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„Ihr alle tragt Verantwortung“ – Gäste der Konferenzwoche diskutieren über Freiheit und Gerechtigkeit

02.03.2018 Am 2. Tag der Leuphana Konferenzwoche haben sich Gäste aus Wirtschaft, Politik und Bildung mit Erstsemester-Studierenden über gesellschaftliche Verantwortung in Zeiten des Umbruchs ausgetauscht. Die elfte Konferenzwoche zog auch zahlreiche Besucher_innen aus Lüneburg und Umgebung an.

Gewohnheit birgt Gefahr. Mit diesem Bewusstsein agiert Kübra Gümüşay, Journalisten, Bloggerin und Netz-Aktivistin. Sie war gestern im Rahmen der Konferenzwoche zu einer Podiumsdiskussion eingeladen, der Titel: „Hass Entgegnen“. Die gebürtige Deutsche mit türkischen Wurzeln machte deutlich: Alltäglicher Rassismus und Sexismus schränken unsere Freiheit ein, niemals dürfe man sich daran gewöhnen. In Richtung Studierende betonte sie: „Ethik muss in jedem Studium eine Rolle spielen. Ihr alle tragt Verantwortung, aktiv dafür einzutreten.“

Um gesellschaftliche Verantwortung ging es in der Veranstaltung „Die imperiale Lebensweise am Beispiel Seltener Erden“. Die Redakteurin Heike Holdinghausen erläuterte, wie diese wichtigen Industriemetalle in Ländern wie China zu erheblichen Umweltproblemen führen, während sie in der westlichen Welt als Bestandteil beispielsweise von Windturbinen oder und Elektromotoren für saubere Energie sorgen. „Es fehlt der politische Wille, diesem Widerspruch zu begegnen“, kritisierte Holdinghausen. Den Einfluss der Konsument_innen betrachtete Gesprächspartner Prof. Dr. Markus Wissen von der Hochschule Wirtschaft und Recht in Berlin jedoch kritisch: „Es gibt die gängige Denkweise, dass wir unseren Lebensstil verändern können, um zu globaler Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit beizutragen. Ich stelle das in Frage.“ Die Wahlfreiheit des Konsumenten sei durch seinen Background eingeschränkt. „Man ist zum Beispiel eingebunden in gesellschaftliche Klassen, vor diesem Hintergrund werden Entscheidungen getroffen.“

Die Konferenzwoche der Leuphana dient auch als Plattform für die 1500 Erstsemester-Studierenden, die ihre Ergebnisse aus dem Studienmodul „Wissenschaft trägt Verantwortung“ vorstellen. Auf dem Gallery Walk im Hörsaalgang veranschaulichen sie, womit sie sich in den zurückliegenden Monaten in den verschiedenen Projektseminaren auseinandergesetzt haben, Beispiele:

Alissa, Studium Individuale: „Im Rahmen des Seminars Sind wir Menschen Parasiten auf dieser Erde? Das Cradle to Cradle-Konzept und seine Umsetzung haben wir ein nachhaltiges Musikfestival entworfen. Wir haben geschaut, was sich heute schon umsetzen lässt und wo noch Verbesserungsbedarf besteht. Die Konferenzwoche macht die Kreativität der Teilnehmenden sichtbar – und auch die Mühe, die sie in ihre Projekte gesteckt haben.“

Klara, Rechtswissenschaften: „Wir haben uns mit der Grundwasserverschmutzung durch die Landwirtschaft auseinandergesetzt und damit das Menschenrecht auf Wasser verknüpft. Die Konferenzwoche ist wirklich professionell aufgezogen. Man hat das Gefühl, Teil von etwas ganz Großem zu sein.“

Katharina, Lehramt: „Unser Thema ist Inklusion am Beispiel von ADHS. Wir haben uns im Projektseminar Inklusive Bildung für eine nachhaltige Entwicklung mit der Frage auseinandergesetzt, durch welche Faktoren die Inklusion von Schüler_innen mit ADHS positiv beeinflusst werden. Die Ergebnisse stellen wir hier vor. Die Konferenzwoche finde ich gleichermaßen anstrengend wie spannend. Es gibt so viele interessante Themen hier.“

Auf sehr großes Interesse stieß im Zentralgebäude auch der Zukunftsstadt-Parcour, der im Rahmen des Projektes Zukunftsstadt Lüneburg 2030+ verschiedene Lösungen für ein nachhaltiges Leben in der Stadt präsentierte. Die 17 ausgewählten Vorschläge sind das Ergebnis der engen Zusammenarbeit von Hansestadt, Universität und Stadtgesellschaft und reichten von Ernährungsrat über Energieversorgung und Wohnprojekte bis zu Mobilität. Mehrere Hundert Besucher_innen ließen sich  bei der Konferenzwoche die einzelnen Ideen genau erklären, um sie anschließend zu bewerten. Daniel Lang, Professor für Transdisziplinäre Nachhaltigkeitsforschung und Mitglied des Projektteams: „Ich bin sehr beeindruckt von dem großen Andrang.“

Die Konferenzwoche findet inzwischen zum elften Mal statt. Johanna Hopp war am Donnerstag als Moderatorin dabei, ihre eigenen Erfahrungen mit der Konferenzwoche vor ein paar Jahren hat die ehemalige Studentin aber noch deutlich in Erinnerung: „Diese Veranstaltungsreihe bedeutet für mich das intellektuelle Erwachen.“

Eindrücke des Tages


Urte Modlich. Neuigkeiten aus der Universität können an news@leuphana.de geschickt werden.