Programmdetails

Die letzten Jahre waren ereignisreich für die Zusammenarbeit zwischen Afrika und Europa. Die Herausforderungen Afrikas, wie beispielsweise niedrige Lebensstandards und eine hohe Arbeitslosigkeit in einigen Teilen des Kontinents, haben auch Implikationen für Europa. Afrikanische und europäische Experten aus den verschiedensten Disziplinen und auf unterschiedlichen Plattformen beschäftigten sich zunehmend mit Lösungsstrategien für die Entwicklung des afrikanischen Kontinents. Neben der Zusammenarbeit in einigen Großprojekten (u.a. dem Engineering Capacity Building Program oder der Unterstützung der Pan-African University), bildeten die G-20-Afrika-Partnerschaft und das ausgerufene Afrika-Jahr 2017 einen weiteren Schritt in der afrikanisch-europäischen Zusammenarbeit. Es herrscht großes Interesse und die Notwendigkeit, effektive Lösungsstrategien zu entwickeln und eine neue Qualität der Zusammenarbeit zwischen Europa und Afrika zu erreichen.

Vor diesem Hintergrund planen die Leuphana Universität Lüneburg und das GIGA German Institute of Global and Area Studies die Konferenzreihe „Africa and Europe Moving Forward - Evidence-based Solutions for African Development“. Ziel ist die Etablierung einer Plattform, die den Herausforderungen Afrikas und der europäischen Entwicklungszusammenarbeit mit vornehmlich evidenz-basierten Ansätzen entgegentritt. Evidenz-basierte Ansätze, d.h. wissenschaftlich zusammengetragene und auf empirische Belege gestützte Maßnahmen, bieten eine verlässliche Grundlage für wirksame Entwicklungsstrategien, Politiken, Programme und Projekte. Ferner können evidenz-basierte Ansätze mit existierenden Ansätzen (z.B. ergebnis-basierte Ansätze [results-based approaches]) kombiniert werden und somit zu einer effektiveren Entwicklungszusammenarbeit beitragen.

Evidenz-basierte Ansätze können einen wichtigen Beitrag zu einer neuen Qualität afrikanisch-europäischer Zusammenarbeit leisten. Handlungsbedarf besteht auf zwei Ebenen. (1) Obwohl evidenz-basierte Ansätze, insbesondere sogenannte „Rigorous Impact Evaluations“, und der Fokus auf messbaren Ergebnissen in der Entwicklungszusammenarbeit eine zunehmend prominente Rolle spielen, besteht weiterhin ein unzureichender Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis (sog. Knowing-Doing Gap). (2) Während Projekte und spezifische Programme zunehmend wissenschaftlich begleitet werden, spielen evidenz-basierte Ansätze in wichtigen politischen und gesellschaftlichen Bereichen, eine untergeordnete Rolle.

Diese beiden Lücken soll die Konferenzreihe schließen, indem sie in regelmäßigen Abständen verschiedene Themen der Entwicklung Afrikas und der Rolle der Entwicklungszusammenarbeit (z.B. Economy, People, Governance und Partnerships) aufgreift und dabei jeweils folgende Fragestellungen gemäß der evidenz-basierten Logik behandelt:

 

Fragestellung 1:

Welche evidenzbasierten Ansätze werden hierzu verfolgt und zu welchen Schlüssen kommen sie in dem jeweiligen Themenbereich? Wie können pilotierte und evaluierte Maßnahmen mittels Transfer langfristig etabliert und ausgeweitet werden?

Fragestellung 2:

Wo bestehen Knowing-Doing Gaps und wie können sie geschlossen werden? Welche relevanten Themen und Interventionen werden beispielsweise (noch) nicht evidenzbasiert behandelt? Was sind strategisch relevante Fragestellungen die für Entwicklung Afrikas? Welche neuen Ansätze sind notwendig und vorstellbar? Und welche potenziell nützlichen wissenschaftlichen Erkenntnisse gibt es, die in der Praxis noch keine Anwendung finden?

Fragestellung 3:

Wie können wissenschaftliche Ansätze und Methoden verbessert werden? Wie kann insbesondere eine engere Verzahnung ökonomischer, institutioneller und psychologischer Ansätze erfolgen, um stärker das Zusammenspiel von Kontext und Individuum zu berücksichtigen?

Die Konferenz ist als der Beginn einer Reihe von Konferenzen zu verschiedenen Themenbereichen der Entwicklung des afrikanischen Kontinents und der afrikanisch-europäischen Zusammenarbeit geplant. Die Konferenz soll dabei eine Plattform für afrikanische und europäische Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Praxis zu den thematischen Bereichen sein. Aus den Themen der verschiedenen Agenden und Handlungsplänen (Agenda 2030, Agenda2063, Compact mit Afrika, Marshallplan mit Afrika, Eckpunktepapier Wirtschaftliche Entwicklung Afrikas) haben sich vier übergeordnete Bereiche herauskristallisiert, in die sich die verschiedenen Schwerpunkte in afrikanischen Entwicklungsfragen thematisch gliedern lassen. Diese sind: „Economy“ (Themen rund um die Förderung der afrikanischen Wirtschaft, inklusive Job Creation, Innovationen und Investitionen), „People’s needs“ (Bedürfnisse der Bevölkerungen im Bereich Bildung, Gesundheit, Geschlechtergleichheit, und Frieden), „Governance“ (Fragen von Regierungsführung, Demokratie, und Mitbestimmung, innovative Formen von „inclusive governance“) sowie „Partnerships“ (verschiedene Formen von Partnerschaften, etwa international, z.B. Entwicklungszusammenarbeit, multilaterale Abkommen, internationale Organisationen etc.; aber auch zwischen privatem und öffentlichem Sektor, wie etwa zwischen Universitäten und Wirtschaftspartnern). Bei der ersten Konferenz 2019 wollen wir das Thema „Economy“ behandeln und einen spezifischen Fokus auf die Thematik Beschäftigung und Arbeitsmarkt legen. In zweijährigen Abständen sollen dann weitere Konferenzen mit jeweils anderen thematischen Schwerpunkten durchgeführt werden. Während der Konferenz nähern wir uns den jeweiligen Themen aus einer evidenz-basierten Perspektive immer mit den drei übergeordneten Fragestellungen. Die Struktur der Konferenzreihe sieht also vor, dass jeweils ein thematischer Schwerpunkt gesetzt wird, der auf Basis der evidenz-basierten Methodik bearbeitet wird. 

 

 

Fragestellung 1 zielt insbesondere auf die Erörterung und den Austausch des aktuellen Erkenntnisstands evidenz-basierter Lösungen (z.B. Randomized Controlled Trials) ab. Ebenso sollen mögliche Wege, nachweislich wirksame Maßnahmen auf weitere Zielgruppen oder Kontexte zu übertragen, diskutiert und entwickelt werden. Dabei wird die Möglichkeit der Generalisierung der Maßnahmen diskutiert. Gleichzeitig werden kontextspezifische Einflussfaktoren, die den Transfer möglicherweise behindern könnten, reflektiert und Lösungsansätze für die Einbeziehung des Kontextes generiert. Ziel ist es wirksame Maßnahmen nachhaltig in weitere Anwendungsbereiche zu transferieren und gleichzeitig sowohl den spezifischen Kontext, als auch die Evidenz, auf der die Maßnahmen basieren, einzubeziehen. Dabei gilt es zu beachten, welche strukturellen und institutionellen Faktoren den Transfer von Wissen zwischen Wissenschaft und Praxis sowie innerhalb der Praxis erschweren oder sogar unmöglich machen können.

Fragestellung 2 zielt auf die bessere Vernetzung zwischen wissenschaftlichen Erkenntnissen und der praktischen Vorgehensweise ab. Dabei sollen relevante Fragestellungen zur Entwicklung Afrikas und der afrikanisch-europäischen Zusammenarbeit, die evidenzbasierter Lösungen bedürfen, erörtert werden. Die Erörterung von relevanten Fragestellungen soll hierbei insbesondere unter dem Gesichtspunkt der strategischen Ausrichtung von Evaluationsstudien erfolgen. Die strategische Ausrichtung meint dabei, inwiefern die Evaluationsstudien einen spezifischen Erkenntnisgewinn liefern können, der das theoretische Verständnis über die Effektivität von Maßnahmen stärkt. Ferner sollen noch nicht genutzte wissenschaftliche Erkenntnisse aus effektiven Methoden wie beispielweise aus Randomized Controlled Trials, Metaanalysen und qualitativen Fallstudien diskutiert und anwendbar gemacht werden.

Ein weiterer wichtiger Punkt hinsichtlich der Verzahnung von Wissenschaft und Praxis ist die Frage der Messbarkeit und Modellierung der Effekte von Maßnahmen in die Gesellschaft, Wirtschaft und Politik hinein. Beispielsweise soll thematisiert werden, wie geeignete Erfolgsindikatoren gefunden und Effekte somit beobachtbar und messbar gemacht werden können. Dies hilft die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen von bereits getätigten Investitionen zu quantifizieren, und liefert damit eine verbesserte Entscheidungsgrundlage für zukünftige Investitionen.

Fragestellung 3 bezieht sich auf den interdisziplinären Austausch bezüglich verschiedener Ansätze zur Entwicklung Afrikas und zur afrikanisch-europäischen Zusammenarbeit. Ökonomische, institutionelle (inkl. politische) und psychologische Ansätze wirken im Zusammenspiel und bieten einander einen Kontext, der die Wirkung von Maßnahmen beeinflusst. Die Konferenz soll einen Rahmen bieten, um sich über die jeweiligen disziplinären Ansätze hinweg auszutauschen und somit ansatzübergreifend über Maßnahmen nachzudenken. Der Austausch zielt ferner auf Fragestellung 1 ab, um die Effektivität von Maßnahmen zukünftig stärker kontextabhängig bestimmen zu können.

 

Leuphana Universität

Die Konferenz wird von Leuphana-Seite thematisch durch Herrn Prof. Dr. Michael Frese, Herrn Prof. Dr. Michael Gielnik und Frau Prof. Dr. Mona Mensmann geführt. Seit über 10 Jahren forschen sie zum Thema Förderung von Unternehmertum mittels Trainingsprogrammen in Entwicklungs- und Schwellenländern. Zwei Trainingsprogramme für verschiedene Zielgruppen sind aus der Forschung entstanden: Das Student Training for Entrepreneurial Promotion (STEP) für Studierende und Schüler sowie das Personal Initiative (PI) Training für bestehende UnternehmerInnen. Insgesamt haben über 3.000 Jugendliche und junge Erwachsene sowie 3.000 KleinunternehmerInnen in verschiedenen Ländern an den Trainings teilgenommen. Die Trainingsprogramme wurden und werden in Zusammenarbeit mit mehreren Partnerorganisationen, darunter die Deutsche UNESCO Kommission, der Deutsche Akademischer Austauschdienst (DAAD), die Konrad-Adenauer-Stiftung in Kenia, die BASF Stiftung, die World Bank und die Inter-American Development Bank, in einer Vielzahl von Entwicklungs- und Schwellenländern implementiert.

Das Team hat bereits mehrfach in renommierten Zeitschriften, u.a. der Science, Journal of Applied Psychology, Academy of Management Journal, Academy of Management Learning & Education, etc. publiziert. Prof. Frese wurde beispielsweise für seine Erfolge in der afrikanischen Management-Forschung vielfach gewürdigt. Im Februar 2016 erhielt er den Trailblazer Award von der Emerald Africa Academy of Management. Im August 2016 erhielt er den "Dedication to Entrepreneurship Award", die höchste Auszeichnung, die die Entrepreneurship Division der Academy of Management zu vergeben hat. Prof. Frese gehört laut Handelsblatt zu den Spitzenforschern Europas.

Das GIGA Institut

Am GIGA Institut (German Institute of Global and Area Studies) sind Frau Tabea Lakemann and Apl. Prof. Dr. Jann Lay für Organisation der Konferenz verantwortlich. Das GIGA forscht zu politischen, wirtschaftlichen und sozialen Entwicklungen in Afrika, Asien, Lateinamerika, dem Mittleren Osten und auf globaler Ebene. Das GIGA berät nicht nur politische und wirtschaftliche Entscheidungsträger, sondern informiert auch die breite Öffentlichkeit, beispielsweise über den weitverbreiteten GIGA Focus Newsletter. Das Institut hält besonders enge Kontakte zum Deutschen Auswärtigen Amt und dem Bundesministerium für Entwicklung und Zusammenarbeit (BMZ) und berät eine Vielzahl von Organisationen aus dem Bereich der Entwicklungszusammenarbeit. 

Das GIGA Institute of African Affairs (IAA, www.giga-hamburg.de/iaa) konzentriert sich auf die Gebiete südlich der Sahara. Kern der thematischen Forschung sind institutionelle Strukturen wie Parteien, Wahlsysteme und Verfassungsgerichte, Konflikte um Ressourcen und religiöse Dominanz, ausländische Investitionen und ihre Folgen und afrikanische Führungsmächte. Durch die Zusammenarbeit mit Partnern vor Ort erlangen die WissenschaftlerInnen umfassende Kenntnisse von den Entwicklungen in der Region. So entstehen fundierte Analysen, die öffentlichen wie privaten EntscheidungsträgerInnen als wichtige Informationsquellen dienen.

Das IAA ist deutschlandweit das einzige Institut, das sich kontinuierlich mit den Entwicklungen im gesamten subsaharischen Afrika befasst. Es wirkt als Knotenpunkt für die Afrika-interessierte Öffentlichkeit in der Bundesrepublik wie auch für europäische Forschungseinrichtungen. Forscher des IAA unterstützen die Evaluationen zu politischen Einflüssen, wie beispielsweise die Evaluation von Investments in Ghana durch den Africa Agriculture and Trade Investment Fund (AATIF) oder die Evaluation von lokalen Regierungsmechanismen in Burkina Faso. Das IAA ist außerdem in die afrika-spezifischen Themen der Think20 (T20) involviert. 

Jann Lay ist Head of Research Program "Growth and Development" des GIGA. Als Professor unterrichtet er Entwicklungsökonomie an der Universität Göttingen. Seine Arbeit behandelt die Facetten von nachhaltiger Entwicklung, Armut und dem Einfluss ökonomischer Reformen, Arbeitsmärkte und informelle Sektoren, Einflüsse auf kommerzielle landwirtschaftliche Expansion und Themen mit Bezug zum Energiesektor, Klima und Entwicklung. 2017 war Herr Lay Co-Chair der Task Force "Agenda 2030" als Teil des T20 Prozesses (http://t20germany.org/) und hat den G20 Kompakt mit Afrika mit verschiedenen Berichten kommentiert. Er ist Mitglied des Europäischen Expertennetzwerks für Internationale Kooperation und Entwicklung der Europäischen Kommission und Mitglied der Land Matrix Initiative. Seine akademischen Arbeiten sind in verschiedenen hochrangigen Fachzeitschriften international publiziert worden.


- Campos, F., Frese, M., Goldstein, M., Iacovonne, L., Johnson, H. C., McKenzie, D., & Mensmann, M. (2017). Teaching personal initiative beats traditional training in boosting small business in West Africa. Science, 357(6357), 1287–1290.
- Frese, M., Krauss, S., Keith, N., Escher, S., Grabarkiewicz, R., Luneng, S. T., et al. (2007). Business owners' action planning and Its relationship to business success in three african countries. Journal of Applied Psychology, 92, 1481-1498.
- Gielnik, M. M., Frese, M., Kahara-Kawuki, A., Katono, I. W., Kyejjusa, S., Munene, J., et al. (2015). Action and action-regulation in entrepreneurship: Evaluating a student training for promoting entrepreneurship. Academy of Management Learning & Education, 14, 69–94.
- Glaub, M., Frese, M., Fischer, S., & Hoppe, M. (2014). Increasing personal initiative in small business managers/owners leads to entrepreneurial success: A theory-based controlled randomized field intervention for evidence based management. Academy of Management Learning & Education, 13, 354-379.

Zeitplan & Fristen

Start der Anmeldephase über XING                           August 2018

Start der Zahlabwicklung über XING
(alle gängigen Zahlmethoden sind möglich)

August 2018

Frist für die Einreichung von Abstracts15.11.2018
Frist für die vergünstigte Teilnahme30.11.2018
Frist für alle Anmeldungen10.01.2019
Frist für ermäßigte Unterkünfte15.11.2018