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Ausgezeichnete studentische Initiative „Zugvögel“: Auf zu neuen Horizonten

07.11.2017 Die Zugvögel engagieren sich für junge Menschen aus dem Globalen Süden, die gern einen Freiwilligen-Dienst in Deutschland absolvieren möchten. Dafür ist die studentische Initiative von der Leuphana ausgezeichnet worden.

Während ihrer Austauschjahres in Chile wurde Ana Manhey Ahrens vor allem eines klar: Nicht alle Menschen auf der Welt haben die gleichen Chancen an internationalen Programmen teilzunehmen und als junger Mensch die Welt zu erleben. „Für uns im Globalen Norden ist es viel einfacher, da es viele gut vernetzte Organisation gibt“, berichtet die 21-jährige Studentin der Kulturwissenschaften. Im Globalen Süden sei dies hingegen anders. Dies sei zurückzuführen auf globale Machtungleichheiten und unfaire Visavergabeverfahren, wie die Studentin beschreibt.

Der Zugvögel e.V. möchte dies in Zusammenarbeit mit seinen Partnerstrukturen im Globalen Süden ändern. Für ihr Engagement wurde die Regionalgruppe Lüneburg deshalb von der Leuphana ausgezeichnet. Ein großes Lob, findet Ana Manhey Ahrens: „Wir freuen uns sehr über die Wertschätzung seitens der Universität.“ Desweitern sei die öffentliche Wahrnehmung durch diesen Preis wichtig, denn die Arbeit der Zugvögel lebt auch vom Engagement der Bürgerinnen und Bürger. „Wir suchen stetig nach Gastfamilien“, berichtet Ana Manhey Ahrens. Auch das gehört zur Arbeit der Zugvögel: ein Zuhause für die Freiwilligen aus aller Welt zu finden. Jedes Jahr betreuen die Ehrenamtlichen rund fünf bis zehn junge Menschen aus Ecuador, Mexiko, Ruanda und Nepal, die in Lüneburg einen einjährigen Freiwilligendienst absolvieren. Evelin Jadira Cobo Enriquez ist eine davon. Sie ist seit wenigen Wochen in Niedersachsen und freut sich sehr über die Unterstützung der Zugvögel. „Für mich ist es eine große Hilfe“, sagt die 20-Jährige. Sie macht ein Freiwilliges Soziales Jahr in Lüneburg und arbeitet in der Kita Hollerbusch. Noch spricht sie die „Sprache des Lächelns“ wie sie selbst sagt, kann aber bereits schon etwas Deutsch, das sie über Sprachkurse und Gespräche im Alltag erlernt.

„Es war ein gutes Gefühl, dass ich erwartet wurde“

Die Begleiterinnen aus der Regionalgruppe gehen mit ihr zu den Ämtern, unterstützen bei der Kontoeröffnung und kommunizieren mit der Arbeitsstelle. Wichtig sei aber auch, die jungen Menschen bereits vor ihrer Abreise nach Deutschland via Internet zu begleiten. „Es war ein gutes Gefühl, dass ich erwartet wurde“, berichtet Evelin Jadira Cobo Enriquez. In Deutschland bieten die Zugvögel neben der praktischen Unterstützung zudem offene Treffen an. „Wir möchten die Gäste schnell sozial einbinden, damit sie sich wohlfühlen“, erklärt Tami Goseberg von den Zugvögeln.

Neben der Arbeit mit Menschen betont sie die politische Komponente des Vereins. „Es gibt in Zeiten des Postkolonialismus starke Ungleichgewichte zwischen Globalem Norden und Süden“, sagt die 21-jährige Psychologiestudentin. Der Verein möchte dazu beitragen, hier neue Perspektiven aufzuzeigen und den Blick für globale Ungerechtigkeiten zu schärfen. Deshalb organisieren die Zugvögel regelmäßig Aktionen, beispielsweise einen Vortrag zu Rassismus in Schulbüchern im vergangenen Semester. Tami Goseberg möchte später auch beruflich in der interkulturellen Kommunikation tätig werden. Bereits jetzt absolviert sie neben ihrem Studium ein Praktikum bei einer NGO in Hamburg.

Insgesamt engagieren sich rund zehn junge Leute bei den Lüneburger Zugvögeln. Neue Ehrenamtliche sind immer willkommen. Wenn Evelin Jadira Cobo Enriquez im nächsten Jahr zurück nach Ecuador kommt, will auch sie Teil des Teams werden. „Viele Freiwillige engagieren sich nach ihrer Rückkehr in ihrem Heimatland und unterstützen zum Beispiel die Partnerorganisationen bei den Vorbereitungsseminaren der Freiwilligen“, sagt Ecuadoranerin. Sie erhofft sich durch ihren Aufenthalt in Deutschland bereichernde Begegnungen und einen Perspektivwechsel. Durch gewonnene Erfahrungen und Sprachkenntnissen erweitern sich ihre Kompetenzen für ihr zukünftiges Berufsleben. Evelin freut sich auf ihr ehrenamtliches Jahr in Lüneburg. Denn für sie ist klar: „Jeder junge Mensch sollte die Möglichkeit haben, seinen Horizont durch einen Auslandsaufenthalt zu erweitern.“


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Autorin: Marietta Hülsmann, Redaktion: Jula Hoffmeister, Universitätskommunikation. Neuigkeiten aus der Universität und rund um Forschung, Lehre und Studium können an news@leuphana.de geschickt werden.