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Studierende im Portrait: Anne Quadflieg – „Jedes Werk beginnt mit einer Idee“

19.02.2018 Anne Quadflieg ist Illustratorin und studiert Kunst auf Grundschullehramt. Jetzt wurde sie mit dem Kreativpreis „Anfachen-Award“ ausgezeichnet. Im Gespräch berichtet die 32-Jährige, wie ihr der Spagat zwischen Beruf und Uni gelingt und warum ein gutes Bild nicht immer schön sein muss.

„Jedes Werk beginnt mit einer Idee. Deshalb habe ich immer mein Skizzenbuch dabei. Schon in der Grundschule war ich diejenige, die Plakate für Veranstaltungen gemalt hat. Auf dem Gymnasium ging es weiter mit Illustrationen für die Schülerzeitung oder Käfer-Zeichnungen für den Biologie-Raum. In dieser Zeit war ich auch sehr von Salvador Dali begeistert. Kunst wollte ich dennoch nicht studieren, dem allgemeinen Tenor folgend, dass man davon nicht leben könne. Deshalb war mein Illustrationsstudium in Hamburg eine Offenbarung für mich.

In diesem Beruf kann man Geld verdienen und ist dennoch kreativ. Wir zeichnen, collagieren oder produzieren Vektorgrafiken. Illustrationen finden sich überall: auf Verpackungen, in Zeitschriften oder in der Werbung. Illustratoren sind im Gegensatz zu Künstlern Dienstleister, manchmal verschwimmen die Grenzen hier jedoch auch. Nach meinem Abschluss habe ich mich deshalb selbstständig gemacht, bin es bis heute und werde es auch zukünftig neben dem Beruf als Lehrerin sein. Ich arbeite für Magazine und Agenturen. Vieles zeichne ich mit der Hand und scanne es anschließend ein. Ich illustriere aber auch digital mit Bildbearbeitungsprogrammen. 

"Es ist toll, was du da geschaffen hast!"

Als Illustrator kommt man irgendwann an den Punkt, auch Workshops geben zu wollen. Mir macht es Spaß, Dinge weiterzugeben – gerade an Kinder. Aber ich wollte es professionell angehen. Deshalb habe ich mich fürs Lehramtsstudium entschieden. Doch es irritiert mich, dass im Kunstunterricht oft noch das Klischee vorherrscht: Wer schön malt, bekommt gute Noten und wer von der Norm abweicht, fällt durchs Raster. Gerade Jungen meinen oft, was sie gemalt hätten, sei hässlich. Ich habe mich im Schulpraktikum bemüht, ihnen das auszureden. Ich versuchte zu zeigen: Es ist toll, was du da geschaffen hast! Deine Farbwahl ist gut und dein Pinselstrich schön. Nicht immer ließen sich die Kinder von mir überzeugen, weil sie anders geprägt sind. Klar, als Praktikant von der Uni kommt man da sehr idealistisch rein. Ich glaube, dass das im Daily-Doing anders ist. Aber ich nehme mir fest vor, keinen Unterricht nach Schema F zu machen.

Viele dieser Inhalte fürs Praktikum habe ich aus meinen Studienveranstaltungen gezogen: Pierangelo Maset, der Professor für Kunst und ihre Didaktik, ist ein sehr guter Kunstprof. Er ist ein Menschenfreund. Er motiviert uns, ist nie abwertend und immer korrekt. Unter anderem deshalb bin ich froh, mich für das Studium an der Leuphana entschieden zu haben. Ich komme aus einer Lehrerfamilie, musste aber erst 30 Jahre alt werden, um den Beruf selbst für mich in Betracht zu ziehen. Jetzt bin ich noch jung genug, dachte ich, als ich mein Zweitstudium begonnen habe. Aber dann kam ich an die Uni und war gar nicht die Älteste. Das hat mich überrascht. Viele studieren mit 30 plus noch einmal, was ich sehr positiv finde.

"Das hat auch meine Illustrationen positiv beeinflusst" 

Jetzt bin ich im dritten Semester. Das Studium hat schon viele meiner Sichtweisen verändert. Das nützt mir auch beruflich. Der Psychologie-Anteil hilft mir noch besser zu sehen, wie die Illustrationen bei meinen Rezipienten ankommen. In den Praxisseminaren habe ich wieder gelernt, mehr künstlerisch zu denken. Das hat auch meine Illustrationen positiv beeinflusst. Im Zeichenkurs hatten wir beispielsweise die Aufgabe, ein Laubblatt zu skizzieren, aber es sollte kein naturalistisches Abbild sein. Ich bin lang nicht mehr so frei und künstlerisch an meine Zeichnungen gegangen. Eine der Ideen für den Plakatwettbewerb ist auch hier im Seminar „Digitale Bildwelten“ entstanden, nämlich der „Tolerance Kraken“. Drei Entwürfe zum Thema „Toleranz“ habe ich eingereicht. Die Arbeit mit dem Titel „I am everyone“ hat gewonnen und geht jetzt mit auf eine Wanderausstellung durch ganz Europa. 

Studium und Berufstätigkeit zu vereinen, ist nicht immer einfach. Aber ein gutes Netzwerk hilft. Ich bin nicht die Einzige, die nebenher arbeitet. Es gibt auch andere Studierende, die so einen vollgepackten Tagesplan haben wie ich. Wir unterstützen uns gegenseitig, in dem wir beispielsweise Mitschriften aus Veranstaltungen tauschen. Trotz der Doppelbelastung möchte ich das Studium in der Regelstudienzeit schaffen. Ich freue mich und bin gespannt auf viele neue Inspirationen. Der Weg ist das Ziel.“



Marietta Hülsmann. Neuigkeiten aus der Universität können an news@leuphana.de geschickt werden.