Prof. Dr. Dr. h.c. Ronald Inglehart

Vita

Ronald Inglehart wurde am 5. September 1934 in Milwaukee, Wisconsin, in den USA geboren. Er studierte bis 1956 an der Northwestern University und promovierte 1967 im Anschluss an seinen Master an der University of Chicago.
Seit 1967 lehrt Professor Inglehart Politikwissenschaften an der University of Michigan. Außerdem arbeitet er als Gastprofessor unter anderem an den Universitäten in Genf, Rom und Kyoto und an der Academia Sinica in Taipei und dem Research Center of Berlin.

In den 1970er Jahren veröffentlichte Inglehart seine international anerkannte Theorie vom Wertewandel, in der er die Meinung vertritt, dass gesellschaftliche Veränderungen, wie zunehmender wirtschaftlicher Reichtum, verbesserte Bildungschancen, verbesserter Zugang zu Informationen, ein verfeinertes soziales Netzwerk und ein international stabiles politisches System die Werte einer Gesellschaft erheblich umgestalten. Inglehart sieht es als Resultat dieses neuen Wertesystems, dass Menschen materiellen Reichtum als selbstverständlich ansehen und immateriellen Werten eine zunehmend größere Bedeutung beimessen. Davon leitet Inglehart ab, warum Menschen, die in Industrienationen leben dieses neue Wertesystem repräsentieren, indem sie sich zum Beispiel mehr auf die Freiheit des Einzelnen, die eigene Selbstverwirklichung, soziales Engangement und einen hohen Lebensstandard fokussieren. Dieser Wertewandel habe die sozialen und politischen Modernisierungsprozesse in westlichen Industrienationen nachhaltig geprägt. Ingleharts bedeutendste Monographien “The Silent Revolution” (1977) und “Modernizaton and Postmodernization” (1977) wurden in viele Sprachen übersetzt und gehören zu den Standardwerken der heutigen Sozialwissenschaften.

Anfang der 1980er Jahre begann Inglehart sein Konzept des Wertewandels und der Modernisierung auf andere Teile der Welt zu beziehen. 1988 gehörte er zu den Mitgründern des „World Values Survey“, einer öffentlich zugänglichen Datenbank in der Umfragedaten aus fast hundert Nationen aus der ganzen Welt zusammengetragen werden. Auf der Grundlage dieser Daten entwickelte Ronald Inglehart seine renommierte „Cultural Map of the World“, die heute in den Politikwissenschaften, der Soziologie, Psychologie und Anthropologie zu den Hauptwerken gehört. Ronald Inglehart gehört damit im Feld der Sozialwissenschaften zu den weltweit fünf meistzitierten Wissenschaftlern.

Ronald Inglehart gehört der „American Academy of Arts and Sciences“ an und die Universitäten in Uppsala und Brüssel haben ihm, wie die Leuphana Universität Lüneburg, die Ehrendoktorwürde ausgesprochen. 2011 wurde Ronald Inglehart und seinem Kollegen Pippa Norris (Harvard University) der Johan Skytte Preis der Universität in Uppsala verliehen.

 

Publikationen