Ergebnisse der Umfrage für Studierende

Umfrage zu Auswirkungen der Covid-19 Pandemie

Die Fakultät Nachhaltigkeit der Leuphana möchte das Bewusstsein für die Herausforderungen schärfen, die die Covid-19-Pandemie für unsere Studierenden und alle anderen Mitglieder der Fakultät mit sich bringt. Dies ist Teil des Positionspapiers 2020-2022 der Fakultät Nachhaltigkeit zu Gender und Diversity. 

Die erste Erhebungsrunde der Umfrage lief von Juli 2020 bis September 2020. Alle Studierenden der Fakultät Nachhaltigkeit waren eingeladen, an der Umfrage teilzunehmen. Der Rücklauf lag bei 41 Antworten. Alle Zitate stammen von Teilnehmenden der Umfrage.

Alle Vorschläge und Wünsche, wie wir die Studierenden in der Pandemie als Fakultät besser unterstützen können, wurden dokumentiert und helfen uns, Sie besser unterstützen zu können.

Ergebnisse der Umfrage

Im Folgenden finden Sie die Ergebnisse zum ersten Durchlauf der Umfrage nach Kategorien zusammengefasst. Zitate aus den Rückmeldungen ergänzen die Ergebnisse und geben einen genaueren Einblick. Eine Zusammenfassung der Ergebnisse zum Download finden Sie außerdem hier.

  • 1. Herausforderungen der Pandemie
  • 2. Auswirkungen der Pandemie
  • 3. Strategien zum Umgang
  • 4. Unterstützung durch die Universität
  • 5. Vorschläge und Wünsche zu weiterer Unterstützung

1. Herausforderungen der Pandemie

Durch die Covid-19 Pandemie erfahren die Studierenden viele Herausforderungen, sowohl im universitären Kontext, als auch privat:

Studienbezogene Herausforderungen:

  • Schwierigkeiten, einen geeigneten Ort zum Lernen und Studieren zu finden (eigenes Zimmer zu klein, keine Privatsphäre, etc.)
  • Sehr hohe Bildschirmzeit
  • Fehlende Interaktion mit anderen Studierenden und Lehrenden
  • Technische Herausforderungen (schlechte Internetverbindung, nicht kompatible Geräte, etc.)

Ich finde die Selbstorganisation, Motivation und Abschätzung von Arbeitsaufwand schwieriger ohne die direkten Kontakte. Außerdem scheint der Arbeitsaufwand dieses Semester höher zu sein. Ich war durchgehender gestresst. Dadurch dass ich zu Hause arbeite hab ich auch oft das Gefühl immer noch mehr arbeiten zu können oder zu müssen.

Private Herausforderungen:

  • Mit Abstand am häufigsten genannt: Einsamkeit und sehr stark reduzierte soziale Kontakte
  • Finanzielle Schwierigkeiten und Verlust der Arbeitsstelle
  • Verantwortung für die Pflege von Angehörigen, was Zeit und Energie benötigt
  • Keine klare Trennung zwischen Arbeit/Studium und Freizeit
  • Generelle Unsicherheit und Sorge um andere Menschen und die Entwicklung der Pandemie

Psychisch geht es mir schlechter als sonst. Bei vielen Freund*Innen und Bekannten ist das ähnlich. Das liegt glaube ich besonders daran, dass man so viel weniger Kontakt mit anderen Menschen hat. Studieren ist für mich auch etwas sehr Soziales, das sich auf dem Campus treffen bedeutet mir viel.

2. Auswirkungen der Pandemie

Die Pandemie-Situation und die oben genannten Herausforderungen haben verschiedene Auswirkungen auf die Studierenden:

Auswirkungen auf das Studium und die Karriere:

  • Weniger Konzentration und Motivation für Vorlesungen, Seminare und studieren bzw. lernen generell
  • Höherer Arbeitsaufwand als vorher, gleichzeitig weniger Zeit für das Studium
  • Die Qualität der eigenen Leistungen und Prüfungen scheint abzunehmen, viele erwarten auch schlechtere Benotung
  • Positive Effekte: Möglichkeiten, andere Module zu besuchen; arbeiten in eigener Geschwindigkeit
  • Mögliche Verzögerung vom Beginn des Masterstudiums und kurzfristig schlechtere Jobeinstiegsmöglichkeiten

Anfangs war ich wesentlich weniger produktiv, dies hat sich nach einer Gewöhnungsphase bspw. an den Arbeitsplatz zuhause aber etwas geändert. Die letzten Semester habe ich fast ausschließlich in der Bibliothek gearbeitet und gelernt. Außerdem kommen in Zoom Sitzungen schwieriger Diskussionen auf. Das finde ich, gerade da ich jetzt auch im sechsten Semester studiere, wirklich schade. Durch Präsenzunterricht kann ich persönlich einfach viel mehr mitnehmen. Selbst die interessantesten Seminare machen nicht so viel Spaß wie in anderen Semestern.

Der Druck, innerhalb des Zeitraums meiner finanziellen Förderung das Studium zu beenden, ist größer geworden. Dadurch musste ich andere Prioritäten setzen, wodurch sich aber diesen Sommer ein Zeitfenster für das Schreiben des ersten Promotionsexposé-Entwurfs ergeben hat - es lohnt sich pragmatisch und flexibel zu werden/sein zu können.

Auswirkungen privat:

  • Aktivitäten benötigen generell mehr Energie und Zeit
  • Starke Auswirkungen auf die mentale Gesundheit: Viele berichten von hohem Druck, Stress und Angst, einige auch von Depressionen
  • Auch die physische Gesundheit ist beeinflusst: Kopfschmerzen, Muskelverspannungen, verschlechterte Sehkraft
  • Einige haben nicht von negativen Effekten berichtet oder positiv herausgehoben, dass durch die Pandemie neue Perspektiven und Ideen entstehen 

3. Strategien zum Umgang

Um mit den genannten Herausforderungen und Auswirkungen umzugehen, haben Studierenden verschiedene Strategien erwähnt:

Studienbezogene Strategien:

  • Eigene Erwartungen an Leistungen heruntersetzen und potentiell schlechtere Noten akzeptieren
  • Lernen in Gruppen und Austausch und Kommunikation mit anderen
  • Geeignete Lernorte schaffen (eigene Wohnung verlassen)

Ich versuche, so geduldig wie möglich mit mir zu sein und mich nicht dazu zu zwingen, produktiv zu sein, wenn ich merke, dass ich mich nicht wirklich konzentrieren kann. Ich erlaube mir, häufiger nichts zu tun und mich nicht schlecht dafür zu fühlen. Ich versuche darauf zu vertrauen, dass es immer wieder kurze Phasen gibt, in denen ich dann produktiv sein kann und in denen ich voran komme.
Außerdem hilft es mir, mich zusammen mit meinen Mitbewohner*innen in ein Zimmer zu setzen und nebeneinander zu arbeiten. Ansonsten überlege ich für das kommende Semester, häufiger in die Heimat nach Süddeutschland zu fahren, um einen regelmäßigen Tapetenwechsel zu bekommen. 

Strategien für das private Umfeld:

  • Versuchen, mit Freunden und Familie in Kontakt zu bleiben und sich auf diese zu verlassen
  • Sport, körperliche Aktivität und mehr Zeit draußen verbringen
  • Aktives Zeitmanagement (Bildschirmfreie Zeiten, festgelegtes Ende der Arbeits-/Lernzeit)
  • Professionelle Hilfe in Anspruch nehmen (psychologische Unterstützung)
  • Aktive Reflektion der Pandemie und der Situation (z.B. durch ein Tagebuch, Gespräche mit anderen, Forschungsansatz, etc.)
  • Meditation

Ich versuche einen Ausgleich zu finden, in die Natur zu gehen, Yoga zu machen, zu meditieren. Soweit es die Sicherheitsauflagen des Landes zulassen, versuche ich meine sozialen Kontakte nicht zu vernachlässigen. Regelmäßige Therapiebesuche und eine Krankschreibung über ein paar Wochen waren jedoch unausweichlich.

4. Unterstützung durch die Universität

Basierend auf der Situation zwischen März und Juli/August (je nach Ausfülldatum) haben die Studierenden folgende Unterstützung durch die Universität und Fakultät wahrgenommen:

  • Schneller Wechsel zu Online-Lehre
  • Manchmal explizit positiv genannt: Lernmaterial (z.B. Videos) und gewählte Online Formate
  • Hilfsbereitschaft der Mitarbeitenden bei Problemen (z.B. Bibliothek, Administration, etc.)
  • Kommunikation und Updates per E-Mails (allerdings manchmal sehr spät)
  • Nach Widereröffnung: Bereitstellung von Arbeitsplätzen, Bibliothek, Druckern (allerdings auch Kritik, dass sie so lange geschlossen waren)
  • Einige sagen, sie haben keine Unterstützung bekommen

5. Vorschläge und Wünsche zu weiterer Unterstützung

Ausgehend von Juli/August/September 2020 (je nach Ausfülldatum) haben die Studierenden folgende Vorschläge und Wünsche zu weiterer Unterstützung durch die Universität und Fakultät geäußert:

Universitäts-Level:

  • Wunsch nach Präsenzveranstaltungen, sobald diese gesetzlich wieder möglich sind
  • Veränderungen der Regelstudienzeit, so dass das SoSe 2020 nicht zählt
  • Bessere, weniger kurzfristige Kommunikation und Updates
  • Unterstützung bei administrativen Fragen (an wen muss ich mich wenden?), psychologischer Beratung und Soft Skill Beratung (z.B. Zeitmanagement, Stressresilienz)
  • Außerdem: Späterer Semesterstart, kleinerer Semesterbeitrag

Fakultäts- und Modul-Level:

  • Generell der Wunsch nach mehr Verständnis für die Situation und die Herausforderungen der Studierenden
  • Mehr Flexibilität der Lehrenden, z.B. Änderung des Prüfungsdatums, Feedback mehr berücksichtigen
  • Reduktion des Arbeitspensums
  • Spezifische Vorschläge zur Online Lehre: Videos statt Zoom-Vorlesungen, mehr moodle-Kurse, keine 8h-Blockseminare online
  • Wunsch nach einheitlichen Regeln für alle Module, z.B. keine (gefühlte) Kamerapflicht

Ich hätte mir eine intensivere Anpassung der Lehrformate auf die aktuelle Situation gewünscht. So zum Beispiel hätten einige der Blockkurse eher aufgeteilt werden müssen, da es sehr viel schwieriger ist sich am Bildschirm über mehrere Stunden zu konzentrieren. Mehr Flexibilität und Rücksprache wären schön gewesen.

Ich hatte Glück, aber ich habe von einigen Freunden gehört, dass ihr Arbeitsaufwand gestiegen ist [...]. Hier besteht noch eine Differenz zwischen verfügbarer Zeit und Arbeitspensum. Nur weil wir auf einmal nicht in der Uni sitzen und weniger offizielle Veranstaltungen (Sport, Engagement, ...) haben, heißt das ja nicht, dass wir für jedes Fach nun mehr Zeit haben. Dauerhafte Arbeit am Rechner strengt an und ist nicht pausenlos möglich. Außerdem stellt auch die fehlende Arbeitsumgebung und feste Struktur für viele Studierende ein Problem dar.

Kontakt

Bei Fragen oder Rückmeldungen können Sie sich jederzeit an folgende Adresse wenden: diversitaet.nachhaltigkeit@leuphana.de

Kontaktpersonen

  • Dr. Fabienne Gralla
  • Prof. Dr. Berta Martín-López

Neele Bünning (studentische Vertretung)
Antonia Michel (studentische Vertretung)