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Die reinste Freude - das lunatic 2017

07.06.2017 In der Abendsonne liegt über dem lunatic Festival eine ganz besondere Atmosphäre: Im Gegenlicht betrachtet bewegt sich eine Silhouette aus Menschen rhythmisch zum Beat der Musik, mit dem Licht lassen sich die Details erkennen: strahlende Gesichter, in denen sich die reinste Freude widerspiegelt. Die Besucher_innen tanzen, singen, trinken und feiern, sie genießen die friedliche und entspannte Stimmung. Dafür stand das lunatic 2017. Und natürlich für gute Musik.

Musikfestivals führen per se Menschen zusammen, das lunatic hat für viele aber eine ganze besondere Anziehungskraft. Aus weiten Teilen Deutschlands strömten auch in diesem Jahr Tausende von Besucher_innen auf den Lüneburger Campus. „Wir haben vor ein paar Jahren an der Leuphana studiert und leben mittlerweile in verschiedenen Städten“, erzählen 5 Festivalbesucher. „Aber das lunatic ist immer wieder Anlass, uns hier zu treffen.“ Tatsächlich hat das ausverkaufte Musikfestival etwas Familiäres. Man kennt sich, und wenn nicht, dann lernt man sich eben kennen. Dafür sorgte am vergangenen Wochenende nicht nur die große Party auf dem Campus, sondern auch ein Programm, das die Menschen miteinander verknüpft: Beim Radioballett des Lüneburger Körperfunkkollektivs verbindet die spontan Teilnehmenden eine über Kopfhörer erzählte Geschichte, nach der sie sich über das Gelände bewegen. Das offene Nähatelier „Hexenstich“ lädt zum gemeinsamen Kreativkurs, der Poetry-Slam zur Diskussion und eine meterlange Rohr-Telefonleitung zum Gespräch ein. Und wer wissen möchte, was es mit den auf dem Gelände zu findenden Installationen und Skulpturen auf sich hat, der schließt sich einfach den Kunstspaziergängen an. Dabei bieten sich den Besucher_innen oft neue Perspektiven, Gewohntes und Gewöhnliches erleben neue Betrachtungen – passend zu dem Motto des desjährigen lunatics: Blickwechsel.

Egal, wohin man auf der großen Wiese vor der Mensa und dem Gelände neben dem Sportstudio schaut – überall ist Spektakel. Das beginnt mit den Besucher_innen selbst, die sich zum Teil mit Glitzerschminke bemalt und mit bunten Einhörnern auf dem Kopf geschmückt haben. Es setzt sich mit einer mit Tüchern verhüllten Tanzgruppe fort, die zunächst scheinbar ziellos über den Campus spaziert, um plötzlich einen Synchrontanz darzubieten. Auf einer Wiese präsentieren sich studentische Initiativen, in einem Fotomobil gibt’s Schnappschüsse und ein großer Kleiderschrank lädt zum Klamottentausch ein. Das alles eingerahmt von Live-Musik auf zwei verschiedenen Bühnen, von Hip-Hop über Rap bis 80er- Jahre-Pop ist alles dabei.

Musik, Kunst, Kultur – und Nachhaltigkeit

„Das lunatic ist mehr als eine große Fete“, betont die Studentin Léa Oltmanns vom Organisationsteam, „es ist ein Kunst-, Musik- und Kulturfestival.“ Und das haben die 22-jährige und 46 weitere Teammitglieder ein Jahr lang vorbereitet – von der Programmgestaltung bis hin zur Getränkelogistik. Nachhaltigkeit stand dabei immer im Fokus. „Wo es möglich war, wurden ökologische und sozial verantwortliche Alternativen gewählt.“

So gab es nur vegetarische Speisen zu kaufen, Getränke und Lebensmittel kamen vorzugsweise aus der Region, Merchandise-Artikel wurden weitestgehend nach Fairtrade- und Öko-Standards ausgewählt. Wer sich nicht an die Verabredungen hielt, musste auch schon mal nachbessern. „Ein Anbieter hatte zu seinen Speisen Plastikbesteck verteilt, das war allerdings anders abgesprochen. Auf unser Drängen gab es noch am selben Tag nur noch Holzbesteck.“

Léa Oltmanns vom Organisationsteam

Ein großes Anliegen war dem Organisationsteam auch die kulturelle Nachhaltigkeit. „Es gab ein eigenes Kompetenzteam für das Thema ‚faire Künstler_innenbezahlung‘“, erklärt Léa. Ein schwieriger Spagat: Einerseits mussten sich die lunatic-Organisatioren am realen Markt orientieren, andererseits wollten sie auf die überwiegende Unterbezahlung in der Musikbranche aufmerksam machen. „Herausgekommen ist ein Lösungsansatz“ fasst die Studierende zusammen. „Mit dem sogenannten Künstlertip konnten die Besucher Trinkgeld zahlen und damit ihre Wertschätzung für die Kunst zum Ausdruck bringen.“ Gender-Diversity war den Organisatoren ebenfalls in diesem Jahr sehr wichtig. Sie haben besonders darauf geachtet, dass auch weiblichen Künstlerinnen eine Bühne geboten wurde.

Als das lunatic noch in den Kinderschuhen steckte ...

Sowohl am Freitag als auch am Samstag kamen rund 3500 Besucher_innen auf das Festivalgelände, selbst Regenschauer und sogar kurzzeitig vorhergesagte Gewitter konnten niemanden von der großen Party abhalten. Zahlen, von denen Philipp vor mehr als 10 Jahren nur träumen konnte. „Ich habe 2005 die zweite Ausgabe des lunatics mit organisiert. Um überhaupt genügend Gäste zu bekommen, haben wir damals aggressiv im Hamburger Schanzenviertel Werbung gemacht“, erinnert sich der ehemalige Leuphana-Student, der heute als Festivalbesucher nach Lüneburg gereist ist. „Wir wurden als KuWis, die eine große Veranstaltung organisieren wollten, müde belächelt, und das lunatic war auf dem Parkplatz des Vamos allenfalls geduldet.“ Während heute die Vorbereitung des Festivals durch Seminare, Mentoren und Experten unterstützt wird, stand Philipp und seinem Team gerade mal ein Raum zur Verfügung. „Man hat das Potential dieses Festivals total unterschätzt“, sagt Philipp, der seinen 17 Monate alten Sohn mit nach Lüneburg gebracht hat. Umso mehr freut sich der Bandmanager über die 14. Ausgabe des Festivals: „Das lunatic ist inzwischen eine eigene Marke mit wahnsinniger Strahlkraft.“

Teamwork, Verantwortung, Praxisbezug (Video 3:31 Minuten)

Zufrieden ist auch Léa Oltmanns mit der Festival-Bilanz. „Sowohl von den Künstlern als auch von den Besucher_innen haben wir nur positives Feedback bekommen“, fasst sie zusammen. „Das angekündigte Unwetter hat uns außerdem verschont, die Stimmung war friedlich und Platzverweise waren eher die Ausnahme.“ Viel Zeit, sich auszuruhen und eine Portion Schlaf nachzuholen, bleibt ihr allerdings nicht, denn: Nach dem Festival ist vor dem Festival. Die Vorbereitung für das lunatic 2018 laufen bereits an. „Demnächst findet der Auswahlprozess für die Teambesetzung der Organisationsgruppe statt. Ob ich mit dabei bin, weiß ich noch nicht“, sagt Léa und lächelt: „Aber schön wär’s schon!“

Momentaufnahmen:

Autorin: Urte Modlich, Universitätskommunikation. Neuigkeiten aus der Universität und rund um Forschung, Lehre und Studium können an news@leuphana.de geschickt werden.