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„Wir können unsere Stärken deutlicher zeigen“ – Dr. Steffi Hobuß ist neue akademische Leiterin des Leuphana College

22.10.2017 Auf der Homepage von Dr. Steffi Hobuß fällt ein ungewöhnliches Foto auf: Darauf zu sehen ist die Lüneburgerin als Pilotin eines Ultraleichtflugzeuges, im Hintergrund die Landschaft aus der Vogelperspektive. „Der weite Blick sortiert oft die Dinge“, erklärt sie. Ein Prinzip, das sie sich auch als neue Leiterin des College zunutze macht.

„Hier fehlt noch ein Bild, und mein altes Sofa muss ich auch noch beziehen lassen.“ Vor knapp einem Monat ist Steffi Hobuß in ihr neues Büro ins Gebäude 8 gezogen. Und so, wie sie sich nach und nach räumlich einrichtet, so stellt sie sich auch inhaltlich auf ihre neuen Aufgaben ein. „Im Moment spreche ich sehr viel mit Menschen, um die Herausforderungen zu erkennen und zu sortieren“, sagt die 53-jährige gebürtige Hannoveranerin. Es gehe ihr darum, eine Bestandsaufnahme von den verschiedenen Arbeitsbereichen zu machen und das College-Team mit seinen Kompetenzen kennenzulernen.

Auch wenn der Arbeitsbereich neu ist, das Terrain ist kein völlig unbekanntes – Steffi Hobuß kennt die Leuphana Universität Lüneburg inzwischen seit mehr als zwei Jahrzehnten: Bereits 1996 wechselte sie nach ihrer Promotion von Bielefeld nach Lüneburg. „Hier war ich in der Fakultät Kulturwissenschaften im Institut für Philosophie und Kunstwissenschaft und habe in der Philosophie und Kulturtheorie gelehrt“, fasst sie zusammen. Sowohl in der Lehre als auch in der Forschung setzte sie sich mit der Rolle sprachlicher und kultureller Praktiken auseinander. „Was mich in den letzten Jahren sehr interessiert hat, war interkulturelle Philosophie. In diesen Kontext gehört auch das Tunesien-Projekt.“

Bei dem „Tunesien-Projekt“ handelt es sich um eine internationale Forschungskooperation mit dem Titel „Transformation – Kultur –  Geschlecht“. Dieses Projekt beschäftigt sich mit dem Thema Gender im tunesisch-deutschen Vergleich und mit den Transformationen der Geschlechterverhältnisse in der Geschichte Tunesiens. „Es gibt in diesem Kontext sehr viele spannende Ansätze“, erklärt Hobuß und greift als Beispiel das Stichwort Staatsfeminismus heraus: „Ähnlich wie in der DDR gab es in Tunesien seit den 50er Jahren einen Feminismus, der aber von oben vorgegeben war. Man hat sich damals als modern präsentiert und dafür auch internationale Anerkennung bekommen.“ Dabei sei dieser Staatsfeminismus auch eine Maskerade gewesen, um die in der tunesischen Diktatur begangenen Menschenrechtsverletzungen zu vertuschen, ergänzt die Wissenschaftlerin. Der Vergleich mit der BRD zeigt aber auch das Erreichte: „Tunesien hatte schon 1956 ein fortschrittliches Personenstandsgesetz, das den Frauen in vielen Bereichen Gleichberechtigung verschaffte.  In Deutschland hingegen waren die Frauen zu dieser Zeit immer noch von der Unterschrift ihres Ehemannes abhängig, um einen Beruf ausüben zu können.“

Herausforderung Internationalisierung

Eine Weile wird Steffi Hobuß dieses Projekt noch begleiten, vor allem aber arbeitet sie an der künftigen Ausrichtung des College. „Das Rad muss nicht neu erfunden werden“, betont sie. „Das meiste, was hier gemacht wird, ist sehr gut“. Es fehle allerdings die angemessene Wahrnehmung – teilweise intern als auch extern - für das College und das damit verbundene „ganz besondere Studienmodell“. „Manchmal ist die Kommunikation mit den Studierenden sehr defensiv. Nach inzwischen zehn Jahren College erklären wir oft noch zu kleinlaut unser Modell.“ Hobuß möchte hingegen Selbstbewusstsein schaffen. Das Ziel sei, dass man sich gerade aufgrund des Studienmodells um einen Studienplatz bewirbt und dass die Leuphana in diesem Zusammenhang national und international noch mehr wahrgenommen werde. „Wir müssen unsere Stärken deutlicher zeigen. Dadurch können wir in Lüneburg mehr internationale Incomings bekommen“, spricht Hobuß eine zweite Herausforderung an – die Internationalisierung des College. „Hier kann ich viel Erfahrung mit einbringen. Ich war vier Jahre lang Prodekanin für Internationalisierung an der Fakultät Kulturwissenschaften.“
 
Ein zusätzlicher Aspekt, der der Philosophin wichtig ist, ist die Weiterentwicklung der College-Idee in Bezug auf Lehrkonzepte. „In der Vergangenheit wurden unter anderem Akzente in Richtung Liberal Arts Education gesetzt.“ Der Gedanke dahinter ist ein auf das Lernen der Einzelnen ausgerichtetes Studium, das eine breit angelegte Bildung, aber auch die Persönlichkeitsentwicklung der Studierenden im Fokus hat. Dieses Feld möchte sich die neue Leiterin des College mit allen Beteiligten genauer anschauen. „Wie dann tatsächlich die Bezeichnung lautet, das müssen wir sehen. Vielleicht formulieren wir auch einen ganz eigenen Begriff“. Über diese mögliche Weiterentwicklung hinaus verbindet Hobuß mit der Lehre eine grundsätzliche Haltung. Diese bezeichnet sie als „produktive Verunsicherung“: „Lernen ist auch immer Verlernen. Um etwas Neues zu lernen, muss ich oft etwas Altes verlernen oder einsehen, dass es nicht mehr stimmt“, beschreibt sie. „Das ist nicht immer ganz einfach. Deswegen meine ich, dass eine gut begleitete Verunsicherung wichtig ist, um überhaupt zu lernen.“

Den neuen Herausforderungen blickt Steffi Hobuß erwartungsfroh entgegen. Im Umgang damit helfen ihr nicht nur Fachwissen, sondern auch ihre offene Art, auf Menschen zu- und einzugehen. „Ich glaube, ich kann gut Ideen entwickeln und für sie Mitstreiter_innen gewinnen und begeistern“, sagt sie. Und sie ergänzt abschließend eine weitere Fähigkeit: „Ausdauer gehört auch zu meinen Stärken.“


Kontakt

Dr. phil. Steffi Hobuß
Universitätsallee 1, C8.103a
21335 Lüneburg
Fon +49.4131.677-2763
Fax +49.4131.677-2782
hobuss@uni.leuphana.de


Autorin: Urte Modlich, Universitätskommunikation. Neuigkeiten aus der Universität und rund um Forschung, Lehre und Studium können an news@leuphana.de geschickt werden.