Interview Josefine

Warum hast Du Dich für ein Studium entschieden?

Ich kann mir keinen Beruf vorstellen, den ich ausführen kann, ohne vorher studiert zu haben. Ich kenne kein Berufsfeld, das mich interessiert und für das ich kein Studium brauche.

Wie war das Feedback Deiner Eltern, als Du ihnen von Deiner Studienentscheidung erzählt hast?

Das war bei uns nie eine Frage. Es war eher andersherum. Ich habe nach dem Abitur zwei Jahre lang Pause gemacht und dann hieß es schon: „Wann fängst du mal an zu studieren?“

Warum hast Du Dich dafür entschieden alleine zu wohnen?

Weil ich bis kurz vor dem Studium noch in England war. Also musste ich mir relativ schnell eine Wohnung suchen. Und ich kannte hier niemanden. Bei den WGs hatte ich das Gefühl, dass das Zweck-WGs geworden wären. Darauf hatte ich überhaupt keine Lust und deswegen wohne ich alleine.

Meinst Du nicht, dass sich das WG-Leben auch anders entwickeln kann?

Ich habe schlechte Erfahrungen damit gemacht. Ich war sieben Jahre lang im Internat, danach wollte ich Abstand von so vielen Menschen auf engen Raum. Außerdem habe ich jetzt in England zwei Jahre lang in Zweck-WGs gewohnt. Ich habe auch gerne mein eigenes Reich. Dann bleibt alles so, wie ich es gerne habe.

Wie hast Du Deine Wohnung gefunden?

Über einen Makler. Das war relativ leicht. Er hat mir drei Wohnungen gezeigt. Zwei davon fand ich nicht so gut, aber meine Wohnung fand ich sehr, sehr schön.

Wie groß ist Deine Wohnung?

Sie hat 36 m² und anderthalb Zimmer. Sie ist L-förmig und dadurch fühlt sie sich wie eine Zwei-Zimmerwohnung an.

Wenn man neu in eine Wohnung zieht, hat man ja meist noch keine Möbel. Wie hast du das gelöst?

Ich habe nur nach möblierten Wohnungen geschaut. So musste ich nur Geschirr und Dinge wie einen Teppich und Deko kaufen. Aber die Grundausstattung war schon drin. Ich habe jetzt einen Einjahresvertrag und kann den danach auch verlängern, wenn die Vermieterin mich mag. Aber ich glaube, das läuft. Möbel zu kaufen, das war mir zu teuer. Das kostet dann schnell 1000 € oder 2000 €. Und die hatte ich nicht auf dem Klumpen.

Wie fühlst Du Dich in Deiner Wohnung?

Sehr, sehr wohl! Ich mag es halt, dass ich nach Hause kommen kann und dann das Gefühl habe: Ja, das ist meine Wohnung. Ich habe aber auch sehr oft Besuch, weil mein Freund nicht in der Stadt wohnt und mich daher oft besucht. Das ist ein weiterer Vorteil einer eigenen Wohnung. Wenn mein Freund mich besuchen kommt, muss ich nichts mit meinen Mitbewohnern absprechen. Das ist ganz entspannt.

Was hast Du in England denn so gemacht?

Ich habe dort einfach gearbeitet. Ich habe dort gekellnert, wurde dann befördert und war Managerin von einem englischen Pub. Da hab ich dann jeden Tag bis zum Anschlag gearbeitet. Drei Tage vor dem Uni-Start habe ich erst aufgehört.

Konntest Du Dir dabei etwas für Dein Studium ansparen?

Ich habe dabei immer gespart, weil ich wusste, dass ich danach studieren möchte. Ich wollte nicht, dass dieses „gap year“ verloren ist. Es sollte mein Studium zum Teil mitfinanzieren.

Du hast also einen größeren Puffer von dem Du erst einmal leben kannst?

Ja! Das erste Jahr könnte ich mit meinem Ersparten komplett finanzieren. Da ich jetzt aber noch Zuschüsse von meinen Eltern bekomme, schaue ich mal, wie lange es reicht.

Welche Absprachen habt Ihr in der Familie zwischen Deinen Eltern, Deinem Bruder und Dir?

Mein Bruder hat schon zu Ende studiert, wohnt aber noch zu Hause. Er zahlt Miete an meine Eltern und die geht dann direkt an mich. Dazu erhalte ich noch das Kindergeld. Meine Eltern wollen nicht, dass ich 20 Semester für meinen Bachelor brauche. Ich soll schnell studieren. Aber meine Eltern tun auch alles dafür, dass ich studieren kann und keinem Vollzeitjob nebenbei nachgehen muss. Die kennen mich, die wissen, dass ich das so schnell wie möglich machen möchte. Für mich kommt es nicht in Frage, dass ich mehr als sechs Semester im Bachelor studiere. Ich möchte es nicht unnötig hinauszögern.

Wie besserst Du Dein Einkommen auf?

Zu Weihnachten arbeite ich immer auf dem Weihnachtsmarkt und wenn ich einmal im Monat nach London fahre, kann ich in meinem alten Pub arbeiten. Und dann sind da noch so kleine Sachen wie Blutspenden, damit bekomme ich auch noch einmal 300 € im Jahr. Das läppert sich dann alles so durch diese Gelegenheitsjobs.

Blut zu spenden bringt 300 Euro im Jahr?

Für eine Plasma-Spende bekommt man 17 €. Und ich gehe fast einmal in der Woche dorthin. Das lohnt sich und rettet Menschenleben!

Du besuchst regelmäßig Deinen Freund in London, das kostet auch viel Geld, oder?

Ja! Ich habe Flugkosten von ungefähr 80€ im Monat. Und in London muss ich auch noch S- und U-Bahn fahren.

Nutzt du besondere Vergünstigungen für Studierende?

Das Semesterticket Kultur habe schon ein paarmal benutzt. Und andere Dinge wie Amazon Prime oder die Vergünstigung der BahnCard für Studierende. Sowas. Ich zeige immer meinen Studentenausweis, egal wo ich was kaufe. Oft wird mir dann etwas ein bisschen billiger verkauft. Man kann es ja mal versuchen. In größeren Städten funktioniert das ganz gut, nur leider wird unser Studierendenausweis nicht so oft anerkannt. Ich glaube, ich muss mir so einen internationalen Studierendenausweis beim AStA besorgen.

Legst Du für etwas Besonderes Geld zurück?

Würde ich gerne, kann ich momentan aber nicht. Wenn ich könnte, würde ich Geld für Reisen zurücklegen. Ich möchte nicht im Internet irgendwelche Reisen auf Last Minute buchen müssen, sondern möchte mir wirklich aussuchen können, wohin ich fahre. Und ich gehe gern ins Theater und in die Oper. Wenn ich dorthin gehe, dann kaufe ich mir nicht die Tickets für 30€, sondern die besseren, aber das ist relativ teuer.

Gehst Du eigentlich auch in die Mensa oder kochst Du selbst?

Ich gehe kaum in die Mensa und koche ganz viel selber. Und manchmal gehe ich auch ins Restaurant. Das Essen in der Mensa ist zwar sehr billig, aber irgendwie auch nicht. Wenn ich alles, was ich in der Mensa esse, selbst kochen würde, zahle ich trotzdem nur zwei Drittel oder die Hälfte. Und es schmeckt besser.

Wenn Du einen Tipp hast, den Du Studienanfänger*innen in Sachen Studienfinanzierung geben könntest, was wäre das?

Man gibt immer mehr Geld aus, als man denkt. Das habe ich auch bei den Tabellen bemerkt, die ich zur Vorbereitung auf das Interview ausgefüllt habe. Ich hebe außerdem jeden Montag das Budget für die Woche ab. Und wenn das dann am Mittwoch alle ist, dann ist es eben alle! Dann kann ich am Donnerstag und Freitag nichts mehr machen. Wenn man die Geldscheine im Portmonee vor sich hat, dann ist alles einfacher. Ich würde kaum Karten benutzen, weil ich dabei ganz, ganz schnell den Überblick verliere. Man geht dann am Mittwoch einkaufen und anschließend kommt noch dies und das dazu