Lehrangebot

Die Mitglieder des IGL bieten Lehrveranstaltungen in den kultur- sowie in einigen bildungswissenschaftlich orientierten Studiengängen der Leuphana Universität Lüneburg an. Einzelheiten können dem Vorlesungsverzeichnis im Studienportal myStudy entnommen werden, Auszüge sind nachfolgend zusammengestellt.

Aktuelle Lehrveranstaltungen

Prof. Dr. Sven Kramer

Intertextualität in der Literatur


Literatur entsteht nicht im Nichts, sondern ist auf vielfältige Art und Weise mit vorgängigen Texten verbunden. So setzt sie sich zum Beispiel mit anderer Literatur auseinander: sie zitiert und plagiiert, kommentiert und kritisiert; sie spannt ein Netz der Bezüge auf. Mit diesen bewusst oder unbewusst angelegten Verweisen in literarischen Texten setzen sich die verschiedenen Ansätze der Intertextualitätstheorie auseinander. Im Seminar werden zentrale Positionen erarbeitet und mit Elfriede Jelineks »Wolken. Heim.« beispielhaft auf einen Text angewendet.

Forschungsmethoden der Kulturwissenschaften


In der Ringvorlesung für alle Studierenden des

Hauptfachs (Major) Kulturwissenschaften werden grundlegende methodische und theoretische Herangehensweisen der Kulturwissenschaften erläutert sowie exemplarisch an verschiedenen Feldern und Gegenständen der Lüneburger Kulturwissenschaften vorgestellt und veranschaulicht.

Zusätzlich wählt jede/r Studierende ein Vertiefungsseminar aus dem Angebot aus. Hier werden spezifische Methoden und Theorien vertiefend behandelt und oft auch selbst erprobt. Sie sind frei in Ihrer Wahl im Rahmen der zur Verfügung stehenden Plätze. Die Vertiefungsseminare sind also nicht an spezielle Vertiefungsgebiete gebunden. Zu den Themen der Vertiefungsseminare vgl. die Überblicksliste in myStudy.

Exilliteratur 1933-1945


Zwischen 1933 und 1945 musste ein großer Teil der literarischen Intelligenz Deutschland verlassen, darunter Thomas, Heinrich und Klaus Mann, Lion Feuchtwanger, Bertolt Brecht, Anna Seghers und Irmgard Keun. Viele Autoren engagierten sich politisch, fast alle schrieben weiter. Das Seminar fragt danach, welche Strömungen es innerhalb des Exils gab, welche Exilorte wichtig waren und welche Literatur in dieser Zeit entstand. Ein Schwerpunkt liegt auf der Beschreibung des nationalsozialistischen Deutschlands durch die Exilierten. Diskutiert werden auch neuere Ansätze der Forschung, zum Beispiel transkulturelle Deutungen der Exilliteratur.

Erzählliteratur der Berliner Republik


Die Geschichte der deutschsprachigen Literatur seit 1990 wurde noch kaum geschrieben, jedoch zeichnen sich bereits einige Tendenzen ab, die in der Vorlesung an ausgesuchten Werken einzelner Autorinnen und Autoren vorgestellt und diskutiert werden sollen. Als inhaltliche Schwerpunkte sind geplant: der Rückblick auf die DDR, die fortgesetzte Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und der Shoah sowie die transnationale Ausrichtung vieler Texte. Neben dem thematischen Zugang interessiert vor allem die jeweilige Schreibweise und damit die spezifische Literarizität der Werke. Gelegentlich wird dabei ein Blick auf die österreichische und schweizerische Literatur geworfen werden. Näher eingegangen wird auf die Literatur von Christa Wolf bis Günter Grass, Monika Maron bis Lutz Seiler, Elfriede Jelinek bis Abbas Khider.

Ziel: Die Studierenden lernen wichtige Tendenzen der Erzählliteratur der Berliner Republik (seit 1990) kennen.

Promotionskolloquium PLG


Promovierende des Forschungskollegs für Philosophie, Literatur und Geschichte präsentieren ihre Projekte und erläutern sie in der folgenden Diskussion mit den Teilnehmenden des Kollegs.

Dr. Tilmann Lahme

Vorbereitung des Praxisblocks im Fach Deutsch (GHR)


Vorbereitung des Praxisblocks im Fach Deutsch (G)


Kulturjournalismus in beruflicher und schulischer Praxis (Deu 350)


Kulturjournalismus in beruflicher und schulischer Praxis (Deu 350)


LiteraTour Nord: Analyse, Kritik, Rezeption literarischer Neuerscheinungen


Die Lektüre literarischer Neuerscheinung stellt die Leser_innen vor besondere Herausforderungen, weil der Prozess der literarischen Urteilsbildung gerade erst begonnen hat. An diesem aufregenden Prozess wollen wir im Seminar teilhaben, indem wir die Bücher, die Autor_innen und die Lesungen der LiteraTour Nord begleiten. Die LiteraTour Nord ist ein Literaturwettbewerb, an dem jedes Jahr sechs Schriftsteller_innen teilnehmen, die aus ihrem jeweils neu erschienenen Buch in sechs Städten in Norddeutschland und dabei jeweils auch in Lüneburg vorlesen (siehe www.literatournord.de). Eine Jury sowie das Publikum wählen anschließend die Autorin oder den Autor aus, die oder der den renommierten Preis erhält. Das Seminar begleitet den Wettbewerb und die Lüneburger Lesungen und ermöglicht auf diese Weise Einblicke in den aktuellen Literaturbetrieb. Wir werden uns mit den ausgewählten Texten beschäftigen und zum anderen Maßstäbe für Literaturkritik und literarische Wertung in den Blick nehmen, indem die Seminarteilnehmer_innen selbst journalistische Texte verfassen (Rezension, Lesungsbericht).

Julia Menzel, M.A.

LiteraTour Nord: Analyse, Kritik, Rezeption literarischer Neuerscheinungen


Die Lektüre literarischer Neuerscheinung stellt die Leser_innen vor besondere Herausforderungen, weil der Prozess der literarischen Urteilsbildung gerade erst begonnen hat. An diesem aufregenden Prozess wollen wir im Seminar teilhaben, indem wir die Bücher, die Autor_innen und die Lesungen der LiteraTour Nord begleiten. Die LiteraTour Nord ist ein Literaturwettbewerb, an dem jedes Jahr sechs Schriftsteller_innen teilnehmen, die aus ihrem jeweils neu erschienenen Buch in sechs Städten in Norddeutschland und dabei jeweils auch in Lüneburg vorlesen (siehe www.literatournord.de). Eine Jury sowie das Publikum wählen anschließend die Autorin oder den Autor aus, die oder der den renommierten Preis erhält. Das Seminar begleitet den Wettbewerb und die Lüneburger Lesungen und ermöglicht auf diese Weise Einblicke in den aktuellen Literaturbetrieb. Wir werden uns mit den ausgewählten Texten beschäftigen und zum anderen Maßstäbe für Literaturkritik und literarische Wertung in den Blick nehmen, indem die Seminarteilnehmer_innen selbst journalistische Texte verfassen (Rezension, Lesungsbericht).

Literatur und Geschichte


Das Seminar wird sich dem komplexen und kontrovers diskutierten Verhältnis zwischen Fiktion und Historiographie widmen, indem die hybride Gattung des historischen Romans in den Blick genommen werden soll: Historische Romane erzählen im Medium der Fiktion von Ereignissen, Orten und Figuren der Geschichte. Dabei sind die narrativ-fiktionalen Geschichtsdarstellungen allerdings keineswegs dazu verpflichtet, einen hohen Wirklichkeitsgehalt aufzuweisen und sich realistischer Erzählverfahren zu bedienen – ganz im Gegenteil können historische Romane auch imaginieren, was sich in der Vergangenheit hätte ereignen können, aber nicht geschehen ist, sie können das Verhältnis zwischen Fiktion und Geschichte selbstreflexiv thematisieren und sich in einem hohen Grade spezifisch literarischer Darstellungsformen bedienen.

Im Seminar sollen am Beispiel ausgewählter historischer Romane – etwa W. G. Sebalds "Austerlitz", Christian Krachts "Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten" oder Auszügen aus Alexander Kluges "Schlachtbeschreibung" – unterschiedliche Formen narrativ-fiktionaler Geschichtsaneignung analysiert und auf ihr Funktionspotential hin befragt werden.

Ziel: Durch die Auseinandersetzung mit der hybriden Gattung des historischen Romans soll das Nachdenken über die herkömmliche Gegenüberstellung von fiktionalem und historischem Diskurs angeregt werden. In der Auseinandersetzung mit den heterogenen Darstellungsweisen und Erzählstrategien ausgewählter Romane erarbeiten sich die Studierenden darüber hinaus Kompetenzen in Bezug auf die Analyse und Interpretation von literarischen Texten sowie Kenntnisse der Gattung des historischen Romans.

Prof. Dr. Emer O'Sullivan

Sherlock Holmes. From Victorian Detective to Pop Cultural Icon


Sherlock Holmes is doubtlessly the most famous and popular detective literature has ever produced. First appearing in the story A Study in Scarlet, in 1887 and subsequently featuring in four novels and 56 short stories by Arthur Conan Doyle, he has since been adapted into every possible medium, as well as being the subject of countless prequels and sequels. In this seminar we will engage with the Victorian Sherlock Homes and the beginnings of the detective genre, looking at the images of modernity and modern science the stories present as well as the role of gender and race in them. We will look at a selection from the vast number of adaptations– including the film about the aged detective, Mr. Holmes (2015) and, of course, the BBC series „Sherlock“ (with Benedict Cumberbatch) which not only refers to the canon but takes different elements from it, transports them into our digital age and gives them a new, postmodern, twist. In the seminar we will engage with theories of adaptation and intertextuality and will ultimately try to identify the reasons for the perennial popularity of this iconic figure.

Ziel: This seminar aims to increase students’ appreciation and knowledge of a genre (detective novel), a specific historical context (the Victorian Era) and strategies and forms of adaptation and serialisation. It further aims to develop students' ability to analyse contemporary cultural products which retrospectively engage with a historical era. Their analytical skills of Victorian detective fiction as well as current film and tv adaptations of it will be further honed by working with a theory of intertextuality which will help identify strategies and practices of adapting literary works. Looking at contemporary film and tv adaptations, students will acquire competencies in analysing multimodal texts and will learn to probe the ways in which – and the reasons why – cultural products today interact with and recontextualise literature from the past.

Literary Topics and Texts


This seminar is tailored to the needs of future teachers at Berufsbildende Schulen by focussing on canonical and other narrative, dramatic and multimodal texts from the school curricula. It provides a firm grounding in theoretical and analytical approaches, addressing literary, cultural and social aspects of the texts in question. We will decide in the seminar from a range of narrative, dramatic and multimodal texts which specific ones we will focus on.

Ziel: This course deals with literary themes and genres from a theoretical perspective. It aims to develop students' understanding of representative literary works (fiction, drama) and mutimodal texts (graphic novels, films), to increasing their knowledge of cultural and social contexts and to deepen their analytic skills through the study of literary theory.

Promotionskolloquium Englische Literaturwissenschaft


A one day colloquium for doctoral and post-doctoral candidates writing their theses in the area of English or Comparative Literature to discuss research design and methodology questions, engage in theoretical debates, and present and critique their projects. The colloquium also offers a forum to discuss conference presentations and articles before submission.

Ziel: To discuss research design

To discuss questions of methodology

To engage in theoretical debates

PhD candidates present their dissertation projects and chapters

PhD candidates critique each other's dissertation projects and chapters

Post-doc canditates present their habilation projects

Conference presentations are discussed

Articles are discussed before submission

Promotionskolloquium PLG


Promovierende des Forschungskollegs für Philosophie, Literatur und Geschichte präsentieren ihre Projekte und erläutern sie in der folgenden Diskussion mit den Teilnehmenden des Kollegs.

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Prof. Dr. Ulrike Steierwald

Die Moderne(n) der deutschsprachigen Literaturgeschichte (Deu 201)


Heute, am Ende der kulturgeschichtlich so überschaubaren "Gutenberggalaxis", in der absehbaren Endlichkeit des Anthropozän und nach der unhintergehbaren Grenzziehung des säkularisierten Bewusstseins, ist die als "Moderne" sich verstehende Geschichte eines der besten systematisch-wissenschaftlichen Beschreibungsinstrumente des europäischen, neuzeitlichen Denkens. In dieser Vorlesung werden dabei die Entstehungs- und Rezeptionsbedingungen deutschsprachiger Literatur in der Kulturgeschichte des 16. bis 19. Jahrhunderts anhand einzelner Geschichten veranschaulicht und dabei insbesondere Fragen nach dem Anspruch des Innovativen, Neuen, Progressiven und Revolutionären reflektiert.

1. Kulturen der Unordnung (Deutsch, Englisch, Kunst, Musik, Religion, BiWi, GHR)


"Ohne Ordnung ist Abweichung nicht zu denken. Und ohne Abweichung ist nichts Neues zu denken. Jede Innovation braucht Ordnung und Abweichung gleichermaßen." (Michael Lentz)

Nicht erst seit Michel Foucaults Kulturgeschichte der „Ordnung der Dinge“ wissen wir, dass jede Kultur über die Wirksamkeit der sie formierenden Machtgesetze analysiert werden kann. Die sehr offensichtlich Form, Struktur, Orientierung, Sozialisation und Kontrollierbarkeit stiftenden Kulturen der „Bildung“ sind ohne die wirkungsmächtigen Imaginationen der „Un-Ordnung“ nicht denkbar. In diesem Modul stehen Repräsentationen und Projektionen von Störung, Destabilisierung und Dysfunktionalität im Mittelpunkt.

Das Projektband macht bewusst ein breites wie methodisch präzis definiertes Feld von Forschungsfragen auf, um den Studierenden die Möglichkeit zu geben, selbständig einen themen- und forschungsspezifischen Ansatz zu entwickeln. Ein Transfer der wissenschaftlich fundierten Fragestellungen auf Beobachtungs- und Handlungsfelder der Schulpraxis ist möglich aber nicht notwendig. Eine Vermischung der im Modul entwickelten Forschungsfragen mit Projektarbeiten während der Praxisphase des Masterstudiengangs ist nicht vorgesehen.

Prüfungsleistung 1: 15.03.2021 - Schriftliche wiss. Arbeit: Forschungsbericht (40 %)

Prüfungsleistung 2: 11.06.2021 - Wiss. Vortrag (40 %)

Prüfungsleistung 3: 15.02.2022 - Präsentation (20 %)

Theatralität (Deu 350)


In der Übung zum Seminar "Theatralität" transformieren Sie selbständig einzelne Szenen des Trauerspiels „Emilia Galotti“ (Lessing) in ein theatrales Aufführungskonzept. Der gemeinsame Besuch einer Inszenierung des Dramas im Theater Lüneburg rundet das Modul ab.

Theatralität (Deu 350)


"Theatralität" ist eine kulturwissenschaftliche Beschreibungskategorie für künstlerische, aber auch soziale Praktiken der Zurschaustellung und Darbietung. In den Gesellschaften der Moderne zeugt sie von bewussten und unbewussten Relikten ritualisierten Handelns, der Schau-Plätze und Rollendarstellungen in einer vermeintlich „entzauberten“ Welt. Eine Dramaturgie inszenierter Ereignishaftigkeit wird hier erkennbar, auch wenn sie in ganz undramatischen Kontexten angesiedelt zu sein scheint. Nicht zuletzt angesichts der momentanen Beschränkungen interaktiver Kommunikation und räumlich präsenter Interaktion in der universitären Lehre ist das Thema von hoher Relevanz. Wir versuchen, uns in medial hybrider Form dennoch der Medialität spezifisch theatraler Konstellationen anzunähern und nicht zuletzt auch literarische Lektüren als Schauplatz von Figuren und Ereignissen erlebbar zu machen. Den vielfältigen Formen theatraler "Darstellung" ist nicht nur auf der Bühne, sondern auch in vielfältigen künstlerischen wie lebensweltlichen Phänomenen nachzugehen.

Nach einer Einführung in die Grundlagen dieser kultur- wie medienwissenschaftlichen Herangehensweise werden ausgewählte Beispiele aus dem 18. bis 21. Jahrhunderts als intermediale, theatrale Inszenierungen betrachtet. Das Spektrum reicht von lyrischen, epischen und dramatischen Texten bis zu Textualität und Bildlichkeit von Performance, Tanz und Film.

Themen:

Literatur und Performativität - Robert Wilsons Körpertheater

Körper – Raum – Bewegung - Gotthold Ephraim Lessings Laokoon

Zur Geschichte der Bühnenreformen - Oskar Schlemmers Bühnenreformen des Bauhauses

Gesellschaft als Inszenierung - Peter Weir: Die Truman-Show

Postdramatisches Theater - Peter Handkes Publikumsbeschimpfung

Tanztheater - Pina Bausch

Ästhetik des Sports - Bertolt Brechts Boxkämpfe

In der Übung zum Seminar transformieren Sie selbst einzelne Szenen des Trauerspiels „Emilia Galotti“ (Lessing) in ein theatrales Aufführungskonzept. Der gemeinsame Besuch einer Inszenierung im Theater Lüneburg rundet das Modul ab.

Krankheit als Metapher - Krankheit als Text


Heute, am Ende der kulturgeschichtlich so überschaubaren "Gutenberggalaxis", in der absehbaren Endlichkeit des Anthropozän und nach der unhintergehbaren Grenzziehung wie Begrenzung des säkularisierten Bewusstseins, wird die Dichotomie "gesund vs krank" als eine der historisch wie gegenwärtig wirkmächtigsten Unterscheidungskategorien des europäisch-neuzeitlichen Denkens erkennbar, in dessen Horizont sich auch noch die universitäre Wissenschaftspraxis - ob sie will oder nicht - in absehbarer Zeit bewegen wird. Dennoch probieren wir hier im Seminar exemplarisch aus, ob die in dieser begriffsgeschichtlich gefassten Dichotomie konkurrierend oder widersprüchlich sich zeigenden Theoreme auch zu historisieren sind. Diskursanalytisch lassen sich an Metaphern und Texten der "Krankheit" spezifische Episteme der europäischen Moderne erkennen, deren normative, kulturelle wie sozialanthropologische Wirkungsweisen sowohl das klassische Denken in Repräsentationen als auch die Ordnungen der Wesensmerkmale des Humanen bestimmen.

Ziel: Diskursanalytisches Verstehen eines der kulturgeschichtlich wirkmächtigsten Begriffsfelder im Wissen von ausgewählten Bild-, Film- und Textbeispielen.

Prof. Dr. Christina Wessely

Kulturgeschichte: 100 Jahre Krise der Wirklichkeit


Ausgangspunkt der Vorlesung ist eine Reihe von Schriften, die den 1920er Jahren erschienen und sich aus unterschiedlicher Perspektive der damals konstatierten ‚Krise der Wirklichkeit’ widmeten. Diese Krise – die im Laufe der Vorlesung auch immer wieder zu aktuellen Krisenerfahrungen in Bezug gesetzt wird – war in den 1920er Jahren nicht plötzlich ‚ausgebrochen’, sondern fand vielmehr erst nach einer längeren Latenzzeit in jenem Jahrzehnt Niederschlag in einer Reihe von wissenssoziologischen, historiographischen und philosophischen Texten. Die dort konturierte epistemologische Krise wird in der Vorlesung historisch kontextualisiert und mit anderen Krisenerfahrungen der Zeit in Bezug gesetzt (von der Sprachkrise bis hin zur Krise des Historismus, der Wirtschaftskrise etc.). Damit bietet die Lehrveranstaltung auch einen allgemeineren geschichtlichen Überblick, wobei die Frage nach Möglichkeiten und Grenzen von Erkenntnis als Bezugspunkt und Anker fungieren wird.

Kulturwissenschaft als historische Gegenwartsdiagnose


Die Vorlesung stellt die Historischen Kulturwissenschaften als Unternehmung vor, die in besonderem Maße durch die Reflexion ihrer jeweiligen historischen Gegenwart charakterisiert sind. Ihre Themen, Fragestellungen und spezifischen Zugriffsweisen gehen nicht selten auf sehr unterschiedlich gelagerte zeitgenössische Krisenerfahrungen zurück, die scheinbar feststehende Sicherheiten prekär werden ließen.

Die Vorlesung versammelt – nicht zuletzt vor dem Hintergrund wieder höchst aktueller Krisenerfahrungen – eine Reihe jener historischer Gegenwartsdiagnosen, um so

(1) kulturwissenschaftliche Themen und Verfahren in ihrer Vielfalt zu diskutieren sowie in ihrem sozioökonomischen, politischen und kulturellen Kontext zu verstehen

(2) den Zusammenhang kulturwissenschaftlicher Problematisierungsweisen und Krisenerfahrungen zu thematisierten und dabei

(3) Kontinuitäten ebenso wie Brüche zu gegenwärtigen Frage- und Problemstellungen der Kulturwissenschaften zu eruieren.

Forschungskolloquium


Von Tieren und Menschen. Menagerie, Zoo, ‚Völkerschau’


Das Seminar widmet sich der Kulturgeschichte von Tiergärten. Beginnend im 18. Jahrhundert, als Menagerien fester Bestandteil höfischer Repräsentation und feudaler Prachtentfaltung waren, über die im 19. Jahrhundert in ganz Europa entstandenen Zoologischen Gärten, die meist auf Initiativen des städtischen Bürgertums zurückgingen und in denen um 1900 häufig auch Menschen in sogenannten ‚Völkerschauen’ ausgestellt wurden, bis hin zu den Tierparks des (frühen) 20. Jahrhunderts wird die Geschichte dieser Institutionen in ihrem kulturellen, politischen und wissenschaftshistorischen Kontext behandelt.

Florian Huber

Geschichte schreiben nach der Shoah


Das Seminar widmet sich neueren Ansätzen der Geschichtstheorie und ihrer Bedeutung für die zeitgenössischen Kulturwissenschaften. Im gemeinsamen close reading zentraler theoretischer Grundlagentexte sollen unterschiedliche historiographische Ansprüche und Methoden vorgestellt und kritisch erörtert werden: Wie wird in der Gegenwart über Geschichte nachgedacht? Wie prägt die gegenwärtige soziopolitische Situation die Arbeit an der Geschichte? In welchem Verhältnis stehen historische Beschreibung und philosophische Deutung? Wer schreibt für wen wessen Geschichte(n)? Welche Erkenntnisse lassen sich aus der Bearbeitung dieser Fragen für zeitgenössische Kulturwissenschaften gewinnen?

Neben den unterschiedlichen Themen und Problemstellungen zeitgenössischer Geschichtswissenschaften rücken dabei auch die Möglichkeiten und Grenzen der historiographischen Darstellung in den Fokus.

Weitere thematische Schwerpunkte sind dem Verhältnis von Geschichte und Trauma sowie der Bedeutung von Gendertheorien, Post Colonial Studies und Identitätspolitik für der Gegenwart verpflichtete Historiographien gewidmet.

Ziel: Die Studierenden werden befähigt, sich auch in komplexe theoretische Sachverhalte einzuarbeiten, ihre Bedeutung für die Disziplin und ihre eigene Arbeit kritisch zu reflektieren und diese fachlich angemessen darzustellen.

Moderne Klassiker der Geschichtsschreibung 5: Peter Weiss


„Wie wäre dies, was wir durchlebten, so darzulegen, fragte ich mich, daß wir uns drin erkennen könnten.“ Die Frage nach dem Zusammenhang von Leben und Werk und dem Verhältnis von Privatheit und Öffentlichkeit in Zeiten politischer Unsicherheit durchzieht das Gesamtwerk des 1916 geborenen und 1982 verstorbenen Schriftstellers Peter Weiss.

Mit dem Bühnenstück „Die Ermittlung“, das den ersten Frankfurter Auschwitzprozess von 1963 bis 1965 behandelte, trug er in den 1960er-Jahren entscheidend zur bis heute anhaltenden Aufarbeitung der nationalsozialistischen Gewaltverbrechen bei, deren Genese und Nachwirkungen er etwa auch in seinem zwischen 1971 und 1981 entstandenen Romanprojekt „Ästhetik des Widerstands“ nachzuzeichnen suchte. Seine kritische Auseinandersetzung mit dem Zeitgeschehen belegen aber auch Theaterstücke wie „Die Verfolgung und Ermordung Jean Paul Marats“ (1964) oder „Viet Nam Diskurs“ (1966-68) sowie die autobiografisch grundierte Prosa „Abschied von den Eltern“ (1961) und „Fluchtpunkt“ (1962). Neben seiner publizistischen Tätigkeit trat Weiss auch als Filmemacher sowie bildender Künstler in Erscheinung.

Im close reading von Texten und Bildern diskutiert das Seminar die Bedeutung seines Werks im Kontext einer Kulturgeschichte der Bundesrepublik. Zugleich geraten dabei Fragen nach dem gesellschaftspolitischen Stellenwert seiner Arbeiten in der heutigen Zeit und ihrer Relevanz für kritische Kulturwissenschaften in den Blick.

Ziel: Anhand der Lektüre und Diskussion zentraler Probleme einer Kultur- und Theoriegeschichte der Moderne werden die Studierenden an die Formulierung eigener Fragestellungen und ihre präzise mündliche und schriftliche Ausarbeitung herangeführt.

Literatur und Wissen


Die Frage nach dem Verhältnis von Literatur und Wissen informiert nicht nur zahlreiche zeitgenössische Poetiken und den Austausch zwischen Autor_innen und ihren Leser_innen, sondern steht auch im Zentrum historischer und aktueller Debatten im Zeichen einer kulturwissenschaftlich orientierten Literaturwissenschaft.

Ihnen gemeinsam ist die Vorstellung, dass die Entstehung und Rezeption von Literatur nicht nur einem bestimmten Wissen verpflichtet ist, sondern dieses im Prozess des Schreibens und Lesens und mithilfe unterschiedlicher stilistischer und formaler Mittel zugleich hervorgebracht wird. So besehen erschöpft sich die Rolle der Literatur nicht in einem Wissensspeicher. Vielmehr erweist sich diese als Erkenntnismittel von eigenem Recht, dessen Möglichkeiten und Grenzen wir im Seminar gemeinsam erkunden wollen. Als Ausgangspunkt hierfür dienen uns u. a. deutschsprachige und internationale Beispiele aus der Gegenwartslyrik.

Das Seminar behandelt u. a. Texte von: Ilse Aichinger, Ingeborg Bachmann, Marcel Beyer, Nora Bossong, Rolf Dieter Brinkmann, Ann Cotten, Franz Josef Czernin, Thomas Kling, Nadja Küchenmeister, Friederike Mayröcker, Steffen Popp, Reinhard Priessnitz, Monika Rinck, Silke Scheuermann, Ulf Stolterfoht, Anja Utler, Uljana Wolf.

Ziel: Das Seminar vermittelt grundlegende Forschungsmethoden einer kulturwissenschaftlich orientierten Literaturwissenschaft und ermöglicht das Kennenlernen wichtiger Stimmen der Gegenwartslyrik. Die Studierenden werden zugleich befähigt, sich auch in komplexe theoretische Sachverhalte einzuarbeiten, ihre Bedeutung für die Disziplin und ihre eigene Arbeit kritisch zu reflektieren und fachlich angemessen darzustellen.

Weitere Angaben zu den Lehrveranstaltungen finden Studierende im Studienportal myStudy.