Jugend-Demografie-Dialog

Der Jugend eine Stimme geben! Den demografischen Wandel gestalten!

Deutschland ist, wie andere Industriestaaten auch, stark vom demografischen Wandel betroffen. Bevölkerungsprogosen warnen vor einer immensen Bevölkerungsabnahme und Überalterung der Bevölkerung, was sich gravierend auf die Wirtschaft und die Daseinsvorsorge auswirkt. Die Folgen des demografischen Wandels treten bereits jetzt insbesondere in ländlichen Regionen spürbar in Erscheinung. Besonders junge Menschen verlassen den ländlichen Raum. Der demografische Wandel ist jedoch gestaltbar.

Die Demografiestrategie der Bundesregierung

Im Demografiebericht vom 26. Oktober 2011 gibt die Bundesregierung einen Überblick über die demografische Entwicklung und ihrer Zusammenhänge sowie über die bisherigen Maßnahmen der Bundesregierung zur Gestaltung des demografischen Wandels. Um mit den prognostizierten Entwicklungen umzugehen, legte die Bundesregierung am 25. April 2012 die sogenannte Demografiestrategie vor und richtete Arbeitsgruppen in allen Ministerien ein (unter Federführung des Bundesministeriums des Inneren).

Die Arbeitsgruppe „Jugend gestaltet Zukunft"

Da die Auswirkungen des demografischen Wandels junge Menschen und ihre Lebenssituation besonders stark treffen werden, muss die Jugend hinsichtlich der Gestaltung des demografischen Wandels gehört werden und über ihre Zukunft mitentscheiden können. Die am 30. Oktober 2014 konstituierte Arbeitsgruppe "Jugend gestaltet Zukunft" im BMFSFJ ist damit beauftragt, die Belange junger Menschen in die Demografiestrategie der Bundesregierung einzubringen. Die Ideen und Vorschläge der Jugendlichen fließen in die Empfehlungen der AG zu einer jugendgerechten Demografiepolitik sowie in die Demografiestrategie der Bundesregierung ein. Der Fokus dieser AG liegt auf den ländlichen Räumen.

Für die Jugendpartizipationsprozesse sind vier Modelllandkreise ausgewählt worden: Friesland (Niedersachsen), Kyffhäuserkreis (Thüringen), Lichtenfels (Bayern) und Vorpommern-Rügen (Mecklenburg-Vorpommern). In diesen Landkreisen sollen verschiedene Jugendgruppen (nicht nur Jugendfunktionäre!) parallel zu der Arbeit der AG Ideen und Vorschläge entwickeln.

Der Austausch über die Ergebnisse der Jugendlichen wird auf den Frühjahrs- und Herbsttagungen der Arbeitsgruppe „Jugend gestaltet Zukunft“ in den vier Landkreisen erfolgen, bei denen die Jugendlichen ihre Ideen selbst präsentieren.

Die vier Modelllandkreise entsenden jeweils eine Delegation von zehn Jugendlichen zum Demografiekongress am 22. September 2015 nach Berlin.

Das Forschungsprojekt „Jugend-Demografie-Dialog“

Seit Februar 2015 ist Prof. Dr. Waldemar Stange vom Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik der Leuphana Universität Lüneburg mit seinem Team im Rahmen des Forschungsprojekts „Jugend-Demografie-Dialog“ damit beauftragt, den Partizipationsprozess für die direkte Einbeziehung von Jugendlichen aus den vier Modelllandkreisen in die Arbeitsgemeinschaft „Jugend gestaltet Zukunft“ forschungsbasiert zu konzipieren, durchzuführen und zu evaluieren. Darüber hinaus werden die teilnehmenden Jugendlichen auf die Veranstaltungen (Frühjahrs- und Herbsttagungen, Demografiekongresse etc.) vorbereitet und kontinuierlich gecoacht und qualifiziert.

Für den Landkreis Friesland wurde die sogenannte „Demografiewerkstatt“ entwickelt. Die Methode der Demografiewerkstatt ermöglicht es Jugendlichen, sich wirkungsvoll an der politischen Gestaltung des demografischen Wandels in ihrer Region zu beteiligen und eigene Lösungsansätze zu entwickeln. Es handelt sich um eine Weiterentwicklung des Konzeptes der Zukunftswerkstatt mit Elementen des Stationenlaufs, die auch im Großgruppensetting durchgeführt werden kann. Sie umfasst die folgenden Phasen:

1. Informationsphase: Die Problemskizze „Demografischer Wandel im ländlichen Raum“ wird den Jugendlichen zielgruppengerecht aufbereitet und vermittelt (z.B. über Präsentationen).

2. Lösungsphase: Die Jugendlichen erarbeiten in Kleingruppen Lösungen und Vorschläge zu einzelnen Themenkomplexen. Diese Phase unterteilt sich in die folgenden Abschnitte:

  • Eine offene Sammlung von Lösungsvorschlägen der Jugendlichen
  • Diskutieren und Bewerten von sogenannten „Lösungsbausteinen“, in denen innovative Ansätze aus Literatur und Praxis skizziert sind. Diese Lösungsbausteine können für die eigene Region ggf. direkt übernommen oder abgewandelt werden.
  • Nutzung von Kreativmethoden, um weitere Lösungsansätze zu entwickeln

3. Präsentations- und Gewichtungsphase: Je nach Setting und Gruppengröße werden die Arbeitsergebnisse der Gruppen vorgestellt (z.B. über Präsentationen oder einen Rundlauf). Anschließend können die Jugendlichen diejenigen Ergebnisse hervorheben, die ihnen besonders wichtig erscheinen.

Für die drei weiteren Landkreise werden gegenwärtig ebenfalls an die Strukturen und Bedürfnisse vor Ort angepasste Methoden entwickelt.

Das Projekt „Jugend-Demografie-Dialog“ wird durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend über den Kinder- und Jugendplan des Bundes gefördert.

Projektlaufzeit

Februar 2015 – Juli 2017

Projektleitung

Prof. Dr. Waldemar Stange
Universitätsallee 1, C1.301a
21335 Lüneburg
Fon +49.4131.677-2379
Fax +49.4131.677-1633
stange@uni.leuphana.de

Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Anja Schrön, M.A.
Universitätsallee 1, C1.301
21335 Lüneburg
Fon +49.4131.677-2383
anja.schroen@leuphana.de

Wissenschaftlicher Mitarbeiter

Dipl.Ing. Bernward Benedikt Jansen
Universitätsallee 1, C1.301
21335 Lüneburg
Fon +49.4131.677-1681
bjansen@leuphana.de

Das Projektteam wird durch vier studentische und wissenschaftliche Hilfskräfte sowie einen Promotionsstipendiaten ergänzt.

Jugendbeteiligung im Landkreis Friesland

Im März 2015 startete der Jugendbeteiligungsprozess mit den vom Team des Forschungsprojekts entwickelten Demografiewerkstätten im Landkreis Friesland. Knapp 450 Jugendliche erarbeiteten mithilfe des Universitätsteams in Großgruppen an Schulen und in Kleingruppen in Jugendorganisationen und Jugendzentren des Landkreises gut 1.400 Lösungsvorschläge für die Herausforderungen des demografischen Wandels im ländlichen Raum. Das Forscherteam wertete die Ergebnisse aller Gruppen unter Verwendung einer Software zur qualitativen Datenanalyse aus und führte sie zu einem Gesamtergebnis zusammen.

Am 14. April 2015 setzen sich 40 delegierte Jugendliche auf einer Jugendkonferenz am Vormittag der Frühjahrstagung der AG „Jugend gestaltet Zukunft“ in zwölf Kleingruppen mit dem Gesamtergebnis aller Jugendgruppen auseinander und präsentierten sie anschließend anhand einer Posterausstellung den AG-Mitgliedern. Die Jugendlichen und die AG-Mitglieder diskutierten die Ergebnisse mit hohem Engagement i einem intensiven Austausch.

Die Lösungsvorschläge der Jugendlichen wurden auf Wunsch des Landrates des Landkreises Friesland, Sven Ambrosy, im Weiteren von einer Gruppe Jugendlicher bei einer außerordentlichen Jugendhilfeausschusssitzung des Landkreises Friesland am 28. Mai 2015 ebenfalls in Form einer Posterausstellung vorgestellt und mit den Ausschussmitgliedern diskutiert.

Eine Gruppe von 14 Jugendlichen arbeitete als „JUNEX-Gruppe“ (Junge Experten) auf einer Jugendklausur vom 05.-07. Juni 2015 auf Wangerooge an den Lösungsvorschlägen weiter. Dies diente auch der Vorbereitung für das Zusammentreffen der Jugendlichen mit VertreterInnen der Kreisverwaltung am 10. Juli 2015. Dafür ordneten die Jugendlichen zunächst die Lösungsvorschläge den zuständigen Fachbereichen der Kreisverwaltung zu. Anschließend sammelten sie für die Lösungsvorschläge Fragen, die sie der Kreisverwaltung hinsichtlich der Umsetzung bzw. Umsetzbarkeit stellen wollen und arbeiteten bestehende Lösungsvorschläge weiter aus.

Bei dem Treffen mit VertreterInnen der Kreisverwaltung im Juli 2015 präsentierten die Jugendlichen in Kleingruppen die von ihnen weiterentwickelten Lösungsvorschläge und klärten mit den zuständigen FachbereichsvertreterInnen ihre Fragen. In einem weiteren Schritt unterzogen die VerwaltungsmitarbeiterInnen gemeinsam mit den Jugendlichen die Lösungsvorschläge einer Prüfung hinsichtlich folgender Fragen:

  • Ist der Fachbereich zuständig?
  • Gibt es die Lösungen bereits oder wird diese bereits bearbeitet?
  • Können Jugendliche an der weiteren Lösungsentwicklung beteiligt werden?
  • Gibt es alternative Ideen?
  • Gibt es Erläuterungen, Anmerkungen, Hinweise oder Kritik?
  • Welche Vereinbarungen können für die Umsetzung getroffen werden?

Kreistag und Kreisausschuss haben sich verbindlich verpflichtet, die Vorschläge der Jugendlichen in den Prozess von Politik, Verwaltung und Regionalplanung aufzunehmen.