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Frankreich hat entschieden – Leuphana-Studierende diskutieren über Wahlausgang

09.05.2017 Der neue Präsident von Frankreich heißt Emmanuel Macron. Der 39-jährige setzte sich am Wochenende gegen die Rechtspopulistin Marine Le Pen durch. Eine wichtige Entscheidung für Europa, die Studierende der Leuphana am Wahlabend auf einer Veranstaltung verfolgt haben. Sie sind erleichtert, sagen aber auch: „Freut Euch bloß nicht zu früh…"

Die Leuphana-Studierenden Karlotta Schultz (Umwelt- und Politikwissenschaft) und Marius Leon Fröchling (Studium Individuale mit Schwerpunkt Politikwissenschaft) sind Projektleiter_innen der politischen Ideenfabrik Policy Lab. Mit Unterstützung von Dozierenden der Leuphana Universität Lüneburg organisiert die studentische Initiative überparteiliche Veranstaltungen, wie auch die Frankreich-Wahlparty am 7. Mai 2017:

Mit mehr als 66 Prozent hat Emmanuel Macron Marine Le Pen vom Front National deutlich geschlagen. Haben Sie mit einem solchen Ergebnis gerechnet?


Karlotta Schultz: Wir haben im Policy Lab im Vorfeld nicht über konkrete Prozentzahlen gesprochen, sondern über das Gesamtergebnis. Dass Macron gewinnen würde, davon bin ich ausgegangen, nur nicht so eindeutig. Was Prognosen anbelangt war mir zwar nach den Erfahrungen „Brexit“ und „Trump“ klar: Man muss mit allem rechnen. Aber ich wusste gleichzeitig, dass in Frankreich die Umfragewerte anders, sprich genauer berechnet werden. Von daher bin ich davon ausgegangen, dass die Wahl nicht mit einem Desaster endet. 

In Europa wird der Sieg Macrons bejubelt. Sind wir da zu voreilig?

Karlotta Schultz: Jein! Auf jeden Fall ist es von Vorteil, dass er und nicht Le Pen gewonnen hat. Ich glaube aber, dass deswegen nicht alle Probleme gelöst sind. Macron hat ganz eigene Vorstellungen darüber, was er nun angehen will. Inwieweit er Europa mit seinem Handeln unterstützt, das müssen wir sehen.

Marius Leon Fröchling: In den Medien stand: ‚Er hat gesiegt, aber nicht gewonnen’. So sehe ich das auch. Es ist gut, dass Frankreich mit dem ehemaligen Präsidenten Hollande abgeschlossen hat. Er hat für viel Unzufriedenheit gesorgt. Aber nach dem Wahlsieg von Macron geht es nun inhaltlich los, jetzt muss er sich beweisen. 

Auf Macron lasten nun große Erwartungen. Was muss er Ihrer Meinung nach machen, um sich in Zukunft zu bewähren?

Marius Leon Fröchling: Darüber haben wir auf der Wahlparty auch viel diskutiert. Er ist jetzt zwar Präsident, aber ihm fehlt im Parlament die Unterstützung. Das wird sehr wahrscheinlich dazu führen, dass er wenig handlungsfähig sein wird. Es sei denn, er kann Mehrheiten mobilisieren. Dafür muss er bei vielen programmatischen Punkten Kompromisse eingehen und so manches, was er vorher versprochen hat, wird dabei auf der Strecke bleiben. Ich kann mir schon vorstellen, dass da viele Franzosen sehr schnell enttäuscht sind. 

Karlotta Schultz: Ich meine auch, dass er sich nicht mehr so extrem positionieren darf, wie er es im Wahlkampf getan hat. Er muss als Präsident moderater auftreten. Aber dass er das kann, das hat er in seiner ersten Rede nach dem Wahlsieg schon gezeigt. 

Wenn Sie Berater des neuen französischen Präsidenten wären, was würden Sie ihm empfehlen: Wie schafft er es trotz der von Ihnen genannten Probleme, Frankreich voran zu bringen?

Marius Leon Fröchling: Also erst einmal muss er sein Bankerimage loswerden. Und dann muss er beweisen, dass er tatsächlich für soziale Gerechtigkeit einsteht. Nur so behält er die Unterstützung vieler Franzosen, die Gefahr laufen, abgehängt zu werden. In der Diskussion am Wahlabend hat jemand kurz vor Veröffentlichung des Wahlergebnisses gesagt: ‚Wenn Macron diese Wahl gewinnt, dann wird die Siegerin bei der nächsten Wahl hundertprozentig Le Pen sein.’ Denn Macron sei ein neoliberaler Wirtschaftsmensch, der die soziale Spaltung weiter vorantreibe. Es wird also interessant sein zu beobachten, was in den kommenden 5 Jahren passiert.  

Die Frankreich-Wahlparty war von Ihnen als überparteiliches Event angekündigt worden. Gab es tatsächlich auch Gäste, die über Le Pens Wahlschlappe enttäuscht waren?

Karlotta Schultz: Nein, die haben wir nicht gesehen, aber wir hätten mit Le Pen-Unterstützer bestimmt angeregte Diskussionen führen können. Hier in Lüneburg sind diese Besucher auf so einer Party aber auch eher unwahrscheinlich. AfD-Wähler beispielsweise fürchten soziale Ausgrenzung, da gibt man nicht so schnell zu, dass man die Partei unterstützt. Wir haben aber bewusst im Vorfeld beide Kandidaten, Macron und Le Pen, gleichwertig dargestellt. 

Vielen Dank für das Gespräch!


Autorin: Urte Modlich, Redaktion: Morgaine Struve, Universitätskommunikation. Neuigkeiten aus der Universität und rund um Forschung, Lehre und Studium können an news@leuphana.de geschickt werden.