Lehrangebot

Die Mitglieder des IGL bieten Lehrveranstaltungen in den kultur- sowie in einigen bildungswissenschaftlich orientierten Studiengängen der Leuphana Universität Lüneburg an. Einzelheiten können dem Vorlesungsverzeichnis im Studienportal myStudy entnommen werden, Auszüge sind nachfolgend zusammengestellt.

Aktuelle Lehrveranstaltungen

Prof. Dr. Sven Kramer

Einführung in die kulturwissenschaftliche Literaturwissenschaft (Vorlesung)


Das Modul ›Einführung in die kulturwissenschaftliche Literaturwissenschaft‹ besteht aus einer Vorlesung und zwei Seminaren.

Einführung in die kulturwissenschaftliche Literaturwissenschaft I


Ausgehend von Kleists Erzählung »Die Verlobung in St. Domingo« werden Arbeitsweisen und theoretische Perspektivierungen der kulturwissenschaftlich ausgerichteten Literaturwissenschaft thematisiert und diskutiert. Neben Theorien, wie etwa der Erzähltheorie, und Perspektivierungen, darunter produktions-, rezeptions- oder werkorientierte Ansätze, wird es um Kontextualisierungen von Kleists Text in aktuellen Debatten gehen. Ein Schwerpunkt liegt auf postkolonialen Fragestellungen. In diesem Zusammenhang wird auch auf das Thema Rassismus in der Literatur eingegangen werden.

Das Modul ›Einführung in die kulturwissenschaftliche Literaturwissenschaft‹ besteht aus einer Vorlesung und zwei Seminaren.

Die DDR in der Literatur der Berliner Republik


In der Literatur lebt die DDR weiter, obwohl sie in der Realität schon seit dreißig Jahren nicht mehr existiert. Das Seminar thematisiert die Erinnerung an diesen Staat. Welche Formen nimmt sie in der Literatur an? Welchen Wandlungen ist ihre Darstellung unterworfen? Im Ensemble jener Kräfte, die die Erinnerungsbilder an den untergegangenen Staat prägen, nimmt die Literatur eine wichtige Stellung ein. Romane wie »Stille Zeile Sechs« von Monika Maron, »Der Turm« von Uwe Tellkamp oder »Kruso« von Lutz Seiler haben Debatten ausgelöst und die kulturelle Erinnerung an die DDR mitgeprägt. Dabei greift die Literatur oft Themen auf, die in den politischen Diskursen vernachlässigt werden. Diesen literarischen Gegenstrom der Erinnerung wird die Arbeit im Seminar ins Zentrum rücken.

Die Shoah im Film


Die Ermordung der europäischen Juden wurde schon seit den 1940er Jahren in Dokumentar- und Spielfilmen ins Bild gesetzt. Seither hat sich die Darstellung vielfach verändert. An den Veränderungen können die Wendungen entziffert werden, die in verschiedenen Gesellschaften im Zusammenhang mit der Erinnerung an die Shoah auftraten. Die Vorlesung möchte diese Veränderungen durch die Jahrzehnte hindurch sowohl im Dokumentar- als auch im Spielfilm verfolgen und an Beispielsequenzen erläutern. Sie strebt einen Überblick über die filmische Erinnerung an dieses historisch zentrale Ereignis des 20. Jahrhunderts an und legt dabei einen Fokus auf die im deutschsprachigen Bereich produzierten Filme.

Ergänzung 23.3.2020: Wegen der Corona-Krise wird die Lehrveranstaltung anders als geplant stattfinden. Solange keine Präsenzlehre möglich ist, sollen die Sitzungen über den Videokonferenzanbieter Zoom gestreamt werden. Die technischen Möglichkeiten werden von der Universität gerade geschaffen. Da die Bibliotheken geschlossen haben, verändern sich auch die Vorbereitungsmöglichkeiten des Leiters der Lehrveranstaltung. Weder Filme noch Bücher noch PDFs können in dem normalerweise verfügbaren Maße herangezogen werden. Deshalb wird die Vorlesung einen größeren Akzent auf die verfügbaren Ressourcen legen und an weniger Filmen als ursprünglich geplant vor allem problemorientiert vorgehen.

Lager und Literatur


Im ausgehenden 19. Jahrhundert entstand mit dem Konzentrationslager ein neuer Typ der Internierung, der im 20. vielfach ausdifferenziert wurde. Die extreme Variante stellten die nationalsozialistischen Todeslager dar. Mit ihnen wird sich das Seminar jedoch nur am Rande beschäftigen. Im Zentrum soll die Überlegung einiger Kulturtheoretiker stehen, dass die Moderne sich mit dem Typus des Lagers eine ihr gemäße Herrschaftsform geschaffen habe. Das soll an den Lagern in den sozialistischen Staaten geprüft werden, vor allem am GULAG in der UdSSR. Seit die Archive geöffnet sind, wurde der GULAG eingehender erforscht. Literarische Texte trugen seit jeher zur kulturellen Überlieferung der Lagererfahrung bei; bis heute prägen sie wesentlich ihr Bild. Von Texten wie denen von Horst Bienek, Imre Kertesz, Arthur Koestler, Steffen Mensching, Herta Müller, Angelika Rohr, Warlam Schalamow und Ilija Trojanow geht das Seminar aus. Es kontextualisiert sie historisch, soziologisch, ästhetisch und kulturtheoretisch.

Dr. Tilmann Lahme

Begleitung des Praxisblocks im Fach Deutsch (GHR)


Nachbereitung des Praxisblocks im Fach Deutsch (GHR)


Besuche im Praxisblock im Fach Deutsch (GHR)


Begleitung des Praxisblocks im Fach Deutsch (GHR)


Nachbereitung des Praxisblocks im Fach Deutsch (GHR)


Julia Menzel, M.A.

Einführung in die kulturwissenschaftliche Literaturwissenschaft II


In seinem Aufsatz "Die Massenvernichtung als literarische Inspiration" fragt Elie Wiesel mit Blick auf den Holocaust, den er selbst überlebte: "Kann ein solches Ereignis überhaupt zum Gegenstand von Worten werden? Welche Worte wären dazu notwendig?"

Im Seminar werden wir uns einerseits mit den von Wiesel angesprochenen radikalen Herausforderungen auseinandersetzen, mit denen literarische Texte über den Holocaust konfrontiert sind (v.a. Darstellbarkeit, Zeugenschaft, intergenerationelle Übertragung von Erinnerungen und Traumata), und andererseits Texte der Holocaust- und Lagerliteratur auf die jeweils von ihnen gewählten literarischen Darstellungsstrategien hin untersuchen. Am Beispiel von autobiographischen Zeugnissen (Primo Levi), Romanen Überlebender (H. G. Adler), Lyrik 'nach Auschwitz' (Paul Celan) sowie literarischen Texten von nachgeborenen Autoren der zweiten und dritten Generation (etwa Art Spiegelman) soll ein Einblick in verschiedene Formen der Darstellung des Holocaust erarbeitet werden.

Hinweis: Dieses Seminar ist einer von drei zusammengehörigen Bestandteilen des Moduls 'Einführung in die kulturwissenschaftliche Literaturwissenschaft' (eine Vorlesung und zwei Seminare). Mit Ihrer Anmeldung in einer Veranstaltung des Moduls werden Sie automatisch auch für die Teilnahme an den anderen beiden angemeldet. Die Prüfungsleistung wird in einem der beiden Seminare erbracht.

Ziel: In der Auseinandersetzung mit den heterogenen Darstellungsweisen und Erzählstrategien zur Vermittlung des Holocaust erarbeiten sich die Studierenden Kompetenzen in Bezug auf die Analyse und Interpretation von literarischen Texten sowie Kenntnisse des Genres der Holocaustliteratur. Durch die Beschäftigung mit theoretischen Debatten und Konzepten sowie deren Fruchtbarmachung für die Lektüre der literarischen Texte wird die Fähigkeit, wissenschaftliche Fragestellungen zu entwickeln und anhand einer theoriegeleiteten Analyse zu verfolgen, vertieft.

Prof. Dr. Emer O'Sullivan

Downton Abbey, Titanic & Co. The Edwardian Era in 21st century British literature and film


Why is the tv series Downton Abbey so popular? Where does the current Titanic fever come from? The Edwardian Era is enjoying unprecedented popularity in contemporary Britain. The Edwardian era, named after the British King Edward VII who reigned from 1901-1910, is usually extended to include the outbreak of the First World War in 1914, sometimes up to the signing of the Treaty of Versailles in 1919. It was a time when the British class system was very rigid, but when social and political change started to emerge. It experienced exceptional technological change as a result of modern industrialisation, and during this time one-third of the world’s population were subjects of the British Empire.

The Edwardian era is sometimes imagined as a romantic golden age of long summer afternoons and garden parties, basking in a sun that never set on the British Empire. This nostalgia about the era first came to being as early as the 1920s, and today, too, we find a fascination for the Edwardian era in British culture. This is partly, but not entirely, explained by the current centenaries – the sinking of the Titanic in 1912, the grand ocean liner which embodied human progress, opulence, and the excesses of the time, that of the outbreak of the First World War in 1914.

In this seminar we will examine some contemporary British cultural products which engage with the era, some nostalgic, others more discerning. They will include films and literature about the Titanic, the television series "Downton Abbey" (Julian Fellowes/ITV 2010) and the novel about Edwardian childhood, "The Children’s Book" by A. S. Byatt (2009), amongst others. By examining the ways in which Britain engages with and interprets this particular period of its history today, we will try to identify where the fascination with the era lies. Is it in the in the class distinction of upstairs/downstairs? In the traditional and rigid social structures? In seemingly endless childhoods? In the innocence of the pre-War era? Underpinning these reflections will be a theoretical engagement with cultural memory studies.

Ziel: This seminar aims to increase students’ appreciation and knowledge of a specific historical context and to develop their ability to analyse contemporary cultural products which retrospectively engage with a historical era. Their analytical skills of current film and tv adaptations of literature of the period will be further honed by working with a theory of intertextuality which will help identify strategies and practices of adapting literary works. Looking at contemporary film and tv adaptations, students will acquire competencies in analysing multimodal texts and will learn to probe the ways in which – and the reasons why – cultural products today interact with and recontextualise the past, and literature from the past, contributing to what has become to be known as cultural memory.

Children's literature


Children's literature has, since its beginnings in the 18th century, been a source both of entertainment and instruction for child readers as well as a product which reflects adults' perceptions of children and the choices that they make regarding what literature is suitable for the young. It is addressed to a wide range of readers from pre-literate toddlers to young adults and encompasses an equally wide range of genres including picturebooks, traditional folk and fairy tales, novels, poetry, and informational books. In this seminar, you will become familiar with a selection of literature in the English-speaking cultures across time, and learn to appreciate this branch of literature through close reading and work with different critical approaches. You will examine the distinctive qualities of children’s literature, explore the relation of didacticism and entertainment in texts for children at different historical periods, and consider the changing concepts of the child and its influence on the production of children's literature.

Ziel: To introduce students to children’s literature as a field of critical literary study.

To introduce students to a wide range of texts and genres written for children.

To develop students' awareness and understanding of critical and theoretical debates that are particular to the field.

Imagined Geography: Strange places and people in 19th and 20th century literature


Defoe’s Robinson Crusoe (1719) and Swift’s Gulliver’s Travels (1726), amongst the first novels ever written, inspired two major narrative traditions in relation to portraying strange places and people: adventure stories set in exotic locations but told in a realistic mode, and fantastic journeys to invented realms. Since then, representations of the foreign, the exotic, both in the form of invented places but also in the form of imaginated discourse on purportedly real places and people, have been central elements in narrative fiction, and it is these that this seminar will examine. Guided by theoretical approaches furnished by imagology, theories of representation, postcolonialism, and the spatial turn in cultural studies, we will examine representations of imaginary and purportedly real foreign people and places in literary texts from different traditions such as travel literature, fantasy, and children’s literature, from early 19th century ABC books, through late 19th century board games and books inspired by Jules Verne’s journey around the world in 80 days, 20th century atlases of imaginary worlds, postmodern simulacra and contemporary texts in which foreign locations are given a playful, performative treatment.

Sherlock Holmes. From Victorian Detective to Pop Cultural Icon (FSL)


Sherlock Holmes is doubtlessly the most famous and popular detective literature has ever produced. First appearing in the story A Study in Scarlet, in 1887 and subsequently featuring in four novels and 56 short stories by Arthur Conan Doyle, he has since been adapted into every possible medium, as well as being the subject of countless prequels and sequels. In this seminar we will engage with the Victorian Sherlock Homes and the beginnings of the detective genre, looking at the images of modernity and modern science the stories present as well as the role of gender and race in them. We will look at a selection from the vast number of adaptations– including the film about the aged detective, Mr. Holmes (2015) and, of course, the BBC series „Sherlock“ (with Benedict Cumberbatch) which not only refers to the canon but takes different elements from it, transports them into our digital age and gives them a new, postmodern, twist. In the seminar we will engage with theories of adaptation and intertextuality and will ultimately try to identify the reasons for the perennial popularity of this iconic figure.

Ziel: This seminar aims to increase students’ appreciation and knowledge of a genre (detective novel), a specific historical context (the Victorian Era) and strategies and forms of adaptation and serialisation. It further aims to develop students' ability to analyse contemporary cultural products which retrospectively engage with a historical era. Their analytical skills of Victorian detective fiction as well as current film and tv adaptations of it will be further honed by working with a theory of intertextuality which will help identify strategies and practices of adapting literary works. Looking at contemporary film and tv adaptations, students will acquire competencies in analysing multimodal texts and will learn to probe the ways in which – and the reasons why – cultural products today interact with and recontextualise literature from the past.

Promotionskolloquium PLG


Im Promotionskolloquium für Philosophie, Literatur und Geschichte präsentieren Promovierende des Forschungskollegs für Philosophie, Literatur und Geschichte ihre Projekte und diskutieren sie in einem darauf folgenden Gespräch mit den Teilnehmenden des Kollegs. Dabei profitieren sie von der interdisziplinären Zusammensetzung des Kollegs.

Ziel: Die Diskussion des eigenen Arbeitsvorhabens bietet den Forschenden in allen Phasen des Projekts eine wertvolle Möglichkeit, in einer vertrauten wissenschaftlichen Umgebung die Tragfähigkeit der eigenen Arbeit zu erproben und zusätzliche Hinweise für die Weiterarbeit zu erhalten.

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Prof. Dr. Ulrike Steierwald

Textualität (Deu 110)


***Hinweis: Die Vorlesung wird im SoSe 2020 stattfinden. Sie erhalten Anfang April Hinweise zum Ablauf, der voraussichtlich zu überwiegenden Teilen auf online-Kommunikation und digitalen Plattformen basieren wird. ***

Inhalt:

Die Vorlesung bietet einen Überblick über die Theorie der Literatur und die Praxis der Literaturwissenschaft in ihrer Geschichtlichkeit und Gegenwart. Die Vielfalt möglicher Antworten auf die Frage "Was ist Literatur?" bzw. "Was ist ein Text?" im Rahmen der Philologien steht im Zentrum. Die Fragestellung wird zum Ausgangspunkt für das wissenschaftlich begründete Lesen sowie das Sprechen und Schreiben über literarische Texte.

Komplementär zu dieser Vorlesung des Moduls werden Wahlpflichtseminare angeboten, die die Anforderungen an das literaturwissenschaftliche Arbeiten, Recherche, die Formulierungen erster "Forschungsfragen" und den Aufbau und die Konzeption wissenschaftlicher Argumentation vermitteln.

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TYLL (Deu 110)


***Hinweis: Das Seminar wird im SoSe 2020 stattfinden. Sie erhalten Anfang April Hinweise zum Ablauf, der voraussichtlich zu überwiegenden Teilen auf online-Kommunikation und digitalen Plattformen basieren wird. ***

INHALT: Wer oder was ist TYLL? In der historischen wie literarischen Überlieferung ist es die spätmittelalterliche Figur des Narren, der es vermag, das Denken auf der Grenze zwischen Weisheit und Wahnsinn im künstlerischen Seiltanz zur Schaustellung, zu sprachlicher Darstellung, zu bringen. TYLL lautet auch der Titel eines 2017 erschienenen Romans von Daniel Kehlmann. Dabei verkörpert die Gestalt des Ulenspiegel in Kehlmanns Roman die geradezu unheimliche künstlerische, kreative Macht einer radikal auf sich selbst verwiesenen Existenz. Mit dieser "Neuerfindung einer legendären Figur" (Klappentext des Fischer-Verlages) brechen Fragen auf, die weit über diesen einzelnen Text hinausgehen:

Ziel: Wie gestaltet sich das Verhältnis von Geschichte und Erzählung im Roman? Wie greifen die Gewalt des Krieges und die Konfrontationen der Elemente ineinander? Warum verlegt Kehlmann die Erzählung in die frühe Neuzeit? Wie vollzieht sich eine literarische Geschichtsschreibung im Hinblick auf die Konfrontation von „Opfer und Täter“ oder „Einzelnem und Masse“ oder „Natur und Wissenschaft“? Wie steht der Text in der Tradition des historischen Romans? Was zeigt sich die Gegenwärtigkeit von Geschichte und Fiktion? Wie zeigen sich Logik, Schicksal und Groteske des historischen Geschehens in einer durch den Tod beherrschten Zeit?

Masterkolloquium


Falls Sie im vergangenen Semester die Betreung einer Master-Arbeit mit mir abgesprochen haben, können/müssen Sie sich zu diesem Kurs anmelden.

***Hinweis: Das Seminar wird im SoSe 2020 stattfinden. Sie erhalten Anfang April Hinweise zum Ablauf, der voraussichtlich zu überwiegenden Teilen auf online-Kommunikation und digitalen Plattformen basieren wird. ***

Ulrike Steierwald

In Szene setzen. Dramaturgie und Regiekonzept zu Lessings "Emilia Galotti"


***Hinweis: Die Vorlesung wird im SoSe 2020 stattfinden. Sie erhalten Anfang April Hinweise zum Ablauf, der voraussichtlich zu überwiegenden Teilen auf online-Kommunikation und digitalen Plattformen basieren wird. ***

Inhalt: Bereits in der Entstehungszeit des deutschsprachigen, spezifisch "bürgerlichen" Trauerspiels „Emilia Galotti“ standen Fragen nach der Dramaturgie, also den inszenatorischen Gestaltungsmöglichkeiten der Sprache, im Vordergrund des literarischen Interesses. Lessings Drama stellt sich den damit verbundenen performativen, ästhetischen und politischen Herausforderungen an das „Humane“ in einer für seine Zeit unerhört radikalen Konsequenz.

Im Seminar „In Szene setzen“ entwickeln die Regie-Teams eine eigene Dramaturgie und ein Regiekonzept für Lessings Schauspiel als gegenwärtige wie relevante Antworten auf diese Fragen. Die Inszenierungsentwürfe gehen von einer kontext- und diskursanalytischen Durchdringung des Textes aus, erarbeiten eine gestrichene Fassung und konzipieren Rollen, Raum- und Bewegungskonzeptionen. Ein Theaterbesuch der aktuellen Inszenierung am Theater Lüneburg und das Gespräch mit der dortigen Dramaturgin werden das Seminar abrunden.

Ziel: s.o.

Forschungskolloquium Wissenschaften der Künste


Im Kolloquium haben Promovierende des Kollegs die Möglichkeit, Auszüge aus den Promotionsprojekten zu präsentieren und in kollegialem Rahmen zu diskutieren. Darüber hinaus tragen Gastbeiträge zur inhaltlichen und methodischen Weiterqualifikation bei. Im Sommersemester 2020 liegt der Schwerpunkt auf dem Thema "Artistic Research“.

Ziel: Ziel des Kolloquiums ist der fachliche sowie interdisziplinäre Austausch in den Disziplinen Kunst, Musik und Literatur. Teilnehmende werden befähigt, die eigene Forschungspraxis zu reflektieren und Beiträge konstruktiv zu kommentieren. Das Kolloquium trägt darüber hinaus zur Vernetzung in der wissenschaftlichen Community bei und fördert so die Karriereentwicklung.

Philipp Hammermeister, M.A.

John von Düffel: Heinrich-Heine-Gastdozentur 2020


ACHTUNG!

Das Seminar wird in abgeänderter Form stattfinden. Wir werden zu so etwas wie einem online organisierten literarischen Salon. Die Lektüre und das Selbststudium werden dabei durch verschiedene Aufgaben und kurze Präsentationen via mystudy bzw. moodle und durch regelmäßige Austausche via Skype bzw. Zoom ersetzt. Und wir werden versuchen, den einen angedachten längeren Workshop mit John von Düffel durch mehrere kürzere Termine zu ersetzen und ihn mittels Videokonferenzen regelmäßig dazuzuschalten.

John von Düffel nimmt in der deutschen Gegenwartsliteratur eine recht singuläre Position ein, weil er sich immer wieder neu und anders mit der literarischen Aneignung des Wassers und des Schwimmens beschäftigt. Wenn er aber im Juni 2020 als zwölfter Heinrich-Heine-Dozent nach Lüneburg kommt, dann auch und vor allem deswegen, weil er darüber hinaus wie kaum ein anderer zeitgenössischer Schriftsteller das Schreiben in all seinen Facetten ausleuchtet. Er beherrscht den klassischen Drei-Generationen-Roman genauso wie den Essay, arbeitet als Dramaturg und Übersetzer, kann sowohl Krimi als auch Hörspiel und weiß dies alles als erfahrener Poetik-Dozent an junge Menschen zu vermitteln. Für die interessierten Studierenden bietet die diesjährige Heine-Dozentur also die Möglichkeit, in direkten Austausch mit einem renommierten Autor, erfahrenen Übersetzer und erfolgreichen Theaterdramaturg zu treten und alle Fragen des Lesens, Schreibens und Veröffentlichens zu diskutieren.

Das Seminar soll die Studierenden vor allem auf diese direkte Begegnung vorbereiten. Wir werden uns von Düffels erfolgreichen Familienroman "Houwelandt" (2004) anaschauen und von dort einen Bogen zu seinem aktuellen Roman „Der brennende See“ (2020) schlagen, in dem er Generationendiskurs, Klimaangst und Gesellschaftspanorama zu einem „großen Gegenwartsroman“ (Spiegel) verarbeitet. Wir werden uns anhand seiner Bremer Radio-Tatorte mit der Form des Krimi-Hörspiels beschäftigen und wir werden uns an von Düffels Beispiel die Arbeit eines Theater-Dramaturgen genauer anschauen.

Ziel: Die Studierenden sollen in diesem Seminar vor allem die literaturtheoretisch fundierte Auseinandersetzung mit den Texten von John von Düffel und anderen Schriftsteller_innen erlernen und eigene literaturwissenschaftliche Fragestellungen entwickeln und präsentieren.

Ziele und Kompetenzen des Seminars sind entsprechend:

- exemplarische Analyse von verschiedenen Formen literarischen Erzählens

- Erarbeitung eines Bewusstseins für literarische Stilistik

- Vermittlung grundlegender erzähltheoretischer Kategorien

- Einblicke in verschiedene Formen kulturjournalistischen Schreibens

Florian Huber

Verborgene Gründungstexte der Kulturwissenschaften: Henry David Thoreau und der Amerikanische Transzendentalismus


Mit der Lektüre von Walden des amerikanischen Schriftstellers Henry David Thoreau (1817–1862) nimmt das Seminar ein zentrales Zeugnis der Geistes- und Kulturgeschichte des 19. Jahrhunderts in den Blick, das gemeinsam mit den Schriften von Ralph Waldo Emerson (1803–1882) zu den Gründungstexten des so genannten philosophischen Transzendentalismus gezählt werden kann. In dieser Denkbewegung treffen Fragen nach der Beziehung zwischen Individuum und Gesellschaft und das Motiv der Zivilisationskritik auf eine Diskussion der Unterschiede zwischen amerikanischem und westeuropäischen (Geschichts-)denken und ihre politischen Implikationen. Ein weiterer Schwerpunkt der gemeinsamen Seminarlektüre gilt der Natur als Ort der (Selbst-)erkenntnis, Frauenbewegungen des 19. Jahrhunderts sowie dem Zusammenhang zwischen autobiografischem und theoretischem Schreiben. Allen Themen gemein ist die Frage nach dem Status des transzendentalen Denkens innerhalb einer Geistesgeschichte der Moderne und seiner Relevanz für historisch informierte Kulturwissenschaften.

Ziel: Anhand der Lektüre und Diskussion zentraler Probleme einer Kultur- und Theoriegeschichte der Moderne werden die Studierenden an die Formulierung eigener Fragestellungen und ihre präzise mündliche und schriftliche Ausarbeitung herangeführt.

Theorien und Methoden der kulturwissenschaftlichen Literaturwissenschaft


Das Seminar bietet einen Überblick über wichtige Positionen einer kulturwissenschaftlich informierten Literaturwissenschaft (z. B. Hermeneutik, Literatursoziologie, Psychoanalyse, Strukturalismus, Dekonstruktion, Diskursanalyse, Gender Studies, Kritische Theorie).

Anhand der Lektüre zentraler Texte aus diesem Feld sowie einem gemeinsamen close reading von Kurzprosa des Schweizer Schriftstellers Robert Walser (1878–1956) werden die Grenzen und Erkenntnismöglichkeiten der jeweiligen Theorieangebote sichtbar und die Studierenden an die Ausarbeitung eigener Fragestellungen im Schnittpunkt von Literatur- und Kulturwissenschaften herangeführt.

Ziel: Das Seminar vermittelt grundlegende kulturwissenschaftliche Forschungsmethoden und befähigt die Studierenden, sich auch in komplexe theoretische Sachverhalte einzuarbeiten, ihre Bedeutung für die Diszipin kritisch zu reflektieren und fachlich angemessen darzustellen.

Nature Writing


Nature Writing entstand Mitte des 19. Jahrhunderts in den USA. Schriftsteller wie Ralph Waldo Emerson und Henry David Thoreau suchten in einer – auf dem „alten“ Kontinent schon längst vergangen geglaubten – Wildnis Einsamkeit und Ursprünglichkeit und machten in ihren Texten das Verhältnis von Natur und Landschaft, Tier und Mensch, Individuum und Gesellschaft zum Thema. Diese literarische Tradition des Transzendentalismus hinterließ auch in Europa ihre Spuren, denen wir im Seminar folgen wollen. – Im Rahmen einer dreitägigen Exkursion in die Lüneburger Heide werden wir gemeinsam klassische Texte lesen und eigene Texte schreiben. Dabei gilt es, insbesondere die Fragen zu klären, wie Natur erfahren und mit welchen literarischen Mitteln sie beschrieben werden kann, wie ortsgebunden Naturerfahrung tatsächlich ist und ob Natur losgelöst von historischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Perspektiven betrachtet werden kann.

Dr. Patrick Stoffel

Geopolitik. Zur Geschichte des staatsbiologischen Denkens (spätes 19. Jahrhundert bis heute)


Um 1900 entwickelten der deutsche Geograph und Zoologe Friedrich Ratzel und der schwedische Staatswissenschaftler Rudolf Kjellén eine neue Perspektive auf politische Entitäten. Indem sie in der Politischen Geographie evolutionsbiologische Modelle zur Anwendung brachten, machten sie aus politischen Entitäten biologische: Staaten betrachteten sie als Lebewesen, als Superorganismen, die wie alles Leben den Gesetzen der Evolution unterworfen sind. Sie müssen ihre ökologische Nische bestmöglich nutzen und gestalten, um im Kampf ums Dasein der Staaten untereinander zu bestehen. Diese staatsbiologische Perspektive interessierte sich nicht länger für das Individuum, sondern für das „lebendige Volk“, arbeitete sich nicht länger am Gesellschaftsvertrag ab, sondern an den Gesetzmäßigkeiten der Evolution des Staates als Lebensform.

Diese Perspektive blieb zuerst randständig, gewann aber im Verlauf des Ersten Weltkrieges rasant an Bedeutung. In der Zwischenkriegszeit schließlich nahm sie insbesondere in Deutschland eine geradezu hegemoniale Stellung ein, was die Deutung der (welt-)politischen Lage betraf.

Unter der Führung des deutschen Offiziers und Geographen Karl Haushofer und getragen von einem unverhohlenen Revanchismus wurde die unter dem Begriff „Geopolitik“ gebündelten staatsbiologischen Überlegungen in der Zwischenkriegszeit institutionalisiert, popularisiert und zu einer angewandten Wissenschaft umgeformt, die sich dem NS-Regime als Hilfsinstrument andiente und die Expansionspolitik im Osten vorantrieb.

Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges sah sich die Geopolitik für lange Zeit diskreditiert, aktuell taucht sie unter den Bedingungen einer konstatierten ökologischen Krise in gewandelter Form wieder zutage.

Das Seminar arbeitet in einem ersten Teil mittels (auszugsweiser) Lektüre der einschlägigen Werke die Geschichte des staatsbiologischen bzw. geopolitischen Denkens auf (1897–1945). Ein zweiter Teil widmet sich mit der Lektüre von Gustav Freytags Roman „Soll und Haben“ (1855) und Bruno Latours Gifford-Lectures „Facing Gaia“ (2013) der literarischen Vorgeschichte des geopolitischen Denkens und seinem Nachleben im Zeitalter des Anthropozäns.

Medien-, Text- und Wissenskulturen


Das Masterforum versteht sich auch als Forschungskolloquium an der Schnittstelle von Medien- und Textkultur und Wissenschaftsgeschichte. Es gibt fakultätsübergreifend Raum für die Präsentation und Diskussion projektierter Masterarbeiten (v.a. aus den Schwerpunkten Digitale Kulturen sowie Textkulturen) sowie weiterführender Forschungsvorhaben (Promotions- und Postdoc-Projekte, Habilitationsprojekte), die eine wissenschafts- bzw. wissenshistorische Perspektive aufweisen. Des Weiteren versteht sich die Veranstaltung als Ort des Austauschs über neueste Themen und Forschungsansätze in diesem Feld. Die Präsentation wissenschaftlicher Arbeiten kann daher mit der intensiven gemeinsamen Lektüre von Forschungsliteratur und Vorträgen von Gästen wechseln.

Das Ganze der Natur (Georg Forster, Alexander von Humboldt, Ralph Waldo Emerson)


Um 1800 beklagten zahlreiche Naturforscher, dass die auf Francis Bacon zurückgehende Experimentalwissenschaft, die Natur zu isolieren und dann unter Zwang zu befragen suchte, sowie die von Carl von Linné entwickelte binäre Nomenklatur, mithilfe derer die lebendige Natur unablässig zergliedert und in einem künstlichen System angeordnet wurde, dazu geführt haben, dass das ‚lebendige Ganze der Natur‘ aus dem Blick geraten sei.

Die aus diesem Befund resultierende Hinwendung zur ‚belebten‘, zum inneren Zusammenhang der ‚ganzen‘ Natur, beschränkte sich dabei nicht allein auf die inhaltliche Ebene, auf der es neu die Wechselwirkungen der Lebewesen untereinander ebenso wie diejenigen zwischen der belebten und der unbelebten Natur zu untersuchen galt, sondern erfasste auch die formale Ebene, wo es neue Darstellungsformen zu finden galt, die offen, beweglich und lebendig genug waren, die Komplexität einer als organisch und lebendig verstandenen Natur aufzufassen und wiederzugeben. Diese Neuausrichtung der Naturforschung führte das wissenschaftliche Arbeiten in die Nähe der künstlerischen Tätigkeit und führte zu neuartigen Kooperationen zwischen Wissenschaft und Kunst.

Im Zentrum des Seminars steht die Lektüre dreier ausgewählte Schriften dreier Denker, die zu den zentralen Protagonisten jener Hinwendung zum ‚Ganzen der Natur‘ gelten dürfen: Georg Forsters Schrift „Ein Blick in das Ganze der Natur“ (1794), die auf seine naturgeschichtlichen Vorlesungen am Carolinum in Kassel 1781–1783 zurückgehen, Alexander von Humboldts „Ansichten der Natur“ (1808), worin er von seiner Forschungsreise durch Lateinamerika in den Jahren 1799–1804 berichtet, und Ralph Waldo Emersons Essay „Nature“ (1836).

Heimat. Zur Geschichte eines umstrittenen Begriffs


Heimat ist ein umstrittener Begriff. Ob das Vorhandensein einer Heimat als fundamentaler Bestandteil menschlicher Existenz und damit als schützenswert gilt, oder ob allein schon die Rede von der Heimat als auf direktem Wege in den Faschismus führend gebrandmarkt wird, hängt nicht allein von der Zugehörigkeit zu einem bestimmten politischen Lager ab, sondern auch vom Zeitgeist. Dieses Seminar erforscht die Geschichte des Heimatbegriffs von der Romantik bis zur Gegenwart in ausgewählten, aber möglichst exemplarischen Beispielen, mit einem Fokus auf Deutschland und, wo möglich, auf die Lüneburger Heide. Gegenstand des Seminars ist unter anderem Joseph von Eichendorffs Novelle „Aus dem Leben eines Taugenichts“ (1826), die Heimat- und Naturschutzbewegung um 1900, Clara Viebigs Novellen-Sammlung „Heimat“ (1914), die Einführung des Heimatkundeunterrichts in den 1920er Jahren sowie dessen Modifikation im NS-Staat, Hans Deppes „Grün ist die Heide“ (1951) als Inbegriff des Heimatfilms der 1950er Jahre, der Versuch, die Heimat in den 1970er Jahren als antikapitalistische Renitenzzone zu rehabilitieren und die Schaffung eines Heimatministeriums durch Horst Seehofer.

Auf Begriffen, meinte der französische Schriftsteller Honoré de Balzac, lässt sich in die Vergangenheit einschiffen. Dieses Seminar schifft auf dem Begriff „Heimat“ in die deutsche Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts ein und entdeckt eine Gesellschaft und Kultur im Wandel.

Nature Writing


Nature Writing entstand Mitte des 19. Jahrhunderts in den USA. Schriftsteller wie Ralph Waldo Emerson und Henry David Thoreau suchten in einer – auf dem „alten“ Kontinent schon längst vergangen geglaubten – Wildnis Einsamkeit und Ursprünglichkeit und machten in ihren Texten das Verhältnis von Natur und Landschaft, Tier und Mensch, Individuum und Gesellschaft zum Thema. Diese literarische Tradition des Transzendentalismus hinterließ auch in Europa ihre Spuren, denen wir im Seminar folgen wollen. – Im Rahmen einer dreitägigen Exkursion in die Lüneburger Heide werden wir gemeinsam klassische Texte lesen und eigene Texte schreiben. Dabei gilt es, insbesondere die Fragen zu klären, wie Natur erfahren und mit welchen literarischen Mitteln sie beschrieben werden kann, wie ortsgebunden Naturerfahrung tatsächlich ist und ob Natur losgelöst von historischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Perspektiven betrachtet werden kann.

Weitere Angaben zu den Lehrveranstaltungen finden Studierende im Studienportal myStudy.