Meldungen aus der Universität

Engagement zahlt sich aus – Bündnis „Hochschule ohne Grenzen“ erhält 20.000 Euro

10.08.2017 Vor gut zwei Jahren begann alles mit einer Vision: Eine Handvoll Student_innen und Mitarbeiter_innen der Leuphana wollte Geflüchteten in Lüneburg und Umgebung das universelle Menschenrecht auf Bildung ermöglichen und ihnen damit eine Perspektive bieten. Ideen wurden gesammelt, Initiativen gegründet, Institutionen miteinander vernetzt – der Beginn der „Hochschule ohne Grenzen“. Ein Engagement, das die Friedensstiftung Günter Manzke beeindruckt. Sie hat das Bündnis deshalb mit einem besonderen Preis geehrt.

v.l.n.r.: Claudia Wölk (IO), Tom Schmidt (Bündnissprecher), Dr. Nuria Miralles (Sprachenzentrum), Jessica Valdez (IO), Dr. Julia Oppermann (ZDEMO), Thekla de Carvalho Rodrigues (Projekt PluraL am IDD), Oona Braker (IO, W&L Center, NBA), Moritz Reinbach (IO, W&L Center, NBA), Clara Nabrotzki (IO)

„Das hatte schon etwas von einer Oscar-Verleihung.“ Claudia Wölk steht noch ganz unter dem Eindruck der Preisverleihung im neuen Zentralgebäude am vergangenen Wochenende. Als Vertreterin des International Office der Leuphana, das Teil des Hochschulbündnisses ist, wurde sie gemeinsam mit weiteren Beteiligten am Freitagabend auf die Bühne gebeten. Sie waren nominiert für den Manzke Friedenspreis. Doch was das konkret bedeutete, überraschte alle: „Erst im Rahmen der Ehrung erfuhren wir, dass das Bündnis 20.000 Euro von der Stiftung erhält“, erzählt Dr. Julia Oppermann vom Zentrum für Demokratieforschung (ZDEMO). „Uns sind fast die Augen ausgefallen.“

Wenige Wochen zuvor hatte sich die Friedensstiftung Günter Manzke mit dem Hochschulbündnis in Verbindung gesetzt. Sie informierte sich intensiv über Struktur, Aufgaben und Inhalte des Netzwerkes. „Es gab von unserer Seite keine Bewerbung für den Friedenspreis“, erklärt Bündnissprecher Tom Schmidt, „die Stiftung hatte den Kontakt zu uns gesucht.“ Denn einmal im Jahr einigt sich der Stiftungsrat auf Preisträger aus der Region, die sich in besonderer Weise um den inneren Frieden und die Völkerverständigung bemühen. Sie sollen durch die Verleihung des Friedenspreises öffentliche Anerkennung erfahren. „Das Gespräch endete mit der Aussage, dass wir uns den Tag der Preisverleihung freihalten sollen“, ergänzt Dr. Nuria Miralles Andress aus dem Leitungsgremium des Sprachenzentrums.

Breite Unterstützung durch das Hochschulbündnis

Der geblockte Termin zahlte sich aus. Mit der Verleihung des hochdotierten Preises wurde an diesem Abend deutlich, was das Bündnis so überzeugend macht: Durch die enge Vernetzung von universitären und nicht-universitären Einrichtungen entstand innerhalb kürzester Zeit für Geflüchtete ein umfassendes Veranstaltungs- und Bildungsangebot. Dazu gehört von Seiten der Universität ein Programm, das mehrere Deutschintensivkurse (ab B1+) und Studienorientierung umfasst, um so Schritt für Schritt den Zugang ins Fachstudium zu ermöglichen. Über das International Office können geflüchtete Menschen im Rahmen der „Open Lecture Hall“ sowie des „Brückenstudiums“ außerdem an ausgewählten Lehrveranstaltungen teilnehmen. Von Seiten der Zivilgesellschaft beteiligen sich vier Lüneburger Initiativen: Beispielsweise das „Welcome and Learning Center“, das verschiedene Projekte und Sprachkurse anbietet. Oder die "Amikeco-Willkommensinitiative e.V.", die mit ihrem Beratungs- und Kulturangebot eine zentrale Rolle in der Lüneburger Willkommensarbeit einnimmt. Auf das gesamte Bündnispaket greifen inzwischen mehrere Hundert Geflüchtete zurück, zahlreiche ehrenamtliche Helfer unterstützen. „Was mich an dem Bündnis so fasziniert, ist die Tatsache, dass quasi aus dem Stand Ideen entwickelt und Beteiligte miteinander vernetzt wurden und dadurch so effektive Arbeit geleistet wird“, erklärt die Stiftungsratsvorsitzende Johanna Gerhard.

Damit sich das Angebot auch weiter verbessert, setzen sich Beteiligte des Bündnisses schon neue Ziele: Dr. Nuria Miralles Andress vom Sprachenzentrum möchte erreichen, dass Geflüchteten mehr Flexibilität beim Nachweise ihrer Sprachkenntnisse als Zulassungsvoraussetzung eingeräumt wird. Claudia Wölk vom International Office hat konkret das Brückenstudium im Auge: „Wir wollen nicht nur, dass sich das akademische Angebot öffnet, sondern auch, dass die Geflüchteten besser im Universitätsalltag zurechtkommen“, beschreibt sie. Dazu gehöre wissenschaftliches Lesen und Arbeiten oder auch Bewerbungen für Jobs und Praktika. „Es geht um das Rundum-Paket.“ Auch wenn ein großer Teil des universitären Programms vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) finanziert wird, kommt das Preisgeld zur richtigen Zeit. „Es bietet uns langfristige Planungssicherheit und öffnet Türen für neue Projekte“, freut sich Tom Schmidt, betont aber gleichzeitig: „Wohin das Geld genau fließt, darüber müssen wir alle noch gemeinsam beraten.“



Autorin: Urte Modlich, Universitätskommunikation. Neuigkeiten aus der Universität und rund um Forschung, Lehre und Studium können an news@leuphana.de geschickt werden.