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OPEN CODES? – Ausstellung im Kunstraum

12.06.2019 Lüneburg. Am 13. Juni 2019 wird im Kunstraum der Leuphana Universität Lüneburg die Ausstellung „Open Codes?“ eröffnet. Zu sehen sind Werke, die sich mit Auswirkungen des Einsatzes aktueller Technologien der Codierung beschäftigen. Die ursprünglich am Zentrum für Kunst und Medien (ZKM), Karlsruhe, vom dortigen Direktor Peter Weibel und seinem Team kuratierte Ausstellung „Open Codes“ wurde in Lüneburg von den Ko-Kurator*innen Cheryce von Xylander und Clemens Krümmel neu entwickelt und wird nun als „Open Codes?“ präsentiert. Dazu wurde auch ein Master-Seminar für Studierende Kulturwissenschaften angeboten. Zur Eröffnung um 18 Uhr sprechen Gastkuratorin Cheryce von Xylander und Kunstraum-Kurator Clemens Krümmel. Beide hatten auch das Seminar geleitet. Außerdem wird der Film „Geomancer“ (2017) von Lawrence Lek gezeigt.

Eine Nahaufnahme der Slowik/Lölkes/Weibel-Arbeit @ Clemens Krümmel

Ausgewählt wurden für „Open Codes?“ die künstlerischen Arbeiten „Style Transfer“ (2018) von Boris Neubert, Chengzhi Wu und Max Piochowiak,  „Column 1-0“ (2016/17) von Solimán López, das  „Book of Genome PCC / Decode – PCC“ (2016) von Koen Vanmechelen, die computerbasierte Installation „Alphabet Space“ (2017) von Adam Słowik, Christian Loelkes und Peter Weibel sowie „XML – SVG Code – Quellcode des Ausstellungsraums“ (2010/2019) von Karin Sander.

Die in Lüneburg konzipierte neue Version der ZKM-Ausstellung setzt den Akzent auf eine „Digital History“, die nach der von Cheryce von Xylander vertretenen These bereits im kantischen Vernunftbegriff ansetzt. Sie historisiert den digitalen Wahrnehmungsapparat. Was können synchrone Gestaltungsprinzipien der Allmacht diachroner Gegenwartsfantasien entgegenhalten? Ein durch Suchmaschinen erschlossener Wissensraum kann als Sinnbild jener Unmündigkeit dienen, die Kant zeitlebens beschäftigt hat. Zugleich stehen erhebliche Vorwürfe gegen den Aufklärungsdenker im Raum. Eine zeitgemäße Auslegung der staatstragenden Lektüre steht noch aus.

Im deutungstheoretischen Zentrum der Ausstellung steht Kants „Was heißt: sich im Denken orientieren?“ (1786). Nur ein einziges Wort im Titel musste ausgewechselt werden, um den Text als Bedienungsanleitung für mündige Bürger*innen im Zeitalter ubiquitärer Vernetzung lesen zu können. „Was heißt: sich im Cyberspace orientieren?“ Mit diesem kuratorischen Hinweis verwandeln sich Kants Überlegungen in ein Brennglas, das gegenwärtige Entwicklungen auf erstaunliche Weise zu bündeln scheint, da es diese historisch bereits vorwegnimmt.

Die Ausstellung beruht auf Forschung, die seitens der Fakultät Kulturwissenschaften im Rahmen des Projekts „Kant 300“ initiiert wurde. Dieses begleitet die Einrichtung einer großen Kant-Abteilung des Ostpreussischen Landesmuseums in Lüneburg vor dem Hintergrund einer kürzlich aus dem Museum Stadt Königsberg in Duisburg als Dauerleihgabe übertragenen großen Kant-Sammlung. Der Ausstellung folgen ein wissenschaftlicher Workshop an der Universität Gdansk (Polen) Ende Juni und eine Publikation bei Minnesota University Press, an denen u.a. auch der namhafte Wissenschaftshistoriker Simon Schaffer von der Cambridge University beteiligt sein wird.   

Die Öffnungszeiten der Ausstellung in Campus Halle 25 (Kunstraum) sind Freitag, 14. Juni (Sondertermin) sowie 17. Juni bis 2. Juli 2019, montags bis donnerstags, von 11-18 Uhr.

www.kunstraum.leuphana.de