Matthias Koch

Matthias Koch

Konatakt

Matthias Koch
Wallstr. 3
21335 Lüneburg
matthias.koch@leuphana.de

Matthias Koch hat in Paderborn und Santiago de Compostela Medienwissenschaft und Romanistik studiert. Er war Stipendiat und wiss. Mitarbeiter am DFG-Graduiertenkolleg „Automatismen. Kulturtechniken zur Reduzierung von Komplexität“ (Paderborn), Fellow am DCRL (Lüneburg) und ist derzeit wiss. Mitarbeiter am Centre for Digital Cultures (Lüneburg).  Dissertation: „Methodologie und Zeitgeschichte medienwissenschaftlicher Mediengeschichtsforschung in Deutschland“ (Arbeitstitel). Schwerpunkte: Theorie und Geschichte der Medienhistoriografie, Wissenschaftsgeschichte der Medien- und Kulturwissenschaften. Mitbegründer der AG Mediengeschichte in der Ges. für Medienwissenschaften. Letzte Aufsätze: mit Christian Köhler: „Wahnverwandtschaften 1900/1800: Friedrich Kittlers paranoische Medienhistoriografie“, in: Jahrbuch Technikphilosophie 2017 (im Erscheinen); mit Christian Köhler: „Aus der Zeit in den Raum: Zombologie, Posthistoire, Oberflächen“, in: Holl, Ute/Kaldrack, Irina/Miksch, Cyrill (Hg.): Oberflächen und Interfaces. Ästhetik und Politik filmischer Bilder, München: Fink 2016 (im Erscheinen).

 

FORSCHUNGSPROJEKT

Methodologie und Zeitgeschichte medienwissenschaftlicher Mediengeschichtsforschung in Deutschland

Das Projekt befasst sich mit der Theorie und Geschichte medienwissenschaftlicher Mediengeschichtsforschung in Deutschland und trägt im Zuge dessen zur Fachgeschichtsschreibung der Medienwissenschaft bei. Es konzentriert sich auf die Funktion historischen Forschens im Prozess der Institutionalisierung des Fachs und nimmt daher eine zeitgeschichtliche Perspektive ein, d.h. sein Untersuchungszeitraum beginnt in den 1960er Jahren und reicht an die Gegenwart heran. 

Die Einforderung einer historischen Perspektive, sowohl auf Forschungsgegenstände als auch die Bedingtheit des eigenen wissenschaftlichen Sprechens, ist ein wichtiger Teil eines bestimmten kollektiven medienwissenschaftlichen Selbstverständnisses geworden: Historisierung gilt als Selbstverständlichkeit. Die mit dem Begriff der Medialität verbundene Spirale einer permanenten Selbstreflexion hat sich zu einem überaus populären Interpretamen des ‚Auftrags‘ der Medienwissenschaft und zu einem immens produktiven Motor der Medienforschung, im Besonderen der historischen, verfestigt. Dies verdankt sich u.a. der Rezeption poststrukturalistischer Konzepte seit den späten 1970er Jahren, deren zeithistorische Aufarbeitung für Deutschland überwiegend aussteht. Die anderweitig grundierte Medienforschung der 1960er Jahre erfährt demgegenüber, trotz der darin ebenfalls prominenten Einforderung historischer Perspektiven, auffällig wenig Interesse. Anhand der Medienhistoriografie lässt sich dieses im Fach verbindlich gewordene Problem der Medialität und die Auseinandersetzung damit besonders gut diskutieren, nämlich im Hinblick auf das Wechselverhältnis von Medialität/Historizität, das auf diversen Ebenen virulent ist (etwa bzgl. der jeweiligen Geschichtstheorie, der Quellen und ihrer Kritik oder der historiografischen Narration). Darüber hinaus legt der zum damaligen Zeitpunkt keinesfalls absehbare Grad, zu dem sich medienwissenschaftliche Forschung in Deutschland seit den 1960er Jahren nach und nach institutionalisiert hat (ob in Form von universitären Studiengängen, Publikationsorganen, Drittmittelprojekten oder Kanon- und Schulenbildungen) eine fachhistorische Perspektive nahe.

Das Projekt geht im Allgemeinen also den Funktionen historischer Perspektiven und hier v.a. der Mediengeschichtsforschung im Prozess der Institutionalisierung von Medienwissenschaft (mit Ludwik Fleck: im Prozess der Herausbildung medienwissenschaftlicher Denkstile und Denkkollektive) nach. Auf einer zweiten Ebene stehen die diskursiven Resultate solcher Forschung im Vordergrund, d.h. einzelne medienhistoriografische Texte. Auf dieser Ebene geht es ganz konkret darum, wie die jeweilige Darstellung funktioniert: Welche medien-, geschichts- und erzähltheoretischen Prämissen liegen ihr zugrunde? Wie wird mit welchen Quellen zu welchem Zweck umgegangen? Welche Darstellungsform kommt zum Einsatz, welche Rolle spielen darin Aspekte von Kontinuität, Diskontinuität oder Kausalität und wie wird rhetorisch vorgegangen? Eine solche meta-theoretische Beschreibung verspricht Rückschlüsse auf die Mechanismen von Mediengeschichten. 

Die Anlage des Projekts verbindet so eine Makroerzählung mit Mikroanalysen. Sie verdankt sich der Annahme, dass es nötig ist, beide Ebenen und deren Wechselverhältnis – also das strukturelle und prozessuale Verhältnis zwischen Institutionen, Denkstilen, Denkkollektiven sowie wissenschaftlichen Texten – zu untersuchen, um zu einer Theorie und Geschichte spezifisch medienwissenschaftlicher Mediengeschichtsforschung beitragen zu können.