Course Schedule
Lehrveranstaltungen
"Dialektik der Aufklärung" (Horkheimer und Adorno) – Damals und Heute (Seminar)
Dozent/in: Heiko Stubenrauch, Christian Voller
Termin:
wöchentlich | Mittwoch | 10:15 - 11:45 | 06.04.2026 - 10.07.2026 | C 5.019 Seminarraum | neuer Raum!
Inhalt: Im Seminar wird ein zentraler Klassiker der Sozialphilosophie, die Dialektik der Aufklärung von Max Horkheimer und Theodor W. Adorno, in gemeinsamer Lektüre erarbeitet und auf seine Aktualität im Kontext der Klimakrise sowie ihrer zunehmend autoritären Bearbeitungsweisen hin befragt. Das Werk entstand im Exil in den USA während des Zweiten Weltkriegs und stellt den Versuch dar, die damalige globale Krisensituation philosophisch zu begreifen. Zentral ist die These, dass die Geschichte der Aufklärung zugleich eine Geschichte wachsender Naturbeherrschung ist – und dass diese Naturbeherrschung nicht zu mehr Freiheit, sondern zu neuen Formen von Zwang, Unfreiheit und Unmündigkeit führt. Auf individueller Ebene wird Naturbeherrschung, etwa im Odysseus-Kapitel, als Ursache von Entfremdung analysiert. Auf gesellschaftlicher Ebene werden insbesondere kapitalistische Gesellschaften, die auf exzessiver Naturbeherrschung beruhen, als strukturell wandlungsresistent beschrieben. Ihnen wird – im Kapitel zur Kulturindustrie – eine Tendenz zur politischen Apathie, sowie – im Kapitel zum Antisemitismus – eine Neigung zu autoritären Dynamiken zugeschrieben. Vor diesem Hintergrund fragt das Seminar, ob und inwiefern diese Diagnosen heute im Lichte der Klimakrise neu gelesen und theoretisch fruchtbar gemacht werden können. Lassen sich Horkheimers und Adornos Überlegungen zur Naturbeherrschung nutzen, um gegenwärtige Blockaden der sozial-ökologischen Transformation zu verstehen? In welchem Verhältnis stehen Naturbeherrschung, politische Passivität und autoritäre Reaktionsweisen in fossil geprägten Gesellschaften? Und wo liegen die Grenzen der Dialektik der Aufklärung im Umgang mit ökologischen Krisen? Das Seminar ist als Lektüreseminar angelegt und zielt darauf, das Verständnis eines anspruchsvollen philosophischen Textes in gemeinsamer Diskussion zu erarbeiten. Zugleich soll – insbesondere im Dialog mit dem komplementären Seminar „Politische Theorie der Klimakrise“ – eine systematische Verbindung zur klimapolitischen Gegenwart hergestellt werden.
Freiheit und Eigentum (Seminar)
Dozent/in: Rime Abd Al Majeed
Termin:
Einzeltermin | Mo, 13.07.2026, 15:00 - Mo, 13.07.2026, 18:00 | C 12.015 Seminarraum
Einzeltermin | Di, 14.07.2026, 10:00 - Di, 14.07.2026, 15:00 | C 12.015 Seminarraum
Einzeltermin | Mi, 15.07.2026, 10:00 - Mi, 15.07.2026, 15:00 | C 12.015 Seminarraum
Einzeltermin | Do, 16.07.2026, 10:00 - Do, 16.07.2026, 15:00 | C 12.015 Seminarraum
Einzeltermin | Fr, 17.07.2026, 10:00 - Fr, 17.07.2026, 14:00 | C 12.015 Seminarraum
Inhalt: Sowohl Freiheit als auch Eigentum sind seit der europäischen Aufklärung tief im modernen Selbstverständnis verankert. Dabei wird Freiheit selbst über den Begriff des Eigentums gedacht und hergestellt: als Selbstverfügung, Aneignung, durch die verrechtlichte Person und als notwendige Bedingung bürgerlicher Existenz. Eigentum ist die zentrale Form moderner Subjektivität, aus der sich ein Rechtsverhältnis in der bürgerlichen Ordnung ergibt. Zugleich ist genau diese Verbindung historisch und begrifflich problematisch, denn der emanzipative Freiheitsbegriff der Aufklärung entsteht in einem globalen Zusammenhang der Ungleichheit, der durch koloniale Expansion, Ausbeutung, Versklavung, Enteignung, Zerstörung und Tod gekennzeichnet ist. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, inwiefern Eigentum als Ausdruck oder Bedingung von Freiheit fungiert. Welche Rolle spielt Aneignung bei der Herausbildung des Begriffs der Person? Wie verhalten sich Arbeit, Eigentum und Recht zueinander? Wodurch werden in Freiheits- und Eigentumstheorien Ungleichheiten und Unfreiheiten erzeugt? Neben der gemeinsamen Lektüre von Primärtexten von Hegel, Locke und Hobbes werden ausgewählte Positionen der neueren Eigentums- und Kolonialismuskritik einbezogen. Ziel des Seminars ist es, die philosophische Verknüpfung von Eigentum und Freiheit seit der Aufklärung historisch zu rekonstruieren, ihr Spannungsfeld und ihre Widersprüchlichkeiten sichtbar zu machen und sie in einem globalen Zusammenhang zu untersuchen um so ein kritisches Denken zu diesen Fragen zu entwickeln. Während der Sitzungen werden wir Auszüge der Texte im Rahmen einer genauen Lektüre lesen und diese gemeinsam diskutieren, daher wird eine aktive Beteiligung der Studierenden erwartet. Dem Seminar sollte eine sorgfältige Lektüre der Texte zu Hause vorausgehen.
Hannah Arendt: A Glossary for Living in Dark Times (Seminar)
Dozent/in: Maria Teresa Costa
Termin:
wöchentlich | Mittwoch | 10:15 - 11:45 | 08.04.2026 - 08.07.2026 | C 5.325 Seminarraum | neuer Raum!
Inhalt: Hannah Arendt is widely regarded as an exemplary figure demonstrating how critical thought can be exercised against the current in “dark times.” Persecuted, marginalized, and forced into exile, she developed a philosophy rooted in the concept of birth. From this perspective, every act of action or speech can be understood as a form of new beginning. Whether engaging with political questions, the nature of philosophy, or literature, language, and poetry, Arendt consistently rejects modes of thought that prove simplistic or superficial. Her intellectual endeavour is guided by a profound “will to understand.” This seminar will focus on texts in which Arendt explores thinking as a form of resistance. Through close reading and discussion, participants will collaboratively construct a conceptual glossary aimed at cultivating intellectual resilience in dark times.
Walter Benjamin’s Illuminations (Seminar)
Dozent/in: Maria Teresa Costa
Termin:
wöchentlich | Mittwoch | 12:15 - 13:45 | 08.04.2026 - 08.07.2026 | C 5.325 Seminarraum | neuer Raum!
Inhalt: Some weeks before his death escaping from Nazism, Walter Benjamin entrusts his last manuscript to his friend Hannah Arendt, telling her to save it as it is more important than his own life. The text appears 1968 in the book Illuminations, the first anthology of Benjamin’s essays published in English and edited by Arendt. With this provocative title she wants to present Benjamin as one of the few intellectuals of the 20th century who was able to “enlighten” those “Dark Times”, which doesn’t seem yet to have come to an end. With his prophetic gaze Benjamin was not only offering a deep analysis on his own times, but also anticipating a series of tendencies, which found their concretisation only in the 21st century. His disruptive reflection on the origin of modernity, the destruction of tradition, the arise of capitalism, the role of technology in our society, the uses of images as political instruments are only a few examples of the novelty and the freshness of Benjamin’s thinking. His oeuvre is an immense source for finding new concepts to decipher our times. During the seminar we will be reading some of Benjamin’s most important essays as well as looking for his legacy both in contemporary philosophy and artistic practices. Following this perspective, “Benjamin’s Illuminations” should be read also as a kind of compass for orienting ourselves in present times.