Forschung & Projekte
Prof. Dr. Thomas Wein
Die bisherigen drittmittelfianzierten Forschungsprojekte bezogen sich auf empirisch ausgerichtete Untersuchungen deregulierter Wirtschaftssektoren (Handwerk, Strom, Gas, Versicherungen).
Im Herbst 2009 beginnt ein neues Projekt zum deregulierten Postmarkt.
Wettbewerbspotenziale im niedersächsischen Postmarkt
Zum 1.1.2008 wurde ein wichtiges staatliches Monopol aufgehoben: Die Deutsche Post AG (DPAG) verlor die Exklusivlizenz für die Beförderung und Zustellung von Briefen bis 50 g. Der bisherige Wettbewerb im Briefmarkt konzentrierte sich zwangsläufig auf die so genannten höherwertigen Dienstleistungen (z.B.: taggleiche Zustellung, Abholung beim Versender, etc.), was faktisch nur für lokale Märkte möglich war. Zeitgleich zur Marktöffnung wurden durch den Gesetzgeber Mindestlöhne durchgesetzt, mit denen die Lohnkos-ten der Wettbewerber zwar angehoben wurden, nicht jedoch auf das Lohnniveau der DPAG. Angekündigte Marktzutritte nationaler Wettbewerber sind mit dieser Begründung abgesagt worden. Weshalb konnten Markteintritte abgeschreckt werden, obwohl die Lohnkostenvorteile der Wettbewerber nicht zur Gänze aufgehoben worden sind?
Eine nähere theoretische Analyse des Postmarktes zeigt, dass dieser Sektor keine Einheit bildet: Teilt man das Postwesen in die Wertschöpfungsstufen „Einsammlung, Abgangs-sortierung, Transport (auf langen Strecken), Eingangssortierung sowie Zustellung“ auf, so ist für eine Wertschöpfungsstufe Wettbewerb zu erwarten, wenn es mehrere Anbieter geben könnte (keine subadditive Kostenfunktion bzw. kein natürliches Monopol) oder der Marktneuling genauso wie der Etablierte auf Faktor- und Gütermärkten agieren kann (fehlen asymmetrischer Marktzutrittsschranken), keine irreversible Investitionen getätigt werden müssen bzw. der Marktzutritt kürzer dauert (entry lag) als die Preisreaktions-spanne (price adjustment lag) des Etablierten (Bestreitbarkeit). Diese strukturellen Unterschiede können bereits auf der theoretischen Ebene zu sehr unterschiedlichen Markteintrittspotenzialen führen.
Die bisherige empirische Literatur konzentriert sich auf die Frage nach subadditiven Kostenfunktionen, vernachlässigt aber die Erfassung der Bestreitbarkeit. Durch eine schriftliche Befragung von niedersächsischen Postdienstleistern können die Produktionstechnologien, insbesondere hinsichtlich asym-metrischer Marktzutrittsschranken, Irreversebilität und entry lag, überblicksartig erfasst werden. Jedoch nur vertiefende mündliche Interviews erlauben eine valide Erfassung dieser Einflussfaktoren. Diese ergänzende empirische Untersuchung kann die Chancen für Wettbewerb im Postwesen – trotz Einführung der Mindestlöhne - erfassen. Erst danach ist absehbar, ob aus wirtschaftspolitischer Sicht die Mindestlohngesetzgebung dauerhaft wirksamen Wettbewerb im Postwesen verhindert.



