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Prof. Urban erforscht Klima und Umwelt vor 300.000 Jahren

15.08.2017 Schöningen/Lüneburg. Ein ehemaliger See im ostniedersächsischen Braunkohletagebau Schöningen hat sich zu einem Eldorado für nationale und internationale Wissenschaftler entwickelt. Der hervorragende Erhaltungszustand der altsteinzeitlichen Funde dort bietet den Forschern beste Voraussetzungen, um die damalige Klimaentwicklung, die Umwelt und die Fähigkeiten der Frühmenschen zu untersuchen. Auch Professor Dr. Brigitte Urban ist mit einem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projekt an der Arbeit beteiligt.

Professor Urban erläutert während einer internationalen Tagung an der Ausgrabungsstätte die Schichtenfolge des ehemaligen Schöninger Sees und die Umweltverhältnisse zur Zeit des Homo heidelbergensis

Gemeinsam mit ihrer Kollegin Professor Dr. Antje Schwalb von der TU Braunschweig möchte die Lüneburger Ökologie-Professorin im Rahmen ihres Projekts die Klima- und Umweltvariabilität von der Warmzeit bis in die beginnende Kaltzeit rekonstruieren und mit anderen Standorten der Nordhemisphäre vergleichen. Dafür werden geobiologische, geochemische und archäologische Ergebnisse kombiniert. Brigitte Urban bearbeitet in Schöningen eine Zeitspanne von etwa 300 000 Jahren bis heute. 



Am Institut für Ökologie an der Leuphana werden Pollen, weitere Pflanzenreste und die Sedimententstehung der Schöninger Fundstellen untersucht. Mit einem Stechkästen und speziellen Metallzylindern entnehmen Wissenschaftler dafür unterschiedliche Proben aus den ufernahen Sedimenten des ehemaligen Sees. Brigitte Urban arbeitet in dem Projekt eng mit der Umweltgeologin Antje Schwalb und deren Mitarbeitern zusammen. Die übernehmen die mikroskopische Untersuchung von Kleinstlebewesen wie Insekten, Kieselalgen oder Muschelkrebsen. 



Mit Seespiegelrekonstruktionen und weiteren Untersuchungen des Ablagerungsmilieus wollen die Wissenschaftlerinnen die Seeentwicklung und ihre Ursachen beleuchten. Damit verfolgen sie auch das Ziel, mehr über die Umwelt und die Jagdstrategien des Homo heidelbergensis vor rund 300 000 Jahren zu erfahren. Schon die im gleichen Untersuchungsgebiet gefundenen ältesten bekannten Holzwaffen, die Schöninger Speere, gaben Hinweise darauf, dass diese Frühmenschen über bis dahin unbekannte Fähigkeiten zur organisierten Jagd und zum komplexen, abstrakten Denken verfügten.




Die DFG fördert die aktuelle Untersuchung der altsteinzeitlichen Fundstelle für die Dauer von drei Jahren mit rund 100.000 Euro.