Heinrich-Heine-Gastdozentur 2013: Ursula Krechel

Ihr Emigrationsroman „Shanghai fern von wo“ von 2008 fand viel Beachtung und Lob bei der Literaturkritik. Für ihren Roman "Landgericht" wurde Ursula Krechel mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet. Im Juni 2013 kam die Autorin und promovierte Germanistin als fünfte Heinrich-Heine-Gastdozentin an die Leuphana Universität Lüneburg. Am 21. Juni 2013 hielt sie eine öffentliche Vorlesung im Hörsaal 4 der Leuphana. Der Publizist und Redakteur Wend Kässens moderierte die Veranstaltung.

Ursula Krechel war als Dramaturgin tätig, bevor sie sich 1972 zu einem Leben als freie Schriftstellerin entschied. Zunächst profilierte sie sich als Lyrikern, verfasste aber auch Prosa, Essays, Theaterstücke und Hörspiele. Das Fremdsein im Exil und das Fremdbleiben nach der Rückkehr sind die zentralen Motive in Ursula Krechels beiden Romanen. Über „Landgericht schrieb Martin Zingg in der NZZ: „Romane wie dieser sind selten. Ursula Krechels ′Landgericht′ ist ein Glücksfall.“

Ursula Krechel, 1947 in Trier geboren, studierte  Germanistik, Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte und promovierte mit einer Arbeit über den Theaterkritiker Herbert Ihering. Zu ihren jüngsten Gedichtbänden gehören "Mittelwärts" (2006) und "Jäh erhellte Dunkelheit" (2010). Ihr Werk wurde vielfach ausgezeichnet u.a. mit dem Rheingau Literatur Preis, dem Joseph-Breitbach-Preis und zuletzt mit dem Deutschen Buchpreis 2012.

Ursula Krechel war Gastprofessorin an der Warwick University/England und am Deutschen Literaturinstitut Leipzig und leitet die Werkstatt Prosa im Literarischen Colloquium Berlin. Sie ist Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland und der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung.

In ihrem aktuellen Roman „Landgericht“ schildert Krechel das Leben von Richard Kornitzer, der 1947 die Rückkehr aus dem Exil nach Deutschland wagt. Von Beruf Richter, ist die Nazizeit mit ihren absurden und tödlichen Regeln der Riss durch sein Leben. Nichts ist mehr wie vorher, die kleine Familie zwischen dem Bodensee, Mainz und England versprengt und die Heimat beinahe fremder als das in magisches Licht getauchte Exil in Havanna. In einer Zeit, die zwischen Depression und Aufbruch schwankt, gelingt Kornitzer das Ankommen nicht. Der Roman erzählt, indem er Dokumentarisches und Fiktives kombiniert, mit großer Wucht von den Gründungsjahren einer Republik.