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Tippen oder per Hand schreiben? Tipps von Schreibberaterin Dagmar Knorr

09.03.2020 In Meetings, in Vorlesungen, auf Konferenzen: Eher von Hand schreiben oder doch lieber Tippen? Die meisten Menschen schreiben schneller mit einem Kugelschreiber als sie Tippen können. Aber ist es nicht einfacher, den Laptop oder das Tablet zu benutzen? Dr. Dagmar Knorr, Leiterin des Leuphana Schreibzentrums / Writing Center, rät, das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren: Entscheidend ist es, eine Mitschrift zu erzeugen, die später noch hilfreich ist.

Wer eine Lampe anschaltet, tut nichts anderes. Manche Tätigkeiten sind einfach. Mitschreiben nicht. „Mitzuschreiben ist eine hochkomplexe kognitive Handlung“, sagt Knorr. Man steht vor verschiedenen Aufgaben: Sich konzentrieren, Inhalte aufnehmen, verstehen, bereits filtern, was aufgeschrieben werden soll und schließlich das Schreiben selbst. „Menschen haben nur eine begrenzte kognitive Kapazität und stehen vor der Wahl, wofür sie diese aufwenden.“ Welche Mechanik kostet am wenigsten Mühe? Es gibt, leider, keine allgemein gültige Antwort, denn es hängt davon ab, wie gut man individuell die jeweilige Technik beherrscht. Werden kognitive Kapazitäten von der Schreibmechanik beansprucht („Wo war nochmal das ‚ü‘?“, „Dieser Kuli ist schon wieder leer, na toll.") stehen sie anschließend nicht zur Verfügung, um sich auf den Inhalt zu konzentrieren. „Erfolgreiches Selektieren, Filtern und das Ankoppeln an vorhandenes Wissen sind an sich bereits eine Herausforderung“, erklärt Knorr – dass dieser Prozess eine Herausforderung darstellt, ist völlig normal. Zudem ist nicht nur die individuelle Kompetenz bei diesem oder jenem Aufschreib-Medium verschieden: Manchmal entscheiden sich Menschen auch instinktiv gegen das Medium, mit dem sie nachweislich schneller schreiben können – etwa, weil das Tippen an Laptops und Tablets negativ mit der gleichzeitigen Verarbeitung korreliert.

Die Frage „Tippen oder per Hand“ lässt sich somit nicht eindeutig entscheiden. Knorr rät daher zu einem gelassenen Umgang mit den Schreibmedien. Wichtiger sei die Vor- und Nachbereitung der Mitschriften. Denn nur wer zeitnah nach der Vorlesung seine Notizen nachbereite, hat die Chance, Gedächtnisspuren noch reaktivieren zu können. Der Zeitpunkt der Speicherung von Informationen ist eben häufig ein anderer als der Zeitpunkt der Nutzung.

„Ein hilfreiches Mittel, welches als Kompromiss verstanden werden kann“, ergänzt sie, „ist ein Tablet mit elektronischem Stift. Die graphische Oberfläche auf Tablets ist der des Handschreibens näher und man kann Symbole, Graphen oder Linien schneller hinzufügen als am Laptop. Zudem hat man dennoch eine digitale Datei, was die elektronische Weiterverarbeitung möglich macht.“

Tippen vs. Schreiben ©Anna Stojan
Dr. Dagmar Knorr ist die Leiterin des bilingual arbeitenden Schreibzentrums / Writing Center an der Leuphana. Bereits im Rahmen ihrer Promotion forschte sie im Bereich des Informationsmanagements für wissenschaftliche Texte.

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