Lehrangebot

Aktuelle Lehrveranstaltungen

Prof. Dr. Manuela Bojadžijev

Denken gegen Rechts: Perspektiven der Kulturwissenschaften
Die Vorlesung Paradigmen II stellt unter dem Titel "Denken gegen Rechts" zentrale Begriffe der Kulturwissenschaften vor und fragt, inwieweit die Kulturwissenschaften zu einer kritischen Analyse aktueller und auch nicht mehr so aktueller rechter Politiken beitragen können. Entstanden ist die als Ringvorlesung gestaltete Vorlesungsreihe, an der sich zahlreiche Lehrende der Kulturwissenschaftlichen Fakultät beteiligen, aufgrund der politischen Dringlichkeit, die sich mit dem (Wieder)Aufstieg einer der Rechten in Europa und darüber hinaus (USA, Russland, Türkei, Indien, Philippinen etc.) ergeben hat. Seither entbrennt ein Streit darum, ob und in welcher Weise Kulturwissenschaften selbst mit der Betonung des Kulturellen (statt des Politischen) zur Formierung von Identitätspolitiken beigetragen oder mit der Dekonstruktion von Wahrheitsansprüchen dem Fake-Diskurs den Weg bereitet haben. Die Vorlesungsreihe nimmt sich zentrale Begriffe dieser Auseinandersetzung und der aktuellen kulturwissenschaftlichen Diskurse vor und analysiert ihre Grenzen und Tragweiten. Zur Sprache kommen u.a. Populismus, Klasse, Differenz, Wahrheit/Verifizierung, Diskriminierung, Rassismus, Aufklärungskritik, Afrikanische Philosophie, Dekoloniale Ästhetiken, Widerstand, Komplexität vs. Mobilisierung, Unternehmertum, Real Estate und Regierung.
Ziel: Anhand von Schlüsselbegriffen der Kulturwissenschaften erhalten die Studierenden einen Einblick, wie anhand dieser eine kritische Analyse der Gegenwart erfolgen kann. Gleichzeitig dient die Ringvorlesung einer Selbstverständigung der Lüneburger Kulturwissenschaften.
Eine theoretische Geschichte der Kulturwissenschaften
1983 hielt der britische Kulturwissenschaftler und damalige Leiter des Centre for Contemporary Cultural Studies in Birmingham, Stuart Hall, an der US-amerikanischen University of Illinois at Urbana-Champaign eine Reihe von Vorlesungen. Diese Reihe fand im Kontext eines "teaching institute" (und einer Konferenz) mit dem Titel “Marxism and the Interpretation of Culture: Limits, Frontiers, Boundaries” statt, organisiert von Cary Nelson und Lawrence Grossberg. Die Vorlesungsreihe und die Konferenz, bei der einschlägige Kulturwissenschaftlerinnen und Kulturwissenschaftler beteiligt waren, entpuppte sich als sehr einflussreich in Bezug auf die Entwicklung der Kulturtheorie in einer Reihe von Disziplinen. Die Vorlesungen von Stuart Hall, die uns eine theoretische Geschichte entlang zentraler Begriffe liefert, sind von Jennifer Daryl Slack und Lawrence Grossberg nun im letzten Jahr veröffentlicht worden.

Das Seminar widmet sich entlang der Lektüre des Buches und ausgewählter Sekundärliteratur den zentralen Begriffen der Kulturtheorie (etwa marxistische Theorie, Ideologie, Hegemonie, Widerstand) und befragt diese auf ihre eigene Geschichtlichkeit, interne Kohärenz sowie ihre institutionelle Verortung. Es stellt auf der Grundlage der Vermittlung dieser Grundbegriffe die Frage nach ihrer Aktualität, den Potentialen und Grenzen ihrer Aktualisierung und nach den vorhandenen Lücken in Hinblick auf eine aktuelle Fassung der Kulturwissenschaften - sowohl in Bezug auf ihre kulturtheoretischen, wie auch ihre kulturanalytischen Dimensionen.
Ziel: Von den Studierenden erwarten wir die Bereitschaft sich mit reichlich theoretischer Literatur vertraut zu machen, das Interesse, diese verstehen und diskutieren zu wollen sowie offen für die Frage danach zu sein: Warum und zu welchem Ziel studieren und lehren wir Kulturwissenschaften?
Forschungskonferenz: 30 Jahre "Rasse, Klasse, Nation"
1988 erschien in Frankreich die bahnbrechende Studie Rasse, Klasse, Nation: Ambivalente Identitäten – von Étienne Balibar und Immanuel Wallerstein nach dialogischen Prinzipien verfasst. Die Relevanz der in diesem Buch untersuchten Fragen nach der grundlegenden Verstrickung des Rassismus mit den Kategorien Klasse und Nation ist bis heute unumstritten, wenn auch eine Aktualisierung ansteht. Dieser nimmt sich eine dreitätige Veranstaltung im Haus der Kulturen der Welt vom 15.-18. März 2018 an: ForscherInnen und TheoretikerInnen aus unterschiedlichsten fachlichen, sprachlichen und lokalen Kontexten diskutieren und analysieren vor dem Hintergrund heutiger Entwicklungen den Zusammenhang der drei Kategorien – sowie die Verbindung zur Kategorie des Geschlechts, das in dem Buch prominent konzeptualisiert wird, sowie der Religion.

Im Zentrum der Veranstaltung steht die Frage, was eine „Praxis der Theorie“ heute bedeuten kann. Wie lässt sich der Schnittpunkt von Theorie und Praxis als Akt der gesellschaftspolitischen Verhandlung wieder fruchtbar machen? So bietet der dialogische Ansatz der theoretischen und analytischen Auseinandersetzung des Buches auch den Anknüpfungspunkt für die Veranstaltung. Die vier Kapitel von Rasse, Klasse, Nation – „Der universelle Rassismus“, „Die historische Nation“, „Die Klassen: Polarisierung und Überdeterminierung“ und „Verschiebungen des gesellschaftlichen Konflikts?“ – strukturieren die Veranstaltung: Jeder Teil bearbeitet aktuelle Fragen zu den Kernthemen des Buches und führt sie im Kontext heutiger Konjunkturen zusammen.
Ziel: Eine Forschungsperspektive leitet dabei die Fragestellungen der Konferenz und wird im Seminar weiter bearbeitet und ausgearbeitet. Insofern wird der Ansatz einer „Praxis der Theorie“ durch den Einbezug verschiedener Rezeptionsräume des Buches gestärkt und erweitert. Rasse, Klasse, Nation wurde in neun verschiedene Sprachen übersetzt – neben den süd- und westeuropäischen wie Deutsch, Englisch, Italienisch, Spanisch etwa auch ins Griechische, Japanische, Koreanische, Russische und Türkische. Welche Diskussionen haben das Buch und seine Themen in unterschiedlichen lokalen Zusammenhängen ausgelöst? Welche Einsichten hat es ermöglicht? Hat es Politiken inspiriert? Und welche? Welche zentralen Fragen, die man heute (neu) stellen muss, ergeben sich aus der Rezeption des Buches? Und wie stellen wir sie neu? An verschiedenen Orten der Welt finden darüber hinaus Workshops statt, die eine Aktualisierung der Problematiken und Fragen des Buches diskutieren. Ziel des Praxisseminars ist es, vor der Konferenz, die Teilnehmenden aus aller Welt in einen virtuellen Dialog zu setzen, der im März 2018 vor Ort weitergeführt wird.
Forschungskolloquium Soziologie und Kulturorganisation
Forschungskolloquium Soziologie und Kulturorganisation
Weitere Angaben zu den Lehrveranstaltungen finden Studierende im Studienportal myStudy.

Lehrerfahrung

Manuela Bojadzijevs Lehrerfahrung bezieht sich hauptsächlich auf Lehre zu einschlägigen Themen der Europäischen Ethnologie und empirischen Kulturwissenschaft in Methode und Theorie, mit besonderem Schwerpunkt auf Migrationsforschung, Kulturtheorien, Anthropologie des Urbanen, Europäisierung und Globalisierung. Neben der Lehre im Rahmen des Lehrstuhls „Globalisierte Kulturen“ an der Leuphana Universität Lüneburg zählt dazu:

  • seit 2013: Lehre im Rahmen der Internationalen Sommerschulen “Teaching the Crisis. Geographies, Methodologies, Perspectives”, “Expanding the Margins. Borders, Migration, Mobilities” sowie “Investigating Logistics. Migration, Lifestyles, the Common(s)”
  • 2010–15: Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Europäische Ethnologie der Humboldt-Universität, Berlin.
  • 2010: Visiting Lecturer an der New York University (NYU) im Berliner Metropolitan Studies Program.
  • 2008-09: Lehre am Institut für Osteuropa-Studien der Freien Universität, Berlin.
  • 2008: Visiting Lecturer am Department of Sociology, City University, London.
  • 2007: Lecturer am Department of Sociology, Goldsmiths, University of London.

BETREUUNG VON STUDIERENDEN

  • 2012–    2 M.A.-Abschlussarbeiten nominiert für den Humboldt-Preis.
  • 2013–    3 Promovierende
  • 2010–    20 M.A.-Studierende und 12 B.A.-Studierende am Institut für Europäische Ethnologie, Humboldt-Universität, Berlin.
  • 2004–    Zahlreiche B.A.- und M.A.- Studierende an vorhergehenden Universitäten.