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OECD bescheinigt Innovations-Inkubator erfolgreiche Arbeit

24.06.2015 Abschlussveranstaltung mit Ministerpräsident Stephan Weil in Lüneburg – OECD-Studie belegt gelungenen Brückenschlag zwischen Forschung und Wirtschaft – Arbeitsmarkt, regionale Unternehmen und Gründerkultur profitieren stark vom Wissenstransfer

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OECD Kurzbericht  [PDF]

Den vollständigen Bericht stellt die OECD auf ihrer Website zur Verfügung.

LÜNEBURG. Nach Ablauf der Förderungsdauer hat das EU-Großprojekt Leuphana Innovations-Inkubator seine Erwartungen mehr als erfüllt. Zu diesem Schluss kommen zwei voneinander unabhängige Untersuchungen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung in Paris (OECD) und des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil würdigte den Inkubator am (heutigen) Mittwoch in Lüneburg. Die Leuphana habe dank der Förderung mit neuen, anwendungsorientierten Forschungsinitiativen der wissensbasierten Wirtschaftsentwicklung in der Konvergenzregion nachhaltige Impulse gegeben. Themen wie digitale Medien, nachhaltige Energie und Gesundheit seien erfolgreich zu Treibern eines regionalen Innovationssystems entwickelt worden, an dem fast 600 Kooperationspartner beteiligt sind, so Weil. Holm Keller, der hauptberufliche Vizepräsident der Leuphana, sagte: „Das Ende der Inkubator-Förderung markiert den Beginn einer künftig noch engeren Kooperation von Wissenschaft und Wirtschaft in unserer Region“. Ziel ist eine weitere Verbesserung der Forschungsinfrastruktur sowie die Stärkung der regionalen Wirtschaftskraft.

Gestartet wurde der Inkubator 2009 als Pilotprojekt der Europäischen Union im Rahmen der EU-Lissabon-Strategie und als Anschubhilfe für eine verbesserte Wettbewerbsfähigkeit der regionalen Wirtschaft. Seitdem flossen 98 Millionen Euro in diese Initiative. Zahlreiche Forschungsvorhaben an der Leuphana setzen die Arbeit fort. Der Löwenanteil der Forschungsgelder stammt mit 63 Millionen Euro von der EU, 22 Millionen Euro steuerte das Land Niedersachsen bei. Die Leuphana beteiligte sich mit 13 Millionen Euro. Allein 14 Millionen Euro vom Gesamtbudget fließen in das künftige Innovations- und Forschungszentrum der Leuphana im neuen Libeskind-Zentralgebäude. Dort entstehen mehr als 200 Arbeitsplätze.

Erfolg mit regionalem Innovationschub

Die OECD bescheinigt dem Inkubator in ihrer Studie eine erfolgreiche Arbeit mit anhaltend positiven Effekten und benennt die Felder, auf denen das Projekt punkten konnte: So sei es gelungen, mit Hilfe des Inkubators neue Innovationstreiber in der Region zu schaffen. Neben den zahlreichen Start-ups sind dies zum Beispiel Kooperationen mit international agierenden Unternehmen und NGOs. Einen weiteren Erfolg sieht die OECD-Studie im Aufbau von zusätzlichen Forschungs- und Transferkapazitäten sowie der Schaffung einer nachhaltigen Infrastruktur für die Fortsetzung dieser Aktivitäten. Die Inkubator-unterstützte Weiterentwicklung des Studien- und Universitätsmodells der Leuphana auf ein international anerkanntes Niveau wertet die Studie als weiteren bemerkenswerten Fortschritt und stellt in diesem Zusammenhang vor allem die Aktivitäten der Professional School sowie die neu entstandene Digital School der Universität heraus, die mit ihren Angeboten Pionierarbeit geleistet habe.

Mehr Arbeitsplätze geschaffen als gefordert

Insgesamt wurden durch die Zusammenarbeit mit Inkubator-Forschern 420 Arbeitsplätze in der Konvergenzregion (dem ehemaligen Regierungsbezirk Lüneburg) geschaffen oder gesichert. Damit liegt das Ergebnis weit über dem von der EU geforderten Wert. Unmittelbar gingen aus dem Inkubator zwölf neue Firmen hervor; die EU hatte jeweils fünf Aus- und Neugründungen zum Ziel gesetzt. Außerdem wurden über 60 weitere Gründungen inhaltlich und organisatorisch durch den vom Inkubator finanzierten Gründungsservice der Leuphana unterstützt. Weitere 20 sind in Vorbereitung.

Aktuelle Zahlen des Nürnberger IAB liefern Hinweise für die Wirkung des Inkubators auf die allgemein positive Entwicklung der regionalen Wirtschaft. Das zeigt sich an der Anzahl besonders forschungsintensiver Unternehmen in der Konvergenzregion, die zwischen 2008 und 2014 mit einem Plus von 4,8 Prozent deutlich zugelegt haben, während zeitgleich die Entwicklung im Land Niedersachsen zurückging (- 4,1 Prozent). Auch Westdeutschland registrierte eine negative Tendenz (- 3,6 Prozent).

Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in der Konvergenzregion knüpft an diesen Trend an. Sie stieg von 2008 bis 2014 signifikant um 12,8 Prozent und lag ebenfalls über den Werten in Niedersachen (+ 0,6 Prozentpunkte) und Westdeutschland (+ 3,0 Prozentpunkte). Auffällig ist das starke Wachstum der Beschäftigung im Bereich „Digitale Medien“, dort besonders in der Sparte „Medien und Kultur“ (+38,7 Prozent). Der Inkubator selbst beschäftigte während der gesamten Laufzeit rund 640 Mitarbeiter/innen.
Frank-Jürgen Weise, der Vorsitzende des Vorstands der Bundesagentur für Arbeit, betont angesichts der schon jetzt erkennbaren nachhaltigen Arbeitsmarkteffekte des Inkubators das große Potential des Modells: „Das Lüneburger Projekt zeigt vorbildlich, wie Wirtschaftsförderung durch Wissenschaft gelingen kann.“

Aushängeschild „Digitale Medien“


Der Innovations-Inkubator setzte auf die enge Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft in international und transdisziplinär ausgerichteten Kompetenztandems. In Lüneburg konzentrierten sich zwölf Tandems auf die drei Themenfelder „Digitale Medien“ (Moving Image Lab, Art and Civic Media, Grundversorgung 2.0, Hybrid Publishing Lab), „Nachhaltige Energie“ (Biokerosin, Thermische Batterie, EnERgioN) sowie „Gesundheit“ (Vernetzte Versorgung, Management-Modelle, Gesund im Beruf, GET.ON, HeaLinGo).

Allein 12 der 17 Aus- und Neugründungen und Ansiedlungen kommen aus dem Bereich „Digitale Medien“. Einige Beispiele: Die Explainity GmbH entwickelt Maßnahmen, Strategien und Werkzeuge zur Komplexitätsreduktion, vor allem Videoclips von gesellschaftlicher Relevanz. Hausmarke.TV UG produziert Videos „Dokumentarischer Werbung“. Candena GmbH vertreibt technische Lösungen zur Vermittlung von Bildungsinhalten durch Dritte (Massive Open Open Online Course-Plattform). Die Online-Plattform ADDACT GmbH bietet ein Ticketing/Crowdfunding-Modell zur fanbasierten Finanzierung von Konzerten und Tourneen. Edkimo GmbH hat eine Feedback-App für den Schulunterricht entwickelt. Zu den Förderern des Forschungsschwerpunkts „Digitale Medien“ gehören neben dem Bundesministerium für Bildung und Forschung die Robert Bosch Stiftung, die Niedersächsische VolkswagenStiftung und die Deutsche Forschungsgemeinschaft. Insgesamt wird die Arbeit mit 9,8 Millionen Euro unterstützt.

Weitere Start-ups sind Inocas GmbH (nachhaltige Biokerosin-Produktion), Novego AG (webbasierte Unterstützung bei psychischen Erkrankungen), chem2store (Verwertung von Wärmespeichern), GET.ON Institut für Online Gesundheitstrainings GmbH und Minddistrict GmbH. Es gibt zwei patentierte Entwicklungen: den FeQuan-Sensor, der vor Rost in Brunnen und Rohrleitungen warnt, sowie die Thermische Batterie, einen kompakten Wärmespeicher für Einfamilienhäuser. Eine Ausgründung steht bevor. Die Technologie wurde im Schwerpunkt „Nachhaltige Energie“ entwickelt. Von dort kommt auch das Projekt EnERgioN. Es beschäftigt sich mit der Frage, ob und wie sich Bundeswasserstraßen als Energie-Speicher eignen, konkret etwa das Schiffshebewerk Scharnebeck und die Schleuse Uelzen am Elbe-Seiten-Kanal. GET.ON steht neben dem Spin-Off Novego im Mittelpunkt des Schwerpunkts „Gesundheit“. Elf psychologische Online-Trainings helfen bei der Prävention und Therapie psychischer Beschwerden. Ausgründung in Lüneburg ist das GET.ON Institut.

Der Inkubator bleibt eine feste Größe

Der Leuphana Innovations-Inkubator hat sich als feste Größe in der Konvergenzregion etabliert. Im Sommer 2014 wurde der Celler IT-Spezialist Delta plus Datensysteme als 500. Kooperationspartner begrüßt. 45 unterschiedliche Kooperationsformate standen zur Wahl  – vom studentischen Forschungsprojekt über Workshops, Tagungen und die Zusammenarbeit in Netzwerken bis hin zu großen internationalen Forschungs-kooperationen. Unternehmer und Forscher entwickelten gemeinsam neue Prozesse, Produkte und Dienstleistungen. Bis Juni 2015 nutzten 570 Unternehmen und Organisationen den Wissenstransfer aus der Hochschule in die Wirtschaft, davon 425 aus der Region. Die Leuphana war im „Gründungsradar 2012“ und im „Gründungsradar 2013“ des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft die beste Gründeruniversität unter den mittelgroßen Hochschulen Deutschlands. Rund 8.300 Vertreter regionaler Unternehmen und Organisationen nahmen an Veranstaltungen des Inkubators teil. Darüber hinaus inspirierte der Inkubator die Region Toscana und die Republik Malta zu ähnlichen Regionalprojekten.

Die Universität profitiert massiv: 550 Forscher arbeiteten während der Förderung zusätzlich an der Leuphana, davon 90 aus dem Ausland und von weltweit renommierten Universitäten wie Yale und Brown (USA) oder der Copenhagen Business School. Die Leuphana nahm durch den Inkubator 12,5 Millionen Euro Drittmittel ein. Der Inkubator hat außerdem einen nachhaltig positiven Einfluss auf die Lehrentwicklung an College und Graduate School sowie auf die Entwicklung selbsttragender Weiterbildungsformate an der Professional School.

KENUP – das neue Großprojekt

Mit KENUP beflügelt der Leuphana Innovations-Inkubator ein weiteres von der Universität angetriebenes Großprojekt, an dem 67 Partner aus 19 europäischen Ländern, dem Nahen Osten, den USA und China beteiligt sind. Ihm gehören die Regierungen von Malta und Kroatien, die Weltgesundheitsorganisation WHO, Israels Nationales Innovationsprogramm für personalisierte Medizin, Programme aus Jordanien und Palästina und einige der weltbesten Universitäten und Forschungseinrichtungen an, darunter Harvard, MIT Media Lab, die Universität Zürich oder das Weizmann Institute. KENUP will künftig Projekte vor allem aus dem Gesundheitsbereich im Rahmen des so genannten Juncker-Plans realisieren. Insgesamt soll dieser Plan zwischen 2015 und 2017 mehr als 300 Milliarden Euro mobilisieren. Kernstück des Investitionspakets ist der europäischen Fonds für strategische Investitionen (EFSI), der die EU-Wirtschaft ankurbeln und die Arbeitslosigkeit verringern soll. EU-Mittel sollen dabei Investitionen privater Anleger in vielfacher Höhe ermöglichen.

Den vollständigen Bericht stellt die OECD auf Ihrer Website zur Verfügung.