Kontakt: miglemigloj@gmail.com

Abstract
Today’s public debates seem to revolve more around the assumed universality of the Internet impact than on situated production and maintenance practices of its physical infrastructure.
With my research, I explore the Internet production and maintenance in post-socialist Lithua-nia through multi-sited fieldwork. I thus perceive the Internet not only as a media technology that produces global democratic, manipulative or other type of effects, but also as a situated phenomenon that needs constant maintenance. Inspired by infrastructural inversion (Susan Leigh Star, Geoffrey Bowker), media ethnography (Lisa Parks), but also telecom geopolitics (Wayne Winseck), I am interested in the ramification of infrastructuring practices that constitute and maintain the Internet in Lithuania by exploring them through open-ended and reflexive fieldwork with the focus on telecom industry.
Lithuania was re-established as an independent state in March 11, 1990. Here, the emergence of the new nation state coincided with the development of its first Internet connection. It was both symbolic and useful, because new network connectivity allowed from Moscow-indepen-dent communication with the world. On the 1st of January 1992 the biggest telecommunicati-on company “Lietuvos Telekomas” was established as a state enterprise, with more than 200 000 people waiting for a telephone line. Fast forward to 2017, and 75% of the households in Lithuania had access to the Internet1. Currently, the Internet in Lithuania is of exceptional quality, and its public Wi-Fi is one of the fastest in the world.2
How is the Internet maintained in the telecom industry in Lithuania nowadays? What kind of everyday geopolitics do current local telecom industry stakeholders practice by prescribing particular roles to both foreign and local telecom industry participants that have maintained the industry since the 1990s? What everyday remembrances and material legacies emerge in the telecom field during fieldwork that help situate and shift established historical narratives about industry’s development in the country?
Although with this research I situate the Internet production in Lithuania, situating is not a goal in itself. Instead, I hope to contribute to the field of media research by showing how “the Internet” is a complex material infrastructure both universal and particular that emerges through practice. Researching media technologies for me thus means analyzing it from diffe-rent practice layers: political, historical, cultural and labor.
1 Informacinės visuomenės plėtros komitetas prie susisiekimo ministerijos. Namų ūkiai, turinys interneto prieigą. In: Informacinės visuomenės plėtros komitetas prie Susisiekimo ministerijos. Online: statistika.ivpk.lt/temos/55 . Retrieved on: 5. June, 2018.
2 Zaliauskiene, L. The top 20 countries with the fastest public WiFi in 2016. In: Rotten Wifi. Online: blog.rottenwifi.com/top-20-countries-fastest-public-wifi-2016-infographic/ . Retrie-ved on: 1. June, 2018

Kontakt: elisabeth.heymer@leuphana.de    

Abstract
Ziel der Arbeit von Elisabeth Heymer ist es, Veröffentlichungen des deutschen Kunstkritikers Julius Meier-Graefe (1863-1937) hinsichtlich der in ihnen enthaltenen Reflexionen zum Verhältnis zwischen Theater und bildender Kunst zu untersuchen.
Meier-Graefe war ein Generalist und hat sich - obgleich sein hauptsächliches Interesse der Malerei galt - auch mit anderen Künsten und den Wechselbeziehungen zwischen diesen beschäftigt und dies in seinen Kritiken thematisiert. Seine schriftstellerische Tätigkeit hat sich nicht auf seine Kritiken beschränkt: neben Romanen verfasste Meier-Graefe auch Theaterstücke. Diese stellen bisher noch ein Desiderat in der Forschung dar und sollen in der Arbeit analysiert und zu Meier-Graefes Kunsttheorie in Beziehung gesetzt werden.
Hypothese der Arbeit ist, dass das Theater für Meier-Graefe ein Modell für ästhetische Erfahrung als solche bildete. Es hat sich gezeigt, dass Meier-Graefe wie ein ein Regisseur agiert, der die sinnlich-intellektuelle Aneignung von den in seinen Texten verhandelten Kunstwerken dramaturgisch inszeniert und damit bestimmte Rezeptionsweisen auf Seiten seiner Adressat*innen evoziert. Er arrangiert dabei Maler unterschiedlicher Epochen und stellt Beziehungen zwischen ihren Werken her. Dadurch versucht er seine Lese*innen dazu anzuregen, selbst ein vergleichendes Sehen einzuüben, um anhand formaler Kriterien zu lernen, gute Malerei zu erkennen.
Im Zentrum der Dissertation steht Meier-Graefes einflussreiches Hauptwerk, die Entwicklungsgeschichte moderner Kunst, die seit ihrer Erstveröffentlichung 1904 mehrfache Neuauflagen und erheblich Überarbeitungen erfuhr. Die bisherige Analyse hat gezeigt, dass Meier-Graefe insbesondere den Schlussteil seines Buches modifizierte. In der späteren Fassung beschließt er das Buch zum Schluss mit einem literarischen Tableau Vivant von Malern verschiedener Epochen und lässt die Kunstgeschichte der Moderne in einer modernen Fassung der Metapher eines theatrum mundi enden.
Im zweiten Hauptkapitel der Arbeit bildet vor allem Meier-Graefes Streitschrift Der Fall Böcklin oder die Lehre von den Einheiten (1905) den zentralen Bezugspunkt. In dieset ambivalenten Schrift, die sich als eine kulturkritische Anklage der wilhelminischen Kunstbetrachtung mit Arnold Böcklin als geradezu kultisch verehrten Maler lesen lässt, vereint Meier-Graefe einerseits eine Theatralitätskritik. Doch neben der Ablehnung einer theatralischen Form der Malerei versucht Meier-Graefe auch, das Darstellungstheoretische Moment der Theatertheorien seiner Zeit jedoch für die Malerei fruchtbar zu machen. Das übergreifende Ergebnis der Doktorarbeit, dies das Ergebnis des dritten und resümierenden Schlussabschnittes besteht darin, dass Meier-Graefe eigene Theaterstücke verfasste, seine kunsttheoretischen Betrachtungen im Medium der dramatischen Literatur vermittelte und damit schließlich die Bedeutung der Theaterpraxis für seine Kunstliteratur anzeigte.

Kontakt: anna.koenigshofer@leuphana.de

Abstract
Anstatt einer Bühne gegenüber zu sitzen, wird die Zuschauerin durch ein Erzählsystem bewegt, an die Stelle der Performer*innen treten Interaktionen mit Smart Devices und wo das Drama die Form angab, entfaltet sich nun ein multiperspektivischer Erzählraum. Kein Aufführungszentrum, keine klare Botschaft, sondern divergierende Sichtweisen und Blickrichtungen auf ein und dieselbe Wirklichkeit werden eingenommen und in ihrer Ambivalenz und Gleichzeitigkeit ausgehalten. In seiner vierteiligen Werkserie Staat 1-4 Phänomene der Postdemokratie erprobte das Regie-Autoren-Team Rimini Protokoll – bekannt für seine Arbeit mit Expert*innen des Alltags – eine Ästhetik, die sich nicht nur inhaltlich-dokumentarisch, sondern vor allem formal, durch den spezifischen Erfahrungsmodus der Publikumssteuerung, als aktueller Entwurf eines kritischen Theaters lesen lässt. Der Herstellung solcher Aufführungen liegt – so meine These – ein spezifisches Kunstverständnis und eine Arbeitspraxis zu Grunde, der zu folge das Kunstwerk nicht Ausdruck eines singulären, intentionalen Schaffensaktes ist, sondern ein Produkt, das durch einander kreuzende, heterogene und instabilen Prozesse im Laufe der Zeit heranwächst. Durch welche Akteur*innen, Praktiken und Organisationsweisen konstituiert sich dieser Wachstumsprozess, an dessen Ende die Aufführung als Entwurf einer künstlerischen Kritik steht?

Die Frage, die mich umtreibt ist keine neue, spätestens seit den 1930ern mit Brechts epischem Theater und Benjamins Aufsatz »Autor als Produzent« (Benjamin 1934) wird sie von Kunstpraxis und -theorie immer wieder aufgeworfen: Wie hängen Ästhetik und Produktionsapparat zusammen? Angesichts der postdramatischen und insbesondere der digitalen Wende stellt sich diese Frage für die darstellenden Künste im Allgemeinen und für das Gegenwartstheater im Spezifischen mit neuer Dringlichkeit, denn nicht nur die Rolle der Zuschauerin und deren Rezeptionsmodus konstituiert sich in einer solchen Theaterpraxis neu, sondern im Zuge dessen modifizieren sich auch tradierte Praxisfelder wie Dramaturgie, Regie, Schauspiel, Bühnenbild sowie die technischen Gewerke, genauso wie formale Arbeitsphasen und der Status der beteiligten Akteur*innen.

Anhand des Fallbeispiels Staat 1-4 widmet sich mein ethnographisches Promotionsprojekt der Rekonstruktion einer postdigitalen Theaterpraxis zwischen geteilter Autor*innenschaft, temporären Kollaborationen und institutionellen Koproduktionen, die paradigmatisch für das Gegenwartstheater steht. Durch welchen Praktiken, unter welchen Bedingungen und mit welchen Effekten wird eine solche künstlerische Kritik hergestellt und welches Kunstverständnis lässt sich daraus ableiten? Um die besagte Theaterpraxis in ihrer Komplexität zu entfalten, führte ich eine fokussierte Ethnographie durch, bei der ich Rimini Protokoll und ihre Teams über zwei Jahre hinweg phasenweise als teilnehmende Beobachterin bei der Produktionsreihe Staat 1-4 begleitete.

 

Kontakt: Henrike.kohpeiss@fu-berlin.de

Abstract
Mein Dissertationsprojekt zielt auf eine Subjekttheorie, die gleichzeitig der Bedrohung des Lebens durch diskriminierende Machtstrukturen und der Herstellung widerständiger Strategien innerhalb dieser Bedrohung Rechnung trägt. Das Gesamtargument wird erläutern, inwiefern das Überleben eine Erfahrung darstellt, innerhalb derer der Begriff Freiheit neu besetzt wird. Das Erleben von Unterdrückung, Diskriminierung oder Missbrauch hat Konsequenzen für das Selbstverständnis von Subjekten und wirft die Frage auf, inwiefern die dadurch entstandenen affektiven Einschnitte durch theoretische Arbeit einzuholen sind. Die überstandene Bedrohung ist ein Geschehen negativer Subjektivierung, für das philosophische Begrifflichkeiten bisher kaum vorhanden sind. Unter dem Prinzip der Negativität soll die Diskrepanz zwischen erfahrenem Leid und theoretischer Arbeit durch eine affekttheoretische Perspektive auf die Arbeiten von Saidiya Hartman und Theodor W. Adorno untersucht werden. Während Hartman aus dem konkreten historischen Fall der Sklaverei in den USA eine Subjekttheorie entwickelt, bildet bei Adorno die methodische Negativität einen kontinuierlichen Bezugspunkt seiner Philosophie. Aus dem Vergleich und der Beschäftigung mit diesen verschiedenen Zugriffen auf affektives Leiden sollen die jeweiligen Subjektverständnisse von Hartman und Adorno entwickelt und anschließend daraufhin befragt werden, welche Konzepte von Freiheit sie nach sich ziehen. Der Zusammenhang von konkreter Negativität und ihren Repräsentationsformen in der Philosophie wirft die theorieästhetische Frage auf, welche Formen von Theorie diese umkämpften Verhältnisse angemessen erfassen können. Wie kann einer identity produced by negation (Hartman 2007), die sich gerade durch die Abwesenheit von Sinnzusammenhängen konstituiert, in der Theorie Ausdruck verliehen werden?

Kontakt:  Boaz.levin@gmail.com

Abstract
In my PhD I explore the work of Allan Sekula, Martha Rosler, Fred Lonidier and Phel Steinmetz—known as the San Diego group—during the 1970s when they all studied, and later taught, at the University of California, San Diego (UCSD). Through a contextual survey of group’s work, I aim to show how they offered a critique and a reinvention of documentary practices in relation to the advent of neoliberalism. My work questions prevalent art-historical narratives concerning post-modern art as the cultural logic of neoliberalism, asking why the work of the group and their mode of critical documentary has long been overlooked. As I show, their critique-and-reinvention of the documentary—in releasing it from its dependency on the ‘myth of photographic truth’, in their expansive use of media, exploration of the archive, notions of performativity, and photomontage—prefigures recent debates and artistic practices.

 

Kontakt: liza.mattutat@gmail.com

Abstract
In meiner Dissertation rekonstruiere ich drei paradigmatische Rechtskritiken der kontinentalen Philosophie: die Entpolitisierungkritik des Rechts (Marx), die Abstraktionskritik des Rechts (Deleuze) und die Gewaltkritik des Rechts (Derrida). Da viele philosophische Kritiken des Rechts in großer Distanz zu aktuellen rechtspolitischen Auseinandersetzungen entstehen, bemühe ich mich, die rechtskritischen Argumente anhand zeitgenössischer Fälle zu entwickeln. Die Aktualität der Entpolitisierungskritik des Rechts weise ich an der Debatte um die Ehe für alle aus, die 2017 durch Öffnung der Ehe für homosexuelle Paare ihr vorläufiges Ende gefunden hat. Die Abstraktionskritik des Rechts konkretisiere ich an der rechtlichen Situation von trans* Eltern, die im Verhältnis zu ihren Kindern noch immer nicht in ihrem Identitätsgeschlecht anerkannt werden. Die Gewaltkritik des Rechts diskutiere ich schließlich an der Verquickung von Feminismus, Rassismus und Strafrechtspopulismus in der Gesetzgebung nach der „Kölner Silvesternacht“ 2015/2016.
Ziel der Arbeit ist es, mit den Mitteln der Theorie die entpolitisierenden, hemmenden und gewaltsamen Aspekte der bürgerlichen Rechtsform herauszuarbeiten und kritische Weisen des praktischen Umgangs mit diesen Aspekten zu analysieren. Durch die Auswahl der Fälle, die allesamt im Familienrecht und Sexualstrafrecht angesiedelt sind, möchte ich zugleich einen Beitrag zur feministischen Rechtstheorie bzw. Queer Legal Theory leisten, deren Gegenstand in der Analyse und Kritik sexistischer sowie homo- und transphober Rechtsverhältnisse liegt.

Kontakt: ypek@princeton.edu

Abstract
As exemplary instances of developments in video and media art of the late twentieth and early twenty-first centuries in Germany, the works of Munich-born artist, filmmaker, and author Hito Steyerl (b. 1966) have modeled key strategies for engaged art in the age of globalized art production and exhibition. Focusing on Steyerl’s films and videos as its central objects of analysis, while also attending to the artist’s large body of theoretical and critical writing, my dissertation provides the first monographic account of Steyerl’s oeuvre. Fundamental to the dissertation’s account of Steyerl’s work is the historicization of the field of video and media art in Germany. The dissertation analyzes the failure of video art as an avant-garde medium, before going on to trace its domination of global art exhibitions in the 1990s to 2010s. In this setting, the conventions of video art merged with cinematic codes and took on spatial aspects of installation art. The dissertation also examines how these developments in the forms and mediums of art are related to the art biennial’s emergence as the preeminent site for the exhibition of contemporary art in Europe since the 1990s.

Juliane Rahn

Kon­takt: juliane.rahn@posteo.de

Theatrical Yugospheres in Transition

Abstract
What approaches to freedom and acts of citizenship do practices and dramaturgies of emancipatory theater and performance in late socialist Yugoslavia after Titoʼs death (1980) articulate? How do they perform and thus encourage a yugosphere yet to come? The dissertation examines these questions on the example of performative arts in the city of Sarajevo, the capital of the Yugoslav constituent republic Bosnia and Herzegovina, particularly in the 1980s.