Populärkultur als Vergesellschaftungsmodus

Zur Anschlussfähigkeit medialer Unterhaltungsangebote an Alltagserfahrungen junger Erwachsener
Kurzinformation
Jun.-Dr. Tanja Thomas
Leuphana Universität Lüneburg
Beantragt bei der DFG
Zusammenfassung des Projekts
‘Populärkultur’ als wesentlichen Modus der Vergesellschaftung zu diskutieren ist sicherlich keineswegs neu; unter den gegebenen Bedingungen einer ‚Rückkehr der Unsicherheiten’ in einer deregulierten Marktgesellschaft sowie angesichts der Mediatisierung von Alltag, Identität, sozialen Beziehungen, Kultur und Gesellschaft lässt jedoch eine Wiederbelebung des Interesses an dem wechselseitigen Ineinandergreifen von Normierung einerseits und der Entwicklung von Freiheitsmomenten andererseits, welches Kultur immer schon auszeichnete, neue Erkenntnisse erwarten.
Zur exemplarischen Bearbeitung dieser Fragstellung wendet sich das Projekt ausgewählten TV-Formaten des ‚Lifestyle-TV’ als einer spezifischen Form des Reality-TV zu. In diesen Sendungen, die auch als Beispiel für die Zunahme medialer Alltagsthematisierung und -dramatisierung diskutiert werden, werden Techniken der Lebensführung hinsichtlich der Gestaltung der eigenen Erscheinung (Makeover-shows), der eigenen Umgebung (Heimwerkersendungen), Partnerwahl (Dating-shows), beruflichem Erfolg (Castingshows) etc. thematisiert und inszeniert. Damit haben sie – so eine der häufig geäußerten kritischen Stellungnahmen zu diesem Genre – angesichts der gestiegenen Anforderungen an die Selbstverantwortung der Einzelnen bereits eine Tradition medialer Inszenierungen der ‚Arbeit am Selbst’ etabliert.
Vor diesem Hintergrund werden in dem Projekt „Populärkultur als Vergesellschaftungsmodus“ erstens ausgewählte Angebote des ‚Lifestyle-TV’ hinsichtlich der in ihnen präsentierten ‚Subjektivierungspraktiken’ und ‚Techniken der Lebensführung’ untersucht, zweitens die Qualität der Anschlussfähigkeiten zwischen Medien- und Alltagserfahrungen theoretisch konturiert und operationalisiert, drittens Rezeption und Aneignung (hier im Speziellen junger Erwachsener) empirisch rekonstruiert und viertens die Ergebnisse gesellschaftstheoretisch kontextualisiert.


