der zum wiederholten Mal beim Zukunftstag mitmacht.
Für die Mädchen ist die Arbeit an der Werkbank eine neue Erfahrung und nicht immer gelingt alles gleich auf Anhieb. Wo ist die richtige Zange? Wie halte ich den Lötzinndraht richtig fest? Umso größer war das Erfolgserlebnis als dann die Lichter am selbst gebauten Spiel endlich brannten.

Interessantes Programm auch für die Jungen

Die Jungen diskutierten währenddessen mit Lehramtsstudierenden über „Gute Schule, schlechte Schule“. Dazu zeigten Mohamad Fares und David Storek einen Film über die „Ron Clark Academy“, eine „Spaßschule“ in Amerika. Dort spielen die Chemielehrer E-Gitarre, Hausaufgaben werden im Harry-Potter-Schloss erledigt und die Kinder rappen ihre Antworten im Unterricht. Der elfjährige Jannes wäre dort gern Lehrer. „Die Kinder lernen richtig, aber es macht auch Spaß“, urteilt der Schüler. Zusammen mit den anderen Jungen soll nun ein Video gedreht werden, indem die Kinder ihre Vorstellung von guter und schlechter Schule zeigen. Die Gruppe um Jannes entscheidet sich erstmal für die schlechte Schule. Und in der heißt es: „Schreibt viel Langweiliges von der Tafel ab!“
Der 15-jährige Yannis spielt überzeugend einen strengen, humorlosen Lehrer, der die Kinder nur anschreit. Roman, Luca, Tim und Jannes geben die rotzfrechen Schüler, die im Unterricht entweder schnarchen oder freche Widerworte geben. Das Urteil der Jungen ist klar: So kann es nicht gehen, da Unterricht weder Lehrern noch Schülern Spaß macht und die Kinder nichts lernen. In einer guten Schule gäbe es für Jannes dagegen keine Zensuren. „Kinder, die keine guten Noten bekommen, sind arm dran und weinen manchmal. Das ist nicht gut“, findet der Schüler.

Viel besser ist dagegen Bewegung. Und die gab es beim Rundgang durchs Studio 21. Dort durften die Jungen sich unter professioneller Anleitung durchboxen und lernten wie man beim Kampfsport gekonnt pariert. Ein weiterer Treffer beim Zukunftstag! 


Dr. Kathrin van Riesen
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Autorin: Marietta Hülsmann, Redaktion: Ann Cathrin Frank, Universitätskommunikation. Neuigkeiten aus der Universität und rund um Forschung, Lehre und Studium können an news@leuphana.de geschickt werden.