Interkulturelle StadtLandschaften

Analyse und Gestaltung raumbezogener sozial-ökologischer Transformationen für eine nachhaltige Regionalentwicklung

Seit den 1990er Jahren nimmt die raumwissenschaftliche Diskussion über Entgrenzungsphänomene im Raum stetig zu („Siedlungsbrei“, „Zwischenstadt“). Die Vorstellung voneinander abgrenzbarer urbaner und ländlicher Natur- und Kulturräume erweist sich mehr und mehr als wenig realistisch. Der Begriff StadtLandschaften markiert diesen Typus sozial-ökologischer Transformation und steht für Hybridisierungsprozesse zwischen urban und ländlich geprägten Gebieten wie zwischen Natur- und Kulturraum. Durch wachsende Migrationsprozesse von Menschen aus anderen Kulturräumen sind auch die gesellschaftlichen Akteure, die solcherart räumliche Transformationen (mit)erzeugen und zugleich auf vielfältige Weise davon betroffen sind, in kulturelle Entgrenzungsprozesse eingebunden.

Dieser Zusammenhang ist bislang kaum erforscht. So sind Kenntnisse über die strukturellen und pro-zeduralen Merkmale der Beziehungsmuster in Räumen im Übergang – hier als interkulturelle Stadt-Landschaften bezeichnet –, wie bspw. die dabei wirksam werdenden Aneignungsformen der physisch-materiellen und symbolisch-diskursiven Elemente und der damit verbundenen Inwertsetzungs- und Abwertungsprozessen, nur rudimentär vorhanden. Zudem existiert nur wenig Wissen über die Funktions- und Regulationsverhältnisse, die diese Beziehungsmuster bedingen, steuern und die gestaltend auf die sozial-ökologische Transformation ein- und rückwirken (Systemwissen). Insbesondere aber fehlen adäquate Bewertungskriterien, mit Hilfe derer räumlich kulturelle Transformationsprozesse in Beziehung zu vorhandenen Bewertungsansätzen nachhaltiger Regionalentwicklung gesetzt und diese dadurch erweitert werden könnten (Gestaltungswissen). Ebenso sind die interkulturellen Aspekte der Natur-/ Landschaftswahrnehmung und -aneignung, die dabei eine Rolle spielen, bislang kaum erforscht bzw. nicht in die öffentlichen und wissenschaftlichen Diskurse über eine am Leitbild der nachhaltigen Entwicklung orientierte Gestaltung gesellschaftlicher Naturverhältnisse im Raum eingebunden.

Ziel ist es, einen langfristig angelegten Forschungsschwerpunkts sozial-ökologische Transformationen in interkulturellen StadtLandschaften aufzubauen, um diese Phänomene nachhaltigkeits- und planungswissenschaftlich in ihren Zusammenhängen zu untersuchen. Eine übergeordnete Ausgangsthese lässt sich wie folgt formulieren: Die Natur-Kultur-Beziehungsmuster in räumlichen Übergangsarealen zwischen Stadt und Land, die von Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen und Erfahrungen genutzt werden, sind in ihren physisch materiellen Dimensionen ebenso wie in den symbolisch kulturellen Prägungen unzureichend erfasst. Für eine nachhaltige Raum- und Regionalentwicklung bedarf es sowohl System- als auch Gestaltungswissen zu interkulturellen Zusammenhängen und Gestaltungspotenzialen. Dieses zu generieren, ist Ziel des Forschungsschwerpunkts.

Vorgehen: In einem ersten Schritt werden drei im Rahmen des Kleinforschungsprojektes vorzubereitende Zugänge zur Entwicklung des Schwerpunkts verfolgt:

  1. Beantragung von Forschungsprojekten (z.B. über entsprechende BMBF-Programme, Stiftungen)
  2. Durchführung einer Fachtagung zum Thema „nachhaltig wild … Können Wildniskonzepte zu einer nachhaltigen Entwicklung beitragen?“ in Kooperation mit dem NP Bayerischer Wald, der Bayerischen Akademie für Naturschutz und Landschafspflege (ANL) und der Evang. Akademie Tutzing (EAT) im Oktober 2009 (Die Ergebnisse werden im Rahmen der Schriftenreihe der ANL publiziert).
  3. Durchführung eines internationalen Workshops auf der Internationalen Konferenz der Europäischen Gesellschaft für Humanökologie in Manchester, Juli 2009

Laufzeit:
02/2009 - 03/2011

Kooperationspartner*innen & Einrichtungen

Prof. Dr.-Ing. Sabine Hofmeister
Leuphana Universität Lüneburg, Fakultät Nachhaltigkeit
Institut für Nachhaltigkeitssteuerung (INSUGO), Lehr- und Forschungsgebiet Umweltplanung
Scharnhorststraße 1, D 21335 Lüneburg
Fon +49 (0) 4131.677 2950
hofmeister@uni.leuphana.de

Wissenschaftliche Mitarbeiterin:
Dr. rer. nat. Christine Katz