Ergebnisse der Umfrage für Mitarbeitende

Umfrage zu Auswirkungen der Covid-19 Pandemie

Wissenschaftler*innen und an Universitäten tätige Personen sind mit hoher Wahrscheinlichkeit negativ von der Covid-19-Pandemie betroffen. Zu den am stärksten von der Pandemie betroffenen Personen gehören Frauen und die Karrieren von Wissenschaftler*innen, die Eltern- und Betreuungsaufgaben wahrnehmen, können langfristig negativ beeinträchtigt werden. Forscher*innen, die Behinderungen haben oder weit von ihrem Zuhause und ihrer Familie entfernt sind, haben infolge der Pandemie Ängste, Stress oder Besorgnisse entwickelt. Leider trifft eine Krise wie Covid-19 gefährdete Gruppen und Minderheiten besonders stark.

Die erste Erhebungsrunde der Umfrage lief von Juni 2020 bis September 2020 und die zweite Erhebungsrunde von November 2020 bis Februar 2021. Alle Mitarbeitenden der Fakultät Nachhaltigkeit waren eingeladen, an der Umfrage teilzunehmen. Der Rücklauf lag bei 30 Antworten. Alle Zitate stammen von Teilnehmenden der Umfrage.

Alle Vorschläge und Wünsche, wie wir die Mitarbeitenden in der Pandemie als Fakultät besser unterstützen können, wurden dokumentiert und helfen uns, Sie besser unterstützen zu können.

Ergebnisse der Umfrage

Im Folgenden finden Sie die Ergebnisse zum ersten und zweiten Durchlauf der Umfrage nach Kategorien zusammengefasst. Zitate aus den Rückmeldungen ergänzen die Ergebnisse und geben einen genaueren Einblick. Eine Zusammenfassung der Ergebnisse zum Download finden Sie außerdem hier.

Menschen, die weit von ihrem Zuhause oder ihrer Familie entfernt sind, gehören zu den besonders betroffenen Gruppen. Um diese Herausforderungen sichtbar zu machen, haben wir die Teilnehmenden ermutigt, die Umfrage auch auf ihrer Muttersprache auszufüllen:

Ada dua hal yang menjadi tantangan terbesar saya yang disebabkan oleh pandemi COVID-19. Pertama, visa keluarga saya ditangguhkan, sehingga mereka belum bisa tinggal bersama saya di Lüneburg. Kami sudah mengurus visa sejak lama namun karena Kedutaan Besar Jerman di negara kami tutup sampai sekarang, hampir 5 bulan visa belum juga diterbitkan. Hal ini menjadi tantangan psikologis yang cukup berat bagi saya. Kedua, saya tidak bisa melakukan penelitian pendahuluan karena pembatasan sosial yang diberlakukan di negara saya.

Es gibt zwei Dinge, die durch die COVID-19-Pandemie zu meinen größten Herausforderungen geworden sind. Erstens war das Visum meiner Familie in der Warteschleife, so dass sie nicht nach Lüneburg fahren konnten. Wir haben uns schon lange mit dem Visum beschäftigt, aber weil die deutsche Botschaft in unserem Land geschlossen ist, ist das Visum meiner Familie fast 5 Monate nicht ausgestellt worden. Das ist eine psychologische Herausforderung für mich.  Zweitens konnte ich aufgrund der sozialen Einschränkungen in meinem Land keine Vorrecherche betreiben.

  • 1. Probleme und Auswirkungen
  • 2. Unterstützung durch die Universität und Wünsche
  • 3. Strategien zum Umgang

1. Probleme und Auswirkungen

Herausforderungen in Bezug auf Arbeit

Die meisten Teilnehmenden sahen das Arbeiten von Zuhause als eine sehr große Herausforderung an. Das schwierigste war hierbei das gleichzeitige Händeln von Kinderbetreuung und einem Vollzeitjob.

Kinderbetreuung und die Arbeit von zwei vollzeitbeschäftigten Eltern zu koordinieren, dabei allem gleichermaßen gerecht zu werden und immer wieder mit auch emotional herausfordernden Entscheidungen konfrontiert zu sein.

Die folgenden Punkte wurden ebenfalls als Probleme genannt:

  • Für viele gibt es keine klare Abgrenzung zwischen Arbeit und Freizeit mehr, was dazu führt, dass sie immer erreichbar sind. Dadurch fehlt Klarheit, Struktur und Endgültigkeit von Arbeit.
  • Online Lehre (inklusive Planung etc.) benötigt mehr Zeit als erwartet.
  • Gleiches gilt für Forschungsförderung durch die DFG: Es hat geholfen, aber war ein sehr aufwendiger und zeitintensiver Prozess.
  • Ein anderer großer Punkt ist die fehlende Motivation, etwas für die eigene Forschung oder Qualifizierungsarbeit (Promotion, Habilitation) zu tun.
  • Einige berichten auch von ihrer Sorge, dass die Qualität ihrer eigenen Arbeit, Lehre und Betreuung unter "emotionaler Instabilität" leidet. Eine Person sorgt sich auch explizit um die Studierenden und dass deren Neugier und Fragen unbeantwortet bleiben, da sie nicht mehr an voller Lehre und Diskussionen teilnehmen können.
  • Besonders in der zweiten Umfragerunde berichten viele, dass sie weniger oder gar nicht publizieren können und auch die Qualität der eigenen Forschung leidet.
  • Auch der anhaltend fehlende Austausch wird in der zweiten Umfragerunde als besonders herausfordernd beschrieben.

Im Grunde arbeite ich zur Zeit nicht im Homeoffice sondern lebe in einem Office Home.

Es bleibt viel liegen, was sonst nicht meine Art ist, wie z.B. Prüfungsleistungen; für Publikationen und die Gestaltung von Lehre ist weniger Zeit als sonst und zum Nachdenken über neue Anträge komme ich kaum.

Dieser Mangel an Zeit zum Trauern zusammen mit der Tatsache, dass die Trauer im Moment sehr ungreifbar ist, da ich mich nicht von meinen Lieben verabschieden konnte, bedeutet, dass ich emotional instabil bin. Unter diesen Bedingungen die wissenschaftliche Produktivität aufrechtzuerhalten, Studierende zu betreuen und zu lehren, ist sehr herausfordernd.

Übersetzt aus dem Englischen

Ich schaffe zur Zeit die Lehraufgaben und das Tagesgeschäft. Für viel Forschung ist da keine Zeit.

Private und gesundheitliche Herausforderungen

Dieser neue Lebensstil verursacht auch viele gesundheitliche Probleme. Viele berichten über negative körperliche Folgen, die durch zu langes Sitzen und weniger Zeit, in der sie sich aktiv bewegen, verursacht werden. Diese Punkte und die Pandemie generell führen dann auch zu psychologischen und emotionalen Schwierigkeiten.

[...] es ist immer noch zu viel Vitrualität im täglichen Leben (was mich körperlich und emotional beeinflusst)

Stress und Einsamkeit sind am häufigsten als Auslöser für emotionale Probleme genannt. Personen, die ein "eingeschränkte soziales Netz" in Lüneburg haben (insbesondere internationale Mitarbeitende), sorgen sich konstant über ihre Familien zuhause und dass sie im Falle einer Erkrankung nicht bei ihnen sein können, da sie weiter ihren Jobs nachgehen müssen. Dazu kommt die Unsicherheit, dass einige nicht wissen, wer sich hier in Lüneburg um sie kümmern würde, falls sie krank werden und ins Krankenhaus kämen. Nicht fließend Deutsch zu sprechen wird als weiteres großes Problem genannt.

Die soziale Distanzierung gepaart mit langen Arbeitsstunden führt manchmal dazu, dass man einsam ist. Die Abgrenzung von Arbeit und Freizeit ist schwieriger, weil viele wertvolle, qualitative Freizeitangebote (wie Freunde treffen) nur noch eingeschränkt möglich sind.

Unterschiede zum Beginn der Pandemie

Viele Teilnehmende stellen eine Ermüdung bei sich, anderen Mitarbeitenden und Studierenden fest. Der lange Lockdown und die fehlende Perspektive führen zu Frustration und Auslaugung und weiterhin zu Kontaktverlust und Motivationsverlust. Einige sprechen jedoch auch von einem gelassenerem Umgang mit der Situation und einer Gewöhnung. Besonders der geübte Umgang mit der Online-Lehre wird positiv bewertet. Einige stellen keine Unterschiede fest.

Viele Leute sind müde und ausgelaugt; die konstante Online Präsenz und nicht direkte Erreichbarkeit von Betreuenden und Vorgesetzten, die teilweise über die Welt verteilt, sind machen es deutlich schwieriger als zu Beginn, motiviert zu arbeiten.

Die Onlinelehre ist jetzt schon eingespielt, aber die Frustration bei den Studierenden wächst auch mit fortschreitendem Semester.

2. Unterstützung durch die Universität und Wünsche

Viele Teilnehmenden hatten Vorschläge, wie die Universität und Fakultät sie unterstützen kann:

  • Beratung dazu, wie sie von zuhause ergonomisch arbeiten können
  • Assistenz und Flexibilität in Bezug auf die Einstellung von studentischen Hilfskräften
  • Verlängerung der Evaluationszeit
  • Stärkere Verbindung mit den Vorgesetzten und Austausch darüber, wie es ihnen geht
  • Es wurde vorgeschlagen, dass die Universität Mitarbeitende, die sich verstärkt um Kinder oder Familienangehörige kümmern müssen, stärker unterstützt und z.B. ausbleibende Publikationen durch ein Punktesystem kompensiert. Ähnlich dazu wurde vorgeschlagen, dass die Universität diesen Mitarbeitenden eine Bescheinigung ausstellt, welche bestätigt, dass sie während der Pandemie angestellt waren und sich die Situation auf ihre Forschung ausgewirkt hat.

Ein offizielles Schreiben, das nur an Akademiker*innen mit Kinderbetreuungsaufgaben zu richten ist und in dem bestätigt ist, dass ich während der Pandemiezeit angestellt war und dass sich dies auf meine Forschungsergebnisse ausgewirkt hat, und in dem darum gebeten wird, [Anzahl der Veröffentlichungen] in meine Publikationsliste aufzunehmen, wenn mein Lebenslauf mit dem von männlichen Akademikern verglichen wird. Es wäre fantastisch, dieses Schreiben einem Bewerbungspaket beizufügen.

Übersetzt aus dem Englischen

  • Eine Person berichtet, dass ihre Anfrage nach einer Internetverbindung zuhause abgelehnt wurde, wodurch sie privat einen teureren Vertrag abschließen musste, welcher das Budget überschreitet.
  • Personen, die nicht in Lüneburg leben, hätten gern einen Platz zum Arbeiten in Lüneburg angeboten bekommen.
  • Es wurde der Wunsch nach kulanteren Ausnahmeregelungen und kreativen Lösungen, z.B. zum Thema Urlaub, Vertragsverlängerung oder SHK-Stellen, geäußert.
  • Aber die Universität wurde auch gelobt, besonders in Bezug auf ihre Flexibilität und ihren effektiven und effizienten IT-Support und den reibungslosen Ablauf der Online-Lehre.
  • Einige berichten davon, die bestehenden oder neuen Unterstützungsangebote aktiv zu nutzen.

Andere Vorschläge, wie die Universität helfen kann, bezogen sich meistens auf psychologische Beratung, um durch die Pandemie zu kommen. Darüber hinaus wurden Workshops auf Deutsch und Englisch vorgeschlagen, die Stress und Angststörungen behandeln und dabei helfen sollen, mit diesen umzugehen. Ein anderer Vorschlag war die Reduktion der Lehrverpflichtung. Darüber hinaus kamen folgende Vorschläge:

  • Mehr Möglichkeiten Studierende draußen zu unterrichten
  • Bereitstellung von Desinfektionsmittel an den Türen und Gängen
  • Das Thema Covid-19 sollte aktiv in Forschung und Lehre integriert werden

Die Herausforderungen, die sowieso für viele NachwuchswissenschaftlerInnen bestehen (befristete Verträge, Kinderbretreuung, unsichere Zukunft, Dual career, etc.) fallen einem in Pandemie-Zeiten noch einmal mehr auf die Füße. Die Herausforderungen liegen aber weniger in der Pandemie selbst, als in den bereits bestehenden Strukturen. Diese zu verbessern wäre daher hiflreich, um mit den Auswirkungen der Pandemie besser umgehen zu können.

3. Strategien zum Umgang

Neben den oben genannten Vorschlägen haben viele Teilnehmenden zusätzlich eigene Strategien entwickelt, um mit der Situation umzugehen. Während viele gesagt haben, dass sie einfach versuchen, "mit der Situation umzugehen", haben anderen explizite Methoden:

  • Organisation von virtuellen Treffen mit Freund*innen und Kolleg*innen
  • Akzeptanz dafür, dass weniger möglich ist und sie nicht die gleichen Ergebnisse wie davor liefern können
  • Priorisierung von Aktivitäten, d.h. sie hatten nicht die Möglichkeit jedes Problem jeder Person, die zu ihnen kam zu lösen. Hierzu gehört auch das Setzen von Grenzen bezüglich der eigenen Arbeitskapazitäten.

Ich versuche mich mit anderen auszutauschen, von ihnen zu lernen, welche Coping-Strategien bei ihnen gut sind. Ich brauche mehr Zeit für vieles, z.B. um eine Vorlesung aufzunehmen, oder ein Seminar auf digital umzustellen. Am Anfang dachte ich, ich müsste mehr Zeit zur Verfügung haben, weil ja Wege wegfallen z.B. Aber das war ein Trugschluss.

[...] Ich finde es unglaublich schwer, mit sehr detaillierten Bedenken über die Herausforderungen einer PhD Entwicklung zu sympathisieren, während ich gleichzeitig versuche, einer kleinen Person den Hintern abzuwischen und parallel dazu eine Rede vorbereite.

Übersetzt aus dem Englischen

Die Erfahrung aus dem Frühjahr hat mir gezeigt, dass ich das Prä-Pandemie-Pensum nicht schaffen kann. Deshalb priorisiere ich noch stärker und setzte mir kleinere Ziele. Sämtliche Anfragen von Zeitschriften für Reviews lehne ich zur Zeit ab. In der Vergangenheit habe ich pro Monat mehrere Reviews geschafft und ich finde das auch einen wichtigen Beitrag für die community. Aber zur Zeit kann ich das nicht leisten.

Kontakt

Bei Fragen oder Rückmeldungen können Sie sich jederzeit an folgende Adresse wenden: diversitaet.nachhaltigkeit@leuphana.de

Kontaktpersonen

  • Dr. Fabienne Gralla
  • Prof. Dr. Berta Martín-López

Neele Bünning (studentische Vertretung)
Antonia Michel (studentische Vertretung)