Ergebnisse der Umfrage für Studierende

Umfrage zu Auswirkungen der Covid-19 Pandemie

Die Fakultät Nachhaltigkeit der Leuphana möchte das Bewusstsein für die Herausforderungen schärfen, die die Covid-19-Pandemie für unsere Studierenden und alle anderen Mitglieder der Fakultät mit sich bringt. Dies ist Teil des Positionspapiers 2020-2022 der Fakultät Nachhaltigkeit zu Gender und Diversity. 

Die erste Erhebungsrunde der Umfrage lief von Juli 2020 bis September 2020, die zweite Erhebungsrunde von März bis April 2021. Alle Studierenden der Fakultät Nachhaltigkeit waren eingeladen, an der Umfrage teilzunehmen. Der Rücklauf lag bei 57 Antworten. Alle Zitate stammen von Teilnehmenden der Umfrage.

Alle Vorschläge und Wünsche, wie wir die Studierenden in der Pandemie als Fakultät besser unterstützen können, wurden dokumentiert und helfen uns, Sie besser unterstützen zu können.

Ergebnisse der Umfrage

Im Folgenden finden Sie die Ergebnisse zum ersten und zweiten Durchlauf der Umfrage nach Kategorien zusammengefasst. Zitate aus den Rückmeldungen ergänzen die Ergebnisse und geben einen genaueren Einblick. Außerdem finden Sie hier eine Zusammenfassung der Ergebnisse zum Download.

  • 1. Herausforderungen der Pandemie
  • 2. Auswirkungen der Pandemie
  • 3. Strategien zum Umgang
  • 4. Unterstützung durch die Universität
  • 5. Vorschläge und Wünsche zu weiterer Unterstützung

1. Herausforderungen der Pandemie

Durch die Covid-19 Pandemie erfahren die Studierenden viele Herausforderungen, sowohl im universitären Kontext, als auch privat:

Studienbezogene Herausforderungen:

  • Schwierigkeiten, einen geeigneten Ort zum Lernen und Studieren zu finden (eigenes Zimmer zu klein, keine Privatsphäre, Bibliothek geschlossen, etc.)
  • Sehr hohe Bildschirmzeit
  • Fehlende Interaktion mit anderen Studierenden und Lehrenden
  • Technische Herausforderungen (schlechte Internetverbindung, nicht kompatible Geräte, etc.)
  • Motivationsprobleme

Ich finde die Selbstorganisation, Motivation und Abschätzung von Arbeitsaufwand schwieriger ohne die direkten Kontakte. Außerdem scheint der Arbeitsaufwand dieses Semester höher zu sein. Ich war durchgehender gestresst. Dadurch dass ich zu Hause arbeite hab ich auch oft das Gefühl immer noch mehr arbeiten zu können oder zu müssen.

Private Herausforderungen:

  • Mit Abstand am häufigsten genannt: Einsamkeit und sehr stark reduzierte soziale Kontakte
  • Finanzielle Schwierigkeiten und Verlust der Arbeitsstelle
  • Verantwortung für die Pflege von Angehörigen, was Zeit und Energie benötigt
  • Keine klare Trennung zwischen Arbeit/Studium und Freizeit
  • Generelle Unsicherheit und Sorge um andere Menschen und die Entwicklung der Pandemie
  • Keine Abwechslung zum Alltag, abschalten ist nicht möglich
  • Hoffnungslosigkeit, dass sich die Situation bald bessert
  • psychische Probleme/Erkrankungen
  • Schwierige Wohnsituation und keine Möglichkeit auszuziehen
  • fehlende Bewegung

Psychisch geht es mir schlechter als sonst. Bei vielen Freund*Innen und Bekannten ist das ähnlich. Das liegt glaube ich besonders daran, dass man so viel weniger Kontakt mit anderen Menschen hat. Studieren ist für mich auch etwas sehr Soziales, das sich auf dem Campus treffen bedeutet mir viel.

Unterschiede zum Beginn der Pandemie:

  • Gewöhnung an die Situation (weniger Angst, mehr Gelassenheit)
  • Verlust der Hoffnung in die Politik, Enttäuschung
  • Motivationslosigkeit und Frust sind gestiegen
  • Verkleinerung des sozialen Umfeldes
  • Verschlechterung der mentalen und physischen Gesundheit
  • Mehr Stress
  • Sehnsucht nach Abwechslung ist gestiegen

As an introvert, the lockdown last year kinda helped me to recharge and reconnect to myself. I was thrilled. After one year, I find myself breaking down crying every other day. The entertainment indoors no longer brings me excitement or relaxation. It felt like all I do these days is trying to work on the thesis and then go to bed. The next day, I do it again in repeat. A good day, for me now, is when I manage not to break down.

2. Auswirkungen der Pandemie

Die Pandemie-Situation und die oben genannten Herausforderungen haben verschiedene Auswirkungen auf die Studierenden:

Auswirkungen auf das Studium und die Karriere:

  • Mit Abstand am häufigsten genannt: Weniger Konzentration und Motivation für das Online-Studium
  • Geringere Leistungsfähigkeit, man braucht länger für Aufgaben
  • Die Qualität der eigenen Leistungen und Prüfungen scheint abzunehmen, viele erwarten auch schlechtere Benotung
  • Kein Spaß mehr am Studium
  • Wunsch, das Studium möglichst schnell abschließen zu wollen
  • Gedanken, das Studium abzubrechen oder zu einem späteren Zeitpunkt weiterzuführen
  • Verschiebung der Abschlussarbeit, weil Datenerhebung aktuell nicht möglich ist
  • Positive Effekte: Abschlussarbeit schreiben ohne Ablenkung, mehr Zeit für das Studium wegen Verlust des Nebenjobs, Möglichkeiten, andere Module zu besuchen; arbeiten in eigener Geschwindigkeit
  • Mögliche Verzögerung vom Beginn des Masterstudiums und kurzfristig schlechtere Jobeinstiegsmöglichkeiten

Anfangs war ich wesentlich weniger produktiv, dies hat sich nach einer Gewöhnungsphase bspw. an den Arbeitsplatz zuhause aber etwas geändert. Die letzten Semester habe ich fast ausschließlich in der Bibliothek gearbeitet und gelernt. Außerdem kommen in Zoom Sitzungen schwieriger Diskussionen auf. Das finde ich, gerade da ich jetzt auch im sechsten Semester studiere, wirklich schade. Durch Präsenzunterricht kann ich persönlich einfach viel mehr mitnehmen. Selbst die interessantesten Seminare machen nicht so viel Spaß wie in anderen Semestern.

Der Druck, innerhalb des Zeitraums meiner finanziellen Förderung das Studium zu beenden, ist größer geworden. Dadurch musste ich andere Prioritäten setzen, wodurch sich aber diesen Sommer ein Zeitfenster für das Schreiben des ersten Promotionsexposé-Entwurfs ergeben hat - es lohnt sich pragmatisch und flexibel zu werden/sein zu können.

Auswirkungen privat:

  • Aktivitäten benötigen generell mehr Energie und Zeit
  • Starke Auswirkungen auf die mentale Gesundheit: Viele berichten von hohem Druck, Stress und Angst, einige auch von Depressionen
  • Auch die physische Gesundheit ist beeinflusst: Kopfschmerzen, Muskelverspannungen, verschlechterte Sehkraft
  • Einige haben nicht von negativen Effekten berichtet oder positiv herausgehoben, dass durch die Pandemie neue Perspektiven und Ideen entstehen 

3. Strategien zum Umgang

Um mit den genannten Herausforderungen und Auswirkungen umzugehen, haben Studierenden verschiedene Strategien erwähnt:

Studienbezogene Strategien:

  • Weniger Kurse belegen
  • Eigene Erwartungen an Leistungen heruntersetzen und potentiell schlechtere Noten akzeptieren
  • Einen angenehmen Arbeitsplatz einrichten
  • Geeignete Lernorte schaffen (eigene Wohnung verlassen)
  • Lernen in Gruppen und Austausch und Kommunikation mit Kommilitonen
     

Ich versuche, so geduldig wie möglich mit mir zu sein und mich nicht dazu zu zwingen, produktiv zu sein, wenn ich merke, dass ich mich nicht wirklich konzentrieren kann. Ich erlaube mir, häufiger nichts zu tun und mich nicht schlecht dafür zu fühlen. Ich versuche darauf zu vertrauen, dass es immer wieder kurze Phasen gibt, in denen ich dann produktiv sein kann und in denen ich voran komme.
Außerdem hilft es mir, mich zusammen mit meinen Mitbewohner*innen in ein Zimmer zu setzen und nebeneinander zu arbeiten. Ansonsten überlege ich für das kommende Semester, häufiger in die Heimat nach Süddeutschland zu fahren, um einen regelmäßigen Tapetenwechsel zu bekommen. 

Strategien für das private Umfeld:

  • Akzeptanz der Situation
  • Mit Familie, Freunden, Mitbewohnern und Kommilitonen in Kontakt bleiben und Zeit verbringen
  • Yoga und Meditation
  • Selbstfürsorge
  • Sport, körperliche Aktivität und mehr Zeit draußen verbringen
  • Aktives Zeitmanagement (Bildschirmfreie Zeiten, festgelegtes Ende der Arbeits-/Lernzeit)
  • Professionelle Hilfe in Anspruch nehmen (psychologische Unterstützung)
  • Weniger Nachrichten konsumieren
  • Aktive Reflektion der Pandemie und der Situation (z.B. durch ein Tagebuch, Gespräche mit anderen, Forschungsansatz, etc.)
  • Einige haben aber auch keine Bewältigungsstrategien, reagieren mit Verdrängung

Ich versuche einen Ausgleich zu finden, in die Natur zu gehen, Yoga zu machen, zu meditieren. Soweit es die Sicherheitsauflagen des Landes zulassen, versuche ich meine sozialen Kontakte nicht zu vernachlässigen. Regelmäßige Therapiebesuche und eine Krankschreibung über ein paar Wochen waren jedoch unausweichlich.

4. Unterstützung durch die Universität

Basierend auf der Situation zwischen März und Juli/August 2020 (je nach Ausfülldatum) haben die Studierenden folgende Unterstützung durch die Universität und Fakultät wahrgenommen:

  • Schneller Wechsel zu Online-Lehre
  • Manchmal explizit positiv genannt: Lernmaterial (z.B. Videos) und gewählte Online Formate
  • Hilfsbereitschaft der Mitarbeitenden bei Problemen (z.B. Bibliothek, Administration, etc.)
  • Kommunikation und Updates per E-Mails (allerdings manchmal sehr spät)
  • Nach Widereröffnung: Bereitstellung von Arbeitsplätzen, Bibliothek, Druckern (allerdings auch Kritik, dass sie so lange geschlossen waren)
  • Einige sagen, sie haben keine Unterstützung bekommen

Basierend auf der Situation im März/April 2021 haben die Studierenden folgende Unterstützung durch die Universität und Fakultät wahrgenommen:

  • Verlängerung der Regelstudienzeit
  • Mentoring Umweltwissenschaften
  • Veranstaltungen zu mentaler Gesundheit
  • Onlineformate zum gemeinsamen Schreiben: "Zeit zum Schreiben!" vom Schreibzentrum
  • Onlineformate, um andere Studierenden zu treffen, z.B. von Universitätseinrichtungen oder Initiativen (wird teilweise nicht wahrgenommen, weil die Studierenden nicht noch mehr Zeit vor dem Laptop verbringen wollen)

Als positiv wurden bewertet:

  • Informations-Emails der Universität
  • Mühe, die ins digitale Lehrangebot gesteckt wurde
  • Teilweise Erleichterungen bei Online-Klausuren
  • Teilweise Unterstützung vom Lehrpersonal bei Verlängerungsanträgen des BAFöGs
  • Arbeitgeber*innen an der Uni sind verständnisvoll für die Situation der studentischen Hilfskräfte

Kritik:

  • zu hoher Workload
  • Professor*innen nehmen zunehmend weniger Rücksicht auf die Situation der Studierenden
  • Informationen sind teilweise nicht auf Englisch erhältlich
  • fast die Hälfte der Studierenden gibt an, keine oder kaum Unterstützung zu erhalten

5. Vorschläge und Wünsche zu weiterer Unterstützung

Ausgehend von Juli/August/September 2020 (je nach Ausfülldatum) haben die Studierenden folgende Vorschläge und Wünsche zu weiterer Unterstützung durch die Universität und Fakultät geäußert:

Universitäts-Level:

  • flächendeckender Wechsel zu Präsenzveranstaltungen, sobald möglich (Wechsel-Modell wird als nicht hilfreich wahrgenommen)
  • Arbeitsplätze an der Universität (Bibliothek, Seminarräume)
  • Studiengebühren verringern
  • weitere Verlängerung der Regelstudienzeit
  • Bessere, weniger kurzfristige Kommunikation und Updates
  • Mehrfach genannt: psychologische Hilfe und Veranstaltungen über mentale Gesundheit anbieten, Soft Skill Beratung (z.B. Zeitmanagement, Stressresilienz)
  • Studierende wünschen sich, dass die Universität sich vermehrt politisch äußert und sich für die Interessen der Studierenden einsetzt

Fakultäts- und Modul-Level:

  • Mehr Verständnis und Empathie für die Situation und Herausforderungen der Studierenden
  • Anpassung der Benotung 
  • Mehr Flexibilität der Lehrenden, z.B. Änderung des Prüfungsdatums, Feedback mehr berücksichtigen
  • Reduktion des Arbeitspensums

Spezifische Vorschläge zur Online-Lehre:

  • Onlineveranstaltungen ansprechend gestalten, Onlinetools sinnvoll einsetzen, nicht einfach Präsenzformate online durchführen
  • Videos statt Zoom-Vorlesungen, mehr Moodle-Kurse
  • Anstelle von Onlineveranstaltungen ggf. Veranstaltungen draußen anbieten
  • Wunsch nach einheitlichen Regeln für alle Module, z.B. keine (gefühlte) Kamerapflicht (wird teilweise als ablenkend empfunden und verursacht Stress)
  • Veranstaltungen auf 1,5h begrenzen, keine 8h-Blockseminare online
  • Dozierende sollen konsequent Pausen einplanen und einhalten
  • Möglichkeit anbieten, dass Studierende im Anschluss an Onlineveranstaltungen den Dozierenden Fragen stellen können
  • Kontrolle, ob jemand bei Onlineveranstaltungen mit externer Software mitschneidet

Spezifische Vorschläge zu Prüfungsleistungen: 

  • Mehr Flexibilität bei Prüfungsleistungen, z.B. andere Prüfungsformate als Klausuren anbieten, Option anbieten, Prüfungsleistungen allein abzulegen (nicht als Gruppenarbeit)
  • mehr Technikzeit bei Onlineklausuren

Verwaltungs-Level:

  • Konsequente Bereitstellung von allen Informationen in englischer Sprache
  • FAQ-Seite des Studierendenservice
  • Zuständigkeiten klar kommunizieren

Ich hätte mir eine intensivere Anpassung der Lehrformate auf die aktuelle Situation gewünscht. So zum Beispiel hätten einige der Blockkurse eher aufgeteilt werden müssen, da es sehr viel schwieriger ist sich am Bildschirm über mehrere Stunden zu konzentrieren. Mehr Flexibilität und Rücksprache wären schön gewesen.

Ich hatte Glück, aber ich habe von einigen Freunden gehört, dass ihr Arbeitsaufwand gestiegen ist [...]. Hier besteht noch eine Differenz zwischen verfügbarer Zeit und Arbeitspensum. Nur weil wir auf einmal nicht in der Uni sitzen und weniger offizielle Veranstaltungen (Sport, Engagement, ...) haben, heißt das ja nicht, dass wir für jedes Fach nun mehr Zeit haben. Dauerhafte Arbeit am Rechner strengt an und ist nicht pausenlos möglich. Außerdem stellt auch die fehlende Arbeitsumgebung und feste Struktur für viele Studierende ein Problem dar.

Kontakt

Bei Fragen oder Rückmeldungen können Sie sich jederzeit an folgende Adresse wenden: diversitaet.nachhaltigkeit@leuphana.de

Kontaktpersonen

  • Dr. Fabienne Moreau
  • Prof. Dr. Berta Martín-López

Neele Bünning (studentische Vertretung)
Antonia Michel (studentische Vertretung)