Im Porträt: Friederike Baier – Data Science und Theater

Im Porträt: Friederike Baier ©Leuphana/Marvin Sokolis
Friederike Baier studiert Management und Data Science an der Graduate School im zweiten Mastersemester, ihre große Leidenschaft ist das Theater. Unterstützt durch das Sprachenzentrum schrieb sie ein Theaterstück über eine besondere Begegnung im Zug. Mitte Mai nahm sie damit an dem internationalen Theaterfestival FEATS in Brüssel teil.

„Der Prozess, ein Theaterstück zu schaffen, ist wie das Kennenlernen einer Person: Stück für Stück gewinnt ein Charakter oder eine Situation an Schärfe, je mehr Details diesem oder dieser hinzugefügt werden. Sie verleihen einem Ort eine bestimmte Emotion und einer Szene ihre besondere Atmosphäre“, beschreibt Baier ihren Schreibprozess. Die Studentin, die im Bachelor selbst viel gependelt ist, beschreibt in ihrem Stück „Confab“ eine Begegnung im Zug.

„Sometimes it’s easier to talk to a stranger, a person you may never see again,“ sagt die Protagonistin. Das Stück ist in alltäglicher, ungestelzter Sprache geschrieben, die Szenen wirken real und greifbar. Auf ein aufwendiges Bühnenbild, Musik und Ausleuchtung wird verzichtet. Im Vordergrund stehen die beiden Schauspielerinnen und deren Verbindung: Zwei junge Menschen in einem vollen Zug begegnen sich auf der Suche nach einem Sitzplatz und finden schließlich zwischen Bergen von Koffern auf der Gepäckablage Platz. Obwohl eine von beiden in Ruhe lesen wollte, beginnt die andere ein Gespräch, stellt erst banale Fragen, später werden sie immer tiefgründiger. Die Situation ist anonym, eine flüchtige Begegnung und die beiden tauschen auch keine Namen aus: „Es geht um diesen einen Moment. Wir sprechen jetzt miteinander, aber das wird unser Leben nicht beeinflussen. Wir sehen uns wahrscheinlich nie wieder. Gerade deswegen, weil wir uns nicht kennen, können wir so offen über persönliche Dinge reden“, kommentiert Baier die Handlung. Die beiden Protagonistinnen geben nach anfänglicher Zurückhaltung immer mehr von sich preis, teilen Gedanken über persönliche Beziehungen, über Ziele und ihre Weltsicht. Ein konkreter Gegenwartsbezug wird nicht hergestellt, die Gesprächsfäden erinnern an typische Denkmuster, wie sie vermutlich viele Zuschauer*innen aus ihren eigenen Zwanzigern kennen.

Entstanden ist das Stück in dem Kurs „Dramatize this!“, ein Angebot vom Sprachenzentrum unter der Leitung von Maryann Henck. Baier schätzt das vielfältige Angebot an der Leuphana und die Möglichkeit, auch Kurse außerhalb des eigenen Studiengangs belegen zu können. „Ich schreibe schon immer sehr gerne. Der Kurs hat mich daher angesprochen, da man ein konkretes Ziel vor Augen hatte und auch Feedback bekommen hat,“ erzählt die Studentin. Das FEATS-Theaterfestival war für Baier die erste Teilnahme an einem Theaterevent mit einem selbst geschriebenen Stück. „Früher wurden im Rahmen des Festivals in verschiedenen Kategorien Trophäen verliehen, diesmal war es non-kompetitiv“, erzählt die Studentin. Mitte Mai wurden die von einer Jury ausgewählten Stücke in einer Zoom-Konferenz gezeigt, „Confab“ bekam viel Lob und Zuspruch vom Publikum.

Ob Baier langfristig ihre Leidenschaft zum Beruf machen wird, weiß sie noch nicht: „Das Theater wird immer ein Teil meines Lebens sein und ich vermisse es sehr, auf der Bühne zu stehen. Ich könnte mir vorstellen, es nochmal mit Regie zu probieren, da ich jetzt Erfahrung damit gesammelt habe. Auch Data Science macht mir großen Spaß und ich bin dankbar, dass mir viele Türen offenstehen.“