Umsetzungskonzept

Aktuelle Entwicklungen & Ergebnisse

Zur Erarbeitung des Umsetzungskonzepts erfolgte zunächst eine Sichtung der Labels sowie deren Kriterien und Herausforderungen. Die unterschiedlichen Siegel decken eine Bandbreite von Kriterien ab. Es musste eine geeignete Bewertungsgrundlage aus den verfügbaren Daten für das Projekt erarbeitet werden. Hierbei wurden im Projekt mehrere Grundsätze erarbeitet. Zunächst muss das System hinter der Bewertung transparent und belastbar sein. Ferner muss die Auswahl der Siegel eindeutig und nachvollziehbar sein. Um eine praktische Anwendung und eine realistische Branchenlösung zu ermöglichen, müssen alle Daten verfügbar sein. Wichtig ist hierbei auch die Datenkonsistenz, die essentiell für die Buchungssysteme ist (e.g. klare Definitionen, keine Doppeleinträge). Innerhalb der Arbeitsgruppen und Workshops kristallisierten sich insbesondere die Kriterien und die Anerkennung des Global Sustainable Tourism Council (GSTC) als allgemein anerkannte Bewertungsgrundlage für eine Kennzeichnung heraus.

Während des Prozesses zeigten sich insbesondere zwei Aspekte als Diskussionspunkte, die innerhalb des Projektes weiter elaboriert und ausgetestet werden müssen:

Evaluation einer Gesamtreise: Reisepakete bestehen aus vielen Einzelfacetten. Es zeigt sich als schwierig, die Nachhaltigkeit einer Gesamtreise zu messen und darzustellen. Dies liegt sowohl an der Komplexität und Länge der Wertschöpfungsketten, an der Verfügbarkeit von Informationen sowie an der Gewichtung von Indikatoren. Beispielhaft kann hier die Rolle eines Flugs innerhalb eines Reisepakets aufgeführt werden. Die CO2-Emissionen eines Flugs würden Umweltmaßnahmen eines Hotels in der Bilanz zunichtemachen, obwohl eine Verbesserung aller Leistungsträger wünschenswert wäre. Zugleich ist es schwer, Bestrebungen in der sozialen Nachhaltigkeit messbar einzubringen und eine entsprechende Gewichtung vorzunehmen. Im Reisebüro werden im Verkaufsgespräch einzelne Reisekomponenten zusammen geschnürt. Hier könnte die Nachhaltigkeit einzelner Komponenten kommuniziert werden, um Einfluss auf die Konsumentscheidung des Reisenden zu nehmen. Entsprechend ist es das Ziel, Werte für die einzelnen Bestandteile der Reise auszuweisen.

Darstellung von Nachhaltigkeit: Hier steht zur Diskussion, ob nachhaltige Angebote nach einem „schwarz-weiß“-Prinzip oder in Stufen dargestellt werden sollen, d.h. ob jeweils lediglich angegeben wird, ob das Angebot nachhaltig ist oder nicht oder ob eine Abstufung erfolgt. Eine differenzierte Stufenangabe könnte z.B. für Leistungsanbieter Anreiz geben, weitere Maßnahmen zur Förderung der Nachhaltigkeit zu implementieren. Zugleich ist eine differenzierte Darstellung schwerer dem Kunden und Expedienten zu kommunizieren, da die Thematik bereits stark komplex ist. Somit bleibt es auch fraglich, ob ein Kunde eine Differenzierung wahrnimmt. Eine vereinfachte Darstellung fördert somit eventuell die Vermittlung am Counter. Nähere Untersuchungen auf Kundenebene sollen dies klären.

Generell reicht eine Einzelaussage über die Nachhaltigkeit einer Reise nicht aus. Hierbei gilt es weitere Informationen für den Expedienten bzw. Kunden bereitzustellen. Dies könnte in Form von Kern-/Marketingaussagen erfolgen. Um die Relevanz einzelner Kriterien für den Konsumenten und eine geeignete Kundensprache zu erreichen, wird eine Marktstudie vorbereitet, die in den nächsten Monaten erfolgt. Die Ergebnisse werden in einem Workshop im Herbst vorgestellt und weiterentwickelt.