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Leidenschaftliches Engagement - Omotunde Kasali gründet afrikanische Studierendeninitiative

28.08.2017 „Die Menschen haben oft falsche Vorstellungen von unserem Kontinent“, sagt Omotunde Kasali aus Nigeria. Der 26-jährige Leuphana-Student möchte mit Vorurteilen aufräumen und zeigen, warum er sein Land so sehr liebt.

Wenn Omotunde Kasali von seinem Leben, seinen Plänen und Hoffnungen erzählt, fällt als erstes seine Stimme auf: Leise und bedacht spricht er, oft lächelnd, aber auch immer wieder ernst. Dann zum Beispiel, wenn er auf ein Thema kommt, das ihm besonders am Herzen liegt – Nachhaltigkeit. „Wir brauchen eine nachhaltige Entwicklung in unserem Land - nur das hat Zukunft“, sagt der 26-Jährige, der von seinen Freunden Tunde genannt wird. Das betreffe die Wirtschaft, die Landwirtschaft, vor allem den Energiesektor. In Nigeria lebt mehr als die Hälfte der Menschen unterhalb der Armutsgrenze, die durchschnittliche Lebenserwartung ist mit nur 53 Jahren eine der niedrigsten der Welt. In Deutschland sei die Idee von nachhaltiger Entwicklung sehr verbreitet, sagt der Student, deshalb sei er von der 18-Millionen Einwohnerstadt Lagos hierhin gekommen. „Die Leuphana hat das Thema besonders im Fokus“, ergänzt er und erklärt damit, warum er Lüneburg als Studienort gewählt hat. Hier wollte er im Studiengang Nachhaltigkeitswissenschaft das lernen, womit er seine Heimat Nigeria unterstützen kann. 

Doch Omotunde möchte seinen Aufenthalt an der Lüneburger Universität gleichzeitig nutzen, den Studierenden der Leuphana eine neue Perspektive auf Afrika zu ermöglichen. „Es gibt hier sehr viele Vorurteile gegenüber den Menschen und ihre Lebensweise“, bedauert er, „in den Medien tauchen fast nur Berichte über Armut, ethnische Konflikte und Korruption auf.“ Der Kontinent habe aber viel mehr zu bieten: „Ich möchte, dass die Leute Afrika mit unseren Augen sehen, deswegen habe ich mit ein paar Freunden die Initiative 'Leuphana African Students Organization' (LASO) gegründet.“ Im Juni gab es eine erste Veranstaltung, weitere sollen folgen. „In unseren Veranstaltungen wollen wir zeigen, wie wir in Afrika leben, feiern, essen und denken. Es gibt Musik, Filme und Diskussionen“, verspricht Omotunde und betont lächelnd: „Willkommen sind Afrikaner, Nicht-Afrikaner – einfach alle“. Gleichzeitig will die Initiative Afrikanern helfen, die neu an der Uni sind. Wo gibt es Jobs, Unterkünfte, Sprachkurse? Informationen sollen schnell und unkompliziert fließen. Denn der 26-Jährige erinnert sich nur noch zu gut an seine eigenen Anfänge an der Leuphana. „Ich hatte zwar in Lagos und danach in Göttingen Deutschkurse belegt, der Studienstart war trotzdem schwierig.“ Neue Menschen, neue Kultur: Viel Unbekanntes kam auf den Nigerianer damals zu. Allerdings: „Fachlich hatte ich keine Probleme. Die Uni ist gut strukturiert und organsiert, das hat alles leichter gemacht.“ 
    
Wann und wo sich die Initiative trifft, wird über Facebook bekannt gegeben, angesetzt sind monatliche Treffen. Lange wird Omotunde allerdings nicht mehr dabei sein. „Ich schreibe gerade an meiner Masterarbeit, im September ist Abgabe“, erklärt er. Möglicherweise will er danach promovieren, möglicherweise aber auch zurück nach Nigeria gehen, um dort zum Beispiel bei einer NGO im Bereich community development zu arbeiten. „Was ich genau machen werde, weiß ich noch nicht“, sagt er und ergänzt nach einer kurzen Pause: „I will do it with passion.“



Autorin: Urte Modlich, Universitätskommunikation. Neuigkeiten aus der Universität und rund um Forschung, Lehre und Studium können an news@leuphana.de geschickt werden.