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„Kein exotisches Konzept“: Liberal Education stößt bei MHE-Conference auf internationales Interesse

23.10.2017 „Ich hatte viele Fragen, die nicht in eine einzige akademische Schublade gesteckt werden konnten.“ Alumnus Jakob Dirksen erklärte auf der MHE-Conference (Modernizing Higher Education), warum er mit dem Leuphana-Programm Studium Individuale eine Liberal Education verfolgte. Das Konzept gewinnt europaweit an Bedeutung – das wurde im Rahmen der Konferenz mit Teilnehmenden aus 13 Ländern sehr deutlich.

Dr. Volker Balli hat die MHE-Conference organisiert

Dr. Volker Balli blickt zufrieden auf die MHE-Conference Ende September zurück. Der Academic Director des Studium Individuale an der Leuphana hat das Treffen organisiert, bei dem sich die Teilnehmenden über eine Modernisierung der Higher Education in Europa austauschten. Im Fokus standen dabei Konzept und Umsetzung der Liberal Education. „Das Wesentliche der Liberal Education wurde klar verständlich und erhellend kommuniziert“, fasst Balli zusammen. „Sie beinhaltet ein intensives, auf das Lernen des Einzelnen ausgerichtetes grundständiges Studium, in dem sich Breite und Tiefe ergänzen.“ Etwa 70 Teilnehmende kamen anlässlich der MHE-Conference in das neue Zentralgebäude der Leuphana, die als eine der ersten Universitäten in Deutschland die Tradition der Liberal Education umsetzt. Wissenschaftler_innen, Pädagog_innen und Studierende unter anderem aus Großbritannien, den Niederlanden, Russland und den USA trafen sich zwei Tagen lang, um über aktuelle Forschung, Entwicklung und Praxis zu sprechen.

Zu den Ersten, die in Europa das Konzept der Liberal Education im Rahmen ihres Studiums verfolgten, gehören acht Konferenzteilnehmende, die sich zu Beginn der Veranstaltung grundlegenden Fragen stellten. Von großem Interesse waren vor allem ihre Beweggründe: Warum hatten sie sich nicht für ein klassisches Studium, sondern für ein Programm entschieden, das eine breit angelegte Bildung, Entscheidungs- und Gestaltungsfreiräume sowie die Persönlichkeitsentwicklung im Fokus hat? „Mir bedeutet die Freiheit sehr viel, meine Themen zu wählen“, sagte eine Studentin, eine andere ergänzte: „Ich will für meine intellektuelle Entwicklung selbst verantwortlich sein.“ Der ehemalige Leuphana-Student Jakob Dirksen berichtete, was ihn am Studium Individuale überzeugt hat: „Ich bin froh, dass ich mich nach der Schule nicht für eine Disziplin und damit gegen so viele meiner Interessen entscheiden musste.“ Mit dem besonderen Angebot des Leuphana College sei es ihm ermöglicht worden, in viele verschiedene Themenfelder wie Politik, Kulturwissenschaft, Philosophie, Wirtschaft und Nachhaltigkeitswissenschaft einzutauchen: „Diese Erfahrung hätte ich nicht missen wollen.“ Heute, fünf Jahre nach seinem Studienbeginn und nach einem Master in Politischer Theorie in Barcelona, arbeitet Dirksen als Forschungsassistent an der Universität in Oxford. Der Übergang ins Berufsleben sei kein Problem gewesen, betonte er.

Breite Bildung statt „engstirniges“ Fachwissen

Die Entwicklung und der Stellenwert der Liberal Education in Europa sind für Laurent Boetsch von großem Interesse. Er ist Professor (emeritus) für Romanische Sprachen an der Washington and Lee University in Lexington und gleichzeitig Präsident der European Colleges of Liberal Arts and Sciences in Berlin (ECOLAS). Er beschrieb im Rahmen der MHE-Conference die wesentlichen Merkmale und Zielausrichtungen der Liberal Education: „Liberal Education bereitet die Menschen darauf vor, in vielen Bereichen des Lebens kompetent zu sein, nicht zuletzt als Bürger. Das Ziel ist nicht, engstirnige Fachexperten auszubilden.“ Gleichzeitig bot er den Konferenzteilnehmenden einen Ausblick auf die Bildungslandschaft der Zukunft: „Im 20. Jahrhundert mögen die USA der Ort der Liberal Education gewesen sein. Im 21. Jahrhundert könnte das Europa sein. Dafür gibt es vielversprechende Hinweise.“ Tatsächlich lässt sich an Europas Hochschulen eine wachsende Bedeutung der Liberal Arts Education beobachten, vor allem in den Niederlanden und Großbritannien. „Liberal Education ist kein exotisches oder gar fremdes Konzept, sondern mittlerweile ein fester, wenn auch immer noch überschaubarer Teil der Europäischen Bildungslandschaft“, hält Volker Balli fest.

Wie die Leuphana die Liberal Education verwirklicht, hat die internationalen Konferenzteilnehmenden sehr beeindruckt. Im Gegensatz zu kleineren, exklusiven Programmen anderer Universitäten oder auch sehr überschaubaren privaten Colleges wird in Lüneburg mit dem Leuphana College Liberal Education einer breiten Gruppe an Studierenden angeboten – „ohne, wie in anderen Ländern üblich, beträchtliche Studiengebühren“, ergänzt Volker Balli. Die Leuphana hat die neue Bewegung in Europa rechtzeitig erkannt, findet der ehemalige Student Jakob Dirksen. „Nun ist es wichtig, die Nase vorn zu behalten.“ Deswegen wünscht er sich weitere Schritte: „Das gesamte College sollte noch stärker in diese Richtung gehen.“

Alumnus Jakob Dirksen (links) erklärt, warum er sich für eine Liberal Education entschieden hat.

Kontakt

Dr. Volker Balli
Universitätsallee 1, C10.007
21335 Lüneburg
Fon +49.4131.677-1797
volker.balli@leuphana.de


Autorin: Urte Modlich, Universitätskommunikation. Neuigkeiten aus der Universität und rund um Forschung, Lehre und Studium können an news@leuphana.de geschickt werden.