Valerija Kuzema

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Das Promotionsvorhaben geht von der Hypothese aus, dass eine spezifische „Kritik und Selbstkritik“ wesentliche und prägende Komponente innerhalb der Transformationsprozesse in der Sowjetunion hin zu einem zentralisierten Kunstsystem im Frühstalinismus war. Es nimmt hierfür Programmatik und Wirken der sowjetischen Künstlervereinigung Oktjabr’ (1928–32) in den Fokus, der mehr als 250 Mitglieder angehörten, darunter führende Vertreter*innen und Kunsttheoretiker*innen der russischen Avantgarde, wie Aleksandr Rodčenko oder El Lissickij. Hinterfragt wird die in der bisherigen kunsthistorischen Forschung vertretene Annahme, der zufolge die russische, künstlerische Avantgarde Mitte der 1920er Jahre erloschen war. Dem entgegenlaufend stellt die Arbeit die Frage, inwiefern die Avantgarde ihre Aktivitäten im Modus der Kritik und Selbstkritik auch noch in den 1930er Jahren – wenn auch unter veränderten Kontextbedingungen – fortsetzte. Mithilfe einer kunsthistorischen Rekonstruktion und theoretischen Einordnung der Zielsetzungen und Tätigkeiten der sich aus verschiedenen Disziplinen und Medien speisenden Vereinigung soll nicht zuletzt die These überprüft werden, dass sich die künstlerische Avantgarde – und insbesondere die Gruppe Oktjabr’ – als Folge der sog. „Avantgardekritik“ und in Abgrenzung zu gegnerischen, im Akademismus arbeitenden Gruppierungen zum „Scharnier“ in Richtung einer staatlich gelenkten Kunst entwickelte.
Ferner dient die Gruppe Oktjabr’ der Arbeit als Prisma, um den Blick auf die vielfältigen und verwobenen Diskussionen und Ereignisse im sog. „Kampf der Richtungen“ in der Sowjetunion um 1930 zu schärfen, die sich unmittelbar vor der Verkündung des Dogmas des Sozialistischen Realismus als letzter Etappe der politischen Zentralisierung entfalteten. In dieser Periode konstituierte sich eine Öffentlichkeit sowie eine spezifische Form der Kunstkritik, die sich exemplarisch in zahlreichen Publikationsorganen abzeichnete und sich gleichfalls in einem gesellschaftlich geforderten Modus der Kritik und Selbstkritik vollzog.

 

  • Charlotte Nora Szász

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Nach Immanuel Kant steht in der Tradition der europäischen Aufklärung ein Philosoph besonders für die bahnbrechende neue Methode um gesellschaftliche Ungleichheit fassbar machen zu können: G.W.F. Hegel. Durch ihn entsteht eine neue Gesellschaftskritik, um die Welt mit einer Perspektive auf Beherrschung und Unterdrückung fassbar machen zu können. Ein Standpunkt der Kritik ist entstanden, der eine kritische Standpunktontologie mitdenkt. Eine Methode, um einerseits unseren eigenen Standpunkt zu hinterfragen und andererseits einen identitätsontologischen Standpunkt vorzubeugen.

Die lange Tradition der Metamorphosen patriarchaler Hegelforschung soll in meiner Arbeit „Ewige Ironie – Weiblichkeit und Wissen bei Hegel“ durch die Inversion der gängigen These, der Mensch habe Geschlecht, Wissen aber nicht, gebrochen werden, um im Umweg über die Ironie, als die Schnittstelle von Wissen und Situiertheit, eine andere Konzeption von Geschlechterdifferenz zu fundieren und der Kritik einen Begriff an die Hand zu geben. Es ist der Versuch einer Verrückung der Geschlechtlichkeit aus ihrem gesellschaftlichen Erzeugungszusammenhang in einen hypostasierten Zusammenhang dinglicher Eigenschaften und naturgesetzlicher Zwänge.

In einer einer Querschnittanalyse des Werks Hegels kann ich zeigen, dass es systemrelevant und erkenntnisfördernd ist, wie Hegel die Wissensgestalt der Ironie mit dem Status des Weiblichen verbindet. Dass über eine vergleichende Perspektive der Gedanken Hegels zu Ironie, Weiblichkeit und Wissen und einer qualitativen Methodik der Erschließung des Ironiebegriffs heute gerade in der ontologischen Wende der Philosophie die Geschlechterfrage einen total wichtigen Ansatzpunkt bildet.

Der erste Teil der Arbeit widmet sich den Überlegungen Hegels zur Ironie im Spannungsfeld von subjektiver Allgemeinheit und Bezug zur Idee. Das heißt für Hegel: Ironie zwischen Romantik und sokratischer Methode. Im zweiten Teil der Arbeit wird der Bezug von Ironie zur Geschlechtlichkeit des Wissens hergestellt. Die Weiblichkeit ist bei Hegel eine Figur des Wissens, die nicht vollkommen im Endlichen aufgeht. Dieser Teil der Arbeit soll in einer ausführlichen Lektüre zweier Sätze bestehen, die zwar berühmt sind, aber bisher nur wenig aufmerksame Exegese erfahren haben. In diesen zwei Sätzen der Phänomenologie, spricht Hegel von der Weiblichkeit als der »ewige[n] Ironie des Gemeinwesens« (PG, S. 352f). Im dritten Teil soll das Problem der Geschlechtlichkeit von Wissen bei Hegel als zentrales Moment konstelliert werden.