Der Einsatz von Chemikalien beim Anbau von Baumwolle

Die Baumwollpflanze ist für Schädlinge und Krankheitserreger besonders attraktiv. Keine andere Nutzpflanze wird daher so stark mit Pestiziden, Düngemitteln, Wuchsstoffen und Entlaubungsmitteln behandelt wie sie. So landen etwa zehn Prozent der jährlich weltweit versprühten 2,5 Mio. Tonnen Pestizide auf den Baumwollfeldern.
Zu der größten Gruppe der versprühten Pestizide zählen Insektizide. Diese sollen verschiedene Arten des Kapselwurms und des Baumwollkäfers bekämpfen, die für den überwiegenden Teil von Ernteausfällen verantwortlich sind. Die Weltgesundheitsorganisation (World Health Organization, WHO) stufte von den verwendeten Wirkstoffen nur einen als leicht-gefährlich, 15 als mittel-gefährlich, vier Wirkstoffe als hoch-gefährlich und zwei als extrem gefährlich ein. Der Einsatz der Pestizide bleibt daher für die Baumwollbäuerinnen und -bauern sowie die Anwohnerinnen und Anwohner nicht ohne Konsequenzen.
Der Einsatz von Pestiziden kann zu schweren Vergiftungen und Todesfällen führen. Zu den Symptomen einer akuten Pestizidvergiftung zählen Schwindel, Kopfschmerzen, Übelkeit, Bewusstlosigkeit, Atemnot, Schlaflosigkeit, Hautirritationen, Durchfall, Herzrhythmusstörungen und Krämpfe. Nach Schätzungen der WHO sterben weltweit pro Jahr etwa 20.000 Menschen an einer Pestizidvergiftung beim Baumwollanbau. Der Umgang und Kontakt mit den Pestiziden kann langfristig zu Schädigungen des Nervensystems, des Hormonhaushalts, des Reproduktions- und des Immunsystems führen.
Gründe für diese schweren Erkrankungen infolge des Pestizideinsatzes sind häufig die Nichtbeachtung der Anwendungsvorschriften und unzureichende Arbeitsschutzbestimmungen. 99 Prozent der Baumwollbäuerinnen und -bauern weltweit leben in Entwicklungsländern. Unter den vorherrschenden Armutsbedingungen ist ein angemessener Umgang mit Pestiziden daher häufig kaum möglich. Häufig fehlt die Möglichkeit sich bei der Arbeit die Hände zu waschen. Schutzkleidung ist für die meisten zu teuer und wird, selbst wenn sie vorhanden ist, fehlerhaft genutzt, da sie nicht für die klimatischen Bedingungen in den Tropen konzipiert ist. Vielfach fehlt den Menschen aber auch das Wissen über die Gefahr, die von den Pestiziden ausgeht. Oft können die Informationen zu den Pestiziden nicht gelesen werden oder sind in einer Sprache verfasst, die für die Menschen vor Ort nicht verständlich ist. Für einen angemessenen Umgang mit Pestiziden sind daher nicht nur Ressourcen ausschlaggebend, sondern ebenso auch Bildung und Training. Dies wird jedoch aus Kostengründen oft nicht ausreichend umgesetzt.