Lehrangebot

Die Mitglieder des IGL bieten Lehrveranstaltungen in den kultur- sowie in einigen bildungswissenschaftlich orientierten Studiengängen der Leuphana Universität Lüneburg an. Einzelheiten können dem Vorlesungsverzeichnis im Studienportal myStudy entnommen werden, Auszüge sind nachfolgend zusammengestellt.

Aktuelle Lehrveranstaltungen

Prof. Dr. Sven Kramer

Benjamin und Adorno über Literatur und Medien


Walter Benjamin und Theodor W. Adorno gehören zu den prägenden Intellektuellen des 20. Jahrhunderts. In der von ihnen mitbegründeten Kritischen Theorie knüpften sie u. a. an die Aufklärung, an Freud und an Marx an. Einige ihrer literatur- und medientheoretischen Schriften gelten heute als Grundtexte der Kulturwissenschaften, etwa Benjamins Kunstwerk-Aufsatz oder Adornos Einlassungen über die Kulturindustrie. Im Seminar sollen die – zum Teil gedanklich und sprachlich recht komplexen – Texte in gemeinsamer Lektürearbeit rekonstruiert und diskutiert werden. Neben den genannten Themen wird es um die brieflich geführten Debatten zwischen beiden Intellektuellen gehen sowie um Autoren, über die beide gearbeitet haben, zum Beispiel Kafka, Brecht, Hölderlin.

Text - Wissen - Kultur


Die Veranstaltung bildet die Einführung in den Schwerpunkt "Textkulturen: Philosophie, Literatur, Geschichte".

Wir sind immer und überall von Texten umgeben und bilden unser Bewusstsein in Auseinandersetzung mit ihnen: von Goethe bis Twitter, von Kant bis Wikipedia. Was haben all diese Texte gemeinsam – und wie unterscheiden sie sich? Wie sind sie zustande gekommen und welche logischen, rhetorischen und ästhetischen Merkmale zeichnen sie aus? Wie können sie gelesen werden – und welche Lektüren legen sie von sich aus nahe? Welche Wirkungen zeitigen sie in unseren Lebenswelten und welche Ordnungen des Wissens implizieren sie?

Gegenstand des Schwerpunkts "Textkulturen", dessen Fokus auf literarischen, philosophischen und naturwissenschaftlichen Texten liegt, sind einerseits jene Formationen, die das textbasierte Wissen in historisch und räumlich unterschiedenen Kulturen bildet. Andererseits thematisiert er jene vielgestaltigen Praktiken im Umgang mit Texten, die sich in einer mittlerweile Jahrtausende langen Entwicklung herausgebildet haben und gerade im digitalen Zeitalter wieder entscheidende Bedeutung erlangen: gemeint sind methodisch reflektierte Verfahrensweisen des Verstehens, der Deutung und der Kritik.

Die Lehrveranstaltung wird von Sven Kramer und Roberto Nigro in aufeinander abgestimmten Sitzungen durchgeführt. In der Take-Home-Klausur werden in gleichem Umfang Fragen von beiden Seminarleitern gestellt.

Kramers Seminarteil fokussiert auf literarische und ästhetische Zugänge und umfasst Gegenstandsbereiche wie: Text und Werk, Wissen, Erinnerung, Geschichte. Mit Hilfe theoretischer Zugänge sowie an Beispielen aus der Literatur soll die Interdependenz der drei Begriffe Text – Wissen – Kultur herausgearbeitet werden.

Nigros Seminarteil fokussiert auf philosophische Zugänge und widmet sich dabei ausgewählten Texten der französischen Philosophie und italienischen Literatur- und Kulturtheorie. Er thematisiert das Verhältnis zwischen Sagbarem und Sichtbarem, Diskurs und Form, Sprache und Bildern.

Aktuelle Theaterproduktionen


Im Mittelpunkt des Seminars steht die Auseinandersetzung mit aktuellen Inszenierungen. Für jede Produktion sollen die für sie spezifischen Charakteristika bestimmt und theoretisch vertieft werden. Dazu werden u. a. Begriffe der Aufführungsanalyse erarbeitet und herangezogen. Soweit möglich, wird auch das Gespräch mit Theaterpraktikern gesucht. Die Seminarteilnehmerinnen und -teilnehmer wählen die vom Seminar zu besuchenden Theaterproduktionen (z. B. in Hamburg, Hannover oder Lüneburg) am Beginn des Semesters aus. Angestrebt wird der Einblick in ein möglichst breites Spektrum aktueller künstlerischer Theaterpraktiken.

Essayismus in Literatur und Film


Die literaturwissenschaftliche Gattungstheorie gesteht dem Essay und verwandten Formen eine eigene Sparte der ›nichtfiktionalen Kunstprosa‹ zu, hat aber immer wieder mit der Frage zu kämpfen, inwieweit es sich beim Essay nur um ein ›Mischprodukt‹ zwischen künstlerischem und wissenschaftlichem Schreiben handle. Andere Begriffsbestimmungen gehen von einer essayistischen Haltung aus, die es seit Montaigne gebe. Der Essayfilm bezieht sich auf diese Bestimmungen und entwickelt sie in eine neue Richtung: Durch die veränderte Wertigkeit von Schrift, Wort und Begriff sowie dem Hinzutreten der Bilder gelten im audiovisuellen Medium veränderte Voraussetzungen. Anhand ausgewählter literarischer und filmischer Essays soll die Frage des Essays und des Essayismus in Bezug auf den Medienvergleich akzentuiert werden.

Promotionskolloquium PLG


Promovierende des Forschungskollegs für Philosophie, Literatur und Geschichte präsentieren ihre Projekte und erläutern sie in der folgenden Diskussion mit den Teilnehmenden des Kollegs.

Dr. Tilmann Lahme

Nationalsozialismus und Holocaust als Thema des Literaturunterrichts (Deu 370 - Literatur)


Vorbereitung des Praxisblocks im Fach Deutsch (GHR)


Vorbereitung des Praxisblocks im Fach Deutsch (GHR)


Kurzprosa von Kafka bis Kehlmann (Deu 201)


Liebeslyrik vom Mittelalter bis zur Gegenwart (Deu 201)


Angela Gencarelli

Das Bestiarium. Mehrdeutige Artenvielfalt in Text und Bild


Bestiarien sind katalogartige Bücher, die stets eine Vielzahl von Tieren, darunter insbesondere wilde (Raub-)Tiere (lat. bestiae), in Worten und Bildern porträtieren. Im Mittelalter spielte diese Textgattung eine wichtige Rolle, da sie konstitutiver Bestandteil einer umfassenden religiös-allegorischen Naturauslegung war. Gerade aber weil Tiere im mittelalterlichen Bestiarium nicht für sich selbst standen, sondern eine übertragene, religiöse Bedeutung erhielten, wurden diese Tierbücher von der frühneuzeitlichen Naturforschung verdrängt. Umso erstaunlicher ist es, dass das Bestiarium im 20. Jahrhundert gleich in mehreren europäischen Literaturen wiederkehrt.

Das Seminar geht dieser erklärungsbedürftigen Bestiarien-Renaissance anhand der deutschsprachigen Literatur nach: Gelesen werden Texte von Franz Blei (Bestiarium Literaricum 1920), Cyrus Atabay (Salut den Tieren. Ein Bestiarium 1983), Ludwig Harig (Sieben Tiere. Kleines Bestiarium in alexandrinischen Sonetten 1985) und Michael Stavaric (Nadelstreif & Tintenzisch. Ein Bestiarium 2011). Im Mittelpunkt ihrer Analyse steht die Auseinandersetzung mit gattungskonstitutiven Merkmalen des Bestiariums, darunter die gewandelte symbolische bzw. allegorische Aufladung von Tierfiguren, die katalogartige, bisweilen enzyklopädische (An-)Ordnung und Struktur der Bücher sowie schließlich die nunmehr moderne Ausprägung spezifischer Tierporträts in Wort und Bild.

Julia Menzel, M.A.

Raumtheoretische Ansätze in der Literaturwissenschaft


Als Grundlage von literatur- und kulturwissenschaftlichen Textanalysen beeinflussen Theorien und Methoden deren gedankliche Grundannahmen, ihre jeweiligen Erkenntnisziele sowie das konkrete analytische Vorgehen maßgeblich. Aus dem breiten literatur- und kulturwissenschaftlichen Theorien- und Methodenspektrum wird sich das Seminar verschiedenen raumtheoretischen Ansätzen zuwenden und diese zugleich in der Untersuchung ausgewählter literarischer Texte von Franz Kafka und Thomas Mann fruchtbar zu machen versuchen.

Das Seminar lenkt den Blick auf literarische Raumdarstellungen und erprobt verschiedene raumtheoretisch fundierte Analysezugänge: Welche Bedeutung kommt etwa der Raumordnung in Manns Novelle "Tod in Venedig" zu? Welche geschlechtlichen Strukturen weist der imaginäre Raum, den Kafkas Erzählung "Die Verwandlung" entwirft, auf? Welche Einsichten in Kafkas Text "Der Bau" werden durch Sigmund Freuds Ausführungen zum Phänomen des Unheimlichen ermöglicht? Und wie lässt sich die Erzählung unter Bezugnahme auf Michel Foucaults Text "Von anderen Räumen" interpretieren?

Ziel: Im Seminar wird ein Überblick über raumtheoretische Ansätze in der Literaturwissenschaft erarbeitet werden, die in der Analyse und Interpretation ausgewählter literarischer Texte zudem erprobt werden sollen. Auf diese Weise soll die Fähigkeit, wissenschaftliche Fragestellungen zu entwickeln und anhand einer theorie- bzw. methodengeleiteten Analyse zu verfolgen, vertieft werden.

Einführung in die Erzähltheorie


Wir sind von Erzählungen umgeben: Erzählt wird in Fernsehserien, im Sprechzimmer des Arztes, in der Familie, in journalistischen Reportagen, vor Gericht, in der Historiographie und in literarischen Erzähltexten.

An der wissenschaftlichen Erforschung des Erzählens und der Erzählungen hat die Literaturwissenschaft großen Anteil, die mit der Erzähltheorie klare Analysekategorien und eine präzise Terminologie entwickelt hat, um die in literarischen Erzähltexten eingesetzten Darstellungsverfahren und -strategien fassbar zu machen und intersubjektiv nachvollziehbar beschreiben zu können.

Das Seminar wird sich mit zentralen erzähltheoretischen Kategorien auseinandersetzen und diese zugleich in der Untersuchung ausgewählter literarischer Texte von Leo Perutz und Franz Kafka fruchtbar zu machen versuchen: Wie lässt sich beispielsweise die narrative Inszenierung von Zeit in Leo Perutz' Erzählung "Herr, erbarme dich meiner" mithilfe von erzähltheoretischen Kategorien erfassen und beschreiben? Wie wirken Figurenperspektiven und Erzählerperspektive in dem literarischen Text zusammen? Welche Bedeutung kommt dem Raum in Kafkas Erzählung "Die Verwandlung" zu? Und welche Einsichten in die Erzählung erlaubt eine geschlechterorientierte Narratologie?

Ziel: Im Seminar wird ein Überblick über zentrale Begriffe und Analysekategorien der klassischen Erzähltheorie erarbeitet werden, die in der Untersuchung ausgewählter literarischer Texte zudem erprobt werden sollen. Auf diese Weise soll die Fähigkeit, wissenschaftliche Fragestellungen zu entwickeln und anhand einer theorie- bzw. methodengeleiteten Analyse zu verfolgen, vertieft werden.

LiteraTour Nord: Analyse, Kritik, Rezeption literarischer Neuerscheinungen


Die Lektüre literarischer Neuerscheinung stellt die Leser_innen vor besondere Herausforderungen, weil der Prozess der literarischen Urteilsbildung gerade erst begonnen hat. An diesem aufregenden Prozess wollen wir im Seminar teilhaben, indem wir die Bücher, die Autor_innen und die Lesungen der LiteraTour Nord begleiten. Die LiteraTour Nord ist ein Literaturwettbewerb, an dem jedes Jahr sechs Schriftsteller_innen teilnehmen, die aus ihrem jeweils neu erschienenen Buch in sechs Städten in Norddeutschland und dabei jeweils auch in Lüneburg vorlesen (siehe www.literatournord.de). Eine Jury sowie das Publikum wählen anschließend die Autorin oder den Autor aus, die oder der den renommierten Preis erhält. Das Seminar begleitet den Wettbewerb und die Lüneburger Lesungen und ermöglicht auf diese Weise Einblicke in den aktuellen Literaturbetrieb. Wir werden uns mit den ausgewählten Texten beschäftigen und zum anderen Maßstäbe für Literaturkritik und literarische Wertung in den Blick nehmen, indem die Seminarteilnehmer_innen selbst journalistische Texte verfassen (Rezension, Lesungsbericht).

Prof. Dr. Emer O'Sullivan

Sherlock Holmes. From Victorian Detective to Pop Cultural Icon


Sherlock Holmes is doubtlessly the most famous and popular detective literature has ever produced. First appearing in the story A Study in Scarlet, in 1887 and subsequently featuring in four novels and 56 short stories by Arthur Conan Doyle, he has since been adapted into every possible medium, as well as being the subject of countless prequels and sequels. In this seminar we will engage with the Victorian Sherlock Homes and the beginnings of the detective genre, looking at the images of modernity and modern science the stories present as well as the role of gender and race in them. We will look at a selection from the vast number of adaptations– including the film about the aged detective, Mr. Holmes (2015) and, of course, the BBC series „Sherlock“ (with Benedict Cumberbatch) which not only refers to the canon but takes different elements from it, transports them into our digital age and gives them a new, postmodern, twist. In the seminar we will engage with theories of adaptation and intertextuality and will ultimately try to identify the reasons for the perennial popularity of this iconic figure.

Ziel: This seminar aims to increase students’ appreciation and knowledge of a genre (detective novel), a specific historical context (the Victorian Era) and strategies and forms of adaptation and serialisation. It further aims to develop students' ability to analyse contemporary cultural products which retrospectively engage with a historical era. Their analytical skills of Victorian detective fiction as well as current film and tv adaptations of it will be further honed by working with a theory of intertextuality which will help identify strategies and practices of adapting literary works. Looking at contemporary film and tv adaptations, students will acquire competencies in analysing multimodal texts and will learn to probe the ways in which – and the reasons why – cultural products today interact with and recontextualise literature from the past.

Literary Topics and Texts


This seminar is tailored to the needs of future teachers at Berufsbildende Schulen by focussing on canonical and other narrative, dramatic and multimodal texts from the school curricula. It provides a firm grounding in theoretical and analytical approaches, addressing literary, cultural and social aspects of the texts in question. We will decide in the seminar from a range of narrative, dramatic and multimodal texts which specific ones we will focus on.

Ziel: This course deals with literary themes and genres from a theoretical perspective. It aims to develop students' understanding of representative literary works (fiction, drama) and mutimodal texts (graphic novels, films), to increasing their knowledge of cultural and social contexts and to deepen their analytic skills through the study of literary theory.

Promotionskolloquium PLG


Promovierende des Forschungskollegs für Philosophie, Literatur und Geschichte präsentieren ihre Projekte und erläutern sie in der folgenden Diskussion mit den Teilnehmenden des Kollegs.

The Great Gatsby: novel, films, translations


The Great Gatsby by F. Scott Fitzgerald, published in 1925 at the height of the ‘Roaring Twenties’, is a story about one man’s version of the American Dream. In 1999, in an end-of-the-millennium list compiled by the Modern Library, a committee of editors, writers, and scholars voted The Great Gatsby the best American novel of the 20th century, and in 2002 Book magazine’s panel of literary experts picked Jay Gatsby himself as the best fictional character since 1900. In Germany, no fewer than five new translations of the novel have been issued in 2011 and 2012, and in May 2013 the film version directed by Buz Luhrmann and starring Leonardo di Caprio was released.

The seminar, consisting of three parts, will address, and try to explain, the contemporary fascination with Fitzgerald’s novel and protagonist across language and media. We will approach the novel and the films from a range of disciplines: literary studies, translation studies, film studies and adaptation studies, also history, cultural studies, music, the visual arts, popular culture, race and gender studies.

In the first part we will read "The Great Gatsby" closely, paying special attention to Fitzgerald’s narrative strategies and exploring the novel’s connections to a wide range of American historical and cultural subjects of its time, such as rags to riches success stories, sports, gangsters and Prohibition, the culture of celebrity, consumer society, and changes in gender roles in the USA of the 1920s.

In the second (shortest) part, we will look at the reception of "The Great Gatsby" in Germany. Starting with the first translation by Maria Lazar in 1928, through its successors of 1953, 2006, 2011 and the most recent one - the eighth - by Hans Christian Oeser (2012), we will trace the traditions of German translation and the different strategies used by translators over time and influenced both by their predecessors and the time in which the translations were undertaken.

The third part of the seminar will be devoted to film adaptations of "The Great Gatsby" - especially to the 2013 Buz Luhrmann version but we will also engage with the 1974 version directed by Jack Clayton (screenplay Francis Ford Coppola, starring Robert Redford and Mia Farrow) and other earlier versions.

Promotionskolloquium Englische Literaturwissenschaft


A one day colloquium for doctoral and post-doctoral candidates writing their theses in the area of English or Comparative Literature to discuss research design and methodology questions, engage in theoretical debates, and present and critique their projects. The colloquium also offers a forum to discuss articles before submission and confernece presentations.

Ziel: To discuss research design

To discuss questions of methodology

To engage in theoretical debates

PhD candidates present their dissertation projects and chapters

PhD candidates critique each other's dissertation projects and chapters

Post-doc canditates present their habilation projects

Conference presentations are discussed

Articles are discussed before submission

Fehler bei Funktionsausführung: ID in der Datenbank unbekannt!

Prof. Dr. Ulrike Steierwald

Kleine Geschichte(n) der deutschsprachigen Literatur - 1765-1901


VORLESUNG, die die Entstehungs- und Rezeptionsbedingungen deutschsprachiger Literatur in der Kulturgeschichte des 18. und 19. Jahrhunderts anhand einzelner Geschichten veranschaulicht und Fragen der Ereignis- wie Epochengeschichte reflektiert.

Literaturen des Bösen (Deu 201)


"Was ist das, was in uns lügt, hurt, stiehlt und mordet?" fragt Danton in Georg Büchners 1835 erschienenem Drama. Die in diesem Seminar zu lesenden Texte beantworten diese Frage nicht, sondern kreisen um die Verweigerungen des Unsäglichen und sprachlich Fassbaren. „Das Böse“ ist in weiten Teilen der Geschichte der Literatur durchaus noch ganz "in uns" und nicht als fiktionale Projektionsfiguren externalisiert - also nicht gebannt. Es sind "Literaturen des Bösen", es ist keine Literatur über das Böse. Philosophische, historische wie aktuelle Auseinandersetzungen mit diesem Phänomen (Arendt, Stagneth, Ricoeur, Eagelton u.a.) flankieren die Lektüre ausgewählter Texte.

TYLL (Deu 201)


Wer oder was ist TYLL? In der historischen wie literarischen Überlieferung ist es die spätmittelalterliche Figur des Narren, der es vermag, das Denken auf der Grenze zwischen Weisheit und Wahnsinn im künstlerischen Seiltanz zur Schaustellung, zu sprachlicher Darstellung, zu bringen. TYLL lautet auch der Titel eines 2017 erschienenen Romans von Daniel Kehlmann. Dabei verkörpert die Gestalt des Ulenspiegel in Kehlmanns Roman die geradezu unheimliche künstlerische, kreative Macht einer radikal auf sich selbst verwiesenen Existenz. Mit dieser "Neuerfindung einer legendären Figur" (Klappentext des Fischer-Verlages) brechen Fragen auf, die weit über diesen einzelnen Text hinausgehen:

Ziel: Wie gestaltet sich das Verhältnis von Geschichte und Erzählung im Roman? Wie greifen die Gewalt des Krieges und die Konfrontationen der Elemente ineinander? Warum verlegt Kehlmann die Erzählung in die frühe Neuzeit? Wie vollzieht sich eine literarische Geschichtsschreibung im Hinblick auf die Konfrontation von „Opfer und Täter“ oder „Einzelnem und Masse“ oder „Natur und Wissenschaft“? Wie steht der Text in der Tradition des historischen Romans? Was zeigt sich die Gegenwärtigkeit von Geschichte und Fiktion? Wie zeigen sich Logik, Schicksal und Groteske des historischen Geschehens in einer durch den Tod beherrschten Zeit?

Literaturen des Bösen


"Was ist das, was in uns lügt, hurt, stiehlt und mordet?" fragt Danton in Georg Büchners 1835 erschienenem Drama. Die in diesem Seminar zu lesenden Texte beantworten diese Frage nicht, sondern kreisen um die Verweigerungen des Unsäglichen und sprachlich Fassbaren. „Das Böse“ ist in weiten Teilen der Geschichte der Literatur durchaus noch ganz "in uns" und nicht als fiktionale Projektionsfiguren externalisiert - also nicht gebannt. Es sind "Literaturen des Bösen", es ist keine Literatur über das Böse. Philosophische, historische wie aktuelle Auseinandersetzungen mit diesem Phänomen (Arendt, Stagneth, Ricoeur, Eagelton u.a.) flankieren die Lektüre ausgewählter Texte.

3.Semester - Kulturen der Unordnung - Episteme der Bildung


Prüfungs-Semester des drei Semester umfassenden Forschungsmoduls / Termine:

Wissenschaftlicher Vortrag (20 Minuten) auf der das Projektband abschließenden Seminar-Tagung "Kulturen der Unordnung": 20.1.2020 /

Zusammenfassender Forschungsbericht (inkl. Bibliographie): spätester Abgabetermin 15.3.2020

Ziel: Nicht erst seit Michel Foucaults „Ordnung der Dinge“ wissen wir, dass jede Kultur über die Wirksamkeit der sie formierenden Machtgesetze analysiert werden kann. Die sehr offensichtlich Form, Struktur, Orientierung, Sozialisation und Kontrollierbarkeit stiftenden Kulturen der „Bildung“ sind ohne die wirkungsmächtigen Imaginationen der „Un-Ordnung“ nicht denkbar. In diesem Modul stehen Repräsentationen und Projektionen von Störung, Destabilisierung und Dysfunktionalität im Mittelpunkt.

Das Projektband macht bewusst ein breites wie methodisch präzis definiertes Feld von Forschungsfragen auf, die auch für eine weiterführende Planung der Master-Abschlussarbeit genutzt werden können.

Philipp Hammermeister, M.A.

Deutsche Popliteratur


Popliteratur war in den 1990er Jahren einer der meist diskutierten Begriffe innerhalb des deutschsprachigen Literaturbetriebs - und auch darüber hinaus. Im Zentrum der medialen Diskussionen standen vorwiegend junge Autorinnen und Autoren um Benjamin von Stuckrad-Barre, Christian Kracht und Alexa Hennig von Lange, die in ihren Texten lustvoll die Oberflächlichkeit des Pop zelebrierten und eine neue Form der Alltagsästhetik rund um Popmusik, Fernsehkonsum, Markenklamotten und Partyerfahrungen in die Literatur einführten. Dabei wurde zunächst auch von der Kritik übersehen, dass diese Neue Deutsche Popliteratur ästhetische und historische Vorbilder hatte, seien es die Poeten der Beat-Generation aus dem Amerika der 1940er und 1950er Jahren oder seien es die Autoren um Rolf Dieter Brinkmann, der in den 1960ern Jahren die amerikanische Popliteratur nach Deutschland brachte. Pop ist auch in der Literatur ein Begriff mit überraschend langer Tradition und vielfältigen Bedeutungswechseln. Immer aber geht es in der Popliteratur um das Verhältnis von Establishment und Gegenkultur, von bürgerlicher Kunst und alltäglichem Konsum, von Elite und Masse.

Dieses Seminar möchte den Kosmos der Neuen Deutschen Popliteratur auf drei verschiedenen Weisen beleuchten. In einer historischen Annäherung werden zunächst die Hintergründe von Beat-Literatur, Pop-Art und Massenkultur in den Blick genommen, bevor in einer zweiten Phase einige Texte der späten 1990er und frühen 2000er Jahre einer genaueren und kritischen Lektüre unterzogen werden. Und schließlich wird sich das Seminar mit verschiedenen medialen und intermedialen Inszenierungspraktiken der Popliteratur auseinandersetzen, indem Literaturverfilmungen, Lesungen und Talk-Show-Auftritte analysiert werden.

Florian Huber

Moderne Klassiker der Geschichtsschreibung 4: Bertolt Brecht und Marieluise Fleißer


Die Literatur von Bertolt Brecht (1898–1956) und Marieluise Fleißer (1901–1974) verbindet Leben und Schreiben, Denken und Handeln, Historie und Gegenwart, Erfahrung und Wissen zu einer – bisweilen widersprüchlichen – Einheit. Im close reading ihrer literarischen Publikationen, Filme, Selbszeugnisse und theoretischer Schriften blickt das Seminar auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Entstehungs- und Wirkungsgeschichte ihres vielgestaltigen Werks.

Neben der kulturgeschichtlichen Bedeutung von Brecht und Fleißer bilden Fragen nach ihrer Relevanz für die aktuelle Theorie und Praxis der Kulturwissenschaften einen Schwerpunkt der Lektüre, die etwa dem Verhältnis von Individuum und Gemeinschaft, Heimat und Exil, Ideologie und Marxismus, Identität und Geschlecht oder Kunst und Politik gewidmet sein wird.

Ziel: Anhand der Lektüre und Diskussion zentraler Probleme einer Kultur- und Theoriegeschichte der Moderne werden die Studierenden an die Formulierung eigener Fragestellungen und ihre präzise mündliche und schriftliche Ausarbeitung herangeführt.

Was war Sekundärliteratur?


Der Umgang mit Sekundärliteratur bildet einen unverzichtbaren Bestandteil (kultur-)wissenschaftlichen Arbeitens. Nicht zuletzt wird die Frage, wie und was wir lesen und schreiben in den Kulturwissenschaften entscheidend von der vorhandenen Sekundärliteratur bestimmt, deren Genese und gegenwärtige Funktion das Seminar rekonstruieren möchte.

Anhand einer Begriffsgeschichte sowie zahlreicher Beispiele aus der Forschungspraxis werden zunächst Charakteristika kulturwissenschaftlicher Lektürepraxis identifiziert und kritisch reflektiert, bevor diese in einem zweiten Schritt beim Verfassen eigener Texte auch praktisch erprobt werden sollen.

Dr. Patrick Stoffel

Mythos Napoleon


Napoleon – so lehrte es der deutsche Philosoph Georg Wilhelm Friedrich Hegel in seinen in den 1820er Jahren in Berlin gehaltenen Vorlesungen über die Philosophie der Geschichte – sei ein Beispiel für jene "welthistorischen Individuen", "geschichtlichen Menschen" oder "Heroen", durch die in Zeiten des Umbruchs der "Weltgeist" walte. Hegel diagnostizierte damit die Neugestaltung der Verhältnisse, die mit der Französischen Revolution einsetzte und mit den Napoleonischen Kriegen überall in Europa die Grundlagen einer neuen, modernen Ordnung legte, wie viele seiner Zeitgenossen auch als Anbruch einer neuen Epoche. Das gilt in besonderem Maße auch für Deutschland. Noch Thomas Nipperdey ließ seine "Deutsche Geschichte" (1983–1992) mit dem Satz beginnen: "Am Anfang war Napoleon".

Mit Napoleon fand die Moderne einen Helden, der ebenso widersprüchlich sein soll wie sie selbst und damit als Identifikationsfigur für eine ganze Epoche dienen konnte. Dieser Mythisierung seiner Person hatte Napoleon selbst Vorschub geleistet: Er führte die radikale Indienstnahme der Künste, wie sie die Französische Revolution hervorbrachte, weiter und betrieb eine alle Künste und Lebensbereiche umfassende Kunst- und Propagandapolitik. So wurde er bereits zeit seines Lebens zu einem "Halbgott der Moderne", in dem das Individuelle der Persönlichkeit mit den charakteristischen Zügen der Epoche zusammenfällt. Als Archetyp des modernen Helden avancierte Napoleon dann einerseits zu einer der wichtigsten Figuren erst der europäischen Literatur des 19. Jahrhunderts, danach des Kinos im 20. Jahrhundert, andererseits beförderte er allerorten den modernen Nationalismus und beeinflusste die europäische Politik bis in die Zeit der Weltkriege hinein.

Das Seminar thematisiert die Genese und Funktion des mythischen "Helden der Moderne" im intermedialen Vergleich. Beginnend mit den propagandistischen Anfängen der Heroisierung Napoleons in den Gemälden Jacques-Louis Davids und Antoine-Jean Gros’, fährt das Seminar mit der ambivalenten Gestalt Napoleons in der europäischen Literatur des 19. Jahrhunderts weiter, wirft einen Blick auf die Vereinnahmung Napoleons durch bzw. wider den Faschismus und endet mit Abel Gances "Napoléon" (1927) in dem Medium, das die großen Mythen des 20. Jahrhunderts hervorbrachte: das Kino.

Ziel: Das Seminar legt, indem es die Konstruktion, Funktionalisierung und letztlich auch Dekonstruktion der mythischen Gestalt Napoleons verfolgt, den Bereich des Politisch Imaginären offen und vermittelt grundlegende Kenntnisse der europäischen Geschichte der Moderne. Arbeitsweisen der für die Kulturwissenschaften unerlässlichen Bild-, Text- und Filmanalyse werden anhand ausgewählter Beispiele praktisch eingeübt.

Begriffsgeschichte. Ein praktikabler Zugang zum historischen Denken in den Kulturwissenschaften


Begriffsgeschichte resultiert aus der Beobachtung, dass nicht allein die Möglichkeiten der Erfahrung, sondern auch die diese Erfahrung ermöglichende Sprache, die Begriffe selbst einen Zeitindex besitzen. Sie hat es folglich mit Bedeutungen und Bedeutsamkeit zu tun, mit ihrer Herkunft und ihrem Wandel. Das hat die Begriffsgeschichte mit den Kulturwissenschaften gemein, die unter „Kultur“ keinen separaten gesellschaftlichen Sektor, sondern eine umfassende Praxis der Artikulation und Aktualisierung von Bedeutung verstehen. Die Begriffsgeschichte hat es also mit kulturell manifesten Bedeutsamkeiten vor dem Horizont der Geschichte zu tun, wobei sie insbesondere, aber nicht ausschließlich Veränderungen im Medium der Sprache in den Blick nimmt. Dergestalt befördert die Begriffsgeschichte das historische Denken und lehrt uns, dass die Herkunft und der Bedeutungswandel der Begriffe eine entscheidende Grundlage unseres eigenen Weltverhältnisses und Selbstverständnisses ist.

Ziel: Das Seminar vermittelt eingangs durch die Lektüre wichtiger Positionen das Anliegen, die Arbeitsweise und die Reichweite der Begriffsgeschichte. Im Anschluss wird das begriffsgeschichtliche Vorgehen anhand weniger exemplarischer Beispiele vorgeführt und eingeübt. Zum Schluss schreibt jede Studierende eine Begriffsgeschichte zu einem selbst gewählten Begriff, die in Form einer schriftlichen wissenschaftlichen Arbeit als Prüfungsleistung eingereicht wird.

Medien-, Text- und Wissenskulturen


Das Masterforum versteht sich auch als Forschungskolloquium an der Schnittstelle von Medien- und Textkultur und Wissenschaftsgeschichte. Es gibt fakultätsübergreifend Raum für die Präsentation und Diskussion projektierter Masterarbeiten (v.a. aus den Schwerpunkten Digitale Kulturen sowie Textkulturen) sowie weiterführender Forschungsvorhaben (Promotions- und Postdoc-Projekte, Habilitationsprojekte), die eine wissenschafts- bzw. wissenshistorische Perspektive aufweisen. Des Weiteren versteht sich die Veranstaltung als Ort des Austauschs über neueste Themen und Forschungsansätze in diesem Feld. Die Präsentation wissenschaftlicher Arbeiten kann daher mit der intensiven gemeinsamen Lektüre von Forschungsliteratur und Vorträgen von Gästen wechseln.

Kulturgeschichte des Wissens


Die „Kulturgeschichte des Wissens“-Vorlesung legt dieses Jahr den Fokus auf die Kulturgeschichte der Natur. Der zeitliche Rahmen reicht von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart, von Francis Bacons "Instauratio Magna" (1620) bis zum Anthropozän.

Die Kulturgeschichte erschließt die Natur in ihren historischen Sinn- und Bedeutungszusammenhängen und damit nicht als das Andere, sondern als Produkt der kulturellen Tätigkeit. Dass die Natur dennoch vielfach als das Andere bzw. als Außen der Kultur fungierte und noch immer fungiert, wird von dieser Kulturgeschichte weder ignoriert noch geleugnet. Sie rekonstruiert allerdings diese wirkmächtige Vorstellung von Natur als konstruiertes Außen im Inneren der eigenen Kultur.

Abschließend wird auch die vielfältige Kritik an diesem Ansatz diskutiert, die angesichts massiver Transformationsprozesse im Geosystem Erde mit großer Vehemenz geäußert wird.

Ziel: Die Vorlesung vermittelt grundlegende Kenntnisse der Ziele und Methoden der Kulturgeschichte sowie das Wissen um die historischen und damit veränderlichen Konstitutionsbedingungen des Wissens um die Natur und der Stellung des Menschen in dieser Natur.

Die Grenzen des Wissens. Wissens- und wissenschaftskritische Positionen von der Antike bis zur Gegenwart


Was können wir Wissen? Wie wird dieses Wissen gewonnen? Wie vermittelt sich dieses Wissen am besten? Was macht dieses Wissen mit uns? Und sollten wir alle alles wissen, was es zu wissen gibt? Das Seminar geht diesen Fragen mittels Lektüre „klassischer“ Positionen von Platon über Jean-Jacques Rousseau und Karl Mannheim bis zu Karin Knorr-Cetina nach und berührt damit gleichermaßen philosophische, wissenssoziologische und wissenschaftstheoretische Standpunkte. Dass es sich um „kritische“ Positionen handelt, meint dabei nicht, dass es sich um wissens- oder wissenschaftsfeindliche Positionen handelt. In dem Sinne, wie Immanuel Kant den Begriff „Kritik“ gebrauchte, geht es um die Beurteilung der Möglichkeiten und Grenzen des Wissens und der Wissenschaften auf Grundlage ihrer eingehenden Überprüfung.

Ziel: Das Seminar behandelt klassische wissens- und wissenschaftskritische Positionen von der Antike bis zur Gegenwart und berücksichtigt dabei eine große Bandbreite von Standpunkten. Allerdings gestattet dieser Seminarplan lediglich eine kursorische Behandlung der einzelnen Positionen. Es kann folglich nur darum gehen, erst einmal alle Aspekte, unter denen das Zustandekommen und Weitergeben von Wissen betrachtet wurde, kennenzulernen. Dass es sich um Positionen "von der Antike bis zur Gegenwart" handelt ist wiederum dem den Kulturwissenschaften eigenen "Wissen" geschuldet, das letztlich mitreflektiert wird.

Weitere Angaben zu den Lehrveranstaltungen finden Studierende im Studienportal myStudy.