Gottfried Schnödl studierte Germanistik, Geschichte und Philosophie in Wien und Sevilla. Von Oktober 2007 bis August 2009 ÖAD-Lektor an der Germanistik der West-Universität Timisoara; von September 2009 bis Januar 2011 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Philosophie der Universität Wien. Seitdem als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Kultur und Ästhetik digitaler Medien (ICAM) der Leuphana Universität Lüneburg.

Arbeitsfelder: Textedition der Kritischen Schriften Hermann Bahrs; Denkfiguren der Relationalität und Medialität um 1900; Geschichte der Technik- und Medientheorie.

Fast Fourier Transform, Simulakrum, Simulation: Zur Simulation der Medienwissenschaft Friedrich Kittlers

Eine Beschäftigung mit Simulationstheorien bzw. -praktiken impliziert für die aktuelle Medienwissenschaft immer auch eine Beschäftigung mit sich selbst. Zu deutlich prägen Aspekte des Simulatorischen die eigene Vorgehensweise. Die Abkehr von den Logiken der Produktion, der Repräsentation, der Mimesis und noch des Zwecks: Simulationen und zumal Computersimulationen (in ihrer vermeintlich nicht mehr intelligiblen Komplexität) scheinen eine Medientheorie zu bestätigen, deren gemeinsamer Nenner die These einer emanzipierten Medientechnik darstellt, die nicht mehr restlos auf einen außer ihr liegenden Zweck zurückzuführen oder aus einer ihr äußerlichen ökonomischen, repräsentativen oder mimetischen Ordnung herzuleiten ist.

Auch wenn das noch Mitte der 1990er allgegenwärtige, vor allem mit Jean Baudrillards Konzeption des Simulakrums verbundene „Gespenst der Simulation“ (Lorenz Engell) insofern die Bühne verlassen hat, als sein Begriff neuere medientheoretische Diskurse nur noch selten explizit anleitet, bleibt dieser Befund bestehen. Im Umfeld medienwissenschaftlicher Thematisierung von Computersimulationen ist eine Reflexion auf die Bedeutung der „Kategorie Simulation“ (Bernhard Dotzler) gerade für die medienwissenschaftlichen Theorien angezeigt, im Lichte derer konkrete Simulationen analysiert werden.

Vor diesem Hintergrund nimmt das geplante Projekt einen konkreten Fall in Blick. Es geht daran, die unterschiedlichen Verwendungsweisen von Simulationsbegriffen bei Friedrich Kittler nachzuzeichnen. Grob wird dabei zwischen drei Ebenen unterschieden, auf denen diese Begriffe auftauchen, die von Kittler sowohl zur Beschreibung bestimmter, konkreter technischer Verfahren, als Metaphern der Ablösung des Symbolischen vom Realen, gleichzeitig aber auch als Metaphern der maschinellen ,Realisierung‘ von Symbolischem verwendet werden. Diese Verwendungen verweisen erstens auf unterschiedliche, mitunter schwer kompatible Theorieansätze; ihre Untersuchung eröffnet somit einen Blick auf einige theoriegeschichtliche Anleihen, die Kittlers Medienwissenschaft nimmt. Zweitens ermöglicht es eine solche Herangehensweise, nach dem Verhältnis von Methode und Gegenstand zu fragen. Gerade in dieser Frage liegt nicht nur eine der zentralen Pointen der Kittlerschen Medienwissenschaft; sie ist auch einer der Hauptgründe für die Herausforderung, vor die sich wissensgeschichtliche Herangehensweisen an Simulationen gestellt sehen. Die Nachzeichnung der in beiden Fällen zu konstatierende Verschiebung bzw. Suspendierung klassischer Relationen zwischen Methode und Gegenstand bildet demnach den zweiten Schwerpunkt des geplanten Projekts.