Bukarest vs. Lüneburg - Das Studentenleben im Vergleich

Ein Auslandssemester in einem osteuropäischen Land – ein Traum oder absolutes No Go? Antonia Schnell entschied sich für dieses Abenteuer und ist nach ihrem Auslandssemester in Bukarest um viele Erfahrungen reicher.

Ein Interview von Natalie Axmann.

Antonia Schnell, BWL-Studentin ©Natalie Axmann
Antonia Schnell, BWL-Studentin

Antonia Schnell (21) studiert im fünften Semester BWL im Minor und Nachhaltigkeitswissenschaften im Major, an der Leuphana Universität Lüneburg. Seit September 2019 ist sie für ein Auslandssemester in Bukarest, um ihr Studium dort fortzusetzen. In einem Interview für die Konferenzwoche 2020 verrät sie, welche Erfahrungen sie bezüglich des täglichen Wohlstandes vergleichsweise zwischen dem deutschen und dem rumänischen Studentenleben machte.

Wieso hast du dich für ein Auslandssemester in Rumänien entschieden? 

Obwohl Rumänien nur meine Zweitwahl war, fand ich es spannend, mein Studium in einem osteuropäischen Land fortzuführen, welches mir bisher noch unbekannt war. 

Wie wohnst du so in Rumänien?

Ich wohne hier, genau wie in Lüneburg, in einem Wohnheim. Allerdings zahle ich in Bukarest nur 116 Leu, was umgerechnet circa 33 Euro sind. In Lüneburg zahle ich ungefähr 300 Euro. Ich habe allerdings eine Freundin, die nicht im Wohnheim wohnt und für ihr Zimmer auch knapp 300 Euro zahlt. Mein Zimmer hier teile ich mir mit einer Mitbewohnerin. Wir wohnen mit 50 Leuten auf einem Stockwerk, mit denen wir uns die Küche und das Badezimmer teilen. Da verschwinden schon mal Lebensmittel aus dem Kühlschrank oder die Bäder sind dreckig. Dementsprechend ist die Wohnsituation gewöhnungsbedürftig. Aber mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt, weil ich auch weiß, dass es nur für eine begrenzte Zeit ist. Trotzdem würde ich sagen, dass ich in Lüneburg schon einen höheren Wohnungswohlstand habe.

Und wie schaut es mit den Lebenserhaltungskosten aus?

Es kommt ganz darauf an, wo man einkauft. Hier in der Nähe ist eine sogenannte Small, in der sich die Kosten im Vergleich zu Deutschland kaum unterscheiden. Aber wenn man beispielsweise auf dem Markt in Bukarest frisches Gemüse oder Obst einkauft, ist dies sehr günstig. Dort kaufen dann auch viele Rumänen ein. 

Profitierst du finanziell von der geringen Miete?

Verhältnismäßig auf jeden Fall. Ich bekomme zusätzlich eine große Menge an Erasmus-Geldern, was mir viel ermöglicht. Das meiste Geld investiere ich fürs Reisen. Wobei wir dabei nur die Unterkünfte zahlen müssen, weil die Züge für Studierende kostenlos sind. Es dauert zwar sehr lange, aber wir kommen kostenlos durch das gesamte Land. Ansonsten würde ich aber nicht sagen, dass ich mir in Rumänien ein besseres Leben leiste, als zu Hause. 

Inwiefern unterscheiden sich die osteuropäischen von den deutschen Städten?

Man merkt es an den Gebäuden der Städte. Es gibt viele Blockhäuser, die kommunistisch geprägt sind. Außerdem gibt es in der Stadt viele Bettler, die auf der Straße sitzen. Als wir in den touristischen Städten reisen waren, haben uns teilweise Kinder angesprochen. Die waren für jede Kleinigkeit unendlich dankbar, was ich in Deutschland noch nie mitbekommen habe. Dadurch bekommt man von der Armut schon mehr mit als zu Hause.

Wodurch unterscheidet sich dein Studium in Bukarest von dem in Lüneburg?

Da mein Studiengang außergewöhnlich ist, war es schwierig, die notwendigen Module zu wählen. Deswegen habe ich jetzt mehr Basics, in denen sich viel Inhalt wiederholt. Die Module, die ich hier im Bachelorstudiengang belege, sind unter dem Niveau der Leuphana. Ich belege zusätzlich Module aus den Master-Semestern, die für mich interessanter und anspruchsvoller sind. Dementsprechend würde ich behaupten, dass der Masterabschluss in Rumänien vom Niveau her dem Bachelorabschluss in Deutschland entspricht. Außerdem wird in Deutschland vieles strenger gehandhabt. An dieser Uni ist es kein Problem, wenn jemand 20 Minuten zu spät zur Klausur erscheint. Dann wird derjenige freundlich empfangen und ihm das Papier ausgeteilt. So etwas kann man sich in Deutschland gar nicht vorstellen. Dafür ist das Verhältnis zu den Dozenten auch deutlich angenehmer.

Wie meinst du das, das Verhältnis zu den Dozenten ist angenehmer?

Die Dozenten wirken menschlicher als in Deutschland. Es gibt mehr Dialoge, da die Kurse kleiner sind und wir nicht mit 200 Leuten im Hörsaal sitzen. 

Und wie kommunizierst du innerhalb und außerhalb der Uni?

Also ich persönlich belege alle Kurse auf Englisch, weswegen ich viele Module mit den Erasmus-Studierenden oder mit Rumänen habe, die gutes Englisch sprechen oder bereits Auslanderfahrungen haben. Im universitären Umfeld ist das Niveau schon sehr hoch. Außerhalb kann ich wenig zu sagen, da ich hier nur wenig Berührungspunkte hatte. Teilweise hat man beim Tickets kaufen aber schon gemerkt, dass einige nicht so begeistert sind, wenn sie jemand auf Englisch anspricht. Wie das allgemein ist, kann ich leider nicht sagen. Aber in meinem Umfeld kann ich ausgiebig mit allen sprechen. Die Menschen, die ich hier liebgewonnen habe, werden mir sehr fehlen. 

Alle Beiträge aus dem Blog

 

Folgt uns bei Instagram: @leuphana.konferenzwoche

Folgt uns bei Facebook: Leuphana Konferenzwoche