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Neu an der Leuphana: Prof. Dr. Felix May – „Methoden sind Erkenntniswerkzeuge"

06.03.2019 Der Juniorprofessor für quantitative Methoden der Naturwissenschaft beschäftigt sich mit großen ökologischen Themen wie Biodiversität und Aussterbewahrscheinlichkeiten. Mithilfe von Statistik und Computersimulationen wagt er Prognosen.

Enges Denken liegt Felix May nicht. Wohl auch deshalb entschied er sich für das interdisziplinäre Studienfach „Geoökologie“ und engagierte sich bereits während seiner Studien- und Promotionszeit in Potsdam für Biodiversitätsschutz und globale Klimagerechtigkeit. „Die reine Naturwissenschaft war mir immer zu wenig“, sagt er. May verfügt nicht nur über großes Wissen in der Ökologie, sondern ist auch ein erfahrener Statistiker und Modellierer. Zuletzt forschte er am renommierten „Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv)” in Leipzig. Seine Publikationen beschäftigen sich etwa mit dem Messen von Biodiversität. „Die eine Biodiversität gibt es nicht“, erklärt der 38-Jährige. Oft würden Arten gezählt, Biodiversität könne aber genauso die Häufigkeit verschiedener  Organismen meinen oder etwa deren Funktionen im Ökosystem. Oft betrachtet May in seiner Forschung größere räumliche und zeitliche Skalen. Mithilfe von Computersimulationen berechnet er etwa die Auswirkungen der Verfügbarkeit und der räumlichen Anordnung von Habitaten auf Artengemeinschaften. Diese Ergebnisse können in Naturschutzplanungen einfließen.

Kaum noch natürliche Lebensräume in Deutschland

May möchte nicht nur forschen, sondern auch verändern. Er ist seit langem bei Greenpeace aktiv, zuerst als Aktivist und später als Moderator und Seminarleiter. „Für den Erhalt der Biodiversität in Deutschland brauchen wir einen Umbau von intensiver zu extensiver Landwirtschaft“, sagt der Wissenschaftler. „Wälder, Moore und Gewässer ohne wirtschaftliche Nutzung sind von hoher Bedeutung, da es in Deutschland kaum noch natürliche Lebensräume gibt“, sagt May. Andererseits plädiert May für den Erhalt von extensiv genutzten Grünlandflächen, wie etwa naturnahen Weiden, durch den Menschen. „Wenn diese Flächen nicht gepflegt werden, verwalden sie und wir können seltene Offenland-Arten verlieren“, warnt May. Er sieht die Zusammenarbeit mit Stakeholdern als unerlässlich, um realweltliche Veränderungen herbeizuführen. „Die Leuphana bietet  für mich die große Chance, verstärkt anwendungsbezogen und transdisziplinär zu arbeiten“, sagt May. Kommende Forschungsprojekte sollen auch sozialwissenschaftliche Methoden und Forschende einbeziehen. Schon jetzt hat May im interdisziplinären Master-Modul „Reflecting Research Methods“ gelehrt. Als Mitglied des Methodenzentrums berät May zum Design von Datenerhebungen und Experimenten, zu statistischer Auswertung und zu der Entwicklung von Simulationsmodellen. Zudem konzipiert und lehrt er Kurse zum Umgang mit Geo-Informationssystemen, dem Statistik-Programm R und mit agentenbasierten Modellen. Er selbst entwickelt und analysiert ökologische Simulationsmodelle und versucht mit Hilfe von Meta-Analysen generelle Muster in veröffentlichten Arbeiten zu finden. 
Dem romantisierten Bild eines Naturforschers mit Gummistiefeln und Schmetterlingskescher entspricht der Methodenexperte nicht. Dennoch ist Natur für May weit mehr als ein Forschungsgegenstand, sondern bedeutet Lebensqualität, Muße und Erholung. Er liebt es draußen unterwegs zu sein. Der Ökologe weiß genauso um die Relevanz fachlich hochwertiger Feldarbeit: „Ohne gut erhobene Felddaten können wir keine Modelle erstellen und keine verlässlichen Prognosen entwickeln“, sagt May. Und quantitative Prognosen fehlen auf vielen Gebieten. „Zwar wissen wir, dass drastische Biodiversitätsänderungen stattfinden, diese in Raum und Zeit zu quantifizieren und vorherzusagen bleibt aber eine große Herausforderung für sozial-ökologische Forschung“, erklärt May. Dieser Herausforderung möchte er sich durch die Arbeit in transdisziplinären Teams sowie durch die Verknüpfung von Computermodellen und Felddaten mithilfe statistischer Methoden stellen. „Methoden sind Erkenntniswerkzeuge“, sagt May. 
 



Autorinnen: Marietta Hülsmann und Marla Bloch