Promotionskolleg Sozialpädagogik / Soziale Arbeit

Die auf den ersten Blick „praktische“ Bezeichnung „Soziale Arbeit“ (internat.: „Social Work“) ist auf den zweiten Blick eine hoch theoriegeladene Angelegenheit. Die vor allem im skandinavischen, spanisch-, portugiesisch- und deutschsprachigen Kontext verbreitete Vorstellung von „Sozialpädagogik“ bietet ein gutes Beispiel dafür. „Sozialpädagogik“ nahm ihren historischen Ausgang in einer Phase, die man heute rückblickend in der Regel mit dem Entstehen moderner, nationalstaatlich gerahmter „Industriegesellschaften“ assoziiert. Diese Entwicklungen wurden durch ein Aufkommen unterschiedlicher Thematisierungsformen des „Socialen“ flankiert.

Das erste Auftreten der Begriffe und Gedanken um Soziale Arbeit und Sozialpädagogik gegen Mitte des 19. Jahrhunderts fällt somit in eine Zeit, in der moderne Gesellschaften ein besonderes Bewusstsein für die Bedeutung ihrer eigenen sozialen Ordnung entwickelten. Dieser Bewusstwerdungsprozess verbindet sozialarbeiterische und sozialpädagogische (Selbst-)Beobachtungen in disziplinhistorischer Perspektive bis heute eng mit soziologischen und sozialpolitischen (Selbst-)Beobachtungsformen moderner Gesellschaften.

Insbesondere sozialpädagogische, sozialarbeiterische und sozialpolitische Perspektiven vergegenständlichen damit zusammenhängend „das Soziale“ nicht nur. Zugleich problematisieren sie es auch. Diese Problematisierungen haben mehrere Implikationen. Erstens wird „das Soziale“ damit in der Regel als ein konflikthaftes Verhältnis von Individuum und Gesellschaft aufgefasst. In diesem Zusammenhang entstand auch die Formel der bis heute weit über diesen disziplinären Kreis hinaus diskutierten „Sozialen Frage“. Zweitens generieren sozialpädagogische, sozialarbeiterische und sozialpolitische Perspektiven „das Soziale“ damit regelmäßig als einen Gegenstand, der jenseits analytischer Beschreibung für so etwas wie die Utopie einer „besseren Gesellschaft“ steht, von der aus dann die Gegenwart wiederum als veränderungsbedürftig erscheint. Damit rückt – drittens – „das Soziale als Gestaltungsaufgabe“ in den Blickpunkt. Dies wiederum schließt die Aufforderung ein, kompensatorische Maßnahmen zu entwickeln, mit denen auf die als problematisch erachteten Lebens- und Entwicklungsbedingungen gegenwärtiger und nachwachsender Generationen zu reagieren sei.

Forschungsfelder

Forschung zu Sozialpädagogik und Sozialer Arbeit setzt sich unter Nutzung empirischer, logisch-systematischer und historischer Erkenntnisperspektiven unterschiedlicher Bezugsdisziplinen mit denjenigen Praktiken, Diskursen, Subjektivierungsweisen und Artefakten auseinander, welche dem oben skizzierten Entwicklungszusammenhang zuzurechnen sind.

Das Promotionskolleg widmet sich dabei im Einzelnen den nachfolgend aufgeführten Forschungsfeldern. Grundlagenorientierte und anwendungsbezogene Forschungsperspektiven stehen gleichberechtigt nebeneinander:

  • Erforschung alters-, geschlechts-, klassen- und kulturspezifischer Adressierungen Sozialer Arbeit
  • Evaluationsforschung für verschiedene Handlungs- und Interventionsbereiche Sozialer Arbeit
  • Forschung zu personenbezogenen sozialen Dienstleistungen (in diachroner sowie synchroner Perspektive)
  • Hochschul- und studienprogrammbezogene Forschung/Berufsbildungsgangforschung
  • Institutionen- und Institutionalisierungsforschung einschließlich Wohlfahrtsverbände- und Wohlfahrtsstaatsforschung in regionsspezifischer, nationaler und international vergleichender Dimension
  • Kinder- und Jugendhilfeforschung in regionsspezifischer, nationaler und international vergleichender Dimension
  • Sozialpädagogische Bildungs-, Weiterbildungs- und Berufsbiographieforschung sowie berufsfeldbezogene Arbeitsmarkt-, Qualifikations- und Professionalisierungsforschung

Die Promovierenden werden neben der gemeinsamen Arbeit im Kolleg dazu angeregt, aktiv an Veranstaltungen der DGfE-Sektion „Sozialpädagogik und Pädagogik der frühen Kindheit“ teilzunehmen, sowie weitere national und international ausgerichtete Veranstaltungen zu den hier verhandelten Themenzusammenhängen zu besuchen. 

Doktorgrad

Im Rah­men die­ses Pro­mo­ti­ons­kol­legs ver­leiht die Fa­kultät Bil­dung den Dok­tor­grad Dok­to­rin oder Dok­tor der Phi­lo­so­phie (Dr. phil.).

Mitglieder des Promotionskollegs

Promovierende und ihre Themen

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