Selbstpräsentation, Präsentation und Moderation

Das Seminar „Selbstpräsentation, Präsentation und Moderation“ vermittelt in Kombination mit den weiteren Teilveranstaltungen des Moduls „Person und Interaktion“ die Fähigkeit einerseits sich selbst als Person beruflich wie privat optimal „in Szene zu setzen“, andererseits Themen so zu kommunizieren, dass die Zuhörer Spaß haben zu folgen, komplexe Inhalte verständlich werden und Ideen überzeugen.

Das Seminar setzt sich aus zwei Lehreinheiten zusammen. Frau Prof. Dr. Remdisch, Studiengangsleitung und Praxisdozentin Angela Delissen führen in einem anderthalbtägigen Besuch eines modernen Theater-Festivals in Hamburg die Studierenden zunächst in die abstrakte und innovative Welt des Schauspiels ein.

Zur Vorbereitung werden die Studierenden gebeten einen beliebigen privaten Gegenstand mitzubringen. Zunächst findet eine kurze Einführung in das Seminar statt. Dabei werden die Erwartungen der Studierenden für die kommenden Tage in dieser eher ungewohnten Lernumgebung festgehalten und erste Informationen zu diesem externen Lernort gegeben. Der weitere Verlauf des Tages steht ganz im Zeichen des „Beobachtens“. Die Bühnensituation schärft die Wahrnehmung und Selbstwahrnehmung der Zuschauenden und lehrt dabei, performative Prozesse zu verstehen, auch in alltäglichen und beruflichen Interaktionen. Nach zwei besuchten Theater-Aufführungen findet ein Nachgespräch mit den Künstlern in ungezwungener Umgebung zur Analyse der Stücke statt.

Der zweite Tag führt die Diskussion des Abends mit den Künstlern und Theater-Organisatoren fort. Im Fokus stehen die Fragen: „Was kann ich vom Theater lernen?“ und „Was kann ich wie in meinen eigenen Berufs-/Alltag integrieren?“ Durch intensive Textarbeit und das Beobachten der Textumsetzung auf der Bühne sowie durch den Austausch mit den professionellen Darstellern sollen die Studierenden deren Techniken kennenlernen und Ideen entwickeln, wie sie sie in angepasstem Maße für sich selbst anwenden können, um so die eigene Selbstpräsentation zu verbessern und an der Steigerung der Selbstwirksamkeit zu arbeiten. So erfahren die Studierenden beispielsweise, dass sich die Künstler zur Erschließung eines Stückes die Texte immer wieder laut gegenseitig vorlesen, um ein Gefühl für die Situation und die Stimmung zu entwickeln. Auch werden die Texte nicht vollständig auswendig gelernt, sondern ein Fokus auf das Verinnerlichen des Inhalts gesetzt. Anne Tews, Airbus-Mitarbeiterin und seit April 2014 Studentin des MBA  Performance Management, nimmt vor allem die Aussage „Man sollte die Stücke so lange ‚spielen' bis man sie ‚lebt'“ für sich mit und weiß, dass Präsentationen vor Kunden oder Kollegen keine auswendig gelernten Darstellungen des Inhalts, sondern vielmehr eine überzeugte und gelebte Illustration dessen sein sollten. Aber nicht nur fachliche Fragen tauchen dabei auf, sondern auch Gespräche zu ganz persönlichen Themen wie Lampenfieber und Texthängern, zum Theateralltag, den Proben und Aufführungen.

Mit einer heiteren und zugleich lehrreichen Aufgabe erhalten die Studenten in der zweiten Tageshälfte erste praktische Erfahrungen zur eigenen Selbstdarstellung: nach einiger Zeit des Probens wird unter Einbindung der mitgebrachten Gegenstände eine alltägliche Situation alleine oder in der Gruppe schauspielerisch dargestellt. Die zuvor theoretisch erlernten Theatertechniken werden angewandt: eine Gruppe greift auf die Pantomime als Einsatzmittel zurück, in einer anderen Darbietung wird eine bewusste Negation der Theatermittel vorgeführt, indem die Präsentierenden zeitweise mit dem Rücken zum Publikum stehen. Ziel ist, dass sich die Studierenden ihrer Macht des Erzeugens von Bildern und Geschichten im Kopf der Rezipienten bewusst werden.

Vor der eigentlichen Inszenierung notieren die Studierenden auf einem Plakat die Antworten zu einer Reihe von Fragen, die sie sich im Vorfeld und bei jeder Präsentation bewusst stellen sollen: wen stellt man dar?, welche Inhalte sollen transportiert werden?, wer wird angesprochen? und welche Zielsetzung wird verfolgt? Im Anschluss an die eigenen Präsentationen beantwortet die Gruppe diese Fragen auf Basis des Gesehenen. Konnten die Präsentationen mit den Theatermitteln den Inhalt aussagekräftig transportieren, stimmen Wahrnehmung der Rezipienten und Intention der Präsentierenden überein. Konstruktives Feedback von Seiten der Lehrenden und Kommilitonen schließt die Lehreinheit ab.

Der zweite Teil der Lehreinheit findet dann wieder in den Räumlichkeiten der Universität statt. Hierbei geht es darum mit Frau Dagmar Puchalla, Fachkoordinatorin des Bereichs Sprecherziehung in der Lehrerbildung der Leuphana und Sprechsporttrainerin, in kleinen Gruppen den richtigen Stimm- und Sprachgebrauch zu üben. In dieser Einheit lernen die Studierenden die wesentliche Rolle der Stimme bei Präsentationen verstehen und wie beispielsweise verschiedene Stimmlagen unterschiedliche Wirkungen und Resonanzen erzielen können.

Da sich die Stimme den Körper als Klangkörper zu Nutze macht, hat die Körpersprache einen entscheidenden Einfluss auf die Stimme. Daraus folgt, dass unter anderem eine aufrechte Körperhaltung und eine lockere Muskulatur eine optimale Voraussetzung für eine gesunde Stimme und ein gutes Sprechen sind.

Neben der verbalen Kommunikation (Wortwahl) setzen sich die Studierenden auch mit der paraverbale Kommunikation (zusätzliche Informationen neben der Wortwahl auf Basis der Atmung, dem Sprachtempo, etc.) sowie der nonverbale Kommunikation (Haltung, Gestik, Mimik) auseinander.  Die „fünf Funktionskreise des Sprechens“ die Intention, Respiration (Atmung), Phonation (Stimmgebung), Artikulation (Lautbildung) und Interpretation (Intonation, Modulation, Sprachtempo, Pausensetzung) sind fünf Parameter, die die Stimme und das Sprechen beeinflussen, wobei diese Parameter ebenfalls einen gegenseitigen Einfluss aufeinander ausüben. Im Seminar werden sie sowohl theoretisch als auch anhand verschiedener praktischer Aufgaben erörtert. So wird anhand von Zungenbrechern und in einer Gruppenübung, das deutliche Aussprechen und Artikulieren geschult. In einer weiteren Übung vergleichen die Studierenden ihre Aussprache im lockeren Sitzen auf einem Stuhl mit der Aussprache unter zurückgelehntem Oberkörper und erhobenen Beinen auf jenem Stuhl, wobei sie ihre Bauchmuskulatur deutlich anspannen müssen. Dies macht ganz plastisch deutlich, welche Auswirkungen die Körpersprache auf das Sprechen hat. Zudem werden einige praktische Tipps gegeben, beispielsweise zum „richtigen“ Getränk bei Reden und Präsentationen.

Key-Learnings am Ende der beiden Lehreinheiten, beziehen sich unter anderem auf das Schärfen des Wahrnehmens, Beobachtens und Reflektierens einer beliebigen Situation im Alltag oder Beruf sowie des Bedienens von stilistischen Mitteln, wie dem Übertreiben oder des Beschränkens der eigenen Kommunikation auf das Wesentliche. Mithilfe verschiedener Übungen und der richtigen Körpersprache kann die Stimme optimal eingesetzt werden – was in Anbetracht dessen, dass sozialpsychologische Untersuchungen belegen, dass der Körpersprache und Stimme 93 % der Kommunikation zugeschrieben werden, dem Inhalt nur 7 % – dem im Seminar Gelernten in der alltäglichen beruflichen Praxis eine enorme Relevanz zukommt.  

Fortgeführt wird das Thema übrigens im zweiten Studiensemester durch die Blended Learning Veranstaltung „Persuasive Presentations“, in der eine Übertragung auf die englische Sprache erfolgt und Hinweis gegeben werden, was überzeugendes Präsentieren im internationalen Kontext ausmacht.