Forschung & Projekte

Inter- und Transdisziplinarität als responsive Forschungsform und Ausdruck gesellschaftlicher Ordnungsverschiebungen bildet den Rahmen der aktuellen Forschungstätigkeit. In zahlreichen Projekten werden dazu epistemologische und methodologische Fragestellungen bearbeitet und die Entwicklung von Methoden für die inter- und transdisziplinäre Forschung vorangetrieben. Dazu zählen Methoden der begriffs-, bild- und artefaktbasierten Grenzarbeit, des wechselseitigen Lernens und der (Wissens)Integration, sowie das Schnittstellendesign in interdisziplinärer Modellierung (Modellkopplung). Zu den Themenbereichen zählen Nachhaltigkeit und Nachhaltigkeitswissenschaften, nachhaltige Stadt- und Regionalentwicklung, Energieregionen und regionalen Klimaadaptionsprozessen sowie Gebietsschutz und Regionalentwicklung. Im Bereich der Pädagogik und Hochschuldidaktik gilt das Forschungsinteresse der Theorie und Praxis von transdisziplinärer Lehrforschung, dem Globalen Lernen und dem Lernortwechsel zwischen akademischer Ausbildung und außer-akademischen Praxisphasen.

Laufende Projekte:

Complexity or Control? Paradigms for Sustainable Development (CCP)

Das Projekt untersucht die Genese der gegenwärtigen Vorstellungen von Nachhaltigkeit sowie nachhaltiger Entwicklung und nimmt dabei die miteinander verflochtenen Geschichten von Kybernetik, der Theorie komplexer Systeme und von Nachhaltigkeit in den Blick. Das Ziel des Projektes besteht in der Weiterentwicklung epistemologischer und methodologischer Grundlagen für eine transdisziplinäre Nachhaltigkeitsforschung.

Vorstellungen über nachhaltige Entwicklung, das ist die zentrale Ausgangsthese des Projekts, unterliegen immer noch über weite Strecken einem Steuerungsideal, in dem sich die Kontrollkultur des 20. Jahrhunderts spiegelt, ja sie sind sogar ein zunehmend prominenter Ausdruck jener Kontrollfaszination, die den weit ausgreifenden Prozess der Kybernetisierung des Wissens und Denkens bis heute trägt. Damit verbindet sich die Vorstellung, dass nachhaltige Entwicklung auf Basis präziser Systemkenntnisse durch Steuerungs- und Kontrollvorhaben bestmöglich erreicht werden könne. Alternativen zu dieser anthropozänen oder kybernetischen Illusion, wie sie beispielsweise die Logik koevolutiver Prozesse in komplexen adaptiven Systemen oder transdisziplinären Konzeptionen von Nachhaltigkeit darstellen, existieren zwar, bedürfen allerdings noch der Konsolidierung und haben erst noch breitere Anerkennung zu gewinnen.

Das Projekt wird von dem Programm ‚Wissenschaft für nachhaltige Entwicklung‘ der VolkswagenStiftung/Niedersächsisches Vorab gefördert.

Laufzeit: 2015 - 2019

Leverage Points for Sustainability Transformation

Das Projekt lenkt die Aufmerksamkeit auf bislang wenig beachtete sogenannte „leverage points“ (Interventionspunkte) – Systemeigenschaften, bei denen kleine Änderungen zu fundamentalem Wandel im Gesamtsystem führen können. Leverage Points untersucht Wandel und Dynamiken in drei „tiefen“ und daher potenziell wirkmächtigen Systemeigenschaften. Das Projekt fokussiert auf drei nachhaltigkeitsrelevante Interventionspunkte: (1) institutionelle Dynamiken (RESTRUCTURE); (2) Mensch-Umwelt-Interaktionen (RECONNECT); (3) nachhaltigkeitsbezogene Wissensproduktion (RETHINK). Die Forschungsarbeiten bestehen aus konzeptionellen und empirischen Untersuchungen und transdisziplinären Fallstudien, die in Rumänien und Niedersachsen durchgeführt werden.

Im Rahmen einer formativen Begleitforschung wird das inter- und transdisziplinäre Forschungsteam mit Blick auf das Herausbilden epistemischer Lebenswelten, Kulturen und Gemeinschaften untersucht. Die Untersuchungen zielen auf ein tieferes Verständnis der Herausbildung nachhaltigkeitswissenschaftlicher Forschungsräume sowie transformativer Nachhaltigkeitsforschung ab.

Das Projekt wird von dem Programm ‚Wissenschaft für nachhaltige Entwicklung‘ der VolkswagenStiftung/Niedersächsisches Vorab gefördert.

Laufzeit: 2015 - 2019

Methoden- und Begleitforschung im Robert Bosch Graduiertenkolleg — Processes of Sustainabilty Transformation

With 12 PhD studies from different perspectives the Robert Bosch research group “Processes of Sustainability Transformation” casts a comprehensive view on transformation processes towards sustainability. The project offers opportunities to conduct research on drivers, barriers, and leverage approaches towards sustainability transformation. It tackles questions such as: How do sustainability transformation take place in different places and across time scales? What can we learn from successful transformation processes? What from failed ones? What are robust ways to foster transformation towards sustainability? The thematic focus of the research group is on food and textiles — to areas that have major sustainability implications in production and consumption on different scales. The accompanying research analyzes the application of methods for integration in inter- and transdisciplinary research teams.

Wird gefördert von: Robert-Bosch Stiftung

Laufzeit 2017-2020

Begleitforschung ZZL-Netzwerk

Das Projekt „ZZL-Netzwerk“ dient dem Aufbau einer institutionen- und phasenübergreifenden Kooperation in der Lehrerbildung. In den drei inhaltlichen Handlungsfeldern „Heterogenität und Inklusion“, „Kompetenzorientierte Unterrichtsgestaltung“ und „Professionsbezogene Unterstützungsangebote im Studium“ sollen neue Lösungsansätze entwickelt werden, die eine bessere Verzahnung zwischen Theorie und Praxis ermöglichen. Die Leuphana stellt sich damit einer zentralen Herausforderungen einer zukunftsorientierten Ausbildung von Lehrkräften: der Entwicklung einer „Kultur des Miteinanders“ der Akteure aus Universität, Schule, Studienseminaren und außerschulischen Einrichtungen. Anknüpfend an die in Niedersachsen etablierten Kooperationsstrukturen (z.B. Universität-Studienseminar-Tandems im Master-Langzeitpraktikum) und aufbauend auf der Arbeitsweise des Zukunftszentrums Lehrerbildung (ZZL) mit bisher drei Campus-Schulen sollen bestehende Netzwerkstrukturen erweitert werden. Das Begleitforschungsprojekt analysiert die Herausbildung dieses inter- und transdisziplinären Bildungs-, Forschungs- und Entwicklungsraumes.

Das Projekt wird im Rahmen der ‚Qualitätsoffensive Lehrerbildung‘, ein Bund-Länder-Programm zur Verbesserung der Lehrerbildung in Deutschland, vom BMBF gefördert.

Laufzeit: 2016 - 2019

Zukunftsstadt Lüneburg 2030+ (Phase II)

Zukunftsstadt Lüneburg 2030+ ist ein Kooperationsprojekt der Hansestadt Lüneburg und der Leuphana Universität und wird von Vertreter_innen unterschiedlichster Gesellschaftsbereiche, die in einer Steuerungsgruppe zusammenarbeiten, unterstützt. Aufbauend auf den Visionen, die 2015/16 von Studierenden, Bürger_innen und Wissenschaftler_innen der Leuphana Universität für eine zukunftsfähige und nachhaltige Hansestadt Lüneburg im Jahre 2013 und darüber hinaus entwickelt wurden, werden in Phase II Wege der Erreichung dieser Visionen erarbeitet. In 5 Handlungsfeldern arbeiten Teams aus unterschiedlichen Gesellschaftsbereichen und der wissenschaftlichen Forschung, unterstützt durch Studierende, und entwickeln Ideen und Maßnahmen. Unter anderem wir auch an der Transformation hin zu einem nachhaltigen Ernährungssystem in Lüneburg und an der Etablierung und Implementierung eines Ernährungsrates gearbeitet.

Dieses Projekt wird in Kooperation mit der Hansestadt Lüneburg durchgeführt und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.

Laufzeit: 2017-2018

Challenges of interdisciplinary and transdisciplinary knowledge production:
Institutions, Cultures and Communities (ICC)

Das  Ziel von ICC ist es, inter- und transdisziplinäre Wissensproduktion durch Analysen von Institutionalisierungsprozessen, (epistemischer) Kulturen und Gemeinschaften voran zu treiben. In der ersten Phase von ICC (Vorbereitungsstudie) werden zentrale Herausforderungen und Forschungsbedarfe in diesen Schwerpunktbereichen identifiziert. Das Forschungsdesign zielt von Phase I an zudem darauf ab, inter- und transdisziplinäre Campuskulturen der beteiligten Universitäten, die als Fallstudien fungieren (Leuphana Universität Lüneburg, Universidad de la Republica, Uruguay) zu stärken. Die Studie – selbst transdisziplinär angelegt – verfolgt damit ein doppeltes Ziel: zum einen ein tieferes Verstehen von Institutionen, (epistemischen) Kulturen und Gemeinschaften in inter- und transdisziplinärer Wissensproduktion, zum anderen einen konkreten Beitrag zur Transformation zu Kulturen der Wissensproduktion und institutionellen Veränderungen.

Das Projekt wird als Kleinforschungsprojekt aus internen Mitteln der Leuphana Universität Lüneburg gefördert.

Laufzeit: 2016-2017

Abgeschlossene Projekte:

Zukunftsstadt Lüneburg 2030+ (Phase I)

Ob es um neue Formen der Arbeit, Gesundheit, Klimaanpassung, nachhaltige Mobilität, Integration oder Energieversorgung geht: Wenn Lüneburg die großen Herausforderungen meistern will, müssen die Bürgerinnen und Bürgern und die Wissenschaft in die Gestaltung der Zukunft miteinbezogen werden. Mit dem von Stadt und Leuphana entwickelten Projekt „Zukunftsstadt Lüneburg 2030+“ haben wir es nun gewagt, möglichst vielfältige Visionen für ein zukunftsfähiges Lüneburg zu zeichnen. In 25 Handlungsfelder entwickelten mehr als 750 Erstsemsterstudierende gemeinsam mit Bürger/innen und wichtigen Persönlichkeiten der Stadt nachhaltige Visionen für Lüneburg. Nun geht es in das große Finale: Auf der Leuphana Konferenzwoche diskutieren mehr als 1000 Menschen über die gezeichneten Visionen und ihre Bedeutung für die Hansestadt.

Dieses Projekt wird in Kooperation mit der Hansestadt Lüneburg durchgeführt und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.

Laufzeit: 2015-2016

Global TraPs – Transdisciplinary Processes for sustainable phosphorous management

Leitung: Roland W. Scholz & Amit H. Roy

Global TraPs ist als globaler trandisziplinärer Prozess zum Entwickeln nachhaltiger Praktiken zum Phosphormanagement 2010 iniitiert worden. Neben den inhaltlichen Zielen dient das Projekt als methodologisches Experiment zur Durchführung transmaßstäblicher transdisziplinärer Prozesse. Die Leuphana Universität Lüneburg (D. J. Lang und U. Vilsmaier) leiten diesen transdisziplinären Prozess gemeinsam mit dem Science Lead von Global TraPs (R. W. Scholz), G. Steiner (Harvard University) und T. McDaniels (UBC).

Laufzeit: 2010-2014

Transition Dynamics in Energy Regions: An Integrated Model for Sustainable Policies (TERIM)

Leitung: C. R. Binder

Arbeitsbereich: Inter- und transdisziplinärer Schnittstellenarbeit: Koordination, Planung und Moderation transdisziplinärer Kooperationsprozesse.

Dieses Projekt wurde finanziert aus Mitteln des Österreichischen Klima- und Energiefonds (ACRP).

Laufzeit: 2011-2014

Effects of Climate Change on Future Snow Conditions in Tyrol and Styria (CC-Snow)

Leitung: Prof. Dr. U. Strasser

Arbeitsbereich: Inter- und transdisziplinärer Schnittstellenarbeit: Koordination, Planung und Moderation transdisziplinärer Kooperationsprozesse; methodische Begleitung von Wissensintegration im Rahmen einer Task Force, Modellkopplung, Methodenentwicklung.

Dieses Projekt wurde finanziert aus Mitteln des Österreichischen Klima- und Energiefonds (ACRP).

Laufzeit: 2010-2012

Leben 2014 – Perspektiven der Regionalentwicklung in der Nationalparkregion Hohe Tauern/Oberpinzgau

Leitung: Prof. Dr. A. Muhar und Prof. Dr. B. Freyer

Arbeitsbereich: Konzeption eines Pilotprojektes inter- und transdisziplinärer Lehrforschung gemeinsam mit der Projektleitung; Methodenentwicklung; Koordination der Studierenden und Dozent_innen an der Universität Salzburg; Integration des Lehrforschungsprojektes in Curricula beteiligter Studienrichtungen; Betreuung der Studierenden in der Projektdurchführung sowie Begleitung des Implementierungsprozesses von Projektvorschlägen des Lehrforschungsprojektes in außerwissenschaftliche Institutionen der Studienregion.

Dieses Projekt wurde finanziert aus Mitteln des Österreichischen Ministeriums für Wissenschaft und Bildung (Kulturlandschaftsforschung).

Laufzeit: 2002-2006

Das Zukunftszentrum Lehrerbildung ist ein Forschungszentrum der Leuphana Universität Lüneburg zur systematischen Weiterentwicklung der Lehrerbildung. In Hinsicht auf den ständigen gesellschaftlichen Wandel und die zukünftigen Herausforderungen an die Gesellschaft arbeitet die Leuphana stetig an der Verbesserung der Ausbildung zukünftiger Lehrkräfte. Hierbei nimmt das Zukunftszentrum eine innovierende und koordinierende Funktion ein. Im Zentrum werden bestehende sowie neue Initiativen strukturiert, analysiert und weiterentwickelt.