Prof. Dr. h.c. Nilüfer Göle

Vita

Nilüfer Göle wurde 1953 in Ankara geboren, elf Jahre später erwarb Göle ihr erstes Soziologie-Diplom an der „Middle East Technical University“ in Ankara. Bis 1987 studierte Nilüfer Göle an der „Université de Paris“ in Frankreich, wo sie 1982 an der „École des Hautes Études en Sciences Sociales“ in Soziologie promovierte. Nilüfer Göle schrieb ihre Doktorarbeit bei dem Soziologen Alain Tourraine.

Nach ihrer Rückkehr in die Türkei wurde sie von 1986 bis 2001 als Professorin an die „Bosporus University“ berufen. Nach 2001 zog Nilüfer Göle zurück nach Paris, wo sie seitdem Leiterin der „École des Hautes Études en Sciences Sociale“ ist.

Neben ihrer wissenschaftlichen Arbeit in der Türkei und Frankreich, war sie außerdem als Gastprofessoren an mehreren US-amerikanischen Universitäten tätig, unter anderem der “University of Michigan”, am “Massachusetts Institute of Technology” in Cambridge und an der “New School of Social Research” in New York. Darüber hinaus arbeitete Nilüfer Göle am „Bellagio Study Center“ in Intalien und am Wissenschaftskolleg zu Berlin.

 

Mitgliedschaften

Nilüfer Göle arbeitet für weitere Gremien und Ausschüsse. Sie ist Mitglied des wissenschaftlichen Rat des „Institut de Recherche et d’Études Méditerranée Moyen-Orient“ in Paris und am „Institut du Bosphore“ in Paris und Istanbul.

Weiterhin ist sie Mitglied des administrativen Gremiums  des “Aladdin Project of the Multifaceted Cultural Initiative Aiming at Building Bridges of Knowledge Between Jews and Muslims” in Paris und sitzt im wissenschaftlichen Rat des “Comparative Secularisms Project”, das zwischen der Türkei, Indien und den USA durchgeführt wird.

Wisssenschaftlicher Fokus

Prof. Dr. h.c. Nilüfer Göle beschäftigt sich in ihren wissenschaftlichen Arbeiten vor allem mit den kulturellen Perspektiven und Problemen von Identität. 

In ihrem Werk „The Forbidden Modern: Civilization and Veiling“, das 1996 veröffentlich wurde, vertritt Nilüfer Göle die Meinung, dass in der modernen türkischen Welt versucht wird, lokale und ausländische Kulturen und Identitäten in einer nationalen Identität zu vereinen. Aus Göles soziologischer Perspektive ist der Islam nicht nur eine politische Bewegung, sondern vermittelt auch kulturelle Praktiken und Lebensweisen, die der Homogenisierung der modernen Welt gegenüber stehen.

Im Zuge der Säkularisierung wurden Kopftücher und Schleier in türkischen Universitäten und in öffentlichen Institutionen verboten. Nilüfer Göle spricht sich dafür aus, das Tragen von Kopftüchern in öffentlichen Institutionen zu erlauben, da die Kopfbedeckungen für die Sozialisierung der Frauen, die den sogenannten mittleren oder unteren Klassen angehören, eine wichtige Rolle spielen würden. Gleichzeitig kritisiert sie sowohl die türkische Kultur als auch die islamischen Praktiken, da beide Bewegungen die so genannte „Kopftuch“-Debatte für ihre eigenen Zwecke instrumentalisieren würden, zum Beispiel um Frauen auf eine bestimmte Art und Weise zu beeinflussen. 

Nilüfer Göle kritisiert außerdem die breitgefasste Definition des Begriffes „Moderne“. Ihrer Meinung nach lege die „westliche Welt“ den Schwerpunkt zu sehr auf eine Vereinheitlichung von Gesellschaften und ignoriere die lokalen Werte und Kulturen zu sehr.

Ausgewählte Publikationen

  • Anverwandlungen: der Islam in Europa zwischen Kopftuchverbot und Extremismus. Aus dem Franz. von Ursel Schäfer. Berlin: Wagenbach, 2008
  • mit Ludwig Ammann (Hrsg.): Islam in Sicht. Aus dem Engl. von Henning Thies. Bielefeld: Transcript, 2004
  • Republik und Schleier. Die muslimische Frau in der modernen Türkei. Übers. Pia Angela Lorenzi. Berlin: Babel-Verl., 1995
  • Ingénieurs en Turquie: avant-garde révolutionnaire ou élite modernisatrise? Thèse 3ème cycle Sociol., Paris, E.H.E.S.S., 1982