Prof. Dr. Dr. h.c. Deborah Hensler

Vita

Deborah R. Hensler ist eine der führenden Wissenschaftlerinnen auf dem Gebiet des Zivilrechtssystems sowie in der empirischen Untersuchung rechtlicher Verfahren. Hensler studierte Politikwissenschaften am Hunter College in New York City und promovierte 1973 am Massachusetts Institute of Technology ebenfalls in Politikwissenschaften. Anschließend wurde sie Mitglied der RAND Corporation (Research ANd Development, dt. Forschung und Entwicklung) in Santa Monica, California. Während sie dort als Sozialwissenschaftlerin tätig war, entwickelte sich die Untersuchung des Justizsystems zu ihrem Forschungsschwerpunkt. Sie wurde Gründungsmitglied und später Leiterin des RAND Institute for Civil Justice, welches in den USA zu einem der wichtigsten Zentren für die empirische Untersuchung von zivilrechtlichen Streitsachen avancierte. Diese Arbeit kulminierte schließlich in eine große RAND-Studie über Sammelklagen (collective litigation), die unter dem Titel „Class Action Dilemmas: Pursuing Public Goals For Private Gain“ veröffentlicht wurde. Der Studie  wurde nicht nur internationale Anerkennung zugesprochen, sondern sie führte auch dazu, dass Deborah Hensler sich als eine der führenden Expertinnen für Verbandsklagen etablieren konnte.

Von 1991 bis 1998 war Deborah Hensler als Professorin für Recht und Sozialwissenschaften am Law Center der University of Southern California in Los Angeles beschäftigt. Daraufhin nahm sie 1998 die Judge John W. Ford Professur  of Dispute Resolution an der Stanford Law School auf. Bis heute ist Hensler stellvertretende Dekanin für Graduate Studies.

In den letzten Jahren hat Deborah Hensler den internationalen und komparativen Aspekt ihrer Arbeit signifikant ausgeweitet und ein internationales Forschungsnetzwerk zu kollektiver Prozessführung begründet. Zu diesem Thema hat Hensler eine Reihe bedeutender Forschungskonferenzen organisiert, die weltweite Aufmerksamkeit erlangten und von Teilnehmern aus allen Kontinenten besucht wurden. Deborah Hensler wurde zum Fellow der American Academy of Arts and Sciences und der American Academy of Political and Social Science gewählt. Sie ist außerdem als Gastprofessorin an verschiedenen Universitäten tätig, unter anderem der University of Chicago und der Oxford University.  2011 wurde ihr  an der Tilburg Universität in den Niederlanden der Personal Chair in Empirical Studies on Mass Claims Resolution zugesprochen.

Wenn man versucht ein immer wiederkehrendes Thema in Deborah Henslers akademischer Karriere zu suchen, so stößt man vor allem auf ihre Beharrlichkeit, empirisches Wissen zu generieren und empirische Fragestellungen im Bezug auf das Gesetz zu untersuchen. Wie funktioniert das Rechtssystem in der Realität und was sind empirische Effekte, die durch Rechtsinstrumente und Rechtslehre hervorgebracht werden? Was müssen wir wissen, um bestimmte Aspekte des Rechtssystems auszuwerten und welche Fragen müssen gestellt werden? Dieser Ansatz ist im Kontext der traditionellen Rechtswissenschaft, in der empirisches Wissen lange hintangestellt wurde, revolutionär. Besonders im Gebiet gemeinsamer Prozessführung ist Henslers Ansatz relevant, da scharfe politische Diskussionen – in den USA wie in den Ländern der EU – häufig völlig ohne jegliche empirische Evidenz für eine der beiden Seiten geführt werden. Deborah Hensler fordert diese weitverbreitete Ignoranz heraus, indem sie empirische Fragestellungen systematisch und umfassend untersucht. Prof. Dr. Deborah R. Henslers Werk ist daher ein brilliantes Beispiel für eine kritische Wissenschaft im Kant’schen Sinn: Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!

In Anerkennung ihrer Leistungen auf dem Gebiet empirischer Untersuchungen des Rechtssystems wird Deborah Hensler hiermit zur Ehrendoktorin (dr.iur.) der Fakultät Wirtschaftswissenschaften der Leuphana Universität Lüneburg ernannt.