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Dr. Lydia Kater-Wettstädt im Portrait – Praxis inklusive

09.10.2017 Mit ihrem Seminar „Lernen in heterogen Gruppen – Vielfalt als Chance“ griff Dr. Lydia Kater-Wettstädt nicht nur ein aktuelles Bildungsthema auf, sondern überzeugte auch die Studierenden. Mit ihren Stimmen gewann die Wissenschaftlerin den Lehrpreis der Leuphana.

Nicht immer sind es die Antworten, die eine herausragende Studentin ausmachen: „Sie stellen die richtigen Fragen“, sagte eine Professorin zu Lydia Kater-Wettstädt. Dieser Satz war ein Wendepunkt im Leben der damaligen Lehramtsstudentin in Göttingen. Er kam von ihrer zukünftigen Doktormutter und legte den Grundstein für eine außergewöhnliche wissenschaftliche Karriere. Anders als in vielen Fächern promovieren bisher nur wenige angehende Lehrerinnen und Lehrer. Selbst Lydia Kater-Wettstädt ist fast zufällig zu ihrem Thema gekommen: „Globale Entwicklung im Unterricht“. Es gehört zum Komplex „Bildung für eine nachhaltige Entwicklung“, der für Lehrende und Lernende Herausforderungen birgt: „Alles greift ineinander“, erklärt die Wissenschaftlerin. „Wenn Sie beispielsweise das Thema „Schadstoffe in Textilien“ in der Schule bearbeiten wollen, geht es um Politik und Ethik, aber auch um Chemie.“ Mit Videografien hat sie sich dem komplexen Thema in ihrer Doktorarbeit genähert, eine Methode, die anhand von Filmaufnahmen Unterrichtsanalysen zulässt. 

Nach der Theorie folgte die Praxis: Lydia Kater-Wettstädt ging ins Referendariat. Ganz bewusst entschied sich die Gymnasiallehrerin für eine inklusive Gesamtschule. Die frischgebackene Doktorin wollte mit heterogenen Lerngruppen arbeiten. An ihrer Ausbildungsschule gab es sie: Kinder im Rollstuhl und mit Förderbedarfen im Bereich Lernen oder soziale Entwicklung, Schülerinnen und Schüler mit Wurzeln in aller Welt, Jungen und Mädchen mit schwierigem Elternhaus. „Die Arbeit an einer inklusiven Schule braucht sehr viele Ressourcen und Einfallsreichtum“, sagt Lydia Kater-Wettstädt. Die Herausforderungen sind vielfältig: Sprachsensibilität, Differenzierung, Erziehung, Globalisierung und Nachhaltigkeit. Fast nie sind alle im Unterricht auf einem Niveau. Lehrkräfte suchen dann Lösungen, jedem Kind eine Beteiligung zu ermöglichen. „Statt erklärenden Worten an der Tafel müssen Methoden und Herangehensweisen an Themen vielfältig sein “, berichtet Lydia Kater-Wettstädt. Sie hat sehr viel praktische Erfahrung aus der Arbeit mit heterogenen Gruppen mitgenommen, aber auch Grenzen kennengelernt. 

Diese Kenntnisse hat sie im ausgezeichneten Seminar „Lernen in heterogen Gruppen – Vielfalt als Chance“ weitergegeben. Ihre Studierenden überzeugte sie mit unterschiedlichen aktivierenden Herangehensweisen, wie beispielsweise einer Podiumsdiskussion zum Thema oder dem Microteaching, also kleinen selbstgestalteten Unterrichtssequenzen. Seit 2015 ist Lydia Kater-Wettstädt wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Integrative Studien und möchte sich an der Leuphana habilitieren. Sie beschäftigt sich mit dem Thema Flucht und Flüchtlinge in Schule und Unterricht. Zudem ist sie seit Mai 2017 Koordinatorin des inter- und transdisziplinären Robert-Bosch-Kollegs „Processes of Sustainability Transformation“ für zwölf Promovierende. 

Als sie 2015 die Stellenausschreibung von Professor Dr. Barth las, war klar, dass sie sich bewerben würde. Obwohl es für sie und ihre Familie einen Umzug von Hessen nach Niedersachsen bedeutete. „Aber wenn man sich mit Bildung für eine nachhaltige Entwicklung beschäftigt, möchte man zur Leuphana“, erklärt Lydia Kater-Wettstädt. Zumal sie immer in die Lehrerausbildung wollte: „Ich möchte etwas in Schule und Unterricht bewegen und Lehrkräfte anregen über zukunftsfähige Bildung nachzudenken“, erklärt die junge Frau. Ihr Mann war einer, der es mit möglich machte. Beruflich fest im Sattel gab er seine Stelle in Frankfurt auf und fand etwas Neues in Hamburg. Heute arbeitet er mit Flüchtlingen. Für Lydia Kater-Wettstädt hat der Lehrpreis der Leuphana eine ganz besondere Bedeutung, denn er sagt ihr, dass Studierende etwas mit Freude gelernt haben und ihr zukünftiger Unterricht sensibel ist für die Heterogenität der Lernenden. Für die Wissenschaftlerin steht fest: „Auch wenn Vielfalt eine Herausforderung ist. Stellt man sich ihr, ist sie vor allen Dingen eine Chance.“


Kontakt

Dr. Lydia Kater-Wettstädt
Universitätsallee 1, C11.021
21335 Lüneburg
Fon +49.4131.677-1966
Fax +49.4131.677-2767
lydia.kater-wettstaedt@leuphana.de


Autorin: Marietta Hülsmann, Redaktion: Jula Hoffmeister, Universitätskommunikation. Neuigkeiten aus der Universität und rund um Forschung, Lehre und Studium können an news@leuphana.de geschickt werden.