Nachhaltigkeitswissenschaft: Eine Brücke zwischen der Welt, wie sie ist, und der Welt wie sie sein sollte

In unserem Verständnis ist Nachhaltigkeitswissenschaft durch das Auftreten einer Reihe von Nachhaltigkeitsherausforderungen (s. UN-Nachhaltigkeitsentwicklungsziele) motiviert und hat ihre Verwurzelung in der normativen Ethik. Nachhaltigkeitswissenschaft untersucht sowohl konzeptionell als auch empirisch die Verbindung zwischen der Welt, wie sie ist, und der Welt, wie sie sein sollte. Dies impliziert, dass sich Nachhaltigkeitswissenschaftler*innen mit dem Systemverständnis ("die Welt, wie sie ist"), der Klärung und Beschreibung dessen, was als wünschenswert erachtet wird ("die Welt, wie sie sein sollte"), und den möglichen Wegen zwischen diesen ("die Verbindung") befassen. Diese basiert auf der Vorstellung, dass die Welt durch eine Linse aus Systemwissen, Zielwissen und transformativem Wissen betrachtet werden kann (ProClim 1997). Wodurch sich Nachhaltigkeitswissenschafter*innen in der Rolle von Akteuren des Wandels (Change Agents) befinden, mit dem Systemverständnis von Mensch und Umwelt befassen, mit der Untersuchung der Frage, welche Zustände in Systemen nachhaltig sind, sowie mit entsprechenden Entwürfen möglicher Transformationen einer nachhaltigen Entwicklung.

Alternative Paradigmen: Erforschen, Untersuchen und Bewerten

Abgesehen von der Suche nach einem besseren Verständnis der Nachhaltigkeitsherausforderungen erforscht, untersucht und bewertet Nachhaltigkeitswissenschaft potenzielle alternative Paradigmen, die an die Stelle der bestehenden treten können. Alternativen Paradigmen können sowohl aus jedem Zweig der Wissenschaft als auch aus der Gesellschaft stammen. Ein aktuelles Beispiel für ein potenzielles alternatives Paradigma aus der Wissenschaft ist die "Donut-Ökonomie" von Kate Raworth (2017), die versucht, das gegenwärtig vorherrschende Wirtschaftssystem mit globaler Gerechtigkeit in Einklang zu bringen und dabei innerhalb der planetarischen Grenzen zu bleiben.

Nachhaltigkeitsforschung an der Leuphana

Aufgrund gesamtgesellschaftlicher Wirkungszusammenhänge müssen Entwürfe für mögliche Transformationen einer nachhaltigen Entwicklung gemeinsam d.h. mittels angewandter inter- und transdisziplinärer Forschungsansätze, erarbeitet und umgesetzt werden. Diese Forschung basiert auf einer Zusammenarbeit von Wissenschaftler*innen mit politischen Entscheidungsträger*innen, Landwirten, lokalen Unternehmern und vielen anderen Akteuren durchgeführt, die vor besonderen Herausforderungen stehen, denen nur auf Grundlage innovativer, theoretisch und methodisch fundierter Nachhaltigkeitsforschung erfolgreich begegnet werden kann.

Die Nachhaltigkeitsforschung an der Leuphana trägt sowohl auf lokaler und regionaler als auch auf internationaler Ebene zur Lösung von realen Nachhaltigkeitsproblemen bei. Dies geschieht z.B. im Rahmen von Kooperationen mit der Arizona State University werden gemeinsame internationale Projekte initiiert und durch transdisziplinäre Forschung in der Region Lüneburg z.B. Lüneburg Zukunftsstadt 2030, an Lösungen auf regionaler Ebene gearbeitet. Die Forschungsprojekte können auch unterschiedliche zeitliche Entwicklungen von kurz-, bis langfristig fokussieren z.B. Entwicklungen mit Hilfe von Zukunftsszenarien darstellen. In folgenden Bereichen finden sich diverse konkrete Nachhaltigkeitsforschungsprojekte:

  1. Nachhaltige Chemie: Stoffliche Ressourcen und Stoffströme (Institut Nachhaltige Chemie und Umweltchemie)
  2. Nachhaltiges Management und Ökonomie (Centre for Sustainability Management)
  3. Nachhaltigkeitssteuerung: Gouvernance, Recht, Politik (Institut für Nachhaltigkeitssteuerung)
  4. Sozial-ökologische Systeme; Artenvielfalt und Naturschutz, sowie Ökosystemfunktionen und -dienstleistungen (Institut für Ökologie)
  5. Individuelle und kollektive Lern- und Verhaltensprozesse (Institut für Integrative Studien und Institut für Umweltkommunikation)
  6. Transdisziplinäre Forschungsansätze und Methoden, Ethik (Institut für transdisziplinäre Nachhaltig. und Ethik)

Hier finden Sie einen Überblick über die aktuellen Forschungsprojekte der Wissenschaftsinitiative Nachhaltigkeit.

Kooperationen und Netzwerke

Die Leuphana unterhält weltweit Forschungsbeziehungen sowie wissenschaftliche Netzwerke mit anderen renommierten Forschungsinstitutionen im Bereich der Nachhaltigkeitsforschung.