Medien- und Wissenschaftsgeschichte

Das 20. und das 21. Jahrhundert sind wesentlich durch eine doppelte Verschränkung von Wissenschaft und Medien geprägt. Einerseits kann die Geschichte analoger und digitaler Medien nicht ohne jene natur-, ingenieurs-, lebens- und sozialwissenschaftlichen Diskurse verstanden werden, die ihre Entstehung ermöglicht haben und in ihnen epistemologisch weiterwirken. Andererseits formatieren (technische) Medien ihrerseits wissenschaftliche Theorien und Praktiken. So sind wissenschaftliche Gegenstände bereits auf der Ebene ihrer Hervorbringung und Verwandlung von ‚Welt‘ in wissenschaftliche Objekte und Objektbereiche immer nur als medial vermittelte gegeben. Ebenso sind wissenschaftliche Methoden und Institutionen, Verkehrs- und Arbeitsformen fundamental vom kontingenten Stand historischer Medientechnologien abhängig.

Die Juniorprofessur „Medien- und Wissenschaftsgeschichte“ untersucht diese doppelte Verschränkung, indem sie zwei prominente Forschungsperspektiven miteinander vereint, die sich diesem komplexen Verhältnis unabhängig voneinander und aus entgegengesetzter Richtung nähern. So stellt die Wissenschaftsgeschichte eine der produktivsten und international erfolgreichsten sozial- wie kulturwissenschaftlichen Konjunkturen der letzten gut 30 Jahre dar. In der Vergangenheit hat sie nicht nur mit großem Erfolg die historischen und soziotechnischen Möglichkeitsbedingungen u.a. naturwissenschaftlicher Fächer erforscht, sondern gleichzeitig zur Mediengeschichtsschreibung beigetragen. Auf der anderen Seite hat sich seit den 1980er Jahren innerhalb der Medienwissenschaft ein Forschungsansatz herausgebildet, der wissenschaftliche ‚Medien‘ als epistemisch wie epistemologisch treibende Faktoren innerhalb der Geschichte der Wissenschaften identifiziert hat. Seitdem ist es zu einer produktiven Zusammenarbeit zwischen Wissenschafts- und Mediengeschichte gekommen. Medienepistemologische und -archäologische Ansätze der sog. German Media Theory sind dabei auch in einen Dialog mit US-amerikanischen, britischen und französischen Theoriemodellen der Wissenschaftsforschung (Akteur- Netzwerk-Theorie; Science and Technology Studies (STS); Historische Epistemologie) getreten.

Die Juniorprofessur knüpft an den bisher geleisteten inhaltlichen wie methodischen Austausch an und entwickelt daraus einen neuen Forschungsschwerpunkt des ICAM. Im Rahmen konkreter Fallstudien soll insbesondere die doppelte Funktion von Medien als Effekt und Effektor von Wissenschaft bzw. Wissenschaft als Effekt und Effektor von Medien in den Blick genommen werden.

Team

Vergangene Veranstaltungen

Reichweitenangst. Batterien und Akkus als Medien des Digitalen Zeitalters

Im Rahmen des Projektes "Reichweitenangst" findet vom 24. bis 26. Januar 2019 eine interdisziplinäre Tagung an der Leuphana Universität Lüneburg statt.