Meldungen aus der Universität

Bar Avni ist neue Leiterin des Universitätsorchesters: „Die Magie entsteht nur zusammen“

11.05.2017 Bar Avni lächelt, fordert, verbindet. Mal gilt es, eine musikalische Linie zwischen den Celli und den Bläsern zu verbinden, dann wieder hilft sie den Bratschen, eine Kontramelodie herauszuspielen. Seit Anfang April leitet die 28-jährige Musikerin das Universitätsorchester der Leuphana und folgt Johannes Zahn nach. Bar Avni sieht sich als Ohr des Orchesters, das für sie ein „aus Menschen gebautes Instrument “ ist. Sie ist gern diejenige, die alles zusammenhält. Bar Avni wollte deshalb immer ein Orchester leiten und nicht nur Solistin sein. Schon als Kind hatte sie diesen Wunsch. Vorbild war und ist der damalige Orchesterleiter an ihrer Grundschule.

Mit acht Jahren begann Bar Avni Schlagzeug zu spielen. Die musikalische Grundausbildung sei in ihrer Heimat Israel sehr hoch angesiedelt. „Die meisten Kinder lernen in diesen Alter an der Schule ein Instrument“, berichtet sie. „Ich hätte auch Klarinette oder Trompete spielen können, aber der Orchesterleiter riet mir zum Schlagzeug“, erinnert sie sich. „Das passt zu dir“, fand er. Und tatsächlich: Zwar ist zwar Bar Avni klein und zierlich, aber voller Energie und Lebensfreude. Ein körperliches Instrument wie das Schlagzeug passt gut zu ihr.

Musikalisch öffnet es auch viele Türen. „Ich habe in Orchestern und Bigbands gespielt“, erzählt Bar Avni. Stilistisch ist sie ebenso offen: „Ich höre Jazz, Rock, Metal, Folk und auch Punk. Doch die klassische Musik wird immer etwas Besonderes bleiben“, erklärt sie und fährt fort: „Es sind andere Farben, alles ist perfekt geplant und klingt doch sehr natürlich.“ Das fasziniert und lässt sie auch außerhalb eines Konzertsaals nicht los. „Kürzlich habe ich einen spannenden Film geschaut, der mit Techno-Musik untermalt war. Dann wurde auf einmal Klassik gespielt und ich konnte der Handlung nicht mehr folgen“, erinnert sie sich. Die Musik stand für sie sofort im Vordergrund. 

"Outstanding Musician" in der israelischen Armee

Ganz selbstverständlich führte der Weg der jungen Schülerin Bar Avni deshalb auch zum Kfar-Saba Conservatory in Tel Aviv, wo sie bereits als Teenager Schlagzeug studierte. Von 2007 bis 2009 musste sie dann zur Armee, wo sie unter dem Titel „Outstanding Musician“ diente. Gerade mal eine Woche nach dem Ende ihrer Armeezeit begann Bar Avni ihr Musikstudium an der „Buchman-Mehta School of Music“ an der Universität Tel Aviv. „Viele nehmen sich nach dem Militär eine Auszeit, aber ich wollte nicht mehr warten, sondern endlich Dirigieren studieren“, erinnert sie sich. Bereits früh konnte sie große Erfolge feiern: Sie spielte unter anderem mit dem Israel Philharmonic Orchestra, war Gastdirigentin bei der „youth series 2014“ mit dem Rishon-Le‘Zion Symphony Orchestra, hatte eine Assistentinnenstelle beim Kammerorchester Israel und gewann den „America-Israel Cultural Foundation Stipendium-Wettbewerb für Schlagwerk und Dirigieren“. 

„Ich konnte nicht ,Nein‘ sagen“

2014 führte sie ihr musikalischer Weg nach Europa. Zunächst war sie für ein Konzert in Graz eingeladen, dann bot man ihr einen Studienplatz an: „Ich konnte nicht ,Nein‘ sagen“, erinnert sich Bar Avni, die sehr dankbar für all die Chancen ist. Bis zur Verrentung ihres Professors studierte sie in Österreich. Dann empfahl man ihr nach Hamburg zu wechseln. Sie schwärmt von der Hochschule für Musik und Theater. „Es ist wundervoll. Wir haben so viele Möglichkeiten“, berichtet die junge Frau. Eine davon war die Leitung des Universitätsorchesters der Leuphana Universität Lüneburg zu übernehmen. „Ich freue mich sehr über die Aufgabe“, sagt die junge Dirigentin.

Gerade proben die rund 30 Musikerinnen und Musiker eine Suite von Bizet. „,L'arlesienne‘ ist technisch nicht sehr schwierig. Das Orchester und ich können uns sehr gut dabei kennen lernen“, sagt sie. Neue Mitglieder seien auch willkommen. „Wer ein Orchesterinstrument spielt – ganz besonders Oboe, Cello, Bass, Bratsche, Horn oder Trompete - , darf sich gern melden“, sagt Bar Avni. Vorspielen muss niemand. Das hat mit der Einstellung der jungen Dirigentin zum Orchester zu tun: „Durch eine Meisterin in den Reihen wird es nicht automatisch gut“, erklärt sie und verrät das Geheimnis der Orchestermusik: „Die Magie entsteht nur zusammen“.

Wer beim Universitätsorchester mitspielen möchte, meldet sich bei: folke.i.hieber@stud.leuphana.de.


Weitere Informationen

Das Interview führte Marietta Hülsmann, Redaktion: Marietta Hülsmann, Universitätskommunikation. Neuigkeiten aus der Universität und rund um Forschung, Lehre und Studium können an news@leuphana.de geschickt werden.